Als sie sich wiedersahen, alle drei, Balrich, Hans Buck und Leni, war es
schon Herbst und regnete wieder. Die beiden jungen Leute kamen von
Klinkorum und begegneten dem Mädchen hinter A und B vor einer großen
Pfütze. Sie stand drüben und suchte einen Umweg. Hans Buck fragte sich:
»Wo war sie denn dort drüben, während die Pfütze entstand?« Balrich
dachte: »Mit dem Techniker, dort, wo ich früher mit Thilde.«
Da stieg Hans Buck entschlossen in die Pfütze. Am anderen Ufer sagte er
etwas, das »Erlauben Sie« heißen sollte, und nur ein Zähneknirschen war,
-- worauf er Leni umwarf und sie auf seine beiden Arme legte. Er trug
sie, beträchtlich schwankend, bis mitten in die große Pfütze; dort
mußten schon seine Knie sie stützen, sie entglitt ihm und kreischte.
Dennoch beugte er sich bis auf ihren Mund und küßte ihn. Dies
vollbracht, fand er die Kraft, sie auf das Trockene zu setzen.
Dort stand Balrich unschlüssig und die Brauen gefaltet. Hans Buck
ordnete dem Mädchen das Tuch über den Schultern und dem schönen Haar.
Dabei sagte er:
»Was nimmst du mir übel? Ich muß nicht wissen, daß Fräulein Leni deine
Schwester ist. Du hast es mir nie gesagt.«
Leni lachte verlegen, und Hans Buck, scherzhaft aber auch verlegen,
setzte hinzu:
»Falscher Freund du!«
Balrich, bestürzt und finster, wollte überlegen: dann haben sie
inzwischen sich gesehen? Da bemerkte er, daß man Zeugen hatte. Thilde,
die ewige Spionin, verschwand hinter dem Haus, hervor aber traten munter
zwei junge Herren in Sportdreß, Heßlings, die Vettern Bucks. Achtzehn-
und siebzehnjährig auf langen Gamaschenbeinen kamen sie herbei, grüßten
eckig wie fertige Kavaliere, und der Leni, die alles gewandt
entgegennahm, küßten sie die Hand. Wann sie wieder zum Tanz gehe nach
Beutendorf, -- und sie nahmen sie in die Mitte. Ihr Bruder, der mit
Hans, beide stumm, folgte, fühlte wohl, das Betragen Lenis war
zurückhaltend und dennoch vielsagend. Sie wußte nicht, daß er kämpfte
für sie -- gegen jene. Große Bitterkeit, schweigen zu müssen! . . . Aber
das Bürschlein, das es wußte, empfand es nicht Scham? Wohl, es ließ den
Kopf hängen.
Die Kavaliere riefen ihrem Vetter zu, er möge sich beeilen, jeden
Augenblick fahre das Auto vor. Es kam die Straße herab. Als alle die
Wiese überschritten hatten, hielt es, zwanzig Schritte von ihnen. Die
drei jungen Herren verabschiedeten sich ohne Umstände, stiegen ein zu
den Damen Heßling und Buck, die Federn in der Frisur trugen, und fort,
keiner sah sich um.
Die Geschwister standen noch immer. Karl Balrich, beklommen, fragte
endlich seine Schwester: »Was denkst du dir nun?«
Leni antwortete:
»Sie hatten Reiher, solche findest du nicht noch einmal,« -- und wendete
sich zum Gehen. Da er kein Glied rührte und brütend aussah, fragte sie
eingeschüchtert: »Was hast du?«
Er fuhr auf; aber anstatt sie anzufahren, wie sie es befürchtete,
lächelte er mit seliger Güte -- und sagte:
»Leni, du selbst sollst solche Reiherfedern haben! Und Kleider,
Automobil, eine Villa. Die Villa Höhe!«
Da lächelte sie wie er, selbstvergessenes Lächeln, an der Landstraße, im
Regen.