GEWIDMET.

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Vorrede zur ersten Auflage.

Das Studium der Chemie hat in der neueren Zeit eine von der früherer

Decennien wesentlich verschiedene Richtung angenommen. -- Während man es

sonst für ausreichend hielt, den Jüngern der Chemie bei dem Unterrichte

die $Resultate$ der Wissenschaft mitzutheilen, verwendet man jetzt die

grösste Sorgfalt darauf, dieselben $auch mit den Methoden$ vertraut zu

machen, nach denen die Resultate gefunden wurden, und mittelst welcher

man neue zu gewinnen vermag.

Diesem Umstande verdanken die für den praktischen Unterricht bestimmten

Laboratorien ihr Entstehen, und ihr Emporblühen beweist die Richtigkeit

des Princips.

Seit man dasselbe beim Unterrichte aufstellte, seit die Schüler der

Chemie nicht nur in den Hörsälen, sondern auch in den Laboratorien

gebildet werden, fing die Chemie an, die Bedeutung für das Leben zu

gewinnen, welche ihr zukommen muss; denn das Wissen allein war ein

todtes Capital, sobald sich aber die Kenntniss hinzugesellte, wie man

es anwendet und nutzbar macht, gewann es Leben und Bewegung, und trug

reiche und herrliche Früchte.

Das Studium der praktischen Chemie umfasst vornehmlich drei Gebiete:

Die $qualitative Analyse$, die $quantitative Analyse$ und die

$Darstellung chemischer Präparate$.

Alle chemischen Arbeiten, grosse wie kleine sind zusammengesetzt aus

einzelnen Arbeiten, welche einem dieser Gebiete angehören.

Es konnte nun nicht fehlen, dass mit dem veränderten Gesichtspunkte

auch die Methoden des Unterrichts in der praktischen Chemie sich ändern

mussten; denn während früher ein Lehrer einen oder zwei Schüler hatte,

die er unter seinen Augen operiren oder an seinen eigenen Arbeiten Theil

nehmen liess, handelt es sich jetzt darum, dass $ein$ Lehrer $viele$

Schüler überwacht, und dass diese bei dem Unterrichte Vieles und Viel

mit möglichst geringem Zeitaufwande erlernen. -- Dieser Zweck wird aber

am sichersten erreicht, wenn man die Erlernung in Bezug auf Reihenfolge

und Auswahl des Einzelnen nicht dem Zufalle überlässt, sondern den

Unterricht im Allgemeinen wie im Besonderen nach systematischem

Plane anordnet. So macht man jetzt beim praktischen Unterrichte

fast überall mit der qualitativen Analyse den Anfang und lässt dann

Präparatendarstellung und quantitative Analyse folgen, -- so lässt man

in der qualitativen Analyse nicht, wie früher, von vornherein unbekannte

Verbindungen untersuchen, sondern von dem Lehrer selbst gemischte oder

demselben in Bezug auf ihre Bestandteile aufs Genaueste bekannte, und

zwar erst einfache, dann zusammengesetztere bis zu den schwierigsten in

consequenter Reihenfolge.

Um den Unterricht, wie die Selbstbelehrung in der chemischen Analyse im

eben erwähnten Sinne zu erleichtern, schrieb ich meine "$Anleitung zur

qualitativen chemischen Analyse$". Die gute Aufnahme, welche derselben

geworden ist, schien mir zu beweisen, dass ich meinen Zweck nicht ganz

verfehlt habe. -- In gleicher Absicht lege ich jetzt dem Publicum eine

"$Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse$" vor. -- Dieselbe

reiht sich ihrem ganzen Plane nach der erstgenannten Schrift (mit deren

dritter Auflage sie in Betracht äusserer Ausstattung ganz übereinstimmt)

als $zweiter Theil$ an, so dass beide zusammen eine vollständige

Anleitung zur einfacheren chemischen Analyse enthalten. Eben so gut

aber kann sie auch als für sich verständliches, selbstständiges Ganzes

gelten, wenn man davon absieht, dass zur Vermeidung von Wiederholungen,

bei den Capiteln über Operationen und Reagentien das darüber in der

"qualitativen Analyse" Gesagte hier als bekannt vorausgesetzt wurde.

Bei der Ausarbeitung der vorliegenden Schrift hatte ich einerseits im

Auge, sie zu einem geeigneten Leitfaden beim praktischen Unterrichte in

den chemischen Laboratorien zu machen, andererseits aber sollte sie auch

denjenigen jungen Chemikern, welche (wie z. B. ein grosser Theil der

Pharmaceuten) auf Selbstbelehrung angewiesen sind, ein treuer Führer

und Rathgeber bei ihren Arbeiten sein und ihnen den Mangel des Lehrers

so viel als möglich ersetzen.

Um meine doppelte Absicht zu erreichen, musste Manches, namentlich

die Lehre von den Operationen, mit einer Ausführlichkeit behandelt

werden, welche vielleicht nicht nothwendig gewesen wäre, wenn ich nur

den ersten Zweck im Auge gehabt hätte. -- Im Allgemeinen blieb ich den

Grundsätzen getreu, welche ich bei meiner "Anleitung zur qualitativen

Analyse" einhielt, d. h. ich strebte darnach, das Wichtigere von dem

minder Wichtigen zu sondern und durch Consequenz, klare Darstellung

und passende theoretische Erläuterung die Uebersicht über das ganze

Gebiet, wie das Verständniss des Einzelnen nach Möglichkeit zu

erleichtern. Um aber das Werkchen nicht nur in Hinsicht auf Methodik

und Darstellung, sondern auch in Betreff seines reellen und praktischen

Werthes möglichst auszuzeichnen, war ich genöthigt, eine grosse Anzahl

eigener Experimentaluntersuchungen zu machen, denn ich fand häufiger,

als ich geglaubt hatte, dass die in den Büchern niedergelegten Angaben

mit der Wahrheit im Widerspruche waren. Alle einzelnen Methoden selbst

experimentell zu prüfen, war mir natürlich unmöglich, getrost und

zuversichtlich aber darf ich sagen, dass ich bei weitem die meisten

Angaben nach eigener Erfahrung machte.

Bei der Anordnung bin ich einem neuen, in dem Buche selbst motivirten

Plane gefolgt. Derselbe ist so natürlich und einfach, und der

Zusammenhang unter den einzelnen Theilen so leicht verständlich, dass

ich es für unnöthig erachte, hier noch besonders darauf einzugehen.

Was die in dem Buche angenommenen Aequivalentzahlen betrifft, so habe

ich mit grösster Sorgfalt darnach gestrebt, bei den mit abweichendem

Resultat bestimmten eine möglichst gute Wahl zu treffen. Es war

ferner nothwendig, sehr viele aus den ursprünglichen Versuchen neu

zu berechnen, z. B. die des Magnesiums, Mangans, Phosphors, Nickels,

Kobalts, Golds, Platins, Fluors, Arsens und vieler anderen, weil

inzwischen die Aequivalente der Körper berichtigt worden sind, die

bei jenen Bestimmungen zu Hülfe genommen wurden, namentlich die

des Schwefels, Chlors, Quecksilbers etc. -- Ich habe zu meiner

Rechtfertigung in der Tabelle I. die Gewährsmänner der angenommenen

Zahlen genannt und im Anhang die von mir ausgeführten Rechnungen

beigefügt.

Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass sämmtliche Tabellen neu berechnet

werden mussten. Ich kann die Versicherung geben, dass jede Zahl doppelt

berechnet worden und auf die Correctur die grösste Sorgfalt verwendet

worden ist.

Und somit übergebe ich mein Buch. Möge es dazu beitragen, die für alles

tiefere und gründlichere Eindringen in die Chemie so unentbehrliche

quantitative Analyse zum Gemeingut eines grösseren Publicums zu machen,

-- möge es namentlich auch den Pharmaceuten, Technikern und Landwirthen,

für welche ich das Buch vornehmlich bestimmt habe, die Schwierigkeiten

überwinden helfen, welche sich gleich beim Eingange in das für sie so

wichtige Gebiet wirklich und scheinbar entgegenstellen, und möge es

somit für die Chemie überhaupt den Nutzen stiften, den zu erreichen ich

redlich bestrebt war.

$Wiesbaden$, im Januar 1846.

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Vorrede zur zweiten Auflage.

Bei der Herausgabe der zweiten Auflage meiner "Anleitung zur

quantitativen chemischen Analyse" habe ich nicht Ursache gefunden, von

den früher befolgten Principien abzuweichen. -- Das Buch in seiner

jetzigen Gestalt ist daher in der Hauptsache ein unveränderter Abdruck

der ersten Auflage. Veränderungen habe ich nur da vorgenommen, wo sich

in Folge neuer Untersuchungen frühere Angaben mit Gewissheit verbessern

liessen. Sie beziehen sich jedoch nur auf Einzelnheiten, z. B. auf die

Atomgewichte des Chroms und Goldes, auf die Bestimmung des Kobalts etc.

$Wiesbaden$, im November 1846.

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Vorrede zur dritten Auflage.

In dem kurzen Zeitraume, welcher zwischen dem Erscheinen der beiden

ersten Auflagen der vorliegenden "Anleitung zur quantitativen chemischen

Analyse" lag, war auf dem Gebiete der analytischen Chemie nur wenig

Neues zu Tage gefördert worden, und es konnte daher die zweite Auflage

ein fast unveränderter Abdruck der ersten sein. -- Zwischen der zweiten

und dritten Auflage aber liegen sechs Jahre und zwar für die chemische

Analyse in hohem Grade fruchtbringende. Es fallen in sie nicht allein

die zahlreichen und wichtigen Arbeiten H. $Rose$'s, welche derselbe zum

Zwecke der Herausgabe seines klassischen Werkes "Ausführliches Handbuch

der analytischen Chemie" angestellt hat, sondern auch sehr viele und

bedeutende Anderer; wie sich denn die Zahl der Kräfte überhaupt sehr

gemehrt hat, die zur gemeinsamen Förderung aller Zweige der Chemie

thätig sind. -- Von besonderer Wichtigkeit für den genannten Zeitraum

war namentlich noch der Aufschwung, welchen die Maassanalyse während

desselben genommen hat. Benutzte man auch früher maassanalytische

Methoden, so standen solche doch ziemlich vereinzelt da und wurden

mehr bei technischen Gehaltsbestimmungen als bei wissenschaftlichen

Untersuchungen angewandt, -- während jetzt das Streben der Zeit dahin

geht, auch bei letzteren mit Hülfe der Maassanalyse, unbeschadet

der Genauigkeit, ungleich rascher zum Ziele zu kommen, als dies bei

Anwendung gewichtsanalytischer Bestimmungsmethoden möglich ist.

Aus dem Gesagten ergiebt sich leicht, dass vorliegende dritte Auflage

gänzlich umgearbeitet werden musste, um den Fortschritten der

Wissenschaft und ihrem gegenwärtigen Standpunkte zu entsprechen. Die

Umarbeitungen, Vermehrungen und Verbesserungen beziehen sich auf

alle Theile des Buches. Ueberall habe ich durch strenge Sichtung und

praktische kritische Prüfung die zuverlässigen Methoden zu unterscheiden

gesucht von den ungenauen und unpraktischen. Vielfach unterstützt wurde

ich bei dieser mühsamen und langwierigen Arbeit durch die Assistenten

und Schüler meines Laboratoriums.

Wesentlich erweitert habe ich den $speciellen Theil$ des Buches durch

Hinzufügung genau dargelegter Verfahrungsweisen zur Analyse solcher

Mineralien und technischen Producte, welche besonders häufig Gegenstand

chemischer Untersuchung werden, sowie zur Analyse der Düngerarten. Ich

habe dies gethan, um auch dem praktischen Bedürfnisse der Fabrikanten,

der Berg- und Hüttenleute, sowie der Landwirthe nach Möglichkeit zu

genügen.

Was die chemischen Aequivalente anbetrifft, so habe ich mich eifrig

bemüht, die wahren Werthe derselben mit Hülfe der darüber erschienenen

neueren Arbeiten aufs Genaueste festzustellen; auch wurden -- da sich

dies ohne alle Volumvermehrung des Buches thun liess -- neben die

sich auf Sauerstoff = 100 beziehenden Zahlen, die auf Wasserstoff = 1

bezüglichen gesetzt, auf dass nunmehr Jeder diejenigen gebrauchen kann,

welche ihm die geeigneteren scheinen oder an welche er gewöhnt ist.

Die Tabellen sind alle -- soweit nöthig -- neu berechnet und mit der

grössten Sorgfalt controlirt und corrigirt.

$Wiesbaden$, im October 1853.

Dr. R. $Fresenius$.

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Inhalt.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 8 / 749 题