Zweite Abtheilung.“

Ein Portrait.

Im Traum erschien mir neulich ein furchtbarer Riese. Eines seiner Beine

war der Thurm des Straßburger Münsters, das andere der von St. Stephan

zu Wien. Seine Uniform war himmelblau und an der linken Brust trug er

die Venus und den Uranus, an der rechten drei Cometen. Sein Kopf war

weiß gepudert, als sey es der eines Oberkammerherrn, und wie ich näher

hinsah, war besagter Kopf nur der Tschimborasso.

Da streckte er die Finger aus, das waren die Strahlen des Nordlichts,

und aus den feurigen Farben fiel ein glühender Funke herab und wirbelte

nieder aus ungemeßner Höhe, und wie ich ihm voll Entsetzen mit den

Augen folgte, so ward er bald größer, bald kleiner, gleich einem

Irrlichte, bis er endlich die Form eines Menschen annahm.

Wie das unbestimmte Wesen endlich vor mir stand -- da war es der

Teufel, und wir wurden bald recht gute Freunde. Doch mein Himmel! wie

ganz anders ist dieser beschaffen, als man sich ihn vorstellt. -- Nur

der verewigte +Hauff+, der ebenfalls sehr mit ihm liirt war, hat

uns irgend eine vernünftige Auskunft über ihn gegeben. Ich stellte ihn

nachher, als er mir schon ganz alltäglich geworden war (denn der Mensch

gewöhnt sich an alles) einer sehr liebenswürdigen Dame von meiner

Bekanntschaft vor, mit der er dann, wenn mich nicht alles trügt, noch

intimer wurde, als mit uns Beiden. Neulich fand ich nun, von ihrer Hand

auf drei mit Nadeln an einander gesteckte Zettelchen geschrieben, eine

Schilderung meines guten Freundes, die von ihrem Schreibtisch gefallen

war. Die weibliche Naivität derselben entzückte mich. Hier die treue

Abschrift:

„Ach! -- Satanas ist weder häßlich, noch trägt er Hörner. Auch ist

er durchaus nicht mit einem.... wenigstens mit keinem Pferdefuße

behaftet. Derselbe ist im Gegentheil sehr wohlgewachsen, lang,

schmächtig, von sehr geschmeidiger Gestalt, und seine Gliedmaßen alle

von der schönsten Proportion. Ach! hierin fehlt ihm nichts. Sein Auge

funkelt wie ein Stern und wechselt alle Augenblick. Eben so belebt,

voller Ausdruck und Veränderlichkeit ist seine ganze Physiognomie.

Im ruhigen Zustande erscheint sie oft schwermüthig, wie die eines

Dichters. Zornig sah ich ihn nie, gewöhnlich sieht er freundlich und

gutmüthig aus, zuweilen gar schwärmerisch, immer aber doch klug und

verschmitzt. Er gebehrdet sich äußerst anständig, erröthet wie ein

Mädchen, wenn es Noth thut, und weint mit Leichtigkeit. Sein Haar ist

mit höllischem Rabenschwarz gefärbt, nur +ein+ rothes habe ich

bemerkt, an der linken Seite seines Stutzbärtchens, das sich gar nicht

vertilgen läßt. Die Farbe seines Gesichts ist blaß, doch die Haut

sehr fein und eben. Schmale Lippen, weiße Zähne, lange, zarte Finger,

feine Füße. In der Kleidung ist er einfach, aber mit recherchirter

Nachläßigkeit. -- Dieses interessante Aeußere gehört gewiß zu seinen

großen Listen, und da er so unbefangen und anmuthig damit umher zu

schwänzeln weiß, bald mit vornehmen, bald mit herablassenden Mienen, so

merkt, wie +ich+ wohl gewahr werde, das alberne Schaafgeschlecht

der Menschenkinder, welches nichts andres, als einen Greuel und Spuk in

ihm sucht, niemals, mit wem es zu thun hat.

Am sichersten wäre er aber doch daran zu erkennen, daß er das garstige

Höhnen selten, das Foppen aber nie lassen kann -- und doch leider

auch dabei nur einen steten Werber für seinen eignen Dienst abgiebt.

Seine Talente sind außerordentlich, man kann sichs wohl denken! sein

Witz unerschöpflich, seine unverschämte Blödigkeit aber besonders

unnachahmlich.

Er ist ein unwiderstehlicher Meister in Vorspiegelungen und

Ueberredung. Auch hält er gern Vorlesungen, besonders liest er den

Götheschen Faust vortrefflich. Daß er das Incognito über Alles liebt,

wird man leicht begreifen; große Herren sind nicht gern genirt. Das

irdische Leben zu genießen weiß er wie Keiner. Wenn er dabei Nüsse

knackt, speist er sie gewöhnlich allein und wirft die Schaalen den

andern an die Nase, findet jedoch immer eine gute Entschuldigung dafür.

Alles, was ihm nahe kömmt, sucht er zu verführen, besonders das schöne

Geschlecht, der Verräther! wobei es doch scheint, daß er selbst --

das Sündigen immer noch mehr als die Sünde liebt. Wenn er sich aber

erst in die Herzen recht zu schleichen und einzunisten gewußt hat,

so daß er nicht mehr herauszubringen ist, -- dann paradirt er mit

Indifferentismus, spielt den englischen Dandy und sinnt nur auf neue

Maleficien. Ach!“

Soweit die junge Dame.

Aus eigner Beobachtung und Erfahrung kann ich noch einige nicht

unmerkwürdige Notizen hinzufügen.

Ich weiß unter andern bestimmt, daß Satan einmal die feste Absicht

hatte, unter die Frömmler zu gehen. Seine kräftige Natur hielt es aber

nicht aus. Nach wenig Wochen fuhr er aus der Haut, und seit dieser

Epoche schreibt sich auch seine neueste Metamorphose eigentlich her.

Hörner, Pferdefuß und Gestank ließ er der heiligen Gemeinde zurück zu

beliebigem Gebrauch. Seit Kurzem ist er nun, (denn auch der Teufel kann

sich nicht ganz vom Zeitgeiste losmachen) ein Liberaler geworden und

geht ernstlich mit allerlei Reformideen um; ja, es verlautet sogar, daß

er der Hölle eine Constitution oktroyiren werde.

Viele arme Seelen schmeicheln sich bereits mit der Hoffnung, ihre

Peiniger künftig nicht mehr von Gottes Ungnaden, sondern durch eigne

Wahl zu erhalten. Sie wollen, sagen sie, dann mit Vergnügen doppelt so

viel leiden.

* * * * *

Meinungen sind eine eigne Sache! Sie tragen den Sieg über jedes

persönliche Interesse davon. Man sehe z.B. und bewundere die Holländer

(ich spreche von den alten). Nichts hat sie mehr bereichert, als die

große Entdeckung der Härings-Einsalzung, und es war vorzüglich das

strenge katholische Fasten, welches ihren ungeheuren Absatz in dieser

Waare bedingte, so daß man jetzt noch zu sagen pflegt: Amsterdam sey

auf Häringsköpfen gebaut. Demohngeachtet wurden die Holländer mit

Passion +Protestanten+, schafften die Fasten ab und würden gern alle

Welt zu demselben Entschluß gebracht haben, hätten sie auch keinen

einzigen eingesalzenen Häring mehr an dieselbe absetzen können.

Es giebt noch viele andere, aber vielleicht minder rührende Beispiele

von erhabner Uneigennützigkeit.

* * * * *

Wie bei Shakespeare fast immer der Tragödie ein komisches Element

beigemischt ist, so verhält es sich auch in der Welt-Tragödie. Es

ist nicht leicht, in Europa jetzt das Lächerlichste herauszusuchen.

Mir scheinen indeß gewisse Südländer, in ihrer Rolle als

Harlekin-Eisenfresser, der nicht einmal den Angriff abwartet, um davon

zu laufen, viel Anspruch darauf zu haben. Das Lustigste aber ist, daß

diese Sclaven, deren einzige wahre Charte nur in mit der Pritsche

genudelten Macaronis besteht, nun gar ihrem infailliblen Pabst +auch+

einen Constitutions-Haarbeutel anhängen möchten!

* * * * *

Vielleicht klagt man doch mit Unrecht über die neue Zeit, daß sie Alles

umzustoßen suche, ohne etwas Besseres dafür aufzustellen.

Wollt Ihr denn, wenn Ihr ein Zimmer malen laßt, den Erfolg nach +dem+

Zeitpunkte beurtheilen, wo man die alte Farbe von den Wänden abkratzt,

und die neue nur erst eingerührt wird? Wartet bis sie aufgetragen seyn

wird und trocken ist. Taugt sie dann nichts, so habt Ihr Recht zu

sagen: Besser, man hätte es beim Alten gelassen!

* * * * *

Mangel an guter Erziehung ist den Deutschen mit Recht vorzuwerfen. Dies

ist ein großer Mangel; denn Erziehung ist dem Anzug zu vergleichen

und Kleider machen Leute, wie das Sprichwort mit Recht sagt. Sie

verändern zwar das +Wesen+ des Menschen nicht, aber doch seine äußere

Erscheinung, die wie ein +halbes Selbst+ wirkt. Dasselbe thut die

Erziehung. Sie verdeckt geschickt die Blößen, hebt das Vortheilhafte

heraus und bekleidet das Ganze mit Anstand, indem sie uns durch

Gewohnheit einem Zwange unterwirft, den die Gesellschaft als Opfer für

ihre Wohlthaten fordert.

Eine Zeit lang gab man der Erziehung zu viel Freiheit; jetzt scheint

man sie fast wieder zu sehr einzuschränken. In Oesterreich z.B. sind,

wie man mir erzählt, die Universitäten, gleich den Schulen, in Klassen

eingetheilt, und die Studenten in letztern erhalten auch noch zuweilen

Hiebe.

Dagegen ist man auf der andern Seite wiederum so liberal gewesen, den

Gebrauch einzuführen, daß, wenn ein Student daselbst Doctor wird,

während seiner Disputation ein fortwährender infernalischer Lärm von

Trompeten und Pauken stattfindet, der kaum ein Wort zu vernehmen

gestattet. Hierdurch sehen sich Schwache großmüthig unterstützt, und

etwanigen Spöttern wird zugleich dadurch auf die radicalste Weise das

Handwerk gelegt. Im frommen Berlin verfährt man nach dem biblischen

Spruche: die Letzten sollen die Ersten seyn, weßhalb auch an der

dasigen Universität ein Pedell 800 Rthlr., und ein Professor nur 400

Gehalt erhält. Bei den sächsischen Universitäten sind auch wesentliche

Veränderungen eingetreten. Niemand kann mehr, wie einst ~Dr.~ +Barth+,

seinen Pudel Doctor werden lassen[23], und diejenigen, welche nur

Magistri waren (man nannte sie auch Professoren der unentdeckten

Wissenschaften) haben das Privilegium verloren, mit Zwirn und

Hosenträgern, Fleckkugeln und....... handeln zu dürfen, welches manche

früher mit großem Erfolge betrieben. Dafür sind sie jetzt zu dem Titel

~Doctores philosophiae~ avancirt, wahrscheinlich jedoch ohne dadurch

philosophischer geworden zu seyn.

Eine der timidesten Erziehungen, die mir vorgekommen, war die des

jungen Grafen D. in Berlin. Unter andern unzähligen Beschränkungen

hatte man ihm auch nie erlaubt, anders als bei schönem Wetter mit

seinem Hofmeister auszugehen. Dies erweckte in dem jungen Gemüthe die

sonderbare Leidenschaft, sich, es koste was wolle, einmal beregnen zu

lassen. Vergebens! man ließ ihn nie aus den Augen. Endlich wird einmal

während eines Platzregens der Hofmeister plötzlich abgerufen, schließt

aber doch wohlweißlich die Thüre hinter sich zu. Kaum ist er fort,

so eilt der hoffnungsvolle Majoratsherr ans Fenster, reißt es auf,

rückt einen Stuhl heran, biegt sich weit heraus und fühlt nun ganz

entzückt das kalte Tropfbad. Da hört er den Fußtritt des schon wieder

zurückkehrenden Hofmeisters. Er will vom Stuhl herabspringen, glitscht

aus, fällt zum Fenster hinaus und -- bricht den Hals.

* * * * *

Am letzten Tage des vergangenen Jahres erhing sich ein Gutsbesitzer in

meiner Nachbarschaft grade um ¾ auf Mitternacht.

Dieser Mann muß eine verzweifelte Furcht vor dem Jahre 1833 gehabt

haben!

Sollte es noch schlimmer werden können?

Eine wahre Anekdote.

Der junge P....., damals ein hülfloser und verlassener Studiosus,

ward durch einen sehr geringen Mann dem Herrn K....r, einem

wohlhabenden Amtmann in der Gegend von Leipzig, zur Erziehung seiner

Kinder empfohlen, und nach einigem Zögern glücklich angenommen. Er

erwarb sich indeß bald, nicht nur die vollkommenste Zufriedenheit

seines Principals, sondern auch durch verschiedene ausgezeichnete

Gastpredigten in den nahen Kirchspielen, so wie durch sein sanftes

und gewinnendes Betragen überhaupt, die allgemeine Liebe der ganzen

Umgegend.

So vergingen drei Jahre, als bei Gelegenheit eines großen Festmahls

Herr v. N....., ein angesehener Gutsbesitzer, den jungen Candidaten

über Tisch folgendermaßen anredete: „Herr P....., wir Alle lieben und

schätzen Sie. Wir Alle sind oft durch Ihre gehaltvollen Predigten

erbaut worden, und erfreuen uns täglich an Ihrem musterhaften

Lebenswandel. Ich selbst schmeichelte mir, von Ihnen als ein Freund

angesehen zu werden, und wundre mich daher, daß Sie so wenig Zutrauen

zu mir zeigen.“

Herr P..... wollte etwas erwiedern, aber Herr v. N..... fiel ihm ins

Wort: „Vertheidigen Sie sich nicht! Schon seit sechs Monaten wissen

Sie, daß eine der besten Predigerstellen in hiesiger Gegend, die ich

zu vergeben habe, vacant ist -- und doch sind Sie der einzige unserer

Candidaten, der noch mit keinem Worte sich darum beworben hat.“

„Ich sehe wohl“ setzte er lächelnd hinzu, „daß Ihr Fehler zu große

Bescheidenheit ist, und thue daher gern den ersten Schritt, indem ich

Ihnen hiermit die erledigte Stelle zu S.... mit Freuden selbst anbiete.

Fürchten Sie nicht etwa, Ihrem Principal durch die Annahme zu nahe zu

treten. Er ist mit mir einverstanden und freut sich gleich uns Allen,

daß sich endlich eine Gelegenheit gefunden hat, Ihre Verdienste würdig

zu belohnen.“

P..... ward blaß und roth, und schien in sichtbarer Verlegenheit. Nach

einer kleinen Pause stotterte er einige nicht recht verständliche

Worte, und bat endlich, wenn die Tafel vorüber sey, sich weiter

expliciren zu dürfen. Alle waren über dieses Benehmen verwundert, ja

Herr v. N..... in seiner getäuschten Erwartung etwas pikirt. Indessen

ließ man vor der Hand die Sache fallen, doch blieb einige Verstimmung

in der Gesellschaft zurück.

Nach dem Essen aber nahm Herr K....r seinen Hauslehrer von Neuem ins

Gebet und machte ihm ernstliche Vorwürfe, eine angenehme Ueberraschung,

die man ihm zugedacht, so hölzern und mit so wenig Empressement

aufgenommen zu haben. -- „Mein Gott!“ erwiderte P.... „Sie wissen

nicht, in welcher seltsamen Verlegenheit ich mich befinde.“

„Nun? woran fehlt es denn? -- Was kann Sie abhalten, die beste

Stelle im Kreise anzunehmen, die Ihnen so ehrenvoll angeboten wird?

Ist es Zuneigung zu meinen Kindern oder eine früher eingegangene

Verbindlichkeit? Reden Sie!“ --

„Ach nein! So sehr ich meine Zöglinge liebe, so weiß ich doch, daß ich

nicht immer bei Ihnen bleiben kann; aber -- kurz, es muß heraus:.....

verzeihen Sie mir, ich habe Sie getäuscht; ich bin gar kein Theologe --

ich bin Jurist.“ --

„Ist es möglich! In der That, das ist überraschend; aber warum haben

Sie sich denn in diesem Fall fortwährend geistlichen Verrichtungen

unterzogen -- warum Jedermann in dem Glauben gelassen, daß Sie

Theologe seyen? Seltsam! Indessen beim Lichte besehen, was schadet es?

Was nicht ist, kann noch werden. Ihre Kenntnisse, Ihre Fähigkeiten

qualificiren Sie ja, wie Wenige dazu. -- Gewiß, die Sache geht! Wir

verschaffen Ihnen von Leipzig leicht die nöthigsten Zeugnisse; Sie

lassen sich examiniren, Niemand wird besser bestehen, als Sie. Es geht!

Lassen Sie mich nur machen; aber die Sache bleibt unter uns. Verstehen

Sie?“ --

„Verehrtester Herr K....,“ begann P.... in immer größerer Verlegenheit

von Neuem: „es geht +nicht+! Ich muß Ihnen noch mehr sagen. --

Erschrecken Sie nur nicht.... ich bin nicht nur kein Theologe, sondern

auch.... kein Christ....“

„Kein Christ? -- Herr! sind Sie rasend?“ --

„Nein, rasend nicht, aber ein Jude.“

Im Anfang war die Sache Herrn K.... außer dem Spaß. Nach und nach

besänftigte er sich jedoch, zeigte sich aber nichts desto weniger

besorgt, nach dem Vorgefallenen, in einem bigotten Lande, wie Sachsen

damals war, nun selbst aufs empfindlichste compromittirt zu werden.

„Hier ist keine andre Hülfe,“ sagte er endlich, „als wir packen auf,

reisen morgen früh nach Dresden und beichten dem Herrn Hofprediger

+Reinhard+ Alles grade heraus, wie es sich verhält. Sie müssen sich

taufen lassen, das versteht sich von selbst; es ist das Geringste, was

Sie thun können, nachdem Sie so oft hier als christlicher Prediger

fungirt, und Gesinnungen ausgesprochen haben, mit denen Sie kein Jude

bleiben können.“

Gesagt, gethan. Man erschien bei Reinhard, erduldete einigen Sermon,

erhielt Absolution, und P.... ward getauft. Des Himmels Segen folgte

auf dem Fuße: denn wenige Tage darauf verliebte sich die reiche Wittwe

B.... in den jungen Proselyten, ließ ihm durch Reinhard selbst ihre

Hand antragen, und ward, da er keine Ursach hatte, diese eben so wie

die Pfarrstelle auszuschlagen, in wenig Wochen seine glückliche Frau.

Herr P..... ward durch diese heilsame Vereinigung des harten P mit

dem weichen B, (wie es die Sachsen unterscheiden) Hofrath, ein Mann

von Ansehn, und ist jetzt, nach gewonnener Muße, überdies noch ein

beliebter Schriftsteller und Redacteur eines viel gelesenen Blattes

geworden. Wie seltsam werden die Auserwählten geführt!

* * * * *

Da einmal vom Freyen die Rede ist, so benutze ich die Gelegenheit, als

letzten Zettel aus meinem Topfe, folgende Betrachtung hervorzuziehen.

Zur Beherzigung reicher Mädchen.

In der Regel heirathen reiche Mädchen unglücklich, und in der Regel ist

es ihre Schuld. Eine falsch verstandene Eitelkeit empört sich bei dem

Gedanken, daß man sie ihres Geldes wegen heirathen wolle. Ihrer selbst

willen soll es geschehen.

Unter diesem +selbst+ verstehen sie aber nicht etwa ihre Tugend, denn

die kann erst die Folge zeigen und bewähren, sondern bloß ihre äußere

Erscheinung, ihre Schönheit, ihre Grazie, ihre Liebenswürdigkeit. Sind

dieß nicht Alles +äußere+ Dinge, die mit dem Reichthum vollkommen auf

einer Stufe stehen, außer, daß sie weniger dauernd sind! Aber selbst

Mädchen, bei deren Geburt keine einzige der Grazien gelächelt, die den

Musen auch wenig zu verdanken haben, und denen selbst der gewinnende

Ausdruck der Güte und eines liebenden Herzens fehlt, -- selbst solche

sind mir vorgekommen, die mit zwei Millionen Mark, oder Franken, oder

Thaler etc. um +ihrer selbst willen+ geliebt werden wollten!!

Ist dieß nicht über alle Maße lächerlich, und heißt es nicht:

den einzigen reellen und sehr werthvollen Vortheil verkennen, um

chimärischen und absurden Hoffnungen Raum zu geben? --

Ein Mann handelt niedrig, wenn er ein Mädchen, die ihm nicht behagt,

bloß um ihres Geldes willen heirathet, aber er handelt nur vernünftig,

wenn er dies Geld, als ein wichtiges Mittel zum Glück, mit in die

Wagschale seiner Wahl legt.

Ein Frauenzimmer aber sollte sich wenig um die Motive kümmern, die ein

Liebhaber haben kann, der um sie freyt -- sie wird +darüber+ von dem

Schlechtesten, d.h. von dem gewandtesten Heuchler, am leichtesten

betrogen werden -- sondern nur sich zu überzeugen suchen, erstens:

ob seine Persönlichkeit +ihr+ convenire; dann, ob seine Sitten,

seine Launen erträglich seyen; vor allem aber: ob er hinlängliche

Charakterstärke und edle Gemüthsart besitze, +um sie würdig in der

Welt zu stellen, und immer gut behandeln zu können+; fehlt ihm auch

nur eins von beiden: +so kann er dies nicht+, wenn er sie auch aus der

blindesten Liebe allein geheirathet hätte, denn das Wollen reicht nicht

dazu aus. Arme reiche Mädchen! Ihr seyd übel daran und je länger ihr

zaudert, jemehr Anwartschaft habt ihr darauf, aus zu großer Vorsicht

alte Jungfern zu werden, oder nach langer Wahl die erbärmlichste zu

vollziehen.

Liest eine von euch dieß, die noch ledig ist, und hübsch versteht sich,

so rathe ich ihr sich um mich zu bewerben, vorausgesetzt, daß sie im

unglücklichen Falle sich nicht zu sehr vor einem Korbe fürchtet und im

glücklichen sich behelfen kann --

„Denn mein Haus ist klein,

Vier Breter schließen’s ein!“

Tutti Frutti, Erster Band (von 5) Aus den Papieren des Verstorbenen · 第 23 / 25 题