IV. Erdstellung am 21. Dezember.

Seit dem 23. September sind auf der südlichen Halbkugel die Tage

immer länger, auf der nördlichen kürzer geworden als die Nächte. Am

21. Dezember ist _auf der südlichen Halbkugel der längste, auf der

nördlichen der kürzeste Tag_. Der südliche Polarkreis liegt im Lichte,

der nördliche im Schatten. Der südliche Wendekreis wird senkrecht

beschienen. Für die südliche Halbkugel beginnt der Sommer, für die

nördliche der Winter.

Die Erde geht bis zum 21. März durch die Zeichen: Krebs, Löwe, Jungfrau.

Vom 21. Dezember ab nehmen die Tage auf der nördlichen Halbkugel wieder

zu, auf der südlichen ab, bis am 21. März wieder Tag- und Nachtgleiche

eintritt.

3. _Die ungleiche Dauer der Jahreszeiten._ Wie der Fall der Körper

durch die Anziehungskraft der Erde bewirkt wird, so wird die Revolution

der Erde durch die Anziehungskraft der Sonne verursacht: daher regelt

diese Kraft auch die Geschwindigkeit der Erde. Wie wir wissen, schwingt

das Pendel an den Polen schneller als am Äquator der Erde, weil es

dort wegen der Abplattung der Erde ihrem Mittelpunkte näher ist als

am Äquator. Die Stärke der Anziehung auf der Erde ist also von der

Entfernung vom Mittelpunkte abhängig. Nun wirkt aber die Anziehung im

ganzen Weltall nach denselben Gesetzen; daher ist die Anziehung der

Sonne und deshalb auch _die Geschwindigkeit der Erde im Perihel größer

als im Aphel_. Die Bewegung der Erde wird langsamer von ~D~ (Fig. 31)

über ~A~ nach ~B~, wo sie am langsamsten ist, sie wird schneller von

~B~ über ~C~ nach ~D~, wo sie am schnellsten ist.

Daher muß der im Perihel liegende Teil der Erdbahn, Bogen ~CDA~ in

Fig. 31, schneller von der Erde durchlaufen werden, als der im Aphel

liegende Teil, Bogen ~ABC~. Weil nun aber das Perihel nahezu mit der

Winter-, das Aphel nahezu mit der Sommersonnenwende zusammenfällt, und

weil eine Jahreszeit astronomisch vorüber ist, wenn die Sonne scheinbar

90° der Ekliptik in bezug auf Äquinoktial- und Solstitialpunkte

durchlaufen hat, so fällt die Dauer des Winterhalbjahres (Herbst

und Winter) nahezu mit der Zeit zusammen, in der die Erde den Bogen

~CDA~ durchläuft, die Dauer des Sommerhalbjahres mit der Zeit, die

die Erde für den Bogen ~ABC~ gebraucht. Tatsächlich ist auch unser

_Sommerhalbjahr etwa 7 Tage länger als das Winterhalbjahr_. Auf der

südlichen Halbkugel ist es umgekehrt.

Wegen der Präzession des Frühlingspunktes sind auch diese Verhältnisse

nicht dauernd so; man hat berechnet, daß im Jahre 6470 nach Chr. die

beiden Halbjahre gleich sein werden.

Viertes Kapitel[3].

Der Mond und der Kalender.

[3] Für die Veranschaulichung der Erscheinungen, die in diesem

Kapitel zur Sprache kommen, empfiehlt sich der Gebrauch

eines Telluriums mit Lunarium.

§ 21.

Die Bewegungen des Mondes.

1. ~A.~ _Die scheinbare Bewegung._ ~a~) Wir sahen schon, daß der Mond

eine _scheinbare tägliche Bewegung_ um die Erde von Osten nach Westen

macht, wie die Sonne und die Fixsterne. ~b~) Die Dauer einer solchen

scheinbaren Bewegung um die Erde mißt man am besten von einer oberen

Kulmination bis zur nächsten. Zwischen zwei oberen Kulminationen

vergehen nun bei einem Fixstern 23 Stunden 56 Minuten, bei der Sonne 24

Stunden, beim Monde 24 Stunden 50 Minuten. Geht also der Mond einmal

um Mitternacht durch den Meridian, so tritt erst etwa eine Stunde

nach der nächsten Mitternacht wieder ein solcher Durchgang ein. ~c~)

Beobachtet man die scheinbare tägliche Bewegung des Mondes einige

Tage nacheinander, so macht man noch eine Bemerkung. Er durchläuft,

gerade wie die Sonne, nicht immer denselben Kreis am Himmel. Ging er

vielmehr an einem Tage etwa im Ostpunkte auf und durchlief den Äquator

des Himmels, so geht er am nächsten Tage nicht mehr genau im Ostpunkte

auf, sondern etwas seitwärts davon, also nach Süden oder Norden zu,

und durchläuft einen kleineren zum Äquator parallelen Kreis. Weicht

sein Aufgangspunkt nach Süden ab, so wächst die Abweichung in etwa 7

Tagen ungefähr bis zum Wendekreise des Steinbocks, verringert sich dann

wieder, so daß nach ungefähr 7 Tagen aufs neue der Äquator vom Mond

durchlaufen wird. Dann folgt die Abweichung nach Norden zu bis etwa zum

Wendekreis des Krebses usw.

~B.~ _Die Erklärung der scheinbaren Bewegung._ ~a~) Die scheinbare

tägliche Bewegung des Mondes erklärten wir uns schon, wie die aller

Gestirne, durch die Rotation der Erde. ~b~) Es fällt in die Augen,

daß den beiden Abweichungen in der scheinbaren täglichen Bewegung

des Mondes von der der Fixsterne zwei ähnliche schon bekannte

Erscheinungen bei der scheinbaren täglichen Bewegung der Sonne

entsprechen. Diese erklärten sich aus einer zweiten Bewegung der Erde,

ihrer Revolution um die Sonne. Daß der Mond in seiner Kulmination

hinter Fixsternen und Sonne zurückbleibt, wird sich also wahrscheinlich

ähnlich erklären. Aber schon das Größenverhältnis zwischen Mond und

Erde macht es wahrscheinlich, daß _diese_ Bewegung vom _Monde_ um die

Erde ausgeführt wird. In der Tat _bewegt sich der Mond von Westen

nach Osten um die Erde_; die krumme Linie, die er beschreibt, ist die

_Mondbahn_. Diese Bewegung ist eine _wirkliche monatliche_. ~c~) Ist

das der Fall, so muß der Mond auch, wie die Erde bei ihrer Revolution,

seine Stellung zu den Fixsternen ändern. Das tut er. _Seine Bahn weicht

von der Ekliptik so wenig ab, daß er auch den Tierkreis durchläuft._

Sah man ihn nun an einem bestimmten Tage an einer bestimmten Stelle in

einem Sternbilde des Tierkreises, so ist er am nächsten Tage schon in

der Richtung des Tierkreises um etwa 13° fortgerückt. Nach _27 Tagen 7¾

Stunden_ hat er den ganzen Tierkreis durchlaufen und erscheint wieder

in seiner ersten Stellung. Diese Zeit nennt man einen _siderischen

Monat_. (~Sidera~ lat. = die Sterne!) Wegen dieser wirklichen Bewegung

geschieht die scheinbare tägliche Bewegung des Mondes, wie bei der

Sonne, nicht in geschlossenen Kreisen, sondern in Schraubenlinien.

2. _Die wirkliche Bewegung des Mondes_ ~a~) _um die Erde_. Sie

erfolgt, wie wir eben hörten, in 27 Tagen 7¾ Stunden; ~b~) _um seine

Achse_. Der Mond wendet uns stets dieselbe Seite zu. Denken wir uns,

wir wollten um einen Tisch herum gehen und dabei ständig das Gesicht

nach ihm richten. Offenbar ist das nur möglich, wenn wir uns während

einer Umkreisung des Tisches genau einmal um uns selbst drehen.

Ebenso muß es beim Monde sein: _der Mond rotiert in einem siderischen

Monat_, während er die Erde einmal umkreist, auch _einmal um seine

Achse_. Wegen der Gleichzeitigkeit beider Bewegungen bezeichnet

man sie zusammen als die Rotation des Mondes; ~c~) _um die Sonne_.

_Der Mond wandert zugleich mit der Erde um die Sonne_ herum; diese

Bewegung des Mondes heißt _Mondrevolution_. Daraus folgt, daß der Mond

in den 27 Tagen 7¾ Stunden, in denen er den Tierkreis durchläuft,

noch nicht wieder dieselbe Stellung zur Verbindungslinie zwischen

Erde und Sonne erreicht, die er beim Beginn seines Umlaufs um die

Erde hatte. In dieser Zeit ist ja die Erde auch um mehr als 27° in

ihrer Bahn fortgerückt, also etwa ein Sternbild weiter, und der Mond

erhält deshalb die alte Stellung zur Sonne erst wieder nach etwa 29½

Tagen. Diese Zeit heißt der _synodische Monat_. (~Synodus~, griech. =

Zusammenkunft, nämlich mit der Sonne!)

3. _Die Entfernung des Mondes von der Erde._ _Die Entfernung_ des

Mondes von der Erde _wechselt_. Das beweist die Horizontalparallaxe,

die bald größer, bald kleiner ist. Er hat also eine _Erdnähe_ (griech.

Perigäum) und eine _Erdferne_ (griech. Apogäum). Der mittlere Wert

seiner Horizontalparallaxe beträgt etwa 57´20´´. Daraus ergibt sich als

seine mittlere Entfernung von der Erde nach § 18 ~r~/(~sin~ 57´20´´),

worin ~r~ den Halbmesser der Erde bedeutet. Das ist = 59,97~r~ oder

rund 60~r~. Hieraus ergibt sich als _mittlere Entfernung des Mondes_

ca. 384000 ~km~.

[Illustration: Fig. 33.]

4. _Die Gestalt der Mondbahn._ Stände die Erde still, so würde die

Bahn des Mondes um sie eine Ellipse sein. Nun geht aber die Erde,

während sie vom Monde umkreist wird, selbst in ihrer elliptischen Bahn

weiter. Ihr Mittelpunkt durchläuft etwa 1/12 derselben während eines

Mondumlaufes, und an dieser Bewegung nimmt der Mond teil. Man kann sich

den Vorgang an Fig. 33 klar machen. Angenommen, ein Punkt bewege sich

in dem Bogenstück ~E₁E₂E₃E₄E₅~ und werde gleichzeitig umkreist von

einem zweiten Punkte, dessen Bahn einer der kleinen Kreise wäre, wenn

der erste Punkt still stände. Da sich dieser bewegt, so wird der zweite

Punkt in der Zeit, in der er ¼ eines der kleinen Kreise durchlaufen

müßte, etwa von ~M₁~ bis ~M₂~, in der Zeit, in der er einen halben

Kreis durchlaufen müßte, von ~M₁~ bis ~M₃~ gelangen usw. Verbindet man

die verschiedenen Stellungen, die der zweite Punkt einnimmt, während

der erste von ~E₁~ durch ~E₂~, ~E₃~ usw. fortschreitet, so ergibt

sich als seine Bahn die Schlangenlinie ~M₁M₂M₃M₄M₅~. Denselben Fall

haben wir offenbar bei der Bewegung des Mondes um die fortschreitende

Erde; in der Fig. 33 würden die Punkte ~E~ verschiedene Stellungen des

Erdmittelpunktes, die Punkte ~M~ die entsprechenden Stellungen des

Mondmittelpunktes bedeuten. _Der Weg des Mondes gleicht demnach einer

Schlangenlinie._ Allerdings sieht diese in Wirklichkeit anders aus, als

in der Figur. Die _Schlangenwindungen_ sind nämlich viel länger und

flacher, _schmiegen sich_ viel enger _an die Erdbahn_, die Ekliptik, an

_und kehren der Sonne_ nicht, wie es in Fig. 33 scheint, bei Neumond

eine konvexe, _sondern immer eine konkave Biegung zu_. Fig. 34 zeigt

ein der Wirklichkeit mehr entsprechendes Bild für die Dauer eines

Monats. Die ausgezogene Kurve, in der die Mittelpunkte der kleinen

Kreise liegen, ist ein Stück der Erdbahn, die punktierte ein Stück der

Mondbahn.

[Illustration: Fig. 34.]

§ 22.

Die Mondphasen.

1. _Entstehung der Mondphasen._ Der Mond hat, wie alle Gestirne,

Kugelgestalt. Jedermann weiß aber, daß er nicht immer als leuchtende

Scheibe erscheint, sondern bald sichelförmig, bald als halbkreisförmig

leuchtende Fläche. (S. § 5.) Das ist folgendermaßen zu erklären. Der

Mond ist ein dunkler Körper, daher ist immer nur die Seite erleuchtet

und leuchtend, die er der Sonne zuwendet. Das ist nicht immer dieselbe

Seite, während er der Erde immer dieselbe Seite zukehrt. Hierin finden

die verschiedenen Lichtgestalten des Mondes, griech. _Mondphasen_, ihre

Erklärung.

[Illustration: Fig. 35.]

Die Bahn des Mondes weicht, wie wir in § 23 genauer sehen werden, von

der Ebene der Ekliptik etwas, aber sehr wenig ab. Wir können darum ohne

großen Fehler an Stelle des Mondmittelpunktes dessen Projektion auf die

Ebene der Ekliptik setzen, in der die Mittelpunkte von Erde und Sonne

liegen. Tun wir dies und denken uns außerdem die Erde als stillstehend

und vom Monde von Westen nach Osten umkreist, so kann Fig. 35 zur

Erklärung der Mondphasen dienen.

Steht der Mond so, daß die Projektion seines Mittelpunktes mit den

Mittelpunkten von Erde und Sonne in einer geraden Linie liegt und

zwischen Erde und Sonne fällt, so ist es klar, daß der Mond uns seine

dunkle Hälfte zukehrt, der Sonne die erhellte. Dann steht der Mond in

_Konjunktion_ (lat. = Verbindung) mit der Sonne, und wir haben Neumond.

(Phase 1.)

Nun geht der Mond von Westen nach Osten. Nach etwa 3½ Tagen bilden die

zwei geraden Linien vom Mittelpunkte der Erde zu dem der Sonne und zu

dem projizierten Mittelpunkte des Mondes einen spitzen Winkel von 45°;

dann sehen wir ¼ der uns zugewandten Mondhälfte erleuchtet, und zwar

sichelförmig (weil der Mond eine Kugel ist) und auf der westlichen

(der unter dem Horizonte stehenden Sonne zugewendeten) Seite des

Mondes. (Phase 2.)

Nach weiteren 3½ Tagen bilden dieselben zwei Linien einen rechten

Winkel, und wir erblicken die westliche Hälfte der uns zugewandten

Mondhälfte erleuchtet. Wir haben erstes Viertel. (Phase 3.)

Nach 3½ Tagen entsteht folgerecht Phase 4.

Nach ferneren 3½ Tagen steht die Erde zwischen Sonne und Mond, und die

Projektion seines Mittelpunktes liegt wieder mit den Mittelpunkten

von Erde und Sonne in einer geraden Linie; dann erblicken wir die

uns zugewendete Mondhälfte völlig erleuchtet. Der Mond steht in

_Opposition_ (lat. = Entgegenstellung) zur Sonne. (Phase 5.)

Wie die Verdunkelung des Mondes in Phase 6, 7 und 8 sich vollzieht,

wird aus dem Gesagten genugsam erhellt.

2. _Die Auf- und Untergangszeiten des Mondes in den verschiedenen

Phasen._ Wenn der Mond an einem Tage mit der Sonne gleichzeitig

kulminiert, so wird er, wie wir schon wissen, am nächsten Tage etwa

50 Minuten später als die Sonne kulminieren. Ähnlich verhält es sich

mit den Zeiten des Auf- und Unterganges beider Gestirne, aber nicht

genau so; denn da der Mond in 27 Tagen 7 Stunden ungefähr dieselben

Kreise an der Himmelskugel scheinbar durchläuft, die die Sonne in

einem Jahr durchläuft, so werden sie selten beide denselben Kreis an

demselben Tag durchlaufen, und daher werden sie an demselben Tage auch

selten beide gleich lange über dem Horizonte stehen. Am 21. März würde

z. B. Neumond im Äquator, erstes Viertel ungefähr im Wendekreise des

Krebses, Vollmond im Äquator, letztes Viertel etwa im Wendekreise des

Steinbocks stattfinden, und die übrigen Phasen lägen zwischen diesen

Grenzen; am 21. Juni fänden die entsprechenden Phasen im Wendekreise

des Krebses, im Äquator, im Wendekreise des Steinbocks und im Äquator

statt usw. Die Differenzen zwischen den Aufgangszeiten beider Gestirne

und ebenso die zwischen ihren Untergangszeiten werden deshalb andere

sein, als die Differenzen ihrer Kulminationszeiten. Aber wenn man

von Zeitunterschieden von einiger Größe absehen will, so kann man im

allgemeinen doch sagen:

Die Stellung des Vollmondes zu der Verbindungslinie von Erde und Sonne

ergibt schon, daß der Vollmond um die Zeit des Sonnenunterganges

aufgehen und um Sonnenuntergang untergehen muß; der Vollmond scheint

also, wie man regelmäßig beobachten kann, die ganze Nacht. Der Neumond

geht ungefähr gleichzeitig mit der Sonne auf und unter; er bleibt

unsichtbar und steht scheinbar in ihrer Nähe während des ganzen Tages.

§ 23.

Lage der Mondbahn zur Ekliptik.

[Illustration: Fig. 36.]

Die Ebene der Mondbahn fällt nicht mit der Ebene der Ekliptik zusammen,

sondern weicht um einen Winkel von 5° ab. In Fig. 36 ist ~EE~ die

Ekliptik; ~MM~ die Projektion der Mondbahn auf die Himmelskugel;

~ab~ ist die bis zum Himmel verlängerte gerade Linie, in welcher die

Ebene der Erdbahn von der Ebene der Mondbahn durchschnitten wird: sie

heißt die _Knotenlinie_. Ihre Endpunkte heißen _Knoten_, und zwar ~c~

aufsteigender, ~d~ absteigender Knoten. Indem der Mond einen Knoten

passiert, geht er auch scheinbar durch die Ekliptik; aufsteigend erhebt

er sich über die Ekliptik, absteigend senkt er sich unter dieselbe

herab.

~c~ heißt _Drachenkopf_, ~d~ heißt _Drachenschwanz_. Die Zeit zwischen

zwei aufeinander folgenden Ständen des Mondes im Drachenkopfe heißt ein

_Drachenmonat_ oder _drakonischer Monat_. Er dauert 27 Tage 5 Stunden 2

Minuten 36 Sekunden, ist also etwas kürzer als ein siderischer Monat.

Das liegt daran, daß die Knoten nicht feststehende Punkte der Ekliptik

sind. Weil nämlich nicht nur die Anziehungskraft der Erde, sondern

auch die der ferneren Sonne auf den Mond wirkt, wird er bei jedem

Umlaufe um die Erde etwas früher in die Erdbahn hineingezogen, als beim

vorhergehenden Umlaufe. Daher bewegen sich die Knoten der Richtung der

Mondrotation entgegen, d. h. von Osten nach Westen in der Ekliptik.

Dabei dreht sich die Knotenlinie natürlich allmählich im Kreise herum.

Die Zeit, in der sie einen ganzen Kreis beschreibt, in der also auch

die Knoten in die erste Lage zurückkehren, beträgt rund 19 Jahre;

deshalb fallen dann die Mondphasen wieder ziemlich auf dieselben Tage.

§ 24.

Die Mondfinsternisse.

[Illustration: Fig. 37.]

1. _Entstehung._ Wie jeder dunkle, von einer Lichtquelle beleuchtete

Körper, werfen auch Erde und Mond in den von der Sonne abgewandten

Raum Schatten. Da die Lichtquelle, die Sonne, in beiden Fällen eine

größere, der beleuchtete Körper eine kleinere Kugel ist, so gibt es,

wie aus Fig. 37 sofort ersichtlich, einen kegelförmigen, in eine

Spitze auslaufenden Kernschatten und einen kegelstumpfförmigen, sich

verbreiternden Halbschatten. Mondfinsternisse werden entstehen, wenn

die Erde sich so zwischen Sonne und Mond stellt, daß der Mond in den

Erdschatten tritt. Wie wir aus Fig. 35 erkennen können, ist das nur

möglich bei Vollmond, also wenn der Mond in Opposition zur Sonne steht.

In Fig. 37 bedeutet der Kreis um ~S~ die Sonne, ~E~ die Erde, ~M~ den

Mond in drei verschiedenen Stellungen seiner Bahn um die Erde. Der

dunkel schraffierte Raum hinter ~E~ ist der Kernschatten, der heller

schraffierte der Halbschatten der Erde. In jenen fällt kein Licht

von der Sonne, und die Sonne ist von ihm aus nicht sichtbar; in den

Halbschatten fällt weniger Licht, als auf die der Sonne zugewandte

Seite der Erde, und von der Sonne ist hier nur ein Teil sichtbar.

2. _Verlauf._ Der Mond wird aber erst dunkel, wenn er in den

Kernschatten der Erde tritt. Dieser ist, wie gezeigt, ein spitz

zulaufender Kegel; daher muß er auf dem Monde stets als eine dunkle

Scheibe erscheinen, die ihn ganz oder zum Teil verdunkelt. Da der Mond

täglich 13° an den Fixsternen von Westen nach Osten vorüberzieht, die

Erde aber nicht 1°, _so taucht er sich zuerst mit seiner östlichen

Seite in den Erdschatten_, und uns _erscheint_ es, als ob der

Erdschatten der Bewegungsrichtung des Mondes entgegen, also _von Osten

nach Westen_, d. h. von der Erde gesehen, von links nach rechts über

den Mond hinwegrückte.

3. _Arten._ Man unterscheidet _partiale_ (teilweise) und _totale_

(gänzliche) Mondfinsternisse. Liegen die Mittelpunkte von Sonne,

Erde und Mond in einer geraden Linie, so entsteht eine _zentrale_

Mondfinsternis. Diese ist stets eine totale, wie sich aus folgender

Rechnung ergibt. Fig. 37 läßt erkennen, daß sich der Halbmesser

der Sonne zu dem der Erde verhält, wie die Summe aus dem Abstand

zwischen Sonne und Erde und der Länge des Erdschattens zur Länge des

Erdschattens. Man hat nun berechnet, daß der Halbmesser der Sonne etwa

108½mal so groß ist als der der Erde. Demnach muß auch die Summe aus

dem Abstand beider Körper voneinander und der Länge des Erdschattens

das 108½fache dieser Länge betragen, oder, wenn wir die Länge des

Erdschattens mit x bezeichnen, so ist

150000000 + ~x~ = (108½)~x~,

woraus sich ergibt: ~x~ = rund 1394000 ~km~.

Weiter verhält sich, wie wieder unmittelbar aus Fig. 37 zu ersehen

ist, der Erdhalbmesser zum Halbmesser des Schattens in der Entfernung

des Mondes von der Erde wie die Länge des Erdschattens zur Differenz

zwischen dieser und dem Abstand zwischen Mond und Erde, oder, wenn

wir den Erdhalbmesser ~r~ und den Halbmesser des Schattens an der

angegebenen Stelle ~x~ nennen, so ist

~r~ : ~x~ = 1394000 : (1394000 − 382000)

oder rund = 1394000 : 1000000, woraus sich ergibt: ~x~ ist ungefähr

= (5/7)~r~, der Durchmesser des Schattens an jener Stelle also =

(10/7)~r~ = 9100 ~km~. Der Durchmesser des Mondes ist auf 3480 ~km~

berechnet worden, d. h. der Durchmesser des Schattens beträgt an

der Stelle, wo der Mond durch ihn verfinstert werden kann, etwa

das 2-2/3fache des Monddurchmessers. Daher wird der Mond bei einer

zentralen Finsternis stets ganz verfinstert.

4. _Sichtbarkeit._ Für alle Orte der Erde, für die bei einer

Mondfinsternis der Mond überhaupt sichtbar ist, d. h. _für die ganze

Halbkugel_, über deren Horizont er dann steht, die also Nacht hat, ist

auch die Mondfinsternis sichtbar. Das ergibt unmittelbar Fig. 37. Sie

ist auch, absolut angesehen, in demselben Augenblicke sichtbar, wenn

auch für Orte unter verschiedenen Meridianen zu verschiedenen Stunden.

5. _Bedingungen der Mondfinsternis._ Lägen Erdbahn und Mondbahn

in derselben Ebene, so müßte bei jedem Vollmonde der Mond in den

Kernschatten der Erde treten, und es müßte eine zentrale Finsternis

entstehen. Weil aber die Mondbahnebene mit der Erdbahnebene einen

Winkel von 5° bildet und sie schneidet, so geht der Mond bald über,

bald unter dem Erdschatten weg, ohne daß eine Mondfinsternis entsteht.

Offenbar tritt also eine zentrale Mondfinsternis, wie in Fig. 37, nur

ein, wenn gerade bei Vollmond der Mond in einem seiner Knoten steht.

Diese Finsternis ist, wie wir eben sahen, auch stets eine totale.

Weil aber der Erdschatten in der Entfernung des Mondes von der

Erde einen 2-2/3mal so großen Durchmesser hat als der Mond, so ist

eine Mondfinsternis auch dann noch möglich, wenn der Mond zur Zeit

des Vollmondes nur in der Nähe eines Knotens steht. Sie kann sogar

noch total sein, wenn die Entfernung des Mondes vom Knoten etwa 5°

beträgt; bei einer Entfernung von mehr als 13° ist auch eine partiale

Mondfinsternis nicht mehr möglich.

6. _Dauer der Mondfinsternis._ Die Breite des Schattens der Erde in der

Entfernung des Mondes ist nicht immer ganz dieselbe, da die Entfernung

zwischen Sonne und Erde, ebenso wie die zwischen Mond und Erde nicht

immer ganz dieselbe ist. Der Schatten ist am breitesten, wenn die

Erde im Aphel und der Mond im Perigäum steht. In solchem Falle wird

auch die Mondfinsternis am längsten dauern. Eine ungefähre Berechnung

der Dauer einer zentralen Mondfinsternis ist folgendermaßen möglich.

Der Durchmesser des Mondes erscheint von der Erde aus unter einem

Winkel von 30´, daher die in derselben Entfernung etwa 2-2/3 oder rund

dreimal so große Breite des Erdschattens unter einem Winkel von 90´.

Nun durchläuft der Mond in 27-1/3 Tagen 360°, also 30´ in (82 · 24)/(3

· 360 · 2) = 41/45 oder rund 1 Stunde. Bei einer zentralen Finsternis

wird also der Mond, nachdem sein Ostrand eben in den Erdschatten

eingetaucht ist, etwa eine Stunde gebrauchen, bis er völlig verfinstert

ist. Dann hat er noch 60´ des Schattens zu durchlaufen, bleibt also

noch etwa 2 Stunden ganz verfinstert und tritt nach einer weiteren

Stunde ganz aus dem Schatten heraus. Das ergäbe für die Gesamtdauer

einer totalen Mondfinsternis rund 4 Stunden. Genauere Rechnungen

ergeben, daß eine totale Mondfinsternis in ihrem ganzen Verlaufe

höchstens 4 Stunden 38 Minuten, eine partiale nicht über 2 Stunden 18

Minuten dauert.

7. _Häufigkeit der Mondfinsternisse._ Weil der Vollmond nur zweimal im

Jahre in der Nähe der Knoten sich befindet, so können auch höchstens

zwei Mondfinsternisse in einem Jahre stattfinden, die dann etwa ein

halbes Jahr auseinander liegen. In Wirklichkeit finden in 19 Jahren

durchschnittlich 29 Mondfinsternisse statt, jedesmal eine im auf-, die

andere im absteigenden Knoten.

8. _Farbe des verfinsterten Mondes._ Der Mond hat keine Atmosphäre

(s. § 26); hätte auch die Erde keine, so müßte der verfinsterte Mond

ganz unsichtbar sein. In Wirklichkeit sieht man die Scheibe in matt

rötlichem Schimmer leuchten. Weil die Erde eine Atmosphäre hat, so

ist sie für andere Himmelskörper mit einem rötlichen Ringe (unserer

Dämmerungszone!) umgeben; dieser sendet Licht in den Schattenraum der

Erde, also auch zum verfinsterten Monde, und zwar um so mehr, je mehr

Wasserdampf unsere Atmosphäre zufällig gerade enthält. Daher lauten

auch die Berichte über die Farbe der Mondscheibe bei Verfinsterungen

sehr verschieden; sie erscheint rosa-, kupfer-, hoch-, grau- oder

blaurot. Manchmal fehlt eine Färbung so gut wie ganz; daher war am 25.

April 1642 der Mond gar nicht mehr zu erblicken, ebenso 1816 einmal.

§ 25.

Die Sonnenfinsternisse.

1. _Entstehung._ Die Sonnenfinsternisse müßten eigentlich

Erdfinsternisse heißen; denn sie entstehen, wenn der Mond bei Tage so

zwischen Erde und Sonne tritt, daß deren Strahlen einen Teil der ihr

zugewandten Erdhälfte nicht treffen können, oder anders ausgedrückt,

daß der Mondschatten die Erde trifft.

[Illustration: Fig. 38.]

[Illustration: Fig. 39.]

Die Figuren 38 und 39, in denen Kreis ~S~ die Sonne, ~M~ den Mond, ~E~

die Erde bedeutet, lassen erkennen, daß das nur möglich ist, wenn der

Mond in Konjunktion zur Sonne steht, also bei Neumond. Die Erde wird

also durch den Schatten des Mondes verdunkelt, die Sonne bleibt hell,

wenn auch vor dem Monde nicht sichtbar.

2. _Verlauf._ Der Mond läuft mit der Erde von Westen nach Osten um

die Sonne, aber schneller als die Erde, da die von ihm durchlaufene

Schlangenlinie länger als die elliptische Erdbahn ist. Darum _bedeckt

er erst den Westrand der Sonne_ und _zieht nach Osten_ zu über sie hin.

3. _Sichtbarkeit._ Eine Sonnenfinsternis ist nicht für alle Orte der

Erdoberfläche, denen die Sonne überhaupt sichtbar ist, oder, was

dasselbe ist, nicht für die ganze Halbkugel, die gerade Tag hat,

sichtbar. Die Erde ist ja viel größer als der Mond selbst, also ihr

Durchmesser erst recht größer, als der Durchmesser des Kernschattens

vom Monde dort ist, wo er die Erde trifft. Ja, ihr Durchmesser ist

sogar größer, als der des Halbschattens vom Monde an dieser Stelle

ist. Also kann gleichzeitig von drei Orten, die alle drei Tag haben,

dem einen die Sonne ganz, dem anderen zum Teil, dem dritten gar nicht

verfinstert erscheinen. Das zeigt auch ein Blick auf Fig. 38. Da der

Mondschatten von Westen nach Osten über die Erde hinstreicht, wird

die Sonnenfinsternis auch für Orte, denen sie sichtbar ist, nicht

gleichzeitig eintreten, sondern für westlich gelegene früher.

4. _Bedingungen der Sonnenfinsternis._ Auch eine Sonnenfinsternis

findet natürlich nicht mit jedem Neumonde statt, sondern nur, wenn der

Mond gleichzeitig in oder nahe bei einem Knoten steht.

Es sind dann aber noch keineswegs immer die Bedingungen für eine

völlige Verfinsterung der Sonne erfüllt; oft ist die Verfinsterung

vielmehr für alle Punkte, denen sie überhaupt sichtbar ist, nur eine

teilweise. Dann trifft eben der Kernschatten des Mondes die Erde nicht,

sondern nur der Halbschatten. Diesen Fall stellt Fig. 39 dar. Er tritt

ein, wenn zur Zeit der Sonnenfinsternis die Erde im Perihel und der

Mond im Apogäum steht. Nennen wir nämlich den Halbmesser der Sonne ~s~,

den des Mondes ~m~, den Abstand zwischen Sonne und Mond, den man als

Differenz von Sonnen- und Mondweite finden kann, ~a~, die Länge des

Schattenkegels ~x~, so folgt aus Fig. 38 oder 39 sofort

~s~ : ~m~ = (~a~ + ~x~) : ~x~,

woraus sich ergibt

~x~ = (~a~ · ~m~)/(~s~ − ~m~).

Nun hat ~a~ seinen kleinsten Wert, wenn die Erde im Perihel, der

Mond im Apogäum steht, nämlich 147680000 ~km~ − 410000 ~km~, woraus

sich ergibt: ~x~ ungefähr = 370000 ~km~ gegenüber dem Abstande des

Mondes von der Erde im Apogäum = 410000 ~km~. Also hier erreicht der

Kernschatten des Mondes die Erde wirklich nicht. Dagegen ist bei der

umgekehrten Stellung, Erde im Aphel und Mond im Perigäum (s. Fig. 38),

der Kernschatten des Mondes länger als der Abstand des Mondes von der

Erde, nämlich jener über 380000 ~km~, dieser noch nicht 370000 ~km~.

Somit ergibt sich für diese Stellung der Himmelskörper die Möglichkeit

einer totalen Sonnenfinsternis.

Unmöglich ist eine Sonnenfinsternis, wenn der Neumond 19° vom Knoten

entfernt ist; gewiß ist sie, wenn die Entfernung bloß 13° beträgt.

Total kann die Finsternis bei 7--13° Entfernung des Neumondes vom

Knoten sein.

[Illustration: Fig. 40.]

5. _Arten._ Die Sonnenfinsternis ist, wie sich aus dem Vorhergehenden

ergibt, entweder für verschiedene Gegenden verschieden, nämlich teils

_partial_, teils _total_ (Fig. 38), oder für alle Gegenden, denen sie

sichtbar wird, partial (Fig. 39). Im zweiten Falle ist die Finsternis

für den Punkt der Erdoberfläche, durch den die Verbindungslinie der

Mittelpunkte von Sonne, Mond und Erde geht, ~ringförmig~, d. h. der

sichtbare Teil der Sonne bildet um den verfinsterten Teil einen

Kreisring. In Fig. 40 zeigt ~a~ das Sonnenbild bei einer partialen, ~b~

bei einer totalen und ~e~ bei einer ringförmigen Verfinsterung. Die

Finsternisse in Fig. 40 ~b~ und ~c~ sind zugleich _zentral_.

6. _Dauer der Sonnenfinsternisse._ Die längste Dauer einer _totalen_

Sonnenfinsternis für die ganze Erde kann 4 Stunden 38 Minuten sein,

dagegen für einen einzelnen Ort, und zwar für den Äquator, höchstens 7

Minuten 38 Sekunden. Eine Sonnenfinsternis (Anfang bis Ende) kann für

die ganze Erde 7 Stunden dauern. Wenn die Erde nicht zugleich mit dem

Monde von Westen nach Osten rotierte, so würde die Zeit der Finsternis

für einen einzelnen Ort noch kürzer sein.

7. _Häufigkeit der Sonnenfinsternisse._ In 19 Jahren gibt es

durchschnittlich 41 Sonnenfinsternisse für die ganze Erde. Dagegen

ereignen sich für einen bestimmten Ort die Sonnenfinsternisse dreimal

so selten als Mondfinsternisse. Eine totale Sonnenfinsternis tritt für

denselben Ort der Erde nur etwa alle 200 Jahre ein.

8. _Eigentümliche Erscheinungen bei den Sonnenfinsternissen._

Vor Eintritt einer totalen Verfinsterung, solange die Sonne noch

Sichelgestalt hat, erscheinen die Lichter, die durch das Laub der Bäume

fallen und sonst kreisrund sind, auch sichelförmig. Unmittelbar vor

der totalen Verfinsterung huschen unheimliche fliegende Schattenbänder

mit gewaltiger Schnelligkeit über die Landschaft hin, deren Ursache

noch nicht klar ist und vor denen namentlich die Tiere sich entsetzen.

Mit Eintritt der völligen Finsternis wird der Himmel schwärzlichblau,

die Luft kühlt sich rasch ab, es beginnt zu tauen, Wolken bilden sich,

die Vögel fliegen in ihr Versteck, Blumen schließen ihre Kelche, ein

unheimliches Gefühl ergreift den Menschen. Bei heiterem Himmel sieht

man um den dunklen Mond einen glänzenden Ring von grünlichweißem

Lichte, aus dem lebhaft rote Gebilde oft sehr weit in den Weltraum

hinaustreten. Diese Lichterscheinungen gehören natürlich der Sonne an

und sollen in § 32 näher besprochen werden.

Partielle Sonnenfinsternisse vermindern die Tageshelle je nach dem

Umfange der Verfinsterung; man kann sie am besten durch dunkel gefärbte

Gläser wahrnehmen.

_Bemerkung._ Aus der Lage der Mondbahn zur Ekliptik ergibt

sich, daß alle Finsternisse sich in der Nähe der Ekliptik

ereignen müssen; daher ihr schon in § 10 erklärter Name.

§ 26.

Physikalische Beschaffenheit des Mondes.

[Illustration: Fig. 41.]

1. _Größe und Gestalt._ Der Durchmesser des Mondes erscheint von der

Erde aus gesehen unter einem Winkel von 30´, also der Halbmesser unter

einem Winkel von 15´. Ist der Kreis um ~M~ der Mond, ~E~ ein Punkt der

Erde, so kann man bei der großen Entfernung ohne merklichen Fehler die

Linie ~AE~ (Fig. 41), die zu einem Endpunkte des auf ~EM~ senkrechten

Durchmessers ~AB~ führt, als Tangente ansehen, also:

~AM~ = ~EM~ · ~tg~ 15´ und

~AB~ = 2 · ~EM~ · ~tg~ 15´.

Da ~EM~, der Abstand des Mondes von der Erde, bekannt ist, kann man

hieraus den Durchmesser des Mondes bestimmen. Nach möglichst genauer

Bestimmung beträgt er rund 3480 ~km~, sein Umfang also π · 3480 ~km~ =

11000 ~km~; seine Oberfläche, die daraus ja leicht zu berechnen ist,

ist kleiner als Asien, seine Dichtigkeit halb so groß als die der Erde.

Aus theoretischen Gründen ist man zu der Annahme gekommen, daß der

Mond polar und äquatorial ein wenig abgeplattet ist; doch haben die

genauesten Beobachtungen mit den besten Fernrohren keinen sicheren

Anhalt dafür gegeben. Er erscheint durchaus kugelförmig. Ist eine

Abplattung vorhanden, so muß sie sehr gering sein.

2. _Die Oberfläche des Mondes._ Wegen seiner Nähe ist die _Oberfläche

des Mondes verhältnismäßig genau bekannt_. Unsere Fernrohre gestatten

eine 3000--5000fache Vergrößerung und nähern uns den 384000 ~km~

entfernten Mond auf 80--100 ~km~. Im allgemeinen benutzt man aber zur

Beobachtung des Mondes höchstens 450fache Vergrößerungen, bei denen

Oberflächenteile, die durch Helligkeit oder Dunkelheit sich von ihrer

Umgebung abheben, bei einem Durchmesser von 550 ~m~ noch wohl erkennbar

sind.

Im ersten Viertel bemerkt man eine große Zerrissenheit der Lichtgrenze;

man sieht leuchtende Punkte außer allem Zusammenhange mit dem hellen

Teile des Mondes selbst in der dunklen Seite, während zugleich solche

isolierte Lichtstellen mit dem hellen Teile durch Lichtstreifen wie

durch Brücken verbunden sind. Sodann sieht man in der Nähe hellerer

Flecke im hellen Teile schwarze Flecke, die so lang sind, daß sie in

die Schattenseite hineinreichen. Jene helleren Flecke sind Berge, die

schwarzen deren Schatten. Die Lichtstärke des Mondes ist überall gleich.

Am anderen Tage schon bietet sich ein anderes Bild dar. Die Schatten

sind kürzer geworden, weil die Berge senkrechter von der Sonne

beschienen werden. Der Vollmond sieht wieder ganz anders aus, weil die

Sonne für den Mittelpunkt der Mondscheibe im Zenit steht und diese

Gegenden ohne Schatten sind, und weil die Schatten auch nach den

Rändern der Mondscheibe hin nur gering sind. Die Berge erscheinen nur

undeutlich.

Das letzte Viertel ist wieder dem ersten ähnlich. Folglich hat der

Mond eine sehr unebene Oberfläche mit Bergen und Tälern. Mehr als

1000 Mondberge sind gemessen mit Hilfe ihres Schattens; darunter

sind 39 über 4500 ~m~ hoch, einige 7200 ~m~, einer, wie der

Gaurisankar, 8800 ~m~. Das sind in Anbetracht der Kleinheit des Mondes

außerordentliche Höhen.

Schon mit bloßem Auge unterscheidet man dunkle Flecke auf dem Monde.

Im Fernrohre erkennt man sie als umfangreiche _Ebenen_, die meist grau

oder grünlich erscheinen. Sie liegen meist tiefer als die gewöhnlich

helleren gebirgigen Teile und werden _Meere genannt_, weil man sie

früher dafür hielt. Unter den Gebirgen herrscht das Massengebirge vor,

Bergketten sind selten. In den grauen Flächen, den Ebenen, erheben

sich häufig sogenannte _Bergadern_, niedrige, 450--600 ~km~ lange

Bergrücken, die dunkel erscheinen. Die _häufigste Form der Bergbildung

ist die Ringform_. Große ringförmige Erhebungen umgrenzen tiefere,

selten ganz ebene Stellen der Mondoberfläche. Man unterscheidet

Wallebenen, Ringgebirge und Krater. Die Umrandung der _Wallebenen_ hat

einen gewaltigen Durchmesser, bis zu 220 ~km~, und hat in allen Teilen

ziemlich gleiche Höhe; der eingeschlossene Teil ist wenig oder gar

nicht niedriger als die übrige Mondoberfläche und meist mit Erhebungen

besetzt. Das _Ringgebirge_ ist enger, wenn es auch noch bis zu 90

~km~ Durchmesser zeigt; der eingeschlossene Teil ist ziemlich viel

tiefer als die äußere Umgebung, über die sich die Wälle nicht allzuhoch

erheben, und hat in der Mitte meist einen oder mehrere kegelförmige

Berge, die niedriger als die Umwallung sind. Die engeren Ringgebirge

mit besonders tiefen Innenflächen heißen _Krater_. Die Kettengebirge

heißen meist nach irdischen Gebirgen (Anden, Kordilleren), die

Ringgebirge nach berühmten Männern (Tycho, Kopernikus, Kepler,

Plato). --

Eine höchst eigenartige Erscheinung auf der Mondoberfläche sind die

_Rillen_, meist gerade, 75--200 ~km~ lange Linien, die quer durch alle

Unebenheiten, selbst durch Krater sich hinziehen. Es sind offenbar

Spalten, da man bei schräger Beleuchtung im Innern den Schatten eines

ihrer Ränder wahrnimmt. Sie erreichen 300--600 ~m~ und werden auf

Tiefen von 100--400 ~m~ geschätzt. Man kennt an 400 solcher Rillen.

Über die Entstehung und das Wesen dieser Erscheinungen sind die

Forscher noch sehr verschiedener Meinung.

3. _Das Fehlen der Atmosphäre._ Der Mond _hat keine Atmosphäre_.

_Beweise_: ~a~) Für jeden Körper, der eine Atmosphäre hat, werden

die schräg auffallenden Strahlen wegen des weiteren Weges durch die

Atmosphäre stärker abgeschwächt, als die senkrecht auffallenden. Für

den Mond kommen die Sonnenstrahlen, die seinen Rand treffen, von seinem

Horizont, also schräger, als an anderen Stellen. Demnach _müßte der

Rand matter leuchten als die Mitte_. Das ist nicht der Fall.

~b~) _Die Schatten der Mondberge_ sind ganz schwarz und nicht grau, wie

sie beim Vorhandensein einer Atmosphäre sein müßten.

~c~) _Das Licht der Fixsterne_, die hinter dem wandelnden Monde

verschwinden, müßte vorher schon _abgeschwächt_ werden, da es seine

Atmosphäre durchdringen müßte, und auch zunächst wieder abgeschwächt

erscheinen. Die Sterne verschwinden aber und erscheinen wieder

plötzlich ohne Lichtschwächung.

~d~) Aus der Optik ist bekannt, daß wir wegen der astronomischen

Strahlenbrechung unserer Atmosphäre die Sonne _noch_ kurz nach ihrem

Untergange und _schon_ kurz vor ihrem Aufgange sehen. Ebenso müßten

_die Fixsterne noch kurz nach und schon kurz vor ihrem Verschwinden

hinter dem Monde sichtbar sein_. Das aber ist nicht der Fall, wie

durch Vergleichung der durch Beobachtung gefundenen Zeit mit der aus

der Geschwindigkeit und dem Durchmesser des Mondes berechneten Zeit

nachgewiesen ist.

~e~) Die Spektralanalyse zeigt, daß die Spektren der Planeten, die wie

der Mond ihr Licht von der Sonne empfangen, zwar dem Sonnenspektrum

sehr ähnlich sind, aber doch einige neue Linien enthalten. Das

kommt daher, daß die Sonnenstrahlen, nachdem sie von der Oberfläche

der Planeten zurückgeworfen sind, noch die absorbierenden Gase der

Planetenatmosphäre durchlaufen. Das Spektrum des Mondes aber stimmt

ganz mit dem Sonnenspektrum überein; ihm fehlt also die Atmosphäre.

Eine _Folge dieses Fehlens der Atmosphäre_ ist, daß der Mond auch

am Tage keinen durch eine Atmosphäre blau gefärbten, sondern einen

schwarzen Himmel hat, daß ihm die Sonne und die Sterne viel heller

leuchten als uns. Auch kann kein flüssiges Wasser auf dem Monde

vorhanden sein, da es sofort verdunsten würde. Er ist jedenfalls als

ein starrer Körper anzusehen, auf dem jedes Leben unmöglich sein muß.

§ 27.

Der Kalender.

1. _Entstehung._ Das Bedürfnis, die Zeit in größere und kleinere

Abschnitte zu teilen, ist uralt. Zu einer solchen Zeiteinteilung

gaben besonders die Sonne und der Mond Veranlassung, und so entstand

der _Kalender_. (Das Wort kommt vom lateinischen Zeitwort ~calare~

= ausrufen; die römischen Priester mußten den Tag des eingetretenen

Neumondes -- also den Monatsanfang -- öffentlich ausrufen; deshalb

wurde dieser Tag ~Calendae~ genannt, und hiervon kommt unmittelbar

unser Wort Kalender.)

2. _Grundlage._ Unserem Kalender liegt das _tropische Jahr_ zugrunde,

d. h. die Zeit des Sonnenlaufs von Frühlingsknoten zu Frühlingsknoten =

365 Tage 5 Stunden 48 Minuten 48 Sekunden.

3. _Der Tag._ ~a~) _Sonnen- und Sterntag._ Als kürzestes _natürliches_

Zeitmaß gilt die Zeit von einer Kulmination der Sonne bis zur nächsten;

man nennt sie einen _Tag_, genauer _Sonnentag_. So heißt er zum

Unterschiede vom _Sterntag_, der ja um etwa 4 Minuten kürzer ist. Wir

wissen, daß die größere Länge des Sonnentages davon kommt, daß die

Erde nicht nur von Westen nach Osten rotiert, sondern gleichzeitig in

dieser Richtung fortrückt, was ein scheinbares Fortrücken der Sonne

in der Ekliptik zur Folge hat. Nun bewegt sich aber die Erde nicht

gleichmäßig in ihrer Bahn, sondern im Perihel schneller als im Aphel;

daher wird auch die Sonne in der Ekliptik an verschiedenen Tagen

verschieden weit vorrücken. Ja, wenn sie sogar täglich um denselben

Bogen in der Ekliptik vorrückte, so würden die entsprechenden Bogen im

Äquator doch ungleich sein, weil die Ekliptik gegen den Äquator geneigt

ist. Zur Zeit der Sonnenwenden, wo die Ekliptikbögen eines Tages

ziemlich parallel zum Äquator liegen, rückt die Sonne in einem Tage

mehr nach Osten vor, als zur Zeit der Nachtgleichen, wo die stärkste

Neigung zwischen Ekliptik- und Äquatorbogen besteht. Also sind die

wahren Sonnentage verschieden lang, weil die Erde ihre Jahresbahn nicht

mit gleichmäßiger Geschwindigkeit durchläuft und die Ekliptik schief

gegen den Äquator liegt. Deshalb sind sie auch zur Zeiteinteilung

ungeeignet, und unser bürgerlicher Tag ist der _mittlere_ Sonnentag,

d. h. die Zeit zwischen zwei Kulminationen einer gedachten Sonne,

die mit gleichförmiger Geschwindigkeit den Äquator in derselben

Zeit durchliefe, in der die wahre Sonne jetzt mit ungleichförmiger

Geschwindigkeit die Ekliptik durchläuft. Eine gute Räderuhr gibt

diesen Tag an, eine Sonnenuhr den wahren Sonnentag. Der Tag wird in 24

Stunden, die Stunde in 60 Minuten, die Minute in 60 Sekunden eingeteilt.

Der _bürgerliche Tag_ geht von Mitternacht zu Mitternacht und zählt

zweimal von 1 Uhr bis 12 Uhr.

Die Astronomen rechnen nach den kürzeren Sterntagen, und der

_astronomische Tag_ geht von Mittag zu Mittag. Er zählt 1 -- 2 -- 3

-- -- 12 -- 13 usw. Uhr bis 24. Er führt das Datum des vorhergehenden

bürgerlichen Tages bis 24 Uhr, d. h. bis 12 Uhr mittags fort.

~b~) _Die Zeitgleichung._ Viermal im Jahre, am 14. April, 14. Juni, 31.

August, 23. Dezember stimmen mittlere und wahre Sonnenzeit überein.

Den Unterschied zwischen der mittleren und wahren Zeit nennt man die

Zeitgleichung und gibt ihr das positive Vorzeichen, wenn man sie zur

wahren Zeit addieren muß, um die mittlere zu erhalten, das negative,

wenn man subtrahieren muß. Ist also für einen bestimmten Tag die

Zeitgleichung als +11 angegeben, so heißt das: Am wahren Mittag zeigt

die Räderuhr schon 12 Uhr 11 Minuten. Die Zeitgleichung ist vom 23.

Dezember bis zum 14. April und vom 14. Juni bis zum 31. August positiv,

vom 14. April bis zum 14. Juni und vom 31. August bis zum 23. Dezember

negativ. Ihre größten Zahlenwerte erreicht sie am 11. Februar, wo sie

+15 Minuten, und am 2. November, wo sie -16 Minuten beträgt. Hieraus

erklärt es sich, daß man das Zunehmen der Tage im Februar und ihr

Abnehmen im November am stärksten nachmittags bemerkt.

~c~) _Mitteleuropäische Zeit._ Natürlich geht auch bei der Rechnung

nach mittleren Sonnentagen, wie beim wahren Sonnentage, die Uhr der

östlicher gelegenen Orte vor unserer vor, die der westlicher gelegenen

nach, d. h. jeder Ort hat seine besondere Ortszeit. Das hat bei dem

gewaltigen Verkehr der Gegenwart aber viel Unbequemlichkeiten im

Gefolge, namentlich für den Eisenbahnverkehr und den Eisenbahndienst.

Daher hat man schon vor Jahren vorgeschlagen, die Erde in 24

_Stundenzonen_, also Zonen von 15° Breite (15 · 4 Minuten!),

einzuteilen und für jede solche Zone unbekümmert um die Ortszeit die

Uhren übereinstimmen, von denen der Nachbarzone aber um eine Stunde

abweichen zu lassen. Eine solche Zone sollte sich 7½° östlich und 7½°

westlich von Greenwich erstrecken und Greenwicher Zeit haben; für die

östlich davon gelegene würde die Zeit des 15. Meridians östlich von

Greenwich, das ist ziemlich genau die Ortszeit von Stargard in Pommern,

die Einheitszeit sein. Da dieser Zone fast ganz Deutschland angehört,

mit Ausnahme eines schmalen Striches im Westen, der etwa durch eine

Linie Leer, Dortmund, Neuwied, Pirmasens, Kolmar zu begrenzen wäre,

so wurde im Jahre 1893 für Deutschland die Stargarder Zeit unter dem

Namen _mitteleuropäische Zeit_ als Einheitszeit eingeführt. Schweden

hat dieselbe Einheitszeit schon seit 1879. Die wahre Ortszeit von

Aachen ist um mehr als eine halbe Stunde hinter ihr zurück, die von

Königsberg um mehr als 20 Minuten voraus. Frankreich hat sich dieser

Zoneneinteilung, nach der es mit England gleiche Zeit haben würde,

nicht angeschlossen, sondern benutzt als Einheitszeit die Zeit des

Meridians der Pariser Sternwarte und weicht deshalb von der englischen

Zeit um 10 Minuten ab. Rußland aber regelt seine Zeit ebenfalls unter

Benutzung des Meridians von Greenwich und ist uns in der Uhr um eine

Stunde voraus.

4. _Die Woche._ Viele Völker haben 7 Tage als größeren Zeitabschnitt --

Woche -- zusammengefaßt, am frühesten wohl die Semiten. Wahrscheinlich

ist das auf Grund der Mondbeobachtung geschehen. (Ungefähr die Zeit von

einer Phase bis zur nächsten.)

_Die Namen der Wochentage_ sind Überreste der Astrologie (Wahrsagerei

aus dem Stand der Gestirne), und zwar sind die Tage benannt nach

Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond. Nach der Meinung

der Chaldäer und Ägypter beherrschen diese in der genannten Reihenfolge

die einzelnen Stunden des Tages. Nach dem die erste Stunde des Tages

beherrschenden Planeten erhielt der Tag seinen Namen. Bei den Ägyptern

war unser Sonnabend der erste Wochentag. Saturn aber beherrschte die

erste Stunde dieses Tages, deshalb hieß er Saturnstag (englisch heute

noch ~Saturday~), Jupiter beherrschte die zweite Stunde usw., folglich

kam auf die Sonne die 25. Stunde, d. h. die erste Stunde des nächsten

Tages, der also Sonntag genannt wurde. Montag = Mondstag, Dienstag

= Tag des (Kriegsgottes) Mars, dem der deutsche Gott Ziu entsprach,

also Ziustag, woraus Dienstag entstand. An die Stelle des Merkurtages

(Wodantages, engl. ~Wednesday~) trat die Benennung Mittwoch. Der

Jupiterstag wurde Donnerstag vom Gott Donar; der Venustag wurde Freitag

von der Göttin Freia.

5. _Der Monat._ Der Name kommt von »Mond«. Im Altertum war ein Monat

der synodische Monat, also die Zeit von einer bestimmten Stellung des

Mondes zur Sonne bis zur Wiederkehr derselben Stellung, z. B. von

Neumond zu Neumond, also 29½ Tage lang; man gab aber dem Monat in der

Zeitrechnung bald 29, bald 30 Tage, um mit vollen Tagen zu rechnen.

Zwölf solche Monate sind also 354 Tage.

_Die Namen der Monate_ sind lateinischen Ursprungs. Januar von Janus,

dem Gotte der Zeit, dem der erste Tag dieses Monats bei den Römern

geweiht war. Februar von _februare_ = reinigen, da das Reinigungsfest

der Römer in diesem Monate gefeiert wurde. März von Mars. April von

_aperire_ = öffnen, nämlich der Blüten. Mai von der Göttin Maja.

Juni von der Göttin Juno. Der Juli von Julius Cäsar; er hieß früher

Quintilis, der fünfte, nämlich nach dem 1. März, mit dem die Römer das

Jahr begannen. August vom Kaiser Augustus; er hieß früher Sextilis, der

sechste. September = der siebente; Oktober = der achte; November = der

neunte; Dezember = der zehnte.

Karls d. Gr. Monatsnamen sind: Wintermonat, Hornung, Lenz-, Oster-,

Wonne-, Brach-, Heu-, Ernte-, Herbst-, Wein- und Heil- oder Christmonat.

6. _Das Jahr._ Die meisten Völker rechneten wohl anfangs nach

_Mondjahren_ zu 354 Tagen, die Mohammedaner tun das heute noch. Da

aber bei dieser Rechnung das Datum des Frühlingsäquinoktiums und der

übrigen wichtigen Tage um 11 Tage vorrückte, so zeigte sich namentlich

bei den ackerbautreibenden Völkern schon früh das Verlangen, ihre

Zeitrechnung mit dem Laufe der Sonne, der für ihre Beschäftigung so

wichtig war, in Einklang zu bringen. Die Ägypter rechneten daher bald

nach _Sonnenjahren_, und zwar vom ersten Aufgange des Sirius vor

Sonnenaufgang am Morgenhimmel bis zu demselben Termin. Das gab 365

Tage. Sie zählten nun 11 Monate zu je 30, den zwölften zu 35 Tagen.

Die Griechen halfen sich durch Einführung des sogenannten _Metonschen

Zyklus_, den der Athener Meton um 450 v. Chr. vorschlug. Dieser Zyklus

umfaßte 19 Jahre, zählte zwar immer noch den Monat mit abwechselnd 29

und 30 Tagen, schob aber im 3., 5., 8., 11., 13., 16. und 19. Jahre je

einen Schaltmonat und in bestimmten Zwischenräumen noch einen Schalttag

ein, so daß das Jahr im Durchschnitt nur etwa eine halbe Stunde zu lang

wurde.

Diese ziemlich verwickelte Zeitrechnung der Griechen übernahmen die

Römer in einer weniger vollkommenen Gestalt. Daher war bis zum Jahre 46

vor Christus der römische Kalender ganz in Unordnung. Cäsar setzte auf

den Rat des Astronomen Sosigenes dem Jahre 46 noch zwei Schaltmonate

von zusammen 67 Tagen hinzu, so daß der nächste 1. Januar richtig gemäß

dem Sonnenstande fiel. Nun führte Cäsar die Rechnung nach Sonnenjahren

ein und nahm ein Jahr von 365 Tagen und 6 Stunden an, so daß auf je 3

Jahre je 365 Tage, auf das 4. Jahr 366 Tage kamen und der 29. Februar

der Schalttag wurde. Die Monate wurden teils zu 30, teils zu 31 Tagen

gerechnet bis auf den Februar, der damals der letzte Monat im Jahre

war. Das ist der _julianische Kalender_.

Das tropische Jahr ist in Wirklichkeit etwas kürzer als das julianische

Jahr, und zwar um 6 Stunden weniger 5 Stunden 48 Minuten 48 Sekunden,

d. i. mehr als 11 Minuten; man schaltete also alle 4 Jahre fast 45

Minuten zuviel ein durch den Schalttag; das macht in etwa 130 Jahren

schon einen ganzen Tag aus, in 390 oder rund in 400 Jahren 3 Tage,

die man hinter der wirklichen Sonnenzeit zurückblieb, so daß im Jahre

1582 das Datum des Frühlingsäquinoktiums im Kalender auf den 11. März

fiel. Der Kalender war also 10 Tage zurückgeblieben und hätte sogar um

12 Tage zurück sein müssen, wenn nicht schon das Konzil zu Nizäa 325

eine Änderung vorgenommen hätte. Deshalb bestimmte Papst Gregor XIII.,

daß nach dem 4. Oktober 1582 sofort der 15. Oktober geschrieben wurde.

Jedes vierte Jahr sollte auch ferner ein _Schaltjahr_ bleiben; aber,

um den Frühlingspunkt unverrückt zu erhalten, sollten innerhalb 400

Jahren diejenigen Schaltjahre, deren Zahl wohl durch 100, nicht aber

durch 400 ohne Rest teilbar wäre, als _gewöhnliche_ Jahre gelten, z.

B. 1600 = Schaltjahr, 1700, 1800, 1900 nicht = Schaltjahr. So wurden

die 3 Tage ausgeschaltet, um die der julianische Kalender in 400 Jahren

etwa zurückbleibt. Demnach gibt es in 400 Jahren 303 gewöhnliche Jahre

(_Gemeinjahre_) und 97 Schaltjahre. Erst in 3846 Jahren gibt es nach

dem _gregorianischen_ Kalender wieder zwischen Kalender und Sonne

eine Abweichung von 1 Tag. Dieser Kalender fand übrigens anfangs nur

in römisch-katholischen Ländern Eingang; in Deutschland wird erst

seit 1700 nach ihm gerechnet. Die griechisch-katholischen Länder

haben sogar heute noch den julianischen Kalender beibehalten, so daß

z. B. in Rußland das Datum gegen unseren Kalender jetzt um 13 Tage

zurückgeblieben ist.

Fünftes Kapitel.

Die Planeten.

§ 28.

Zahl und Bewegungen der Planeten.

1. _Wesen._ Wir wissen schon, daß die meisten Sterne ihre Lage

zueinander nicht verändern. Beobachtet man jedoch längere Zeit, etwa

mehrere Monate nacheinander, die Sternbilder des Tierkreises, so wird

man vereinzelt auch Sterne wahrnehmen, die ihre _Lage zu den Sternen

der Sternbilder verändern_. Diese Sterne müssen also nicht nur an der

scheinbaren Rotation der Himmelskugel teilnehmen, sondern außerdem noch

eine eigene, wirkliche Bewegung haben. Weitere Beobachtungen haben

ergeben, daß diese Sterne _die Sonne umkreisen, Licht und Wärme von

ihr erhalten_, nicht funkeln (szintillieren) und uns in Scheibenform

erscheinen. Man nennt sie _Planeten_ oder _Wandelsterne_. Auch die

_Erde ist ein solcher Planet_, der, von anderen Planeten gesehen, als

leuchtender Stern erscheinen wird.

2. _Haupt- und Nebenplaneten._ Die meisten uns bekannten Planeten

bewegen sich nur um die Sonne, 24 bewegen sich um einen von jenen

Planeten und mit ihm um die Sonne. Jene heißen _Hauptplaneten_, diese

_Nebenplaneten_, auch Satelliten, Trabanten, _Monde_. Einer davon ist

der Mond unserer Erde.

3. _Zahl._ Vor Erfindung des Fernrohres durch Galilei (1609) kannte

man nur 6 Planeten und einen Nebenplaneten, den Mond der Erde. Seitdem

sind viele hundert neue Planeten und 26 Nebenplaneten entdeckt worden.

Von Nebenplaneten umkreisen die Erde einer, den Mars 2, den Jupiter

8, den Saturn 10, den Uranus 4, den Neptun einer. Sie führen diese

Bewegung von Westen nach Osten aus, bis auf je einen Mond des Jupiter,

des Saturn und den Mond des Neptun, die von Osten nach Westen kreisen.

Die Entdeckung des 6., 7. und 8. Jupitermondes und des 8., 9. und

10. Saturnmondes stammt aus den Jahren 1902--1908 und ist der

Himmelsphotographie zu verdanken; der 9. Mond des Saturn kann in keinem

der besten Fernrohre der Welt gesehen werden.

4. _Namen und Entfernungen._ Die Namen der Planeten, die vor der

Erfindung des Fernrohres bekannt waren, sind: _Merkur_, _Venus_,

_Erde_, _Mars_, _Jupiter_, _Saturn_. Dazu kam, im Jahre 1781 von

Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt, der _Uranus_. Die Entfernung

des Merkur von der Sonne beträgt rund 60, die des Uranus rund 3000

Millionen ~km~. Für die Entfernungen der sechs ersten von diesen

Planeten von der Sonne hatte man ein merkwürdiges Zahlenverhältnis

gefunden. In möglichst runden Zahlen sind diese Größen nämlich

folgendermaßen darzustellen:

Merkur 60 + 0 · 45 = 60 Millionen Kilometer

Venus 60 + 1 · 45 = 105 Millionen Kilometer

Erde 60 + 2 · 45 = 150 Millionen Kilometer

Mars 60 + 4 · 45 = 240 Millionen Kilometer

Jupiter 60 + 16 · 45 = 780 Millionen Kilometer

Saturn 60 + 32 · 45 = 1500 Millionen Kilometer

Das sah so gesetzmäßig aus, daß man früh auf die Vermutung kam,

zwischen Mars und Jupiter, wo die Stufe 60 + 8 · 45 fehlte, müsse noch

ein Planet vorhanden sein. Diese Vermutung wurde bestärkt, als sich

die Entfernung für den Uranus = 60 + 64 · 45 = 2940 Millionen ~km~

herausstellte. Durch einen Zufall wurde wirklich 1801 zwischen Mars und

Jupiter ein neuer, aber im Vergleich zu den anderen sehr kleiner Planet

entdeckt. In wenigen Jahren folgte die Entdeckung noch mehrerer solcher

kleinen Planeten zwischen Mars und Jupiter. Heute ist die Zahl der

bekannten Planeten dieser Art nicht mehr weit von 1000 entfernt; eine

genaue Zahl anzugeben, ist zwecklos, da in jedem Jahr eine große Anzahl

neuer entdeckt wird. Ihre Entfernungen von der Sonne sind zwar sehr

verschieden (zwischen 300000000 und 600000000 ~km~), aber fast alle

bewegen sich zwischen Mars und Jupiter. Man nennt sie kleine _Planeten_

oder _Planetoiden_.

Eigentümliche Unregelmäßigkeiten im Laufe des Uranus legten den

Astronomen die Vermutung nahe, daß in noch weiterer Entfernung von

der Sonne noch ein Planet sich befinde, und der Franzose _Leverrier_

berechnete 1846 aus jenen Unregelmäßigkeiten den Ort, wo man ihn suchen

müsse. Es war ein gewaltiger Triumph der Astronomie, daß noch in

demselben Jahre _Galle_ in Berlin den Planeten wirklich auffand, und

zwar am Abend des Tages, an dem er Leverriers briefliche Aufforderung

zum Aufsuchen des Sternes erhalten hatte. Dieser Planet heißt _Neptun_;

er ist rund 4500000000 ~km~ von der Sonne entfernt.

5. _Arten._ Die Planeten, die näher an der Sonne stehen als die Erde,

nennt man _untere_, die entfernteren _obere_ Planeten. Jene können

nie in _Opposition_ mit der Sonne stehen, d. h. so, daß die Erde

zwischen ihnen und der Sonne steht, sondern nur in _oberer_ oder

_unterer Konjunktion_, d. h. so, daß entweder die Sonne zwischen ihnen

und der Erde oder sie zwischen der Sonne und Erde erscheinen. Die

oberen Planeten können in Opposition oder oberer Konjunktion mit der

Sonne stehen. -- Man scheidet auch wohl die Planeten zwischen Sonne

und Planetoidenzone als _innere_, die jenseits der Planetoidenzone

gelegenen als _äußere_ Planeten.

Mathematische Geographie für Lehrerbildungsanstalten · 第 18 / 21 题