Deinen

getreuen Vetter

_Christoph Roßberger_.

Entschließt Du Dich noch dazu hier herüber zu kommen, so laß es mich nur

recht bald wissen, und ich werde Dir und den Deinen schon ein freundliches

Plätzchen herrichten.

Dritter Brief.

_Lüber Ludewig_

Sondern nach Teksas haben se mich jezt kujenirt un nich mehr in Kendukki

Hurrjeh is das vor ein Land das Ameriga wenn ich nur erscht wieder raus

were gesund Die Leite hengen se hür wie gar nix un se bigen man blos einen

Baum krum und hengen se dran wie bei uns de Maulwirfe. Vor das eine Ferd

konnt ich gar nix un wenn ich mir aus Fersehn drauf sezte un fort ritt so

war es nur Unglick das ich den Eigendimer gleich in die Straße begegnen

musste un _die_ Haue, hurrjeh wenn man einmal fort is soll man aug fort

sein die vertammten Intianer suchen einem Menschen seine Fußtappen nach wer

weis wie weit un alles wegen lausiche 20 Dollars und ein baar Stiebeln. Un

mit di Mormonen na di sollen mich wider kommen na aber hür kommen se nich

her -- was kans Du denn davor wenn se dir sagen das is mein Land hol mich

einmal 1 Arm voll Korn un mach 1 Schwein dot? Un denn vor en 1 faches

Fersehen will mann Einen nich gleich ufhengen wie en Maulwurf un wie ich

here soll es bei eich in Deitschland jezt regd hibsch sein o wenn ich doch

Geld hette un hiniber kennte hir felts keinen ein das teilen un doch

sagen se alle Menschen weren gleich die sin aug grade so wie bei uns de

Arisdograden hole si alle der Deibel. Was ich habe das gehert aug mein

Nagbar dass is mein Grundsaz un danag handel ich aber hir lasse se kein

Menschen seine Grundseze ungeschoren, wenn alles was ich habe mein Nagbar

gehert so gehert alles was mein Nachbar gehert aug mein dass is doch klar

aber gottbeware aufbacken bünden un vor Gerücht schleppen is hür eins un in

Anfang wollte se kurtsen Brozess mit mür machen un alle fassden mit an. Was

hülft mich denn dass das keine Bolizeidiner un Schandarmen nich da sin wenn

jeder en Bolizeidiner spilen will es war ein Glick dass se mich noch den

Scherif hir lißen -- denn Scherif nennen se di Oberschandarmen wo ich nur

erst geglaubt habe es weren keine da weil se nich 3eckige Hite aufhaben wi

bei uns; nimand hatte mich nich gesehn un da lißen se mich schweren hurrjeh

war das en Glick un aug freie Pasasche haben se mich auf en Damfbot gegeben

nach Teksas -- so, mich kriegen se nich wider nach Kendukki. Lüber Ludewig

wenn Du in Deitschland wo es jezt regd hibsch sein soll was eribrigsd un

wenn ihr ans teilen komd so thu mich doch den gefallen un schicke mein teil

heriber das ich auch nach Deitschland kann wo es jezt so hibsch sein soll

un meine Frau sage sie megde mir doch 5 Daler schicken oder noch mer wenn

sie kennte denn es ginge mir hir söhr schlegd un ich hette sie söhr lieb

must du ihr sagen aber ich muss nu schlüßen. so lebe regd wol un gesund un

besser wie ich denn ich habe das Füber un das schitteld mich söhr un dieses

winscht dein getreier Bruder

_Eregott Bomaier_

vergis ja nich mir mein teil zu schiken womit du mir ein großen gefallen

duhn wirst es soll dein schaden nich sein wenn ich nach Deitschland wider

komme un meine Frau die 5 Daler.

Vierter Brief.

_Theuerer Scharffenstein._

Nur mit wenig Worten möchte ich eine Bitte an Dich richten. Du weißt, daß

ich außer Dir in ganz Deutschland nur einen einzigen Menschen habe, von

dem ich hoffen könnte, eine Gefälligkeit erzeigt zu erhalten -- es ist dies

mein Oheim in Sondershausen -- gehe zu ihm und gieb ihm die einliegende

Zeichnung -- so sieht der Nachkomme jenes hochgräflichen Hauses, dessen

Vorväter zu den stolzesten Geschlechtern des deutschen Kaiserreiches

gehörten, aus -- er wird mich nicht lange in dem Zustand lassen wollen.

Ich bin Feuermann auf einem Dampfboot -- Du staunst? ja wahrlich, Du hast

Ursache dazu, doch laß mich Dir nicht lange mein ganzes Elend vorerzählen

-- ich müßte es noch einmal durchleben und, Gott weiß es, ich habe keine

Freude an der Erinnerung.

In meinem letzten Briefe schrieb ich Dir, daß ich selbst gesonnen sei

ein großes Fest in New-York zu geben, um damit die vielen empfangenen

Freundlichkeiten zu erwiedern. Ich besaß noch eine Summe die, wie ich Grund

hatte zu hoffen, nicht allein vollkommen hierzu ausreichen, sondern mir

auch noch ein kleines Capital zurücklassen würde, mit dem ich -- aber was

nützt es, Dir die Pläne zu erzählen die ich hatte. -- Während dem Feste

selbst brach irgend ein Schuft -- wahrscheinlich Einer meiner sogenannten

Freunde -- bei mir ein, stahl mir Alles, selbst das letzte was ich an

baarem Gelde in meiner Börse auf dem Tisch vergessen hatte, und als ich am

nächsten Morgen -- Tod und Pest, ich _will_ den Gedanken nicht noch einmal

zurückdenken, vielweniger schreiben.

Irgend ein boshafter Mensch, vielleicht der Dieb selber, hatte indessen das

wahnsinnige Gerücht zu verbreiten gewußt, ich sei nicht allein gar nicht

von Adel, sondern auch noch von unehrlicher Geburt, kurz es traf Alles

zusammen mich förmlich in den Staub zu treten. Meine Erzählung des

Raubes wurde mir jetzt nicht einmal geglaubt und Mr. Broadfoot, der reich

gewordene Krämers- oder Schneiderssohn, kam am zweiten Morgen zu mir, that

entsetzlich vornehm und bot mir zwanzig Dollar an, damit ich nur -- ich

wollte Du könntest die Zornesthräne sehn, die mir jetzt zwischen den

Wimpern hängt -- recht bald New-York verlassen könnte. Ich warf ihn die

Treppe hinunter.

Ich überließ den Anordnern meines Festes meine sämmtliche Garderobe und

Wäsche und Alles was ich mein nannte und behielt nur die vier goldenen

Spielmarken, die ich zufällig an dem Morgen in meine Westentasche gesteckt.

Verlange nicht das demüthigende meiner Reise ins Innere zu hören -- der

Amerikaner des Westens staunt wohl, wenn er einen wirklichen lebendigen

Grafen zu sehen bekommt, aber -- er staunt eben nur und kümmert sich nicht

weiter um ihn -- das Volk ist selbst noch zu neu, zu erst erschaffen,

um auch nur möglicher Weise Sinn für das Alterthum, und die Vorrechte

desselben zu haben. Das wird später wohl auch kommen, aber was nützt das

mir -- ich erlebe es nicht.

Ich will Dich nicht mit den Einzelnheiten meines Geschicks oder besser

gesagt meines Mißgeschicks langweilen, es trieb mich zuletzt auf ein

Dampfschiff und drückte mir die Schürstange in die Hand -- ja wäre noch

Krieg gewesen -- aber nein, ein ehrlicher Soldatentod wird mir versagt

und ich muß jetzt hier, um wenigstens noch auf ehrliche Weise mein Brod zu

verdienen, die elendesten Sklavendienste thun.

Mein Oheim wird Dir eine kleine Summe für mich einhändigen, die wenigstens

ausreicht mich anständig zu equipiren und meine Reise nach Mexico zu

bestreiten; ich will dort in mexicanische Dienste treten, möchte das aber

nicht eher, als ich dort meinem Range angemessen erscheinen kann.

Wären Euere Verhältnisse jetzt nicht so traurig in Deutschland, so kehrte

ich augenblicklich zurück, was aber ist gegenwärtig dort für einen Mann von

meinem Stande zu hoffen? -- nein, da lieber noch _hier_ die Schürstange, wo

mich Niemand kennt.

Schreibe mir recht bald, ich erwarte in heißer Sehnsucht die Rettung aus

diesem traurigen Zustand.

Aus zwei Welttheilen. Zweiter Band. Gesammelte Erzählungen · 第 18 / 21 题