Verlangen lebt, wächst, übersteigt sich--fällt. Henker und Opfer
kommen sich entgegen. Ich hier, wie Ich dort, wechselt in seinem
Zustand, läßt von seiner Stand-haftigkeit, gibt wider-Stand auf, nimmt
ab-Stand vom eigen-Stand, nähert sich seinem gegen-Stand, ver-stellt
sich auf den Stand des Gegners, ver-ständigt sich mit ihm, ver-steht
ihn--Ich hat Selb-ständ-igkeit aufgegeben, Ich hat ver-Stand
gewonnen.
Ich hier wie ich dort ändert mit geändertem Stand Ansicht und
Willen; Ich ändert sich, Ich wird ein anderes. Ich wandelt in Zeit und
Raum; Ich-Standort-Wandel wandelt das Ich. Fremder gegen-Stand wird
durch ver-Stand zu eigenem zu-Stand.
Ich hier wie Ich dort ist aus Raum in Zeit getreten, Eins mit
seinem Gegner: kein Gegner mehr, keine Gegnerschaft, kein Widerwille,
kein Widerstand, keine Tat. Ich hat sich durch ver-Ständnis im
wider-Ich wieder erkannt--Ich hat Erkenntnis gewonnen, Ich hat im du
sich selbst wieder gefunden.
Raum entzweit, Zeit eint. Was im Raum geschieden ist, fällt in der
Zeit zusammen. Was sinnliche Anschauung trennt, eint seelische
Erkenntnis. Ich und Ich, von blinder Anschauung aus-ein-ander
gehalten, fallen, sehend geworden in-ein-ander.
*
Und noch einmal: Sittlichkeit ist Durchschauen der Erscheinung.
Ich ur-Teil, in sich gespalten, von sinnlicher Vorstellung "nicht-Ich"
geblendet, in zwei Ich gegen-ein-ander entzweit: