=Friederike=: Warum sind Sie traurig, lieber Herr Lenz? Machen Sie doch
eine muntere Miene. Sehen Sie: ich bin so fröhlich. Kann ich denn etwas
dafür, daß ich guter Laune bin? Nehmen Sie mir das übel? Nehmen Sie mir
übel, daß ich nicht trüb und mißgestimmt sein mag? Wie kommt mir nur
heute die Welt so schön vor. Ihnen nicht?
=Lenz=: Ich kann es nicht mehr aushalten. Ich muß hinaus. Schnell. Sie
sind glücklich, Sie sind göttlich. Um so elender bin ich. Wenn ich Sie
so schön sehe, muß ich Sie beim Kopf nehmen und küssen, und das wollen
Sie nicht, das werden Sie nie wollen, nie wünschen. Wir sind nicht für
einander. Ich bin für nichts auf der Welt.
=Friederike=: Warum nur gleich so den ganzen Mut sinken lassen. Sie
können mir recht weh tun. Sie könnten mir eine wahre Lust schenken, wenn
Sie sich ein wenig wohlbefinden wollten, aber das wollen Sie nicht.
=Lenz=: Ich kann nicht.
=Friederike=: Ja, gehen Sie. Gehen Sie hinaus. Lassen Sie mich. Es ist
besser.
=Lenz=: Wissen Sie, wie ich Sie liebe? Wie ich Sie vergöttere?
=Friederike=: Das hätten Sie nicht nötig gehabt zu sagen. Hier kommt
Goethe. Weiß Gott, es nimmt mich, es reißt mich, wie ich diesen lieben
Menschen sehe.