II. Tabellen zur Berechnung der Analysen 585

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$Einleitung.$

Die gesammte chemische Analyse zerfällt, wie wir in der Einleitung

zum ersten Theile dieses Werkes gesehen haben, in die $qualitative$

und in die $quantitative$ Analyse. Die Aufgabe der ersteren ist, wie

am angeführten Orte bereits erwähnt wurde, die Erforschung der Art,

die Aufgabe der letzteren die Ermittelung der $Menge$ der einzelnen

Bestandtheile eines zusammengesetzten Körpers.

Die qualitative Analyse führt zum Ziele, indem sie uns lehrt, die

unbekannten Bestandteile in schon bekannte Formen überzuführen, so dass

wir aus diesen sichere Schlüsse auf jene zu machen im Stande sind. Die

quantitative Analyse erfüllt ihre Aufgabe in der Regel (die Ausnahmen,

welche namentlich bei Maassanalysen und indirecten Bestimmungen

stattfinden, sollen erst später besprochen werden), wenn sie uns die

Mittel und Wege angiebt, die ihrer Art nach bekannten Bestandtheile

in Formen oder Verbindungen zu bringen, welche erstens eine möglichst

scharfe Quantitätsbestimmung zulassen und die ferner in Bezug auf das

Mengenverhältniss ihrer Bestandteile aufs Genaueste bekannt sind.

Diese Formen oder Verbindungen der Körper, welche sich den angegebenen

Eigenschaften zufolge zur Quantitätsbestimmung eignen, sind entweder

$Educte$ aus der analysirten Verbindung oder dem zerlegten Gemenge, oder

es sind $Producte.$ Im ersteren Falle ist das gefundene Gewicht des

educirten Bestandtheiles der directe Ausdruck der Menge, in welcher er

in dem untersuchten Körper enthalten war, im anderen Falle ergiebt sich

uns die wirkliche Menge des in einer neuen Verbindung abgeschiedenen

Bestandtheiles (die Quantität, in welcher er im untersuchten Körper

ursprünglich enthalten war) nicht direct, sondern erst durch eine

einfache Rechnung. Ein Beispiel diene zur Erläuterung.

Gesetzt, wir wollten im Quecksilberchlorid die Menge des Quecksilbers

bestimmen, so könnten wir dieses erstens, indem wir aus der Lösung

des Quecksilberchlorids das Quecksilber z. B. durch Zinnchlorür

regulinisch ausfällten; wir könnten es ferner, indem wir die Lösung mit

Schwefelwasserstoff niederschlügen und das gefällte Quecksilbersulfid

dem Gewichte nach bestimmten. 100 Theile Quecksilberchlorid bestehen

aus 73,83 Quecksilber und 26,17 Chlor; bei absolut genauer Ausführung

müssen wir demnach durch Fällung mit Zinnchlorür von 100 Theilen

Quecksilberchlorid 73,83 Th. metallisches Quecksilber erhalten; bei

gleich genauer Ausführung der anderen Methode würden wir von derselben

Menge Quecksilberchlorid 85,638 Th. Quecksilbersulfid bekommen. Im

ersteren Falle finden wir demnach die Zahl 73,83 (das ist die Menge

des Quecksilbers, welche in der zur Analyse verwendeten Quantität

Quecksilberchlorid enthalten war) direct, im zweiten Falle müssen wir

sie erst durch die folgende einfache Gleichung ermitteln: 100 Th.

Quecksilbersulfid enthalten 86,213 Quecksilber, wie viel enthalten

85,638 Th.; -- x = 73,83. --

Als unumgänglich nothwendige Eigenschaften der Formen und Verbindungen,

welche zur Quantitätsbestimmung dienen sollen, sind also festzuhalten,

dass sie erstlich genaues Wägen zulassen und dass sie ferner ihrer

Zusammensetzung nach bekannt sind. Fehlt jene Eigenschaft, so ist genaue

Ausführung der Analyse an und für sich unmöglich, fehlt diese, so

mangelt, im Falle man mit producirten Verbindungen zu thun hat, der zur

Aufstellung der Rechnung nothwendige Ausgangspunkt. --

Der Begriff und die Aufgabe der quantitativen Analyse wäre nunmehr

festgestellt, ebenso die Art, auf welche sie im Allgemeinen ihre Aufgabe

erfüllt. Ehe wir weiter gehen, müssen vor Allem die Eigenschaften in

Betracht gezogen werden, welche denen zukommen müssen, die quantitativen

Analysen mit Erfolg obliegen wollen. Diese Eigenschaften sind von

dreierlei Art; erstens nämlich werden theoretische Kenntnisse, zweitens

manuelle Geschicklichkeit und drittens strenge Gewissenhaftigkeit

erfordert.

Was nun zuerst das $Wissen$ betrifft, so muss zu den Vorkenntnissen,

welche wir als zum Studium der qualitativen Analyse erforderlich

anführten, das Innehaben dieser letzteren hinzukommen. Fügen wir alsdann

noch einige Gewandtheit in der Ausführung einfacher Rechnungen bei,

so haben wir die Summe der zum Beginn des Studiums der quantitativen

Analyse nöthigen Vorkenntnisse. Sie befähigen uns, im Verlaufe

desselben die Methoden kennen und verstehen zu lernen, nach welchen

Körper ihrem Gewichte nach bestimmt oder geschieden werden, -- sie

machen es uns möglich, die Berechnungen auszuführen, durch welche wir

aus den analytischen Resultaten die Zusammensetzung der Verbindungen

nach Aequivalenten finden können und durch die wir andererseits die

Richtigkeit der angewendeten Trennungsmethoden zu prüfen, die gefundenen

Resultate zu controliren vermögen.

$Mit dem Wissen muss das Können sich vereinigen.$ -- Dieser Satz gilt

im Allgemeinen bei den gesammten angewandten Wissenschaften; wenn er

aber bei irgend einer insbesondere hervorgehoben zu werden verdient, so

ist es bei der quantitativen Analyse der Fall. Mit den gründlichsten

Kenntnissen ausgerüstet, ist man nicht im Stande zu bestimmen, wie viel

Kochsalz in einer Lösung ist, wenn man nicht eine Flüssigkeit aus einem

Gefäss in ein anderes giessen kann, ohne dass etwas wegspritzt oder ein

Tropfen am Rande des Gefässes hinabläuft u. s. w. -- Die Hand muss sich

die Fähigkeit erwerben, die bei quantitativen Analysen vorkommenden

Operationen mit Umsicht und Geschick auszuführen, eine Fähigkeit, welche

einzig und allein durch praktische Uebung erworben werden kann. --

$Das Wissen und Können muss das Wollen, das redliche Streben nach der

Wahrheit, die strengste Gewissenhaftigkeit ergänzen.$ -- Jeder, der sich

nur einigermaassen mit quantitativen Analysen beschäftigt hat, weiss,

dass sich, besonders am Anfange, zuweilen Fälle ereignen, in denen man

Zweifel hegt, ob das Resultat genau ausfallen wird, oder in denen man

gewiss ist, dass es nicht sehr genau ausfallen kann. Bald ist ein wenig

verschüttet worden, bald hat man durch Decrepitation einen Verlust

erlitten, -- bald zweifelt man, ob man sich im Wägen nicht geirrt habe,

-- bald stimmen zwei Analysen nicht recht überein. In solchen Fällen

handelt es sich darum, dass man die Gewissenhaftigkeit habe, die Arbeit

alsobald noch einmal zu machen. Wer diese Selbstüberwindung nicht hat,

wer Mühe scheut, wo es sich um Wahrheit handelt, wer sich auf schätzen

und muthmassen einlässt, wo es die Erlangung positiver Gewissheit gilt,

dem muss Fähigkeit und Beruf zur Ausführung quantitativer Analysen

ebenso gut abgesprochen werden, als wenn es ihm an Kenntnissen oder

Geschicklichkeit gebräche. Wer seinen Arbeiten selbst nicht volles

Vertrauen schenken, wer auf seine Resultate nicht schwören kann, der mag

immerhin zu seiner Uebung analysiren, nur hüte er sich, seine Resultate

als sicher zu veröffentlichen oder anzuwenden, es dürfte ihm nicht zum

Vortheil, der Wissenschaft aber würde es nur zum Nachtheil gereichen.

Fragen wir nun, mit welchen Körpern sich die quantitative Analyse

beschäftige, so können wir, abgesehen davon, dass in der vorliegenden

Anleitung nur die in der Pharmacie, den Künsten, Gewerben und der

Landwirthschaft vorkommenden Stoffe berücksichtigt werden, allgemeinhin

antworten, sie beschäftige sich mit Allem, was überhaupt körperlich sei.

Will man aber eintheilen, so kann man, ohne die Materie specieller ins

Auge zu fassen, sagen, sie beschäftige sich einerseits mit der Analyse

von gemengten Substanzen, andererseits mit der Zerlegung chemischer

Verbindungen. So unbegründet diese Eintheilung auch auf den ersten

Blick erscheinen mag, so muss sie doch festgehalten werden, wenn wir

uns von dem Werthe und Nutzen der quantitativen Analyse ein klares

Bild verschaffen wollen; sie muss es um so mehr, da in den beiden

Fällen der Zweck der Analyse ein verschiedener ist, da in beiden die

Richtigkeit der Analysen auf verschiedene Art controlirt wird, und

da die quantitative Analyse im einen Falle, man kann so sagen, in

der Regel der Wissenschaft, im anderen Falle aber im Durchschnitt

Zwecken des Lebens dient. Analysire ich z. B. die Salze einer Säure,

so kann ich aus den Resultaten die Constitution der Säure, ihr

Mischungsgewicht, ihre Sättigungscapacität u. s. w. finden, oder mit

anderen Worten, ich kann eine Reihe von Fragen beantworten, welche für

die Theorie von Wichtigkeit sind. Analysire ich hingegen Schiesspulver,

Metalllegirungen, gemengte Arzneimittel, Pflanzenaschen u. s. w., so

ist mein Zweck ein anderer, ich will alsdann durch meine Resultate

keine theoretischen Fragen der Chemie lösen, sondern ich strebe danach,

entweder Künsten und Gewerben, oder auch anderen Wissenschaften einen

Dienst zu leisten. Will ich meine Resultate einer Controle unterwerfen,

so kann ich im ersten Falle meistens den Weg der stöchiometrischen

Berechnung wählen, im letzteren aber müssen die Resultate durch

Wiederholung der Analyse Bestätigung erhalten.

Wenn wir das eben Angeführte richtig erwägen, so muss uns die

ausserordentliche Wichtigkeit der quantitativen Analyse klar vor

Augen treten, es muss uns deutlich werden, wie sie die Chemie erst

zur Wissenschaft gemacht hat, indem sie uns die Ausgangspunkte, zur

Ermittelung der Gesetze bot, nach welchen sich die Elemente vereinigen

und umsetzen. Die ganze Stöchiometrie ist auf ihre Resultate gegründet,

alle rationellen Ansichten über die Constitution der Verbindungen

stützen sich darauf, als auf die einzige feste und sichere Basis. --

Für die Chemie als Wissenschaft ist sonach die quantitative Analyse

der stärkste und mächtigste Hebel, für die Chemie in ihrer Anwendung

auf das Leben, auf andere Wissenschaften, Künste und Gewerbe ist sie

es in nicht geringerem Grade. Dem Mineralogen giebt sie Aufschluss

über die wahre Natur der Mineralien, sie giebt ihm Haltpunkte zur

Erkennung und Eintheilung derselben; dem Physiologen ist sie ein

nicht zu entbehrendes Hülfsmittel; der Landwirthschaft wird daraus,

Niemand kann daran zweifeln, in kurzer Frist unberechenbarer Vortheil

erwachsen. Der Nutzen, den sie der Medicin, der Pharmacie und Technik

direct und indirect gewährt, bedarf am wenigsten der Auseinandersetzung.

-- Jede Wirkung aber hat ihre Gegenwirkung. Die quantitative Analyse

gab der Stöchiometrie ihre Begründung, die stöchiometrischen Gesetze

aber geben uns ein Mittel ab, die Resultate der Analysen auf eine

Weise zu controliren, wodurch sie erst den Grad von Zutrauen erhalten

konnten, welchen wir ihnen jetzt in den meisten Fällen zu schenken

berechtigt sind. -- Die quantitative Analyse förderte die Industrie,

dafür erhalten wir jetzt Platin-, Glas-, und Porzellan-Gefässe u. s. w.

von einer Vollkommenheit und Zweckmässigkeit, ohne welche eine so

genaue Ausführung chemischer Analysen, wie wir sie jetzt gewohnt sind,

ausserordentlich schwierig, um nicht zu sagen unmöglich wäre.

So sehr aber auch hierdurch die quantitative Analyse erleichtert wird,

so bleibt sie immerhin ein sehr zeitraubendes Geschäft, besonders da man

von Anfang bei ihrer Ausführung nicht Vielerlei zugleich vornehmen kann,

ohne die Genauigkeit des Resultats mehr oder weniger zu beeinträchtigen.

Jedem, der sich mit ihrer Erlernung beschäftigen will, rathe ich daher,

sich mit einem gehörigen Vorrath von Geduld zu wappnen, damit sie ihm

auf dem Wege alsdann nicht mangle.

Die Erwerbung der nothwendigen Sicherheit in der quantitativen Analyse,

die Aneignung des unentbehrlichen, auf erhaltene Resultate gegründeten

Selbstvertrauens ist ein Ziel, welches nicht stürmend erreicht werden

kann, sondern zu dem man nur allmälig und Schritt vor Schritt gelangt.

-- So mechanisch und somit ermüdend und langweilig nun aber auch die

Ausführung in der Regel erscheinen mag, so lohnend sind gute Resultate,

so unangenehm freilich andererseits ungenaue. Wer sich daher das

Studium der quantitativen Analyse zu einem nach Möglichkeit angenehmen

machen will, der bestrebe sich, durch strenges, fast scrupulöses

Einhalten aller Bedingungen, gleich von Anfang, wenn auch mit grösserem

Zeitaufwande, gute Resultate zu erhalten. Ich kenne kaum einen aus

praktischen Arbeiten unmittelbar hervorgehenden Lohn, welcher angenehmer

wäre als der, recht übereinstimmende Analysen, recht genaue Resultate

zu erhalten. Sie tragen ihren Lohn in sich und sind, selbst abgesehen

von den dadurch zu erreichenden Zwecken, eine schöne Genugthuung für die

verwendete Zeit und Mühe.

Die Körper, mit denen wir uns in dieser Anleitung beschäftigen werden,

sind folgende:

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 46 / 749 题