Vor unsrer Geburt, in der grünen Südsee platzte
die Erde und das Wasser,
Tausend Menschen saßen wie Schnecken auf großen
Blättern in Hütten und versanken keuchend.
Vor Marseille fielen die roten Schiffe um, das Meer
schlug vom Mond herab.
Die Dampfer schnurrten in den Abgrund, lächerliche
Insekten.
Als wir geboren wurden, zog Feuer durch die Luft.
Die Schwärme des Feuers flogen um die Erde.
Wehe, wer nicht sehen wollte!
Tausend Menschen, stillhockende Schnecken, waren
zu Staub zerplatzt.
Die Tage erblichen für die glühenden Abende.
Die Nächte schwangen rote Palmblattflammen über
Berlin,
Die Abende waren gelbe Tiere über der Friedrichstraße.
Berlin, aus spitzen Plätzen, grauen Nebenstraßen,
quoll das Blau der Vulkane.
Die Frauen waren alle allein, die Männer reckten
sich auf,
Die Schenkel liefen durch Berlin, heiße Haarberge
bogen hoch.
Die Sonne ging immer unter. Die Abendstrahlen,
heiß, quollen aus den Männern.
Die Häuser waren kalkig und bleich. Durch dunkle
Zimmer wankte die Stadt, die Blinde.
Wir wurden geboren, Strahlenlicht kreiste abends
über unseren Mündern,
Grüne Südsafthügel hingen vom Mond über uns;
Wir rissen unsere Augen von unserem Blut auf.
Der Himmel flog über alle Straßen der Stadt.
In der Vorstraße aus Zaun und Stein wartete die
grauhaarige Mauerdirne auf die Soldaten.
Wir wußten, daß es andere Länder gibt.
In möblierten Zimmern sannen russische Stirnen
über Bombenattentaten.
In den Variétés wurden die fünf englischen Puppenmädchen
geliebt.
Die Menschen sitzen in schwarzen Röcken, essen
und werden alt.
Am grünen Kanalufer schleppt man Leichen auf
den Asphalt.
Die hohlen Häuserwände waren lose und grau.
Kamerad, Sie liefen die Straße auf und nieder, Sie
waren blaß vor dem heiligen Panoptikumsbau.
Aus dem müßigen Durchhaus der ganz Erwachsenen schoben frisch geschminkt
weiße Weiber mit dicken Bäuchen.
Reisende in alten Bärten bebten betäubt vor Büchern und verklebten
Photographien.
Drüben: starre Inseln in Sonne, Bäume auf gelbem Kies, Bänke, selige
Hotels.
Unter den Linden gingen die verschleierten Ausländerinnen mit den
frierenden kleinen Hunden.
Kamerad, Sie liefen bleich tauchend bis zum Durchhaus, weihevoll.
Die Friedrichstraße fiel zu Boden. Abendherzen im
Strahl schwebten auf Nebengassen.
Die Luft stand mit Sternen in Ihnen, der Tag war
noch hell.
Die Menschen waren dick und rauchten Zigarren.
Niemand sah Sie an.
Die Stadt schwebte, es war still im Abendbrand,
die Häuser zerfielen unten.
Die Menschen gingen schwer.
Kamerad, Sie waren allein. Niemand hatte das Licht
gesehen.
Um die Erde sprühte der südliche Schweiß des
Vulkans.
Niemand sah. Berlin schmatzte rollend.
Es war nicht mehr Licht durch buntes Abendglas,
Nicht mehr Fackelwogen hinter Spielpapier:
Flammenschirme vom Himmel bogen um unseren
Kopf.
Die Luft schmolz im langen Lichtwind übers Feld,
Drunten lag der harte Sand rötlich wie getretener
Mob.
Wir heulten ins Grüne übers Tempelhofer Feld.
Vor schwarzen Fensterschwärmen der schweißigen
Hinterhauswände
Stießen wir unsere Flugdrachen hoch in die Windfarben
und sogen den Glanz.
Berlin, Ihr dachtet an Geld.
O Kleinstädte der Welt, über Euch tropften die Farben
alle Abend, ehe Silber und Blau kam.
Kamerad, Ihr Jungenhaar zackte schwarze drohende
Felsen über den gepfeilten Brauen.
Sie haßten den blassen Schimmel der schlaffen Hausdächer.
Wir kannten uns nicht.
Ich rannte gefräßig umher, blond unter Papierlaternen zum Lärmplatz.
Gläserne Lichterkränze. Greise Zauberclowns schrien in goldene
Papp-Trompeten.
Ich nahm meine dunkle Schwester, zarte Knöchel, in die feuchte
Ringkämpferbude.
Damals liebte ich sie so.
O wären wir ausgerückt!
Wir saßen in verdorrten Halbgärten. Soldaten
tranken aus Bierseideln.
Wir sahen durch grüne Stuhllehnen auf hölzerne
Karussels.
Vor alten Frauen in Würfelzelten zerfransten sich
gegossene Glasvasen.
Wir griffen unsere Hand zum letztenmal. Wir
warteten.
O vielleicht stand das feurige Licht gleich an unserer
Haut: uns allen!
O wir wußten alles. Die grüne Farbe glänzte am
Wirtshausstaket
(Einmal gab es wohl Zeiten, da grünten die Frühlinge
so fett).
Es war alles für uns und für die anderen gemacht,
Aber früher waren die Tage dumpf und grau, und
dies galt als Pracht.
Wir sahen uns an, hinter ihren Augen braun und
im vierzehnten Jahr
Schwamm Hingabe, wie Blutstropfen rollte ihr
Lächeln zum Hals, weil das neue Licht um uns war.
Die Buden kreischten, eine Tombola knarrt, rote
Dienstmädchen träumen selig und taub,
Wir wußten, so war früher ein Fest, bald stehn hier
Häuser in steinernem Staub.
Warum sieht niemand das Licht? Um uns ist das
Licht. Die Erde stößt leuchtende Brunnen empor,
Glutlöcher im Himmel, brennende Riesenschornsteine
von Glas, Lichtsturzstufen herab wie eines
Wasserfalls strahlendes Rohr.
Wie Pilze klein verwittern grünliche Buden um
Limonadenlicht und lärmfarbenes Früchte-Eis.
Wir beide waren sprießende Wälder, wimmelnde Erdteile in Himmel und Licht,
um unsere Glieder floß das helle Meer. Wir waren uns fremd. Wir wirbelten
tief durch blaue Lichtkugeln im Kreis.
O neue Zeit! Zukunft! Preiselbeerrote Feierlichkeit! O Preis!