DER FAHNENTRÄGER

Die andern fühlen alles an sich rauh

und ohne Anteil: Eisen, Zeug und Leder.

Zwar manchmal schmeichelt eine weiche Feder,

doch sehr allein und lieblos ist ein jeder;

er aber trägt--als trüg er eine Frau--

die Fahne in dem feierlichen Kleide.

Dicht hinter ihm geht ihre schwere Seide,

die manchmal über seine Hände fließt.

Er kann allein, wenn er die Augen schließt,

ein Lächeln sehn: er darf sie nicht verlassen.

Und wenn es kommt in blitzenden Kürassen

und nach ihr greift und ringt und will sie fassen--:

dann darf er sie abreißen von dem Stocke,

als riß er sie aus ihrem Mädchentum,

um sie zu halten unterm Waffenrocke.

Und für die andern ist das Mut und Ruhm.

DER LETZTE GRAF VON BREDERODE

ENTZIEHT SICH TÜRKISCHER

GEFANGENSCHAFT

Sie folgten furchtbar; ihren bunten Tod

von ferne nach ihm werfend, während er

verloren floh, nichts weiter als: bedroht.

Die Ferne seiner Väter schien nicht mehr

für ihn zu gelten; denn um so zu fliehn,

genügt ein Tier vor Jägern. Bis der Fluß

aufrauschte nah und blitzend. Ein Entschluß

hob ihn samt seiner Not und machte ihn

wieder zum Knaben fürstlichen Geblütes.

Ein Lächeln adeliger Frauen goß

noch einmal Süßigkeit in sein verfrühtes

vollendetes Gesicht. Er zwang sein Roß,

groß wie sein Herz zu gehn, sein blutdurchglühte:

es trug ihn in den Strom wie in sein Schloß.

Neue Gedichte · 第 73 / 105 题