I.

Die Stuttgarter Zeitung vom 26. August 1783 erzählt folgendes. Kaiser

Joseph soll auf seiner letzten Reise in Siebenbürgen einen Ort

angetroffen haben, wo man sehr vieles von fürchterlichen Gespenstern,

die unweit davon eine große Strecke Gebirges unzugangbar machten, mit

viel Glaubwürdigkeit erzählte. In Begleitung des Ortsrichters reisten

Se. Majestät dahin, und der General Graf Kolloredo erbat sich die

Ehre, voraus zu steigen und den Augenschein vom Gespenste einnehmen

zu dürfen, um Sr. Majestät nicht etwa der Gefahr der Hinterlist

auszusetzen. Wirklich kam dieser mit der Nachricht zurück, daß er auf

dem vom Richter angezeigten Plätzchen einen altfränkischen Ritter

gesehen habe, der ihm sehr ernsthaft und bedeutend mit der Hand das

Zeichen gab, sich zurückzuziehen. – So was muß ich doch selbst sehen,

rief der Monarch, und ging hastig mit seiner geringen Begleitung dahin.

Der Ritter winkte freilich wieder zum Abzuge; allein der Monarch

war festen Schrittes so lange vorgerückt, bis man einander verstehen

konnte, und nun sagte er: »Ich bin Kaiser Joseph! Wer seid Ihr?« Auf

den Knieen und mit herabgenommenem Visir antwortete der Ritter: Ich

bin ein Räuber, Ew. Majestät! – »Was macht Ihr hier?« – Mich trifft

heute die Vorwache. – »Wie viel sind Euer?« – Beinahe gegen 300 Mann.

– »Und warum arbeitet und dienet Ihr nicht lieber, als daß Ihr so ein

Schandleben führet?« – Wir sind lauter Unglückliche, Ew. Majestät! die

größtenteils gut erzogen wurden, und nachher so ins Elend sanken, daß

uns nichts mehr übrig war, als Hungers zu sterben oder zu stehlen.

Wir morden Niemanden, und rauben bloß so viel, als wir zum Unterhalte

nöthig haben, freuten uns auch schon lange Zeit, Ew. Majestät im

Türkenkrieg zu dienen. – »Ich will Euch ohne Krieg Brod geben!«

versetzte der Kaiser, und hiermit verließ er getrost den Kerl.

Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens · 第 12 / 21 题