[Eudora, Hermes' Frau. Der Einsiedler.]
Eudora.
Nimm, guter Mann, dies Brot und Milch von mir,
Es ist das Letzte.
Einsiedler.
Weib! ich danke dir.
Und weine nicht, laß mich in Ruhe scheiden;
Dies Herz ist wohlgewöhnt, zu leiden,
Allein zu leiden männiglich.
Dein Mitleid überwältigt mich.
Eudora.
Ich bin betrübt, wie Blutdurst meinen Mann,
Das ganze Volk der Schwindel fassen kann!
Einsiedler.
Sie glauben. Laß sie! Du wirst nichts gewinnen.
Das Schicksal spielt
Mit unserm armen Kopf und Sinnen.
Eudora.
Dich um des Tiers willen töten!
Einsiedler.
Tiers! Wer sein Herz bedürftig fühlt,
Findt überall einen Propheten.
Ich bin der erste Märtyrer nicht,
Aber gewiß der harmlosen einer;
Um keiner Meinungen, keiner
Willkürlichen Grillen,
Um eines armen Lappens willen,
Eines Lappens, bei Gott! den ich brauchte.
Mein Andachtsbild, den Schutzgott meiner Ruh,
Raubt mir das Ungeheuer dazu.
Eudora.
O Freund! ich kenn sein Götterblut wie du.
Mein Mann ward Knecht in seiner eignen Wohnung,
Und Ihre borstge Majestät sah zur Belohnung
Mich Hausfrau für einen arkadischen Schwan,
Mein Ehbett für einen Rasen an,
Sich drauf zu tummeln.
Einsiedler.
Ich erkenn ihn dran.
Eudora.
Ich schickt ihn mit Verachtung weg. Er hing
Sich fester an Psyche, das arme Ding,
Um mich zu trotzen! Und seit der Zeit
Sterb ich oder seh dich befreit.
Einsiedler.
Sie bereiten das Opfer heut.
Eudora.
Die Gefahr lehrt uns bereit sein.
Ich geb nichts verloren;
Mit einem Blicke lenk ich ein
Bei dem kühnen eingebild'ten Toren.
Einsiedler.
Und dann?
Eudora.
Wann sie dich zum Opfer führen,
Lock ich ihn an, sich zu verlieren
In die innern heiligen Hallen,
Aus Großmut-Sanftmut-Schein.
Da dring auf das Volk ein,
Uns zu überfallen.
Einsiedler.
Ich fürchte -
Eudora.
Fürchte nicht!
Einer, der um sein Leben spricht,
Hat Gewalt. Ich wage, und du sollst reden.
[Ab.]
Einsiedler.
Geht's nicht, so mögen sie mich töten.