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STRINDBERGS WERKE
DEUTSCHE GESAMTAUSGABE
UNTER MITWIRKUNG VON EMIL
SCHERING ALS ÜBERSETZER VOM
DICHTER SELBST VERANSTALTET
ABTEILUNG: LEBENSGESCHICHTE
1. BAND: DER SOHN EINER MAGD
AUGUST STRINDBERG
DER SOHN EINER MAGD
MIT DEM NACHGELASSENEN VORWORT
AUS DEM SCHWEDISCHEN ÜBERTRAGEN
VON
EMIL SCHERING
[Illustration]
1921
GEORG MÜLLER VERLAG MÜNCHEN
+Einzige vom Dichter und seinen Erben autorisierte deutsche Ausgabe+
24. bis 33. Tausend.
Copyright 1918 by Georg Müller Verlag Akt.-Ges., München.
VORWORT ZUR ERSTEN AUSGABE
1886
Aus dem Nachlasse übertragen
+Interviewer.+ Was ist das für ein Buch, das Sie jetzt herausgeben?
Roman, Biographie, Memoiren oder was?
+Autor.+ Das steht auf dem Titel: Die Entwicklung einer Seele, 1849-67.
Ich gebe zu, da müßte noch stehen: Im mittleren Schweden und unter
den im Buche angegebenen Voraussetzungen: die Erblichkeit von Mutter,
Vater und Amme; die Verhältnisse während der Schwangerschaft; die
wirtschaftliche Lage der Familie; die Weltanschauung der Eltern; die
Natur des Verkehrs; Schule und Lehrer, Kameraden, Geschwister, Diener
usw.
+Interviewer.+ Es wird also ein physiologischer Roman sein?
+Autor.+ Kein Roman und nicht nur physiologisch. Es ist, wie ich gesagt
habe: Die Entwicklung einer Seele, 1849-67, im mittleren Schweden...
+Interviewer.+ Etwas ganz Neues jedenfalls?
+Autor.+ Es gibt ja nichts Neues. Vielleicht etwas „Anderes‟, mit einem
Wort: die Entwicklung...
+Interviewer.+ Eine Apologie, eine Konfession?
+Autor.+ Nein, keine Selbstverteidigung und keine Bekenntnisse, denn
ich habe nichts zu verteidigen und will nichts bekennen, weil ich nicht
daran denke, um Verzeihung zu bitten. Ich beginne (merken Sie, ich
sage: beginne) zu glauben, daß der Mensch nicht verantwortlich ist,
weil ihm der freie Wille zu fehlen scheint.
+Interviewer.+ Das klingt ja vielversprechend für die literarischen und
politischen Widersacher, wenn Sie nämlich ebenso mild gegen die sind,
wie gegen sich selbst.
+Autor.+ Ebenso mild kann man nicht sein und darf es auch nicht, wenn
man nämlich, wie ich glaube, die größten und ersten Pflichten gegen
sich selbst hat. Daß ich nicht ebenso milde gegen sie bin, hat auch
einen anderen Grund.
+Interviewer.+ Welchen Grund?
+Autor.+ Daß ich recht habe und sie unrecht; daß sie also mir unrecht
tun, ich ihnen aber recht.
+Interviewer.+ Wie wissen Sie, daß Sie recht haben?
+Autor.+ Ich schließe es aus triftigen Gründen. Nur die Zukunft kann
urteilen.
+Interviewer.+ Sie als einzelner glauben der Gesellschaft gegenüber
recht zu haben.
+Autor.+ Jeder einzelne ist ein Vertreter; und ich vertrete die
einzelnen, die der jetzigen Gesellschaft gegenüber recht haben.
+Interviewer.+ Wer hat Sie zum Vertreter gewählt?
+Autor.+ Gewählt bin ich nicht, hätte aber gewählt werden können,
wenn ich mich hätte wählen lassen wollen. Übrigens sollten Sie, da
Sie Monarchist sind, nicht sagen, der einzelne dürfe nicht gegen die
Gesellschaft auftreten, da der König, der ein einzelner ist, das
Veto gegen die +gewählten+ Vertreter der Gesellschaft hat: was Sie
ja richtig finden! -- Etwas anderes: ich bin nicht „der einzelne
gegen die Gesellschaft‟, ich bin nur der einzelne gegen die +jetzige+
Gesellschaft. Ich bin im Gegenteil der einzelne für die Gesellschaft,
die künftige nämlich.
+Interviewer.+ Das klingt nicht so dumm: Sie hoffen also, daß die
künftige Gesellschaft Ihnen dankbar sein wird?
+Autor.+ Ich glaube nicht, daß die künftige Gesellschaft irgend
jemandem dankbar sein wird, weil die künftige Gesellschaft nicht nach
den Motiven der Person urteilen wird, sondern nach dem Nutzen der
Handlung.
+Interviewer.+ Warum schlagen Sie denn solchen Lärm?
+Autor.+ Weil ich nicht anders kann. Warum ich nicht anders kann, das
steht in meinem Buche zu lesen.
+Interviewer.+ Etwa wie Jago sagt: Ich lebe nicht, wenn ich nicht
hecheln darf?
+Autor.+ Eben!
+Interviewer.+ Und die Motive sollten also gleichgültig sein?
+Autor.+ Durchaus!
+Interviewer.+ Sie geben also zu, daß Ihre Motive egoistisch sind.
+Autor.+ Ja! Ich habe mir eine Zeit lang eingebildet, ich sei Wunder
was für ein Altruist, aber das war vielleicht ein Irrtum. Ich
schlage nicht Lärm, um direkt etwas zu gewinnen, denn ich will weder
Abgeordneter, noch Minister, noch reich werden! Ich stehe mir selbst in
der Sonne, sagt man, und ich könnte sowohl Abgeordneter wie vermögend
sein, wenn ich es hätte wollen können. Mein Egoismus ist also von der
Art, daß er schließlich allen nützt, nur mir selbst nicht; höchstens
vielleicht meinen Kindern, die eine andere Luft atmen werden; aber
daran denke ich selten.
+Interviewer.+ Aber ich finde, Sie haben den Helden Ihres Buches in ein
vorteilhaftes Licht gestellt.
+Autor.+ Das kann ich nicht finden. Er wird ja nach Ihren Begriffen
ein lasterhafter, feiger, neidischer, selbstsüchtiger, hochmütiger,
ungehorsamer, unmoralischer, gottloser Lümmel! Ist das so vorteilhaft?
+Interviewer.+ Dann ist es jedenfalls dumm, den Helden so zu
schildern. Auf diese Weise vernichten Sie ja die Wirkung Ihrer ganzen
schriftstellerischen Tätigkeit?
+Autor.+ Das kann ich nicht glauben. Man nimmt die Wahrheiten nicht
an, weil sie von Herrn Strindberg ausgesprochen werden, sondern weil
sie sich als wahr erweisen. Und übrigens, wer hat Luthers segensreiche
Tätigkeit geleugnet, weil er im Verdacht stand, an einer venerischen
Krankheit zu leiden? (Ja, das läßt Schück in seinem Buche über
Shakespeare durchblicken!) Oder verwirft man Luthers Reformation,
weil er die Nebenabsicht, zu heiraten, hatte? Wer fragt danach, ob
Edison verschuldet war, ehe er das Telephon preist? Lassalle hat die
alte Volkswirtschaft entlarvt und sich für den Arbeiter interessiert,
obwohl er Austern und schöne Frauen liebte! Wer hat nicht seine Freude
an Walter Scotts Romanen, trotzdem der Dichter tatsächlich für Geld
schrieb, um das Schloß seiner Väter zurückkaufen zu können? Wer liebt
nicht Tegnérs Dichtungen, trotzdem der Verfasser Onanist war? Gambetta
hat die französische Republik gerettet, trotzdem er +auch+ eine Million
an Spekulationen verdiente; L. O. Smith hat dem schwedischen Arbeiter
genützt, obwohl er ihn benutzt hat; C. O. Berg hat der Abstinenz
gedient, trotzdem er eine Schlachthausgesellschaft bildete.
+Interviewer.+ Aber Lehre und Leben müssen doch eins sein.
+Autor.+ Wie können sie das? Bei euch Christen müßten sie es, aber
bei uns Heiden liegt kein Grund vor. Ich glaubte einst, ich könnte
Abstinent werden, aber ich bin dazu verurteilt, zu trinken, solange
ich lebe, weil meine Väter seit Urzeiten getrunken haben. Das hindert
mich aber nicht, den Nutzen der Mäßigkeit einzusehen (Abstinenz ist ein
Irrtum), ja sie sogar zu empfehlen. Wir Atheisten haben also das Recht,
größere Forderungen an euch Christen zu stellen, als ihr an uns stellen
könnt. Beginnen Sie also diesen persönlichen Gesichtspunkt abzulegen,
dann werden wir fortfahren! Eher beginne +ich+ nicht.
+Interviewer.+ Ich will jetzt auf das Buch zurückkommen. Es ist kein
Roman; es muß also etwas Neues sein.
+Autor.+ Wenn Sie mich durchaus auf dieser Leimrute fangen wollen,
meinetwegen etwas Neues. Es ist ein Versuch, den ich in der Literatur
der Zukunft mache.
+Interviewer.+ Das habe ich mir gedacht!
+Autor.+ Zola selbst hat in seinem letzten Roman „L'Oeuvre‟ gewittert,
daß seine Methode weiter entwickelt werden muß. Er findet seine Bücher
trotz aller Wahrheitsliebe „lügnerisch‟. Ja, in welchem Verhältnis der
Impressionist Manet, den er in diesem Buche schildert, zur Familie
Rougon-Macquart steht, begreife ich nicht, und die Erblichkeit ist
schließlich ganz verschwunden. Außerdem geht Manets Tätigkeit über das
zweite Kaisertum hinaus. Ich halte Zola noch immer für den Meister im
heutigen Europa, glaube aber, daß er zuweilen den Einfluß des Milieus
überschätzt hat. Wenn eine Frau in einer Orangerie verführt wird,
braucht man die Verführung nicht mit allen Topfpflanzen in Verbindung
zu bringen, die dort vorhanden sind, und sie aufzuzählen. Von anderer
Bedeutung werden dagegen die Möbel in einem Elternhause, weil sie die
allgemeine wirtschaftliche Lage der Familie angeben; und die Bücher
des väterlichen Bücherschrankes sind nicht gleichgültig für die erste
Entwicklung eines literarisch veranlagten Sohnes. Ferner glaube ich,
daß die ausführliche Schilderung +eines+ Menschenlebens wahrer wird
und mehr aufklärt als die einer ganzen Familie. Wie soll man wissen,
was in einem anderen Gehirn vorgeht; wie soll man die verwickelten
Motive wissen, welche die Handlung eines anderen veranlassen; wie soll
man wissen, was die und die in einer vertraulichen Stunde sagten?
Man konstruiert! Aber bisher ist die Homologie, die Wissenschaft
vom Menschen, wenig von den Dichtern gepflegt worden: mit dürftigen
Kenntnissen in der Psychologie haben sie sich erdreistet, das so tief
verborgene Seelenleben zu schildern. Man kennt nicht mehr als +ein+
Leben, sein eigenes. Wenn man sein eigenes Leben schildert, hat man den
Vorteil, daß man mit einem sympathischen Menschen zu tun hat, nicht
wahr, und da sucht man zu den Handlungen immer Motive. Gut! Das Suchen
nach den Motiven, das war der Zweck dieses Buches.
+Interviewer.+ Aber die Motive zu den Handlungen der anderen?
+Autor.+ Die kennt man selten. Entweder läßt man sich zu übertriebener
Milde verlocken, aus Furcht, ungerecht zu werden, oder man wird hart
aus Antipathie, Selbstverteidigung und so weiter. Sehen Sie nun genau
nach, ob ich +versucht+ habe, gerecht zu sein. Daß ich es nicht ganz
habe sein können, weiß ich, und das tut mir leid, aber bedenken Sie
auch, daß die Nebenpersonen zuletzt so geschildert werden, wie sie
in ihrem Verhältnis zu -- dem, der über sie schreibt, aufgefaßt
wurden. Sehen Sie doch, wie ich den Vater in seinen vielen Beziehungen
schildere: zum Sohne, zur Mutter, zur Stiefmutter, zu Schwestern,
Buchhaltern, Kunden, Dienstboten, Vorgesetzten usw. Der Stiefmutter
gebe ich recht als Gattin; ich bin ihr nur abgeneigt, weil sie
Stiefmutter ist; führe also ihr Motiv an: ihre schiefe Stellung; und
ich schlage sogar, damit es nicht erst zu einer solch schiefen Stellung
kommt, als Heilmittel vor, daß die Kinder aus dem Hause geschickt
werden. Ich stehe also schließlich auf ihrer Seite!
+Interviewer.+ Das soll also die Literatur der Zukunft sein? Hm! Die
ist aber weder schön noch heiter.
+Autor.+ Nein, das ist sie nicht, aber sie ist bestimmt nützlich.
Ich erinnere mich, daß ich als junger Literat, als ich bereits die
Mängel der konstruierten Literatur eingesehen hatte, mit dreiviertel
Ernst den Plan zu einer wirklichen Literatur der Zukunft entwarf, die
Dokumente über die Geschichte der Seele liefern sollte. Diese Literatur
sollte aus der Selbstbiographie eines jeden Bürgers bestehen, die, bei
gewissem Alter, anonym, ohne daß Namen im Text genannt werden, dem
Archiv der Gemeinde eingereicht wird. Das würden Dokumente sein, nicht
wahr? Haben Sie Pitaval und Feuerbach gelesen, über das Leben berühmter
Verbrecher? Dort ist Psychologie zu finden. Schade, daß es nur die von
sogenannten Verbrechern ist.
+Interviewer.+ Dann glauben Sie, daß die Romanliteratur aussterben wird?
+Autor.+ Gewiß! Töten will ich sie nicht, aber ich weiß, daß sie im
Sterben liegt. Zola hat den letzten Kompromiß mit ihr geschlossen und
scheint sie jetzt durchschaut zu haben. „L'Oeuvre‟ war kein Roman für
mich, da ich Emile Zola hinter Sandor und Edouard Manet hinter Claude
Lantier sah und eben das Gemälde „Plein air‟ in Paris gesehen hatte.
Man liest indessen, und das ist das Symptom, am liebsten Zola, denn
man ist überzeugt, daß es wahr ist. Warum soll es denn arrangiert
werden? Die Gerichtsreferate der Zeitungen sind doch zuverlässiger, und
wie werden die verschlungen! Die Unterklasse, die zuweilen gesunden
Menschenverstand hat, hält sich am liebsten an die volle Wirklichkeit
und liest darum nur die Zeitung -- oder Abenteuer. Jemand aus der
Unterklasse, der „Germinal‟ liest, wird sich sicher fragen: Wie
weiß der Autor, was Etienne und seine Geliebte sprachen, als sie in
der Grube eingeschlossen waren? Ja, wie? Noch schlimmer ist, wenn
die letzten Worte des Selbstmörders erzählt werden, ohne daß Zeugen
dabei gewesen sind. Wieviel Konventionelles ist nicht im Roman! Die
Liebeserklärung zum Beispiel. Ich habe mindestens fünfundzwanzig von
meinen verheirateten Bekannten gefragt, wie sie gefreit haben, und sie
haben erklärt, die Worte „Ich liebe dich‟ seien nie über ihre Lippen
gekommen. -- Wollen Sie noch etwas wissen?
+Interviewer.+ Nein, danke, jetzt weiß ich genug!
+Autor.+ Schreiben Sie denn etwas Gutes über mein Buch. Ich lese es
doch nicht, denn ich habe meinen Kopf für mich. Ich bin, der ich
geworden bin. Wie ich es geworden bin, das steht in meinem Buche!
Mai 1886. August Strindberg.
VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE[1]
1909.
Dies ist die Geschichte eines 60jährigen Menschenschicksals. Die
ersten Teile sind im Alter von 40 Jahren verfaßt worden, und zwar vor
dem Tode, wie ich glaubte, denn ich war müde, sah keinen Zweck mehr
im Dasein, hielt mich für überflüssig, verworfen. Ich lebte damals
nämlich in der trostlosen Weltanschauung, die ein halb gottloser
Mensch besitzt, wollte aber doch Bücherabschluß machen und die Lage
überschauen, mich vielleicht von falschen Beschuldigungen befreien.
Im Laufe der Arbeit entdeckte ich jedoch einen gewissen Plan und eine
Absicht in meinem bunten Leben, und ich fand die Lust zu leben wieder,
getrieben meist aus Neugier, wie es weitergehen und welches Ende ein
solches Leben nehmen würde.
Ich lebte im fremden Lande, vergessen und vergessend, ganz vertieft in
die Naturwissenschaften, nachdem ich das Dichten aufgegeben, als ich
mit dem Jahre 1896 in eine Epoche trat, die ich „Inferno‟ genannt habe;
unter diesem Titel erschien jenes Buch 1897, das ein Wendepunkt in
meinem Leben wurde. Die „Legenden‟ setzten 1898 die Schilderungen fort
von der Verwüstung, die meine Person durchmachte; nach welcher Prozedur
die heftige Produktion entsprang, die dann begann und sich in Dramen,
Gedichten, Romanen, fast ohne Zahl, ergoß.
Viele Dichtertypen treffen wir hier, aber jeder ist ein echter Ausdruck
seiner Zeitepoche, mit ihren Bewegungen, Gegenbewegungen, Irrtümern.
Jetzt zu streichen oder ändern, was ich mißbillige und verabscheue,
hieße ja den Text fälschen, darum werden die Urkunden fast genau so
herausgegeben, wie sie entstanden sind. Ich habe mich wohl gefragt, ob
es recht ist, diese Brandpfeile wieder loszulassen, aber nach reifer
Überlegung habe ich gefunden, daß die Handlung mindestens indifferent
ist. Ein Mensch mit festen Begriffen in der Moral und mit klarer
Vorstellung von den höchsten Dingen läßt sich nicht von Sophismen
verführen, und wer in Auflösung steht, findet kaum eine Stütze in
diesen Deduktionen, die bereits widerlegt sind.
Ob der Dichter wirklich, wie er zuweilen glaubte, mit Standpunkten
experimentiert oder sich in verschiedenen Persönlichkeiten verkörpert,
sich polymerisiert hat, oder ob eine gnädige Vorsehung mit dem Dichter
experimentierte, mag für den aufgeklärten Leser aus den Texten
hervorgehen. Denn die Bücher sind sehr aufrichtig niedergeschrieben,
natürlich nicht ganz, denn das ist unmöglich. Hier werden Bekenntnisse
abgelegt, die niemand verlangt hat, und Schuld gestanden, die
vielleicht nicht so gefährlich war, da der Verfasser sogar seine
stillen Gedanken straft.
Ziemlich wahrhaftig sind auch die Beziehungen, können aber nicht ganz
exakt sein. Wenn ich z. B. mit 60 Jahren durchlese, was ich mit 40
schrieb, kommt mir manches unbekannt vor, als sei es nicht passiert.
Ich habe also gewisse Einzelheiten aus der Kindheit während der letzten
20 Jahre vergessen, aber ich bin beinahe sicher, daß ich mich mit
40 Jahren ihrer erinnerte. Und eine Geschichte kann auf viele Arten
erzählt, von verschiedenen Seiten beleuchtet, gefärbt und entfärbt
werden. Hat der Leser also hier eine Geschichte gefunden, die auf
andere Art erzählt ist als in einer meiner späteren Schriften, wo sie
wiederholt wird, so mag er sich erinnern, was ich hier gesagt habe.
Dies ist die Analyse von meinem langen abwechslungsreichen Leben, die
Ingredienzen zu meiner Dichtung, das Rohmaterial. Wer das Resultat
sehen will, der nehme und lese das „Blaubuch‟: das ist die Synthese
meines Lebens!
Nachschrift.
Jetzt, nachdem ich vom ersten Teil die Korrektur gelesen habe, muß
ich beteuern, daß mir die Arbeit ein unsagbares Leiden gewesen ist.
Aber die Ausgabe unterdrücken zu suchen, fällt mir doch nicht ein. Das
Opfer ist einmal gebracht; ich kann es nicht zurücknehmen! Dagegen
habe ich die Neigung gehabt, die Mitmenschen, die bloßgestellt werden,
zu schonen, doch das ist nicht mehr möglich. Bleibt mir nur übrig
zu sagen: Es gibt Handlungen, vor denen man zurückschreckt, die man
aber dennoch begehen muß, weil sie eine Aufgabe haben. Der Beruf des
Dichters ist eine Selbstopferung, aber dieses Buch, das „vorm Tode‟
geschrieben wurde, war damals ein Untersuchungsprotokoll über das Kind
und den Jüngling; jetzt ist es ein Urteil geworden, aber ein bedingtes.
Stockholm, 7. Februar 1909.
August Strindberg.
ÜBERSICHT
1. Furchtsam und hungrig 3
2. Die Abrichtung beginnt 28
3. Fort von Hause 38
4. Berührung mit der Unterklasse 48
5. Mit der Oberklasse 70
6. Die Schule des Kreuzes 87
7. Erste Liebe 108
8. Eisgang 127
9. Er ißt fremdes Brot 158
10. Charakter und Schicksal 175
11. Im Vorhof 187
12. Unten und oben 210
13. Der Arzt 247
14. Vor dem Vorhang 261
15. Wie er Aristokrat wird 272
16. Hinter dem Vorhang 283
17. Er wird Dichter 292
18. Die Verbindung Runa 298
19. In den Büchern und auf der Bühne 320
20. „Zerrissen‟ 329
21. Der Schützling eines Königs 342
22. Auflösung 356
[Illustration: STRINDBERG 1862 dreizehnjährig]
DER SOHN EINER MAGD
1849-1871
von
Johan August Strindberg
Geschrieben 1886 in Frankreich
1.
+Furchtsam und hungrig.+
Die vierziger Jahre waren zu Ende. Der dritte Stand, der sich in
Schweden durch die Revolution des Jahres 1792 einige Menschenrechte
erkämpft hatte, war jetzt daran erinnert worden, daß es einen
vierten und fünften Stand gab, die vorwärts wollten. Die schwedische
Bürgerschaft, die Gustav III. bei seiner königlichen Revolte geholfen
hatte, war längst in die obere Klasse aufgenommen worden, unter der
Großmeisterschaft des früheren Jakobiners Bernadotte, und hielt dem
Adel und den Beamten die Wage, die Carl Johan mit seinen proletarischen
Instinkten haßte und fürchtete. Nach achtundvierzigjährigen Zuckungen
kam die Bewegung in die Hände des aufgeklärten Despoten Oscar I.
Der hatte eingesehen, daß man der Entwicklung keinen Widerstand
leisten kann, und wollte darum die Gelegenheit benutzen, Reformen
durchzuführen, um sich beliebt zu machen. Er fesselt die Bürgerschaft
an sich, indem er ihr Gewerbefreiheit und Freihandel gewährt, natürlich
unter gewissen Beschränkungen; entdeckt die Macht der Frau und
bewilligt den Töchtern das gleiche Erbrecht wie den Söhnen, ohne jedoch
den Söhnen als künftigen Familienversorgern ihre Last zu erleichtern.
Seine Regierung stützt sich auf den Bürgerstand, während Adel und
Priesterschaft die Opposition bilden.
Noch besteht die Gesellschaft aus Klassen, aus ziemlich natürlichen
Gruppen, die nach Beruf und Beschäftigung getrennt sind und einander
in Schach halten. Dieses System hält eine gewisse Volksherrschaft
aufrecht, wenigstens in den höhern Klassen. Man hat die gemeinsamen
Interessen noch nicht entdeckt, welche die oberen Klassen
zusammenhalten; und noch gibt es nicht die neue Schlachtordnung, die
nach Ober- und Unterklasse aufgestellt ist.
Deshalb gibt es auch noch keine besonderen Viertel in der Stadt, der
Hauptstadt Stockholm, in denen die obere Klasse das ganze Haus bewohnt
und die durch hohe Mieten, herrschaftliche Aufgänge, strenge Pförtner
abgesondert sind. Darum ist das Gebäude am Klarakirchhof, trotz der
vorteilhaften Lage und hohen Einschätzung, noch in den ersten fünfziger
Jahren ein recht demokratisches Familienhaus. Es bildet ein Viereck
um einen Hof. Die Straßenfront wird zu ebener Erde vom Baron, eine
Treppe hoch vom General, zwei Treppen hoch vom Reichsgerichtsrat, der
Hauswirt ist, drei Treppen hoch vom Kaufmann und vier Treppen hoch vom
pensionierten Küchenmeister des seligen Königs Carl Johan bewohnt. Im
linken Hofflügel wohnt der Tischler, der Hausverwalter, der ein armer
Teufel ist; im andern Flügel wohnt der Lederhändler und einige Witwen;
im dritten Flügel wohnt die Kupplerin mit ihren Mädchen.
Drei Treppen hoch in dem großen Gebäude erwachte der Sohn des
Kaufmanns und der Magd zum Selbstbewußtsein und zum Bewußtsein vom
Leben und dessen Pflichten. Seine ersten Empfindungen, an die er sich
später noch erinnerte, waren Furcht und Hunger. Er fürchtete sich im
Dunkeln, fürchtete sich vor Schlägen, fürchtete sich, etwas verkehrt
zu machen, fürchtete sich zu fallen, sich zu stoßen, im Wege zu sein.
Ihm war bange vor den Fäusten der Brüder, vorm Zausen der Mägde, vor
der Schelte der Großmutter, vor Mutters Rute und Vaters Rohrstock.
Er fürchtete sich vorm Burschen des Generals, der mit Pickelhaube
und Faschinenmesser unten im Hausflur stand; er fürchtete sich vor
dem Hausverwalter, wenn er beim Müllkasten auf dem Hof spielte; er
fürchtete sich vor dem Reichsgerichtsrat, der Hauswirt war.
Über ihm waren Machthaber mit Vorrechten, von den Altersvorrechten der
Brüder bis zum höchsten Gericht des Vaters; über dem stand jedoch der
Hausverwalter, der ihm die Haare zauste und immer mit dem Hauswirt
drohte; dieser war jedoch selten zu sehen, weil er auf dem Lande
wohnte; vielleicht wurde er gerade darum am meisten gefürchtet. Aber
über ihnen allen, sogar über dem Burschen mit der Pickelhaube, stand
der General; besonders wenn er in Uniform ausging, mit dreieckigem Hut
und Federn. Das Kind wußte nicht, wie ein König aussah, aber es wußte,
daß der General zum Könige ging. Die Mägde erzählten auch Märchen vom
König und zeigten des Königs Meerkatze. Die Mutter sprach ihm auch das
Abendgebet vor, aber einen klaren Begriff von Gott hatte er nicht; doch
mußte Gott etwas Höheres sein als der König.
Diese Furcht war wahrscheinlich dem Kinde nicht eigentümlich, falls
nicht die Stürme, welche die Eltern durchmachten, als die Mutter es
trug, einen besonderen Einfluß auf das Kind ausgeübt hatten. Es hatte
nämlich gehörig gestürmt. Drei Kinder waren vor der Ehe geboren,
und Johan kam im Anfang der Trauzeit zur Welt. Willkommen war er
wahrscheinlich nicht, am allerwenigsten, da ein Konkurs seiner Geburt
vorangegangen war; er also in einer geplünderten Häuslichkeit, die
vorher behäbig gewesen, in der jetzt aber nur noch Betten, Tische und
Stühle vorhanden waren, geboren wurde. Der Bruder des Vaters starb zur
selben Zeit, und zwar als des Vaters Feind, weil der Vater sein freies
Verhältnis nicht auflösen wollte. Der Vater liebte dieses Weib und
zerriß das Band nicht, sondern knüpfte es fest fürs Leben.
Der Vater war eine verschlossene Natur; hatte vielleicht deshalb einen
kräftigen Willen. Er war Aristokrat von Geburt und Erziehung. Es gab
einen alten Stammbaum, der im siebzehnten Jahrhundert Adel nachwies.
Später waren die Vorfahren Geistliche gewesen, aus nordschwedischem,
vielleicht finnischem Blut. Dann hatte sich das Blut gemischt.
Des Vaters Mutter war von deutscher Geburt und stammte aus einer
Tischlerfamilie. Des Vaters Vater war Kaufmann in Stockholm, Führer der
Bürgerwehr und hoher Freimaurer gewesen; auch hatte er König Carl Johan
verehrt. (Ob er den Franzosen, den Marschall oder den Freund Napoleons
verehrte, ist noch nicht entschieden.)
Johans Mutter war die Tochter eines armen Schneiders; ihr Stiefvater
hatte sie ins Leben hinaus geschickt, zuerst als Magd, dann als
Kellnerin. In dieser Stellung war sie von Johans Vater entdeckt worden.
Sie war Demokratin aus Instinkt, sah aber zu ihrem Manne auf, weil er
„aus guter Familie‟ war; und sie liebte ihn, ob als Retter, Gatte oder
Familienversorger, ist schwer zu sagen.
Der Vater duzte Knecht und Magd und wurde von ihnen Herr genannt. Er
war trotz seiner Niederlage nicht zu den Mißvergnügten übergegangen,
sondern verschanzte sich mittels religiöser Resignation: es war
eben Gottes Wille. Auch isolierte er sich in seiner Häuslichkeit.
Schließlich blieb ihm immer noch die Hoffnung, wieder in die Höhe zu
kommen.
Aber er war Aristokrat aus dem Grunde, bis in seine Gewohnheiten
hinein. Sein Gesicht hatte einen veredelten Typus angenommen:
glattrasiert, feinhäutig, das Haar wie Ludwig Philipp. Dazu trug er
eine Brille, kleidete sich immer fein und liebte reine Wäsche. Wenn der
Knecht seine Stiefel putzte, mußte er Handschuhe anziehen: dessen Hände
hielt der Herr für so schmutzig, daß er sie nicht in seinen Stiefeln
haben wollte.
Die Mutter blieb in ihrem Innersten Demokratin. Sie war immer einfach
aber rein gekleidet. Die Kinder sollten immer heile und reine Kleider
haben, aber nicht mehr. Sie war vertraulich zu den Dienstboten und
bestrafte ein Kind, das gegen einen von ihnen unhöflich gewesen war,
sofort, ohne den Fall zu untersuchen, auf die bloße Anzeige hin. Gegen
Arme war sie immer barmherzig; mochte der eigene Haushalt noch so
knapp sein, niemals ließ sie einen Bettler von ihrer Tür gehen, ohne
ihm etwas Essen zu geben. Alle alten Ammen, vier Stück, kamen oft auf
Besuch und wurden dann wie alte Freundinnen empfangen.
Furchtbar war der Sturm über die Familie dahingefahren, und wie
erschrockene Hühner waren die zerstreuten Mitglieder zusammengekrochen;
Freunde und Feinde durcheinander; denn sie fühlten, sie hatten sich
gegenseitig nötig und sie konnten sich gegenseitig beschützen.
Tante mietete zwei Zimmer der Wohnung ab. Sie war die Witwe eines
berühmten englischen Erfinders und Fabrikbesitzers, der ruiniert
gestorben war. Sie hatte Witwenpension; von der lebte sie mit ihren
beiden Töchtern, die eine feine Erziehung genossen hatten. Sie war
Aristokratin, hatte ein glänzendes Haus gehabt, hatte mit vornehmen
Leuten verkehrt. Sie hatte ihren Bruder geliebt, seine Ehe aber nicht
gebilligt, jedoch seine Kinder zu sich genommen, als der Sturm kam.
Sie trug eine Spitzenhaube und ließ sich die Hand küssen. Lehrte die
Kinder ihres Bruders gerade auf dem Stuhl sitzen, schön grüßen, sich
sorgfältig ausdrücken.
Ihre Zimmer trugen Spuren des früheren Luxus und der zahlreichen
und vermögenden Freunde. Ein gepolstertes Jakarandamöbel mit einem
gehäkelten Überzug in englischem Muster. Die Büste des verstorbenen
Mannes, im Frack der Akademie der Wissenschaften, mit dem Wasaorden.
An der Wand ein großes Ölporträt vom Vater in der Majorsuniform der
Bürgerwehr. Die Kinder glaubten immer, das sei der König; er hatte
nämlich soviel Orden, die sich später aber als Zeichen der Freimaurer
herausstellten.
Tante trank Tee und las englische Bücher.
Ein anderes Zimmer wurde vom Bruder der Mutter bewohnt, der am Heumarkt
einen Materialwarenhandel hatte; außerdem von einem Vetter, dem Sohn
des verstorbenen Bruders des Vaters, der in die Technische Hochschule
ging.
In der Kinderstube hielt sich die Großmutter mütterlicherseits auf.
Eine scharfe Alte, die Hosen flickte, Kittel ausbesserte, Abc lehrte,
wiegte und zauste. Sie war religiös und kam jeden Morgen um acht Uhr,
nachdem sie erst in der Klarakirche ihr Morgengebet verrichtet hatte.
Im Winter trug sie eine Laterne, denn Straßenlaternen gab es noch nicht
und die Argandschen waren gelöscht.
Sie kannte ihre Stellung, liebte den Schwiegersohn und dessen Schwester
wahrscheinlich nicht. Die waren ihr zu fein. Der Vater behandelte sie
mit Achtung, aber nicht mit Liebe.
In drei Zimmern wohnte der Vater mit seiner Frau und sieben Kindern
nebst zwei Dienstboten. Die Möbel bestanden fast nur aus Wiegen und
Betten. Kinder lagen auf Plättbrett und Stühlen, Kinder in Wiegen und
Betten. Der Vater hatte kein Zimmer für sich, war aber stets zu Hause.
Nahm nie eine Einladung von seinen vielen Geschäftsfreunden an, weil er
sie nicht wieder einladen konnte. Ging nie in die Kneipe und nie ins
Theater. Er hatte eine Wunde, die er verbergen und heilen wollte. Sein
Vergnügen war ein Klavier. Die eine Tochter der Schwester kam jeden
zweiten Abend, und dann wurden Haydns Symphonien vierhändig gespielt.
Nie etwas anderes. Später auch Mozart. Nie etwas Modernes.
Als die Verhältnisse es ihm wieder erlaubten, hatte er später auch
noch ein anderes Vergnügen. Er hielt sich Blumen in den Fenstern.
Aber nur Pelargonien. Warum Pelargonien? Johan glaubte später, als er
älter wurde und die Mutter nicht mehr lebte, seine Mutter immer neben
einer Pelargonie oder beide zusammen zu sehen. Die Mutter war blaß,
sie machte zwölf Kindbetten durch und wurde lungenkrank. Ihr Gesicht
glich wohl den durchsichtig weißen Blättern der Pelargonie mit ihren
Blutstreifen, die im Grunde dunkeln und eine beinahe schwarze Pupille
bilden, schwarz wie die der Mutter.
Der Vater ließ sich nur bei den Mahlzeiten sehen. Traurig, müde,
streng, ernst war er, aber nicht hart; er sah strenger aus, als er
war, weil er bei der Heimkehr immer ohne weiteres eine Menge Sachen
entscheiden sollte, die er nicht beurteilen konnte. Auch wurde sein
Name immer benutzt, um die Kinder in Schrecken zu versetzen. „Wenn Papa
das erfährt‟ bedeutete Schläge. Das war gerade keine dankbare Rolle,
die man ihm gegeben. Gegen die Mutter war er immer mild. Er küßte sie
immer nach der Mahlzeit und dankte ihr fürs Essen. Dadurch gewöhnten
sich die Kinder daran, sie als die Geberin aller guten Gaben und den
Vater als den aller bösen zu betrachten. Das war ungerecht.
Man fürchtete den Vater. Wenn der Ruf: „Papa kommt!‟ zu hören war,
liefen alle Kinder davon und versteckten sich; oder eilten in die
Kinderstube, um sich zu kämmen und zu waschen. Bei Tisch herrschte
Todesschweigen, und der Vater sprach nur wenig.
Die Mutter hatte ein nervöses Temperament. Flammte auf, wurde aber bald
wieder ruhig. Sie war verhältnismäßig zufrieden mit ihrem Leben, denn
sie war gestiegen auf der sozialen Stufenleiter und hatte ihre eigene
Stellung wie die ihrer Mutter und ihres Bruders verbessert. Sie trank
des Morgens Kaffee im Bett; hatte Ammen, zwei Dienstboten, Großmutter
zur Hilfe. Wahrscheinlich überanstrengte sie sich nicht.
Für die Kinder war sie aber immer die Vorsehung. Sie schnitt die
Niednägel, verband verletzte Finger, tröstete und beruhigte immer,
wenn der Vater gestraft hatte, trotzdem sie der öffentliche Ankläger
war. Das Kind fand sie kleinlich, wenn sie dem Papa „petzte‟; Achtung
wenigstens erwarb sie sich dadurch nicht. Sie konnte ungerecht, heftig
sein; zur Unzeit strafen, auf die bloße Anzeige eines Dienstboten; aber
das Kind bekam auch Essen aus ihrer Hand, wurde von ihr getröstet;
darum war sie beliebt, während der Vater immer ein Fremder blieb, eher
ein Feind als ein Freund.
Das war des Vaters undankbare Stellung in der Familie. Aller Versorger,
aller Feind. Kam er müde, hungrig, finster nach Hause und wagte, fand
er den Fußboden frisch gescheuert und das Essen schlecht bereitet,
einen Tadel auszusprechen, so erhielt er eine etwas kurze Antwort. Er
lebte in seinem eigenen Hause wie auf Gnade, und die Kinder verbargen
sich vor ihm.
Der Vater war mit seinem Leben weniger zufrieden, denn er war
hinabgestiegen, hatte seine Stellung verschlechtert, mußte entsagen.
Und wenn er die, denen er das Leben gegeben und das Essen schenkte,
unzufrieden sah, wurde er nicht froh.
Aber die Familie selbst ist keine vollkommene Einrichtung. Für die
Erziehung hatte niemand Zeit; die nahm die Schule da auf, wo die Mägde
aufgehört hatten. Die Familie war eigentlich eine Speisewirtschaft,
eine Wasch- und Plättanstalt; aber eine unzweckmäßige. Nie etwas
anderes als Kochen, Einkaufen, Waschen, Plätten, Scheuern. So viele
Kräfte in Bewegung für so wenig Personen. Der Gastwirt, der Hunderte
speiste, wandte kaum mehr auf.
Die Erziehung bestand aus Schelten und Zausen, wies hin auf Gebet und
Gehorsam. Das Leben empfing das Kind mit Pflichten, nur mit Pflichten,
nicht mit Rechten. Aller andern Wünsche durften sich äußern, die des
Kindes wurden unterdrückt. Das Kind konnte keinen Gegenstand anfassen,
ohne etwas Unrechtes zu tun; nicht umherlaufen, ohne im Wege zu sein;
nicht ein Wort äußern, ohne zu stören. Schließlich wagte es sich nicht
mehr zu rühren. Seine höchste Pflicht und seine höchste Tugend war: auf
einem Stuhle stillsitzen und ruhig sein.
-- Du hast keinen Willen, so lautete es immer. Und damit wurde der
Grund zu einem willenlosen Charakter gelegt.
-- Was werden die Menschen sagen, hieß es später. Und damit wurde sein
Selbst angegriffen: er konnte nie er selber sein, war immer abhängig
von fremder Ansicht, die sich ändert; traute sich selber nichts zu,
ausgenommen in den wenigen Augenblicken, in denen er seine energische
Seele unabhängig von seinem Willen arbeiten fühlte.
Der Knabe war äußerst empfindsam. Weinte so oft, daß er deshalb einen
besonderen Schimpfnamen bekam. Jeder kleine Tadel verletzte ihn; er war
in beständiger Unruhe, einen Fehler zu begehen. Er achtete aber auf
Ungerechtigkeiten und wachte über die Verfehlungen der Brüder, indem
er hohe Anforderungen an sich selber stellte. Wenn die Brüder nicht
bestraft wurden, fühlte er sich tief gekränkt; wenn sie zur Unzeit
belohnt wurden, litt sein Gerechtigkeitsgefühl. Darum wurde er für
neidisch gehalten. Er ging dann zur Mutter, um sich zu beklagen. Bekam
einige Male recht, wurde aber ermahnt, es nicht so genau zu nehmen.
Aber man war ja so genau gegen ihn, und es wurde ihm befohlen, genau
gegen sich selbst zu sein. Er zog sich zurück und wurde bitter. So
wurde er scheu und verschlossen. Verbarg sich ganz hinten, wenn etwas
Gutes verteilt wurde, und weidete sich daran, wenn er übersehen wurde.
Er fing an, Kritik zu üben und bekam Geschmack für Selbstquälerei.
Bald war er melancholisch, bald war er mutwillig.
Sein ältester Bruder war hysterisch; konnte, wenn er beim Spiel
geärgert wurde, unter konvulsivischem Lachen, das ihn zu ersticken
drohte, niederfallen. Dieser Bruder war der Liebling der Mutter und der
andere der des Vaters. Lieblinge gibt es in allen Familien. Es ist nun
einmal so, daß das eine Kind mehr Sympathie erringt als das andere;
weshalb, ist nicht zu entscheiden. Johan war niemandes Liebling. Das
fühlte er und das grämte ihn. Die Großmutter sah es und nahm sich
seiner an. Er lernte das Abc bei ihr und half ihr beim Wiegen. Aber er
war mit dieser Liebe nicht zufrieden; er wollte die Mutter gewinnen.
Und er wurde zutunlich, betrug sich aber so plump dabei, daß er
durchschaut und zurückgestoßen wurde.
Es wurde strenge Zucht im Hause gehalten. Lüge wurde schonungslos
verfolgt und Ungehorsam auch. Kleine Kinder lügen aber oft aus
mangelhaftem Gedächtnis. Was hast du getan? fragt man sie. Es ist vor
zwei Stunden geschehen, und das Kind denkt nicht so weit zurück. Da
das Kind die Handlung für gleichgültig hielt, hat es sie sich nicht
gemerkt. Darum können kleine Kinder lügen, ohne es zu wissen. Darauf
muß man achten.
Sie können auch aus Notwehr lügen. Sie wissen, daß sie bei einem Nein
frei ausgehen und daß sie bei einem Ja Schläge bekommen.
Sie können auch lügen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Es ist
eine der ersten Entdeckungen des erwachenden Verstandes, daß ein
glücklich angebrachtes Ja oder Nein recht nützlich sein kann.
Das Häßlichste ist, wenn sie sich gegenseitig beschuldigen. Sie wissen,
der Fehltritt wird bestraft werden, einerlei an wem. Es kommt also
darauf an, einen Sündenbock zu finden. Da hat die Erziehung schuld.
Diese Strafe ist reine Rache. Der Fehltritt soll nicht bestraft werden,
denn das heißt, noch einen Fehler begehen. Der Übeltäter soll gebessert
werden; belehrt werden, um seiner selbst willen den Fehltritt nicht
wieder zu begehen.
Diese Gewißheit, daß der Fehltritt bestraft wird, ruft die Furcht beim
Kinde hervor, daß es für den Schuldigen gehalten wird; so schwebte
Johan in einer beständigen Furcht, man würde irgendeinen Fehltritt
entdecken.
Eines Mittags besichtigt der Vater die Weinflasche, die Tante benutzte.
-- Wer hat den Wein ausgetrunken? fragt er und sieht sich unter den
Kindern um.
Niemand antwortet, aber Johan errötet.
-- So, du bist es gewesen, sagt der Vater.
Da Johan niemals das Versteck der Weinflasche auskundschaftet hat,
fängt er an zu weinen und schluchzt:
-- Ich habe den Wein nicht ausgetrunken.
-- Was, du leugnest auch noch!
Auch noch!
-- Du sollst was erleben, wenn wir von Tisch aufstehen!
Der Gedanke, was dann geschehen würde, und die Betrachtungen, die der
Vater über Johans verschlossenes Wesen fortsetzt, veranlassen Johan,
noch mehr zu weinen.
Man steht vom Tische auf.
-- Komm, sagt der Vater, und geht in die Schlafstube.
Die Mutter folgt.
-- Bitte Papa um Verzeihung, sagt sie.
-- Ich habe es nicht getan, schreit er jetzt.
-- Bitte Papa um Verzeihung, sagt die Mutter und zaust ihn.
Der Vater hat hinter den Spiegel nach der Rute gegriffen.
-- Lieber Papa, verzeih mir, brüllt der Unschuldige.
Jetzt aber ist es zu spät. Das Bekenntnis ist abgegeben. Die Mutter
hilft bei der Exekution. Das Kind heult vor Harm, vor Wut, aus Schmerz,
am meisten aber vor Schande, vor Demütigung.
-- Bitte Papa jetzt um Verzeihung, sagt die Mutter.
Das Kind sieht sie an und verachtet sie. Es fühlt sich allein,
verlassen von der, zu der es sich stets flüchtete, um Milde und Trost
zu suchen, aber so selten Gerechtigkeit fand.
-- Verzeih, lieber Papa, sagt er mit zusammengebissenen lügenden Lippen.
Nun schleicht er in die Küche zu Luise hinaus, dem Kindermädchen, das
ihn zu waschen und zu kämmen pflegt, und weint sich in ihrer Schürze
aus.
-- Was hast du getan, Johan? fragt sie teilnehmend.
-- Nichts! antwortet er. Ich habe es nicht getan.
Mama kommt in die Küche.
-- Was sagt Johan? fragt sie Luise.
-- Er sagt, er habe es nicht getan.
-- Leugnet er noch!
Johan wird zurückgeführt, um dazu gezwungen zu werden, zu bekennen, was
er nie begangen hat.
Und jetzt bekennt er, was er nie begangen hat.
Herrliche, sittliche Einrichtung, heilige Familie, unantastbare,
göttliche Stiftung, die Bürger zu Wahrheit und Tugend erziehen soll! Du
angebliches Heim der Tugenden, wo unschuldige Kinder zu ihrer ersten
Lüge gezwungen, wo die Willenskraft durch Willkür geknickt, wo das
Selbstgefühl von enge wohnenden Egoismen getötet wird. Familie, du bist
das Heim aller sozialen Laster, die Versorgung aller bequemen Frauen,
die Ankerschmiede des Familienvaters, die Hölle der Kinder!
Seit diesem Tage lebte Johan in ewiger Unruhe. Nicht der Mutter, nicht
Luise, noch weniger den Brüdern und am wenigsten dem Vater wagte er
sich zu nähern. Feinde überall. Gott kannte er noch nicht anders als
durch das Abendgebet. Er war Atheist, wie das Kind ist; aber im Dunkeln
ahnte er wie der Wilde und das Tier böse Mächte.
Wer trank den Wein aus? fragte er sich. Wer war der Schuldige, für
den er litt? Neue Eindrücke, neue Sorgen ließen ihn bald die Frage
vergessen, aber die aufregende Handlung blieb ihm im Gedächtnis haften.
Er hatte das Vertrauen der Eltern, die Achtung der Geschwister, die
Gunst des Vaters verloren; Großmutter verhielt sich still. Vielleicht
schloß sie aus andern Gründen auf seine Unschuld, denn sie schalt ihn
nicht, aber sie schwieg. Sie hatte nichts zu sagen.
Er war wie ein bestrafter Mensch. Bestraft für eine Lüge, die man im
Hause so verabscheute, und für Diebstahl, ein Ausdruck, der nicht
einmal genannt werden durfte. Hatte sein bürgerliches Ansehen verloren,
war eine verdächtige Person; wurde von den Geschwistern verhöhnt, daß
er sich habe ertappen lassen.
Und das alles mit seinen Folgen, die für ihn volle Wirklichkeit hatten,
beruhte auf etwas, das nicht vorhanden war: das war seine Schuld.
* * * * *
Es herrschte nicht gerade Armut im Hause, aber Übervölkerung.
Kindtaufe, Begräbnis, Kindtaufe, Begräbnis. Zuweilen zwei Taufen ohne
Begräbnis dazwischen. Das Essen wurde streng eingeteilt und war nicht
gerade kräftig; Fleisch gab es nur Sonntags. Trotzdem wuchs Johan doch
tüchtig und war seinem Alter voraus.
Er wurde jetzt zum Spielen auf den Hof gelassen. Es war ein
gepflasterter Brunnen wie gewöhnlich, in den die Sonne niemals kam. Die
Schatten blieben über dem ersten Stockwerk stehen, weiter reichten sie
nicht. Ein großer Müllkasten, der einer alten Kommode mit Klappe glich,
geteert, aber aufgesprungen, stand auf vier Füßen an der Wand. Spül-
und Mülleimer wurden hier ausgegossen, und aus den Rissen rann eine
schwarze Sauce auf den Hof. Große Ratten hielten sich unter dem Kasten
auf und guckten dann und wann hervor, um in den Keller zu fliehen.
Holzställe und Aborte begrenzten die eine Hofseite. Da war schlechte
Luft, Feuchtigkeit und kein Licht. Sein erster Versuch, den Sand
zwischen den großen Feldsteinen aufzugraben, wurde von dem mürrischen
Verwalter unterbrochen. Der hatte einen Jungen. Johan spielte mit ihm,
fühlte sich ihm gegenüber aber nie recht sicher. Der Junge war ihm an
körperlicher Stärke und geistigem Verstand unterlegen, wußte sich aber
immer bei Zwistigkeiten auf seinen Papa, den Verwalter, zu berufen.
Seine Überlegenheit bestand darin, eine Autorität auf seiner Seite zu
haben.
Der Baron im Erdgeschoß hatte eine Treppe, deren Geländer aus Eisen
waren. Das war ein hübscher Ort zum Spielen, aber jeder Versuch, auf
das Geländer hinauf zu klettern, wurde von einem herausstürzenden
Bedienten vereitelt.
Auf die Straße zu gehen, war streng verboten. Blickte er aber durch
den Torweg und nach dem Kirchhof hinauf, hörte er Kinder dort spielen.
Er verlangte nicht danach, dabei zu sein, denn ihm war bange vor den
Kindern. Wenn er die Gasse hinuntersah, erblickte er das Wasser der
Klarabucht und die Waschbrücken. Das sah neu und geheimnisvoll aus,
aber er fürchtete sich vor dem See. An stillen Winterabenden hatte
er Notschreie von Ertrinkenden gehört, die in den Mälarsee gegangen
waren. Das geschah recht oft. Man saß um die Lampe in der Kinderstube.
-- Still! sagte eine der Mägde. Alle lauschten. Lange, anhaltende Rufe
waren zu hören. -- Es ertrinkt jemand, sagte einer. Man lauschte, bis
es wieder still wurde. Dann wurden Geschichten von Ertrinkenden erzählt.
Die Kinderstube lag nach dem Hof hinaus, und von deren Fenster sah man
ein Blechdach und einige Dachkammern. In denen standen alte abgelegte
Möbel und anderes Hausgerät. Diese Möbel ohne Menschen wirkten
unheimlich. Die Mägde sagten, es spuke dort. -- Was ist das, spuken?
Das konnten sie nicht sagen, aber ungefähr war es, daß tote Menschen
umgingen.
So wurde Johan von den Mägden erzogen, und so werden wir alle von der
Unterklasse erzogen. Das ist ihre unwillkürliche Rache, daß sie unsern
Kindern unsern abgelegten Aberglauben geben. Dieser Umstand ist es
vielleicht, der die Entwicklung in so hohem Grade aufhält, wenn er auch
den Klassenunterschied etwas ausgleicht. Warum gibt die Mutter diese
wichtigste Aufgabe aus der Hand, während sie doch vom Vater unterhalten
wird, um die Kinder zu erziehen? Nur zuweilen betete Johans Mutter das
Abendgebet mit ihm, meistens aber war es das Kindermädchen. So hatte
dieses ihn ein altes katholisches Gebet gelehrt, das lautete: „Ein
Engel ging um unser Haus, er trug zwei goldne Lichter voraus...‟
Wenn es der Traum des Menschen ist, sich von Arbeit zu befreien, so
scheint die Frau durch die Ehe diesen Traum verwirklicht zu haben.
Darum steht die Familie als soziale Einrichtung der Herde sehr nahe:
Männchen, Weibchen und Junge; und nicht eine Stufe über der Horde, da
die Sklaven (Diener) hinzugekommen sind. Darum wird man für die Familie
(Speiseanstalt) erzogen und nicht für die Gesellschaft, wenn man
überhaupt erzogen wird.
* * * * *
Die andern Zimmer lagen nach dem Klarakirchhof hinaus. Über den Linden
erhob sich das Schiff der Kirche wie ein Berg, und auf dem Berge
saß der Riese mit dem kupfernen Hut, der einen nie ruhenden Lärm
vollführte, um den Lauf der Zeit anzugeben. Der schlug Viertel im
Diskant und Stunden im Baß. Der läutete Frühgebet um vier Uhr mit einer
kleinen Glocke, er läutete Morgengebet um acht Uhr, er läutete Abend um
sieben Uhr. Der schlug zehn Uhr vormittags und vier Uhr nachmittags.
Der tutete alle Stunden von zehn bis vier Uhr nachts. Der läutete
mitten in der Woche bei Begräbnissen, und jetzt während der Cholerazeit
läutete er oft. Und Sonntags, o, da läutete er so, daß die ganze
Familie weinerlich aussah und niemand hörte, was der andere sagte.
Das Tuten nachts, wenn Johan wach lag, war sehr unheimlich. Am
schlimmsten aber war die Feuerglocke. Als er diesen tiefen dumpfen
Klang zum ersten Male in der Nacht hörte, bekam er Schüttelfrost und
weinte. Das Haus wachte immer auf. -- Es brennt! flüsterte einer. --
Wo ist es? Man zählte die Schläge und dann schlummerte man wieder ein;
Johan aber schlief nicht. Er weinte. Da konnte Mutter aufstehen, ihm
die Decke ordentlich zustopfen und sagen: -- Sei nicht bange, Gott
behütet die Unglücklichen schon! -- Das hatte er bisher von Gott nicht
gedacht.
[Illustration: GROSSVATER ZACHARIAS STRINDBERG Major der Bürgerwehr,
dramatischer Schriftsteller 1758-1828
Nach einem Ölbild von Professor Sandberg]
Morgens lasen die Mägde im Blatt, es habe im Süden der Stadt gebrannt
und zwei Menschen seien im Feuer umgekommen. -- Dann war es Gottes
Wille, sagte Mutter.
Sein erstes Erwachen zum Leben wurde immer von Läuten und Tuten
begleitet. In alle seine ersten Gedanken und Wahrnehmungen läuteten
Begräbnisglocken hinein, und sein ganzes erstes Lebensjahr wurde mit
Viertelschlägen abgemessen. Heiter machte ihn das wenigstens nicht,
wenn es auch seinem künftigen Nervenleben keine bestimmte Farbe gab.
Doch wer weiß! Die ersten Jahre sind ebenso wichtig, wie die neun
Monate vorher.
* * * * *
Mit fünf Jahren kam Johan in den Kindergarten. Er konnte seine Aufgaben
und lernte auswendig. Das Zusammenleben mit den kleinen Freunden
und Freundinnen löste die häusliche Einförmigkeit ab; der Verkehr
mit Altersgenossen aus andern Gesellschaftsklassen erweiterte seine
Gedanken, verscheuchte die monotone Kritik an Geschwistern und Eltern,
gab Erziehung.
Wenn er, sehr viel später, an diese Zeit dachte, waren nur noch
zwei Erinnerungen von Bedeutung ihm geblieben. Die eine, die später
sein Erstaunen erregte, war: ein siebenjähriger Knabe sollte in
geschlechtlichem Verhältnis zu einem gleichaltrigen Mädchen stehen.
Sein Geschlechtsleben war noch nicht erwacht; er wußte also nicht,
um was es sich eigentlich handelte; an das Wort, das den Vorgang
bezeichnete, erinnerte er sich. Das Vorkommnis soll übrigens nicht so
vereinzelt sein, nach dem, was Ärzte in ihren Büchern berichten, und
seine eigenen späteren Beobachtungen, die er an Bauernkindern machte,
zeigten, daß die Angabe wenigstens glaubhaft war.