Das Wissen, welches zuerst oder unmittelbar unser Gegenstand ist,
kann kein anderes sein als dasjenige, welches selbst unmittelbares
Wissen, _Wissen_ des _Unmittelbaren_ oder _Seienden_ ist. Wir haben
uns ebenso _unmittelbar_ oder _aufnehmend_ zu verhalten, also nichts
an ihm, wie es sich darbietet, zu verändern, und von dem Auffassen
das Begreifen abzuhalten.
Der konkrete Inhalt der _sinnlichen Gewißheit_ läßt sie unmittelbar
als die _reichste_ Erkenntnis, ja als eine Erkenntnis von unendlichem
Reichtum erscheinen, für welchen ebensowohl wenn wir im Raume und in
der Zeit, als worin er sich ausbreitet, _hinaus-_, als wenn wir uns
ein Stück aus dieser Fülle nehmen, und durch Teilung in dasselbe
_hineingehen_, keine Grenze zu finden ist. Sie erscheint außerdem
als die _wahrhafteste_; denn sie hat von dem Gegenstande noch nichts
weggelassen, sondern ihn in seiner ganzen Vollständigkeit vor sich.
Diese _Gewißheit_ aber gibt in der Tat sich selbst für die
abstrakteste und ärmste _Wahrheit_ aus. Sie sagt von dem, was sie
weiß, nur dies aus: es _ist_; und ihre Wahrheit enthält allein das
_Sein_ der Sache; das Bewußtsein seinerseits ist in dieser Gewißheit
nur als reines _Ich_; oder _Ich_ bin darin nur als reiner _Dieser_,
und der Gegenstand ebenso nur als reines _Dieses_. Ich, _dieser_,
bin _dieser_ Sache nicht darum gewiß, weil _Ich_ als Bewußtsein
hiebei mich entwickelte und mannigfaltig den Gedanken bewegte. Auch
nicht darum, weil _die Sache_, deren ich gewiß bin, nach einer Menge
unterschiedener Beschaffenheiten eine reiche Beziehung an ihr selbst,
oder ein vielfaches Verhalten zu andern wäre. Beides geht die
Wahrheit der sinnlichen Gewißheit nichts an; weder Ich noch die Sache
hat darin die Bedeutung einer mannigfaltigen Vermittlung; Ich nicht
die Bedeutung eines mannigfaltigen Vorstellens oder Denkens, noch die
Sache die Bedeutung mannigfaltiger Beschaffenheiten; sondern die
Sache _ist_; und sie _ist_, nur weil sie _ist_; sie _ist_, dies ist
dem sinnlichen Wissen das Wesentliche, und dieses reine _Sein_ oder
diese einfache Unmittelbarkeit macht ihre _Wahrheit_ aus. Ebenso ist
die Gewißheit als _Beziehung unmittelbare_ reine Beziehung; das
Bewußtsein ist _Ich_, weiter nichts, ein reiner _Dieser_; der
_Einzelne_ weiß reines Dieses, oder _das Einzelne_.
An dem _reinen Sein_ aber, welches das Wesen dieser Gewißheit
ausmacht, und welches sie als ihre Wahrheit aussagt, spielt, wenn wir
zusehen, noch vieles andere beiher. Eine wirkliche sinnliche
Gewißheit ist nicht nur diese reine Unmittelbarkeit, sondern ein
_Beispiel_ derselben. Unter den unzähligen dabei vorkommenden
Unterschieden finden wir allenthalben die Hauptverschiedenheit, daß
nämlich in ihr sogleich aus dem reinen Sein die beiden schon
genannten _Diesen_, ein _Dieser_ als _Ich_, und ein _Dieses_ als
_Gegenstand_ herausfallen. Reflektieren _wir_ über diesen
Unterschied, so ergibt sich, daß weder das eine noch das andere nur
_unmittelbar_, in der sinnlichen Gewißheit ist, sondern zugleich als
_vermittelt_; Ich habe die Gewißheit _durch_ ein anderes, nämlich die
Sache; und diese ist ebenso in der Gewißheit _durch_ ein anderes,
nämlich durch Ich.
Diesen Unterschied des Wesens und des Beispiels, der Unmittelbarkeit
und der Vermittlung, machen nicht nur wir, sondern wir finden ihn an
der sinnlichen Gewißheit selbst; und in der Form, wie er an ihr ist,
nicht wie wir ihn soeben bestimmten, ist er aufzunehmen. Es ist in
ihr eines als das einfache unmittelbar seiende, oder als das Wesen
gesetzt, _der Gegenstand_; das andere aber, als das unwesentliche und
vermittelte, welches darin nicht _an sich_, sondern durch ein anderes
ist, Ich, _ein Wissen_, das den Gegenstand nur darum weiß, weil er
ist, und das sein oder auch nicht sein kann. Der Gegenstand aber
_ist_, das Wahre und das Wesen; er _ist_, gleichgültig dagegen, ob er
gewußt wird oder nicht; er bleibt, wenn er auch nicht gewußt wird;
das Wissen aber ist nicht, wenn nicht der Gegenstand ist.
Der Gegenstand ist also zu betrachten, ob er in der Tat, in der
sinnlichen Gewißheit selbst, als solches Wesen ist, für welches er
von ihr ausgegeben wird; ob dieser sein Begriff, Wesen zu sein, dem
entspricht, wie er in ihr vorhanden ist. Wir haben zu dem Ende nicht
über ihn zu reflektieren und nachzudenken, was er in Wahrheit sein
möchte, sondern ihn nur zu betrachten, wie ihn die sinnliche
Gewißheit an ihr hat.
_Sie_ ist also selbst zu fragen: _Was ist das Diese?_ Nehmen wir es
in der gedoppelten Gestalt seines Seins, als das _Itzt_ und als das
_Hier_, so wird die Dialektik, die es an ihm hat, eine so
verständliche Form erhalten, als es selbst ist. Auf die Frage: _Was
ist das Itzt?_ antworten wir also zum Beispiel: _Das Itzt ist die
Nacht_. Um die Wahrheit dieser sinnlichen Gewißheit zu prüfen, ist
ein einfacher Versuch hinreichend. Wir schreiben diese Wahrheit auf;
eine Wahrheit kann durch Aufschreiben nicht verlieren; ebensowenig
dadurch, daß wir sie aufbewahren. Sehen wir _itzt, diesen Mittag_,
die aufgeschriebene Wahrheit wieder an, so werden wir sagen müssen,
daß sie schal geworden ist.
Das Itzt, welches Nacht ist, wird _aufbewahrt_, das heißt, es wird
behandelt als das, für was es ausgegeben wird, als ein _Seiendes_; es
erweist sich aber vielmehr als ein Nichtseiendes. Das _Itzt_ selbst
erhält sich wohl, aber als ein solches, das nicht Nacht ist; ebenso
erhält es sich gegen den Tag, der es itzt ist, als ein solches, das
auch nicht Tag ist; oder als ein _Negatives_ überhaupt. Dieses sich
erhaltende Itzt ist daher nicht ein unmittelbares, sondern ein
vermitteltes; denn es ist als ein bleibendes und sich erhaltendes
_dadurch_ bestimmt, daß anderes, nämlich der Tag und die Nacht, nicht
ist. Dabei ist es eben noch so einfach als zuvor, _Itzt_, und in
dieser Einfachheit gleichgültig gegen das, was noch bei ihm herspielt;
so wenig die Nacht und der Tag sein Sein ist, ebensowohl ist es auch
Tag und Nacht; es ist durch dies sein Anderssein gar nicht affiziert.
Ein solches Einfaches, das durch Negation ist, weder dieses noch
jenes, ein _Nichtdieses_, und ebenso gleichgültig, auch dieses wie
jenes zu sein, nennen wir ein _Allgemeines_; das Allgemeine ist also
in der Tat das Wahre der sinnlichen Gewißheit.
Als ein Allgemeines _sprechen_ wir auch das Sinnliche _aus_; was wir
sagen, ist: _Dieses_, das heißt das _allgemeine Diese_; oder_: es
ist_; das heißt das _Sein überhaupt_. Wir _stellen_ uns dabei
freilich nicht das allgemeine Diese, oder das Sein überhaupt _vor_,
aber wir _sprechen_ das Allgemeine _aus_; oder wir sprechen
schlechthin nicht, wie wir es in dieser sinnlichen Gewißheit _meinen_.
Die Sprache aber ist, wie wir sehen, das Wahrhaftere; in ihr
widerlegen wir selbst unmittelbar unsere _Meinung_, und da das
Allgemeine das Wahre der sinnlichen Gewißheit ist, und die Sprache
nur dieses Wahre ausdrückt, so ist es gar nicht möglich, daß wir ein
sinnliches Sein, das wir _meinen_, je sagen können.
Es wird derselbe Fall sein mit der andern Form des Dieses, mit _dem
Hier_. _Das Hier_ ist zum Beispiel der _Baum_. Ich wende mich um, so
ist diese Wahrheit verschwunden, und hat sich in die entgegengesetzte
verkehrt: _Das Hier ist nicht ein Baum_, sondern vielmehr _ein Haus_.
Das _Hier_ selbst verschwindet nicht; sondern _es ist_ bleibend im
Verschwinden des Hauses, Baumes und so fort, und gleichgültig, Haus,
Baum zu sein. Das _Dieses_ zeigt sich also wieder als _vermittelte
Einfachheit_, oder als _Allgemeinheit_.
Dieser sinnlichen Gewißheit, indem sie an ihr selbst das Allgemeine
als die Wahrheit ihres Gegenstandes erweist, bleibt also das _reine
Sein_ als ihr Wesen, aber nicht als unmittelbares, sondern ein
solches, dem die Negation und Vermittlung wesentlich ist; hiemit
nicht als das, was wir unter dem _Sein meinen_, sondern das _Sein_
mit der _Bestimmung_, daß es die Abstraktion oder das rein Allgemeine
ist, und _unsere Meinung_, für welche das wahre der sinnlichen
Gewißheit nicht das Allgemeine ist, bleibt allein diesem leeren oder
gleichgültigen Itzt und Hier gegenüber noch übrig.
Vergleichen wir das Verhältnis, in welchem das _Wissen_ und der
_Gegenstand_ zuerst auftrat, mit dem Verhältnisse derselben, wie sie
in diesem Resultate zu stehen kommen, so hat es sich umgekehrt. Der
Gegenstand, der das Wesentliche sein sollte, ist nun das
Unwesentliche der sinnlichen Gewißheit, denn das Allgemeine, zu dem
er geworden ist, ist nicht mehr ein solches, wie er für sie
wesentlich sein sollte, sondern sie ist itzt in dem Entgegengesetzten,
nämlich in dem Wissen, das vorher das Unwesentliche war, vorhanden.
Ihre Wahrheit ist in dem Gegenstande als _meinem_ Gegenstande, oder
im _Meinen_, er ist, weil _Ich_ von ihm weiß. Die sinnliche
Gewißheit ist also zwar aus dem Gegenstande vertrieben, aber dadurch
noch nicht aufgehoben, sondern nur in das Ich zurückgedrängt; es ist
zu sehen, was uns die Erfahrung über diese ihre Realität zeigt.
Die Kraft ihrer Wahrheit liegt also nun im _Ich_, in der
Unmittelbarkeit meines _Sehens, Hörens_, und so fort; das
Verschwinden des einzelnen Itzt, und Hier, das wir meinen, wird
dadurch abgehalten, daß _Ich_ sie festhalte. _Das Itzt ist Tag_, weil
ich ihn sehe; _das Hier ein Baum_, eben darum. Die sinnliche
Gewißheit erfährt aber in diesem Verhältnisse dieselbe Dialektik an
ihr, als in dem vorigen. _Ich, dieses_, sehe den Baum, und _behaupte
den Baum als das Hier_; ein _anderer Ich_ sieht aber das Haus, und
behauptet, das Hier sei nicht ein Baum, sondern vielmehr ein Haus.
Beide Wahrheiten haben dieselbe Beglaubigung, nämlich die
Unmittelbarkeit des Sehens, und die Sicherheit und Versicherung
beider über ihr Wissen; die eine verschwindet aber in der andern.
Was darin nicht verschwindet, ist _Ich_, als _allgemeines_, dessen
Sehen weder ein Sehen des Baums noch dieses Hauses, sondern ein
einfaches Sehen ist, das durch die Negation dieses Hauses und so fort
vermittelt, darin ebenso einfach und gleichgültig gegen das, was noch
beiher spielt, gegen das Haus, den Baum ist. Ich ist nur allgemeines,
wie _Itzt, Hier_ oder _Dieses_ überhaupt; ich meine wohl einen
_einzelnen Ich_, aber sowenig ich das, was ich bei Itzt, Hier meine,
sagen kann, so wenig bei Ich. Indem ich sage: _dieses Hier, Itzt_
oder ein _Einzelnes_, sage ich: _*alle* diese, alle Hier, Itzt,
Einzelne_; ebenso indem ich sage: _Ich, dieser einzelne_ Ich, sage
ich überhaupt: _*alle* Ich_; jeder ist das was ich sage: _Ich, dieser
einzelne Ich_. Wenn der Wissenschaft diese Forderung, als ihr
Probierstein, auf dem sie schlechthin nicht aushalten könnte,
vorgelegt wird, ein sogenanntes _dieses Ding_, oder einen _diesen
Menschen_, zu deduzieren, konstruieren, a priori zu finden oder wie
man dies ausdrücken will, so ist billig, daß die Forderung _sage_,
welches _dieses_ Ding oder welchen _diesen_ Ich sie meine; aber dies
zu sagen ist unmöglich.
Die sinnliche Gewißheit erfährt also, daß ihr Wesen weder in dem
Gegenstande noch in dem Ich, und die Unmittelbarkeit weder eine
Unmittelbarkeit des einen noch des andern ist, denn an beiden ist das,
was Ich meine, vielmehr ein Unwesentliches, und der Gegenstand und
Ich sind Allgemeine, in welchen dasjenige Itzt und Hier und Ich, das
ich meine, nicht bestehen bleibt, oder _ist_. Wir kommen hiedurch
dahin, das _Ganze_ der sinnlichen Gewißheit selbst als ihr _Wesen_ zu
setzen, nicht mehr nur ein Moment derselben, wie in den beiden Fällen
geschehen ist, worin zuerst der dem Ich entgegengesetzte Gegenstand,
dann Ich ihre Realität sein sollte. Es ist also nur die _ganze_
sinnliche Gewißheit selbst, welche an ihr als _Unmittelbarkeit_
festhält, und hiedurch alle Entgegensetzung, die im vorherigen
stattfand, aus sich ausschließt.
Diese reine Unmittelbarkeit geht also das Anderssein des Hier als
Baums, welches in ein Hier, das Nichtbaum ist, das Anderssein des
Itzt als Tages, das in ein Itzt, das Nacht ist, übergeht, oder ein
anderes Ich, dem etwas anderes Gegenstand ist, nichts mehr an. Ihre
Wahrheit erhält sich als sich selbst gleichbleibende Beziehung, die
zwischen dem Ich und dem Gegenstande keinen Unterschied der
Wesentlichkeit und Unwesentlichkeit macht, und in die daher auch
überhaupt kein Unterschied eindringen kann. Ich, dieses, behaupte
also das Hier als Baum, und wende mich nicht um, so daß mir das Hier
zu einem Nichtbaume würde; ich nehme auch keine Notiz davon, daß ein
anderer Ich das Hier als Nichtbaum sieht, oder daß Ich selbst, ein
anderesmal, das Hier als Nichtbaum, das Itzt als Nicht-Tag nehme,
sondern Ich bin reines Anschauen; Ich für mich bleibe dabei, das Itzt
ist Tag, oder auch dabei, das Hier ist Baum; vergleiche auch nicht
das Hier und Itzt selbst miteinander, sondern halte an einer
unmittelbaren Beziehung fest: das Itzt ist Tag.
Da hiemit diese Gewißheit nicht mehr herzutreten will, wenn wir sie
auf ein Itzt, das Nacht ist, oder auf einen Ich, dem es Nacht ist,
aufmerksam machen, so treten wir zu ihr hinzu, und lassen uns das
Itzt zeigen, das behauptet wird. _Zeigen_ müssen wir es uns lassen,
denn die Wahrheit dieser unmittelbaren Beziehung ist die Wahrheit
_dieses_ Ich, der sich auf ein _Itzt_ oder ein _Hier_ einschränkt.
Würden wir _nachher_ diese Wahrheit vornehmen, oder _entfernt_ davon
stehen, so hätte sie gar keine Bedeutung, denn wir höben die
Unmittelbarkeit auf, die ihr wesentlich ist. Wir müssen daher in
denselben Punkt der Zeit oder des Raums eintreten, sie uns zeigen, d.
h. uns zu demselben diesen Ich, welches das gewiß Wissende ist,
machen lassen. Sehen wir also, wie das Unmittelbare beschaffen ist,
das uns aufgezeigt wird.
Es wird das _Itzt_ gezeigt; _dieses Itzt_. _Itzt_; es hat schon
aufgehört zu sein, indem es gezeigt wird; das _Itzt_, das _ist_, ist
ein anderes als das gezeigte, und wir sehen, daß das Itzt eben dieses
ist, indem es ist, schon nicht mehr zu sein. Das Itzt, wie es uns
gezeigt wird, ist es ein _gewesenes_; und dies ist seine Wahrheit; es
hat nicht die Wahrheit des Seins. Es ist also doch dies wahr, daß es
gewesen ist. Aber was _gewesen_ ist, ist in der Tat _kein Wesen_;
_es *ist* nicht_, und um das Sein war es zu tun.
Wir sehen also in diesem Aufzeigen nur eine Bewegung und folgenden
Verlauf derselben: 1) Ich zeige das Itzt auf, es ist als das Wahre
behauptet; ich zeige es aber als Gewesenes, oder als ein Aufgehobenes,
hebe die erste Wahrheit auf, und 2) Itzt behaupte Ich als die zweite
Wahrheit, daß es _gewesen_, aufgehoben ist. 3) Aber das Gewesene ist
nicht; Ich hebe das Gewesen- oder Aufgehobensein, die zweite Wahrheit
auf, negiere damit die Negation des Itzt, und kehre so zur ersten
Behauptung zurück: daß _Itzt_ ist. Das Itzt und das Aufzeigen des
Itzt ist also so beschaffen, daß weder das Itzt noch das Aufzeigen
des Itzt ein unmittelbares Einfaches ist, sondern eine Bewegung,
welche verschiedene Momente an ihr hat; es wird _Dieses_ gesetzt, es
wird aber vielmehr _ein Anderes_ gesetzt, oder das Diese wird
aufgehoben: und dieses _Anderssein_ oder Aufheben des ersten wird
selbst _wieder aufgehoben_, und so zu dem ersten zurückgekehrt. Aber
dieses in sich reflektierte erste ist nicht ganz genau dasselbe, was
es zuerst, nämlich ein _Unmittelbares_, war; sondern es ist eben _ein
in sich Reflektiertes_, oder _Einfaches_, welches im Anderssein
bleibt, was es ist; ein Itzt, welches absolut viele Itzt ist; und
dies ist das wahrhafte Itzt; das Itzt als einfacher Tag, das viele
Itzt in sich hat, Stunden; ein solches Itzt, eine Stunde, ist ebenso
viele Minuten, und diese Itzt gleichfalls viele Itzt und so fort.
--Das _Aufzeigen_ ist also selbst die Bewegung, welche es ausspricht,
was das Itzt in Wahrheit ist; nämlich ein Resultat, oder eine
Vielheit von Itzt zusammengefaßt; und das Aufzeigen ist das Erfahren,
daß Itzt _Allgemeines_ ist.
Das _aufgezeigte Hier_, das ich festhalte, ist ebenso ein _dieses_
Hier, das in der Tat _nicht dieses_ Hier ist, sondern ein Vornen und
Hinten, ein Oben und Unten, ein Rechts und Links ist. Das Oben ist
selbst ebenso dieses vielfache Anderssein in oben, unten, und so fort.
Das Hier, welches aufgezeigt werden sollte, verschwindet in andern
Hier, aber diese verschwinden ebenso; das Aufgezeigte, Festgehaltene
und Bleibende ist ein _negatives Dieses_, das nur so _ist_, indem die
_Hier_, wie sie sollen, genommen werden, aber darin sich aufheben; es
ist eine einfache Komplexion vieler Hier. Das Hier, das gemeint wird,
wäre der Punkt; er _ist_ aber nicht, sondern, indem er als seiend
aufgezeigt wird, zeigt sich das Aufzeigen, nicht unmittelbares Wissen,
sondern eine Bewegung, von dem gemeinten Hier aus durch viele Hier
in das allgemeine Hier zu sein, welches wie der Tag eine einfache
Vielheit der Itzt, so eine einfache Vielheit der Hier ist.
Es erhellt, daß die Dialektik der sinnlichen Gewißheit nichts anders
als die einfache Geschichte ihrer Bewegung oder ihrer Erfahrung, und
die sinnliche Gewißheit selbst nichts anders als nur diese Geschichte
ist. Das natürliche Bewußtsein geht deswegen auch zu diesem
Resultate, was an ihr das Wahre ist, immer selbst fort, und macht die
Erfahrung darüber; aber vergißt es nur ebenso immer wieder, und fängt
die Bewegung von vorne an. Es ist daher zu verwundern, wenn gegen
diese Erfahrung, als allgemeine Erfahrung, auch als philosophische
Behauptung, und gar als Resultat des Skeptizismus aufgestellt wird,
die Realität oder das Sein von äußern Dingen als _diesen_, oder
sinnlichen, habe absolute Wahrheit für das Bewußtsein; eine solche
Behauptung weiß zugleich nicht, was sie spricht, weiß nicht, daß sie
das Gegenteil von dem sagt, was sie sagen will. Die Wahrheit des
sinnlichen _Diesen_ für das Bewußtsein soll allgemeine Erfahrung sein;
aber vielmehr ist das Gegenteil allgemeine Erfahrung; jedes
Bewußtsein hebt eine solche Wahrheit, wie zum Beispiel: _das Hier ist
ein Baum_, oder _das Itzt ist Mittag_, selbst wieder auf, und spricht
das Gegenteil aus: das Hier ist _nicht_ ein Baum, _sondern_ ein Haus;
und was in dieser die erste aufhebenden Behauptung wieder eine
ebensolche Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es sofort
ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Gewißheit in Wahrheit nur
dies erfahren, was wir gesehen haben, das _dieses_ nämlich als ein
_Allgemeines_, das Gegenteil dessen, was jene Behauptung allgemeine
Erfahrung zu sein versichert.--Bei dieser Berufung auf die allgemeine
Erfahrung kann es erlaubt sein, die Rücksicht auf das Praktische zu
antizipieren. In dieser Rücksicht kann denjenigen, welche jene
Wahrheit und Gewißheit der Realität der sinnlichen Gegenstände
behaupten, gesagt werden, daß sie in die unterste Schule der Weisheit,
nämlich in die alten Eleusischen Mysterien der Ceres und des Bacchus
zurückzuweisen sind, und das Geheimnis des Essens des Brotes und des
Trinkens des Weines erst zu lernen haben; denn der in diese
Geheimnisse Eingeweihte gelangt nicht nur zum Zweifel an dem Sein der
sinnlichen Dinge, sondern zur Verzweiflung an ihm; und vollbringt in
ihnen teils selbst ihre Nichtigkeit, teils sieht er sie vollbringen.
Auch die Tiere sind nicht von dieser Weisheit ausgeschlossen, sondern
erweisen sich vielmehr am tiefsten in sie eingeweiht zu sein, denn
sie bleiben nicht vor den sinnlichen Dingen als an sich seienden
stehen, sondern verzweifelnd an dieser Realität und in der völligen
Gewißheit ihrer Nichtigkeit langen sie ohne weiteres zu und zehren
sie auf; und die ganze Natur feiert wie sie diese offenbare Mysterien,
welche es lehren, was die Wahrheit der sinnlichen Dinge ist.
Die, welche solche Behauptung aufstellen, sagen aber, gemäß
vorhergehenden Bemerkungen, auch selbst unmittelbar das Gegenteil
dessen, was sie meinen; eine Erscheinung, die vielleicht am fähigsten
ist, zum Nachdenken über die Natur der sinnlichen Gewißheit zu
bringen. Sie sprechen von dem Dasein _äußerer_ Gegenstände, welche
noch genauer, als _wirkliche_, absolut _einzelne, ganz persönliche,
individuelle_ Dinge, deren jedes seines absolutgleichen nicht mehr
hat, bestimmt werden können; dies Dasein habe absolute Gewißheit und
Wahrheit. Sie meinen _dieses_ Stück Papier, worauf ich _dies_
schreibe, oder vielmehr geschrieben habe; aber was sie meinen, sagen
sie nicht. Wenn sie wirklich dieses Stück Papier, das sie meinen,
_sagen_ wollten, und sie wollten _sagen_, so ist dies unmöglich, weil
das sinnliche Diese, das gemeint wird, der Sprache, die dem
Bewußtsein, dem an sich allgemeinen, angehört, _unerreichbar_ ist.
Unter dem wirklichen Versuche, es zu sagen, würde es daher vermodern;
die seine Beschreibung angefangen, könnten sie nicht vollenden,
sondern müßten sie andern überlassen, welche von einem Dinge zu
sprechen, das nicht _ist_, zuletzt selbst eingestehen würden. Sie
meinen also wohl _dieses_ Stück Papier, das hier ein ganz anderes als
das obige ist; aber sie sprechen wirkliche _Dinge, äußere_ oder
_sinnliche Gegenstände, absolut einzelne Wesen_, und so fort, das
heißt, sie sagen von ihnen nur das _Allgemeine_; daher was das
Unaussprechliche genannt wird, nichts anderes ist, als das Unwahre,
Unvernünftige, bloß Gemeinte.--Wird von etwas weiter nichts gesagt,
als daß es ein _wirkliches Ding_, ein _äußerer Gegenstand_ ist, so
ist es nur als das Allerallgemeinste, und damit viel mehr seine
_Gleichheit_ mit allem, als die Unterschiedenheit ausgesprochen.
Sage ich ein _einzelnes Ding_, so sage ich es vielmehr ebenso als
ganz _Allgemeines_, denn alle sind ein einzelnes Ding; und
gleichfalls _dieses_ Ding ist alles, was man will. Genauer
bezeichnet, als _dieses Stück Papier_, so ist _alles_ und _jedes_
Papier, ein _dieses_ Stück Papier, und ich habe nur immer das
Allgemeine gesagt. Will ich aber dem Sprechen, welches die göttliche
Natur hat, die Meinung unmittelbar zu verkehren, zu etwas anderem zu
machen, und so sie gar nicht _zum Worte kommen_ zu lassen, dadurch
nachhelfen, daß ich dies Stück Papier _aufzeige_, so mache ich die
Erfahrung, was die Wahrheit der sinnlichen Gewißheit in der Tat ist;
ich zeige es auf, als ein _Hier_, das ein Hier anderer Hier, oder an
ihm selbst ein _einfaches Zusammen vieler Hier_, das heißt, ein
Allgemeines ist, ich nehme so es auf, wie es in Wahrheit ist, und
statt ein Unmittelbares zu wissen, _nehme ich wahr_.