Im Deutschen Reiche entfielen auf 100000 Einwohner

im Jahre 1871 88 Blinde

„ „ 1900 61 „

Die relative Abnahme der Blindheit betrug in 30 Jahren rund 30%.

Nachstehende Tabelle gibt die Zahl der Blinden in den =größeren

Bundesstaaten des Deutschen Reiches= nach der Zählung von 1900.

+Zahl der Blinden:+ Auf 100000 Einwohner

entfallen Blinde:

Preußen 21614 62,7

Bayern 3444 55,8

Sachsen 2715 64,6

Württemberg 1302 60,0

Baden 1003 94,6

Hessen 537 47,9

Mecklenburg-Schwerin 457 76,1

Hamburg 258 36,8

Elsaß-Lothringen 997 58,3

=Preußische Provinzen.= +Zahl der Blinden:+ Auf 100000 Einwohner

entfallen Blinde:

Ostpreußen 1883 94,1

Westpreußen 1233 79,0

Stadtkreis Berlin 1036 54,5

Brandenburg 1899 61,2

Pommern 1158 71,0

Posen 1345 71,0

Schlesien 3012 64,5

Sachsen 1814 64,1

Schleswig-Holstein 897 64,5

Hannover 1462 56,4

Westfalen 1460 45,7

Hessen-Nassau 1087 57,2

Rheinprovinz 3286 57,0

Teilt man die Gesamtzahl der Blinden in zwei große Altersklassen, in

Blinde +unter+ 50 Jahren und in Blinde +über+ 50 Jahren, so ergeben

sich im Deutschen Reich:

für die 1. Gruppe 14084 Blinde = 42%

„ „ 2. „ 20250 „ = 58%

Auf 100000 Einwohner +unter+ 50 Jahren entfallen 29,5 Blinde

„ „ „ +über + „ „ „ 230,8 „

26% aller Blinden sind in früher Jugend, 74% sind später erblindet. Im

Alter von 1-5 Jahren erblindeten 15½% sämtlicher Blinden.

Im Alter von 5-15 Jahren, also ungefähr im schulpflichtigen Alter,

standen 2340 Blinde = 6,8%. Die Gesamtzahl der +männlichen+ Blinden

betrug 17818, der +weiblichen+ 16516 (männlich = 52%, weiblich = 48%).

Aus Gemeinden bis zu 2000 Einwohnern (+Landgemeinden+) stammten 62%,

aus größeren Gemeinden (+Stadtgemeinden+) stammten 38%.

In den ersten 5 Jahren herrscht große Erblindungsgefahr; die geringste

Gefahr besteht während der Schulzeit. Vom 16. bis 50. Jahre nimmt die

Erblindungsgefahr langsam aber stetig zu; vom 51. Lebensjahre ab steigt

sie rasch an. Die höchste Erblindungsgefahr besteht zwischen dem 70.

und 80. Lebensjahre.

Folgende Tabelle (nach Hirsch) zeigt die häufigsten Ursachen der

Blindheit von 2210 in der +Jugend+ erblindeten Augen.

=I. Angeboren.= | Prozent

Kindlicher grüner Star |

(Buphthalmus) |----2,4

Kleinauge |

(Mikrophthalmus) |-----3,6

Pigment-Degeneration |

(Retinitis pigmentosa) |------4,5

Angeborene Krankheit |

der Sehnerven (Atrophia |

optica congenita) |-------4,8

Angeborener grauer |

Star (Cataracta congenita)|-------------10,1

|

=II. Augenkrankheiten= |

=ohne Körperleiden.= |

Grüner Star (Glaucoma) |--1,2

Sehnervenschwund |

(Atrophia nervi optici) |-----3,9

Augenentzündung der |

Neugeborenen (Blennorrhoea|

neonatorum) |---------------------------38,1

|

=III. Durch Körperkrank-= |

= heiten.= |

Typhus |--1,4

Scharlach |----2,3

Pocken |-----3,1

Skrophulose |-------4,6

Gehirnentzündung |-------4,9

Masern |-----------6,1

|

=IV. Verletzungen etc.= |

Verletzungen des |

Kopfes |--0,9

Sympathische Entzündungen |----2,4

Direkte Verletzungen |-----------5,7

Eine im Mai 1901 in 33 deutschen Blindenanstalten vorgenommene

Ermittelung zeigt (nach Professor Cohn-Breslau) in bezug auf

Blennorrhöe, Pocken und äußere Verletzungen folgendes Bild:

Gesamtzahl der Blinden 2175

Zahl der Blennorrhöe-Blinden 432 = 20%

Zahl der Blinden unter 10 Jahren 268

Von diesen durch Blennorrhöe erblindet 83 = 30%

Pocken-Blinde 16 = 0,7%

Durch Verletzung Erblindete 155 = 7%

+Prof. Dr. Cohn+, Haben die neueren Verhütungsvorschläge eine

Abnahme der Blindenzahl herbeigeführt? Kongr.-Ber. Breslau 1901.

+Hirsch+, Entstehung und Verhütung der Blindheit. Jena 1902.

+Die Blinden im Deutschen Reiche+ nach dem Ergebnisse der

Volkszählung am 1. Dezember 1900. Sonderabdruck aus den

Medizinal-statistischen Mitteilungen aus dem Kaiserlichen

Gesundheitsamt. Verlag von Julius Springer Berlin.

+Schaidler+, Hauptergebnisse der amtlichen Blindenzählungen im

Jahre 1900. Kongr.-Ber. Hamburg 1907.

+Wagner+, Statistische Blindenerhebung und gegenwärtiger Stand der

Blindenstatistik in Europa samt Änderungsvorschlägen. Wie vor.

Derselbe, Bericht über die Schlußberatung der Kommission für

internationale Blindenstatistik in Prag am 7. Oktober 1908. Prag,

Klarsche Blindenanstalt 1909.

+Wagner+, Bericht über die Tätigkeit der Kommission für

internationale Blindenstatistik. Kongr.-Ber. Wien 1910.

Erziehung und Unterricht der Blinden · 第 9 / 37 题