Eigentlich kann man nicht sagen, daß Kotzebue Unvergängliches geschaffen
hat, obgleich man doch seinen kotzebutzlichen katzlichen Namen auch
heute noch hin und wieder nennt. Es ist mit Berühmtheiten, vielmehr
Unsterblichkeiten, wie Kotzebue eine ist, ein seltsames Ding. Ich
persönlich, das heißt: still für mich, stelle mir vor, daß Kotzebue
entsetzlich gewesen ist. Er bestand nicht aus Knochen und anliegendem
zähen oder weichlichem Fleisch, nein, er war Asche. So blies man zum
Beispiel: und weg war Kotzebue. Kotzebue hat einer stets dankbaren und
freundlich-anhänglichen Nachwelt seine massiven, sämtlichen, gepreßten,
gedruckten, in Kalbsleder gebundenen, gekotzten und gebutzten Werke
hinterlassen, und dennoch, so darf man sich wohl erdreisten, zu sagen,
wird er kaum noch je wieder gelesen. Die ihn lesen, müssen erblassen,
und die ihn nicht lesen, scheinen nicht viel zu verlieren, indem sie ihn
ignorieren. Immerhin ist er ein Biedermann. Sein Gesicht war ganz
verkrochen und verborgen in einem ungeheuerlich großen und kühnen
Rockkragen. Einen Hals hatte Kotzebue gar nicht. Seine Nase war lang,
und was seine Augen betrifft, so glotzten sie. Er hat zahlreiche
Lustspiele geschrieben, die mit glänzendem Kassensturzerfolg während der
Zeit, da Kleist verzweifelte, aufgeführt worden sind. Im allgemeinen,
das muß man ihm lassen, hat er saubere Arbeit geliefert. Wenn man in
Kotzebues Nähe trat, so kutzelte und kotzelte es ganz bedenklich, und
diejenigen Mitmenschen und Zeitgenossen, die mit ihm zu tun hatten,
schämten sich unwillkürlich, daß sie lebten. So und nicht anders war es
rund um Kotzebue, der denn auch, wie wir hoffen, zu den Heroen der
deutschen Geisteswelt gerechnet werden darf, wie so mancher andere, der
ein ebenso seltsamer Kotzebukauz war wie er. Wenn ich nicht ganz vom
Irrtum befangen bin, war er in Weimar tätig. Wo er aber erzogen worden
ist, und wer ihm sein bischen Bildung eingeimpft hat, das wissen die
Götter. Die Götter wissen alles. Die Großherzigen, die Gütigen! Sie
wissen sogar über einen Kotzebue Bescheid. Kotzebue hat die Götter in
jeder Beziehung beleidigt, und zwar durch nichts andres als einzig und
allein schon dadurch, daß er sich einbildete, er habe die Pflicht, sich
für was Bedeutendes zu halten. Ein dummer Mensch, der Sand hieß, glaubte
in seiner Blindheit, die Welt von Kotzebue befreien zu sollen und schoß
ihm eine Kugel durch den Schädel. So endete Kotzebue.