An diesem Nachmittag standen alle Kellerfenster offen, das faule Stroh
wurde hinter den Polizeitritten auf die Straße geschmissen und zersank.
Die Fabriken stießen spinnwebene Fenster auf,
Sauseluft um eiligen Ölgestank.
Unter den dumpfen Brückenbögen räkelten sich
Geschwüre und blaßnacktes Fleisch, Fetzen, Lauslöcher,
Wunden mit Maden.
Hinter den Bänken in grell dürren Parks, aus bestaubten
Büschen krochen Beine hervor auf die
feinen Promenaden.
In Paris, rauschend in Hell, in dem Hammerschlag
New York, in Frisco voll Straßenbahndampf, dem
harten, schattenlosen Madrid, London, dem gasflammengelben,
Im Leierkastengeklirr Berlins unter Springbrunnen
sonnenstaub geklopfter Teppiche, im Neuen Heil
Berlin, vorbei an den fetten Riesenbrotreihen der
Straßen
Brachen bleiche Köpfe empor, Aufbruch unterirdischer
Riesenpusteln,
Faserhaare dünn über gequetschten Wurmmäulern; brauenlos runde Augen wie
von ertränktem Aas messen die Straßen ab, Fliegen steigen klebrig auf vom
Geruch,
Die Erde erhebt das Haupt der Bleichen, O unsichrer Marsch der Halbtoten,
Nächtigen, ewig Versteckten. Blaßweiße Wurzelmienen, o Letzte, Unterste,
Sarglose, ewig Halbeingegraben in kalten saugenden Dreck, tastender Zug in
spähender Unsicherheit, die Nacht ist nicht da, sie dürfen sehen. Sie
sehen.
* * * * *
Sie sehen.
* * * * *
Der Himmel lief ihnen wie ein dünner Faden blau über die Erde hin. Aber in
der Straße sahen sie den langen aufschießend flammenden Finger des Lichts.
O gab es noch Häuser, schwere Straßen, Schutzleute mit harten Stiefeln? Das
himmlische Licht bergan schmolz mild zur rötlichen Kugel halb hinter
Dächern auf.
Es war eine Orange, wie in dem vornehmen, betteln
verboten, Eßwarenverkauf,
Es war ein wildes Zehnmarkstück wie hinter dem
Fenster der Wechselbank,
Ein rotes rundes Glas Bier aus einem Aschingerschank,
Ein Schinken, ein Mund, Weiberbrust, ein Hut mit 'nem Band, ein Loch das
rot klafft,
Ein weiches buntes Kissen. Ein Vogel im Käfig.
Eine Tabakpfeife pafft.
Eine Tür offen zu 'nem menschenleeren Kleiderladen,
Ein rotes Boot am lauen Fluß zum Baden.
An diesem Nachmittag sah der arme Mob das Licht.
Es lief vor ihm her. Die anderen sahen es nicht.
Sie schwankten unsicher hinein in den Strahl, wie ein bleiches Rübenfeld
kraftlos von schlechtem Dung.
Aus zerschlissenen Winkeln in den Städten der
Welt brach göttlicher Glockenschwung.
O seliges Fliegen: Pustblumen im Hauch, die Stengel
gefesselt und kahl,
Die zitternden Heere zerlumpten Leibs reckten
gedunsene Köpfe zum himmlischen Strahl.
Um die ganze Erdkugel schwang tief durch die
Winkel wie ein Klingelblitz das Licht.
Der Mob auf dem bewachsenen Ball hob hoch sein
Kellergesicht.
Sie hatten wie sterbende Asseln wimmelnd im fauligen
Dunkel gelegen,
Sie stürzten heraus, als gäbs Kinderfest, gelbe Luftballons
mit buntem Bonbonregen.
Alle morschen Füße über die Meere hin stiegen
zum Marsch, schmutzige Tücher wehten, da
dehnten sich Arme, schwach und zerknüllt.
Sie schluchzten faltig und heiser, Riesenstimmen schrien über die Erde: die
Zeit ist erfüllt!
Sie hatten wie Tote am Dunkel gesogen, sie warteten auf das Wunder und
waren stinkend verreckt.
Aber heut hatte ihnen das Licht süß bis in den
Magen geleckt.
Sie drängten eng durch die Straßen zum Himmel. Über Omnibushöhen lief das
Wunder auf die Köpfe hin. Die vollen Straßenbahnen schoben in schallenden
Scherbendeich.
* * * * *
Sie marschierten rund über die Erde. Nun gab es ewig Musik und warmes Essen
und das tausendjährige Reich!