Erster Aufzug

Erster Auftritt

(Ein gemeines Wohnzimmer, an der Wand zwei Bilder, eines bürgerlichen

Mannes und seiner Frau, in der Tracht, wie sie vor fünfzig oder

sechzig Jahren zu sein pflegte. Nacht.)

Luise, an einem Tisch, worauf ein Licht steht, strickend. Karoline,

in einem Großvatersessel gegenüber, schlafend.

Luise (einen eben vollendeten gestrickten Strumpf in die Höhe haltend).

Wieder ein Strumpf! Nun wollt' ich, der Onkel käme nach Hause; denn

ich habe nicht Lust, einen andern anzufangen. (Sie steht auf und geht

ans Fenster.) Er bleibt heut' ungewöhnlich lange weg, sonst kommt er

doch gegen elf Uhr, und es ist jetzt schon Mitternacht. (Sie tritt

wieder an den Tisch.) Was die französische Revolution Gutes oder Böses

stiftet, kann ich nicht beurteilen; so viel weiß ich, dass sie mir

diesen Winter einige Paar Strümpfe mehr einbringt. Die Stunden, die

ich jetzt wachen und warten muss, bis Herr Breme nach Hause kommt,

hätt' ich verschlafen, wie ich sie jetzt verstricke, und er

verplaudert sie, wie er sie sonst verschlief.

Karoline (im Schlaf redend).

Nein, nein! Mein Vater!

Luise (sich dem Sessel nähernd).

Was gibt's, liebe Muhme?--Sie antwortet nicht!--Was nur dem guten

Mädchen sein mag! Sie ist still und unruhig; des Nachts schläft sie

nicht, und jetzt, da sie vor Müdigkeit eingeschlafen ist, spricht sie

im Traum. Sollte meine Vermutung gegründet sein? Sollte der Baron in

diesen wenigen Tagen einen solchen Eindruck auf die gemacht haben, so

schnell und so stark? (Hervortretend.) Wunderst du dich, Luise, und

hast du nicht selbst erfahren, wie die Liebe wirkt, wie schnell und

wie stark!

Zweiter Auftritt

Die Vorigen. Georg.

Georg (heftig und ängstlich).

Liebes Mamsellchen, geben Sie mir geschwinde, geschwinde--

Luise.

Was denn, Georg?

Georg.

Geben Sie mir die Flasche.

Luise.

Was für eine Flasche?

Georg.

Ihr Herr Onkel sagte, Sie sollen mir die Flasche geschwinde geben; sie

steht in der Kammer, oben auf dem Brett rechter Hand.

Luise.

Da stehen viele Flaschen; was soll denn drinn sein?

Georg.

Spiritus.

Luise.

Es gib allerlei Spiritus; hat er sich nicht deutlicher erklärt? Wozu

soll's denn?

Georg.

Er sagt' es wohl, ich war aber so erschrocken. Ach, der junge Herr--

Karoline (die aus dem Schlaf auffährt).

Was gibt's?--Der Baron?

Luise.

Der junge Graf?

Georg.

Leider, der junge Graf!

Karoline.

Was ist ihm begegnet?

Georg.

Geben Sie mir den Spiritus.

Luise.

Sage nur, was dem jungen Grafen begegnet ist, so weiß ich wohl, was

der Onkel für eine Flasche braucht.

Georg.

Ach, das gute Kind! Was wird die Frau Gräfin sagen, wenn sie morgen

kommt! Wie wird sie uns ausschelten!

Karoline.

So red' Er doch!

Georg.

Er ist gefallen, mit dem Kopf vor eine Tischecke, das Gesicht ist ganz

in Blut; wer weiß, ob nicht gar das Auge gelitten hat.

Luise (indem sie einen Wachsstock anzündet und in die Kammer geht).

Nun weiß ich, was sie brauchen.

Karoline.

So spät! Wie ging das zu?

Georg.

Liebes Mamsellchen, ich dachte lange, es würde nichts Gutes werden.

Da sitzt Ihr Vater und der Hofmeister alle Abend beim alten Pfarrer

und lesen die Zeitungen und Monatsschriften, und so disputieren sie

und können nicht fertig werden, und das arme Kind muss dabei sitzen;

da druckt sich's denn in eine Ecke, wenn's spät wird, und schläft ein,

und wenn sie aufbrechen, da taumelt das Kind schlaftrunken mit, und

heute--nun sehen Sie--da schlägt's eben zwölfe--heute bleiben sie über

alle Gebühr aus, und ich sitze zu Hause und habe Licht brennen, und

dabei stehen die andern Lichter für den Hofmeister und den jungen

Herrn, und Ihr Vater und der Magister bleiben vor der Schlossbrücke

stehen und können noch nicht fertig werden--

Luise (kommt mit einem Glase zurück).

Georg (fährt fort).

Und das Kind kommt in den Saal getappt und ruft mich, und ich fahre

auf und will die Lichter anzünden, wie ich immer tue, und wie ich

schlaftrunken bin, lösche ich das Licht aus. Indessen tappt das Kind

die Treppe hinauf, und auf dem Vorsaal stehen die Stühle und Tische,

die wir morgen früh in die Zimmer verteilen wollen; das Kind weiß es

nicht, geht geradezu, stößt sich, fällt, wir hören es schreien, ich

mache Lärm, ich mache Licht, und wie wir hinaufkommen, liegt's da und

weiß kaum von sich selbst. Das ganze Gesicht ist blutig. Wenn es ein

Auge verloren hat, wenn es gefährlich wird, geh' ich morgen früh auf

und davon, eh' die Frau Gräfin ankommt; mag's verantworten, wer will!

Luise (die indessen einige Bündelchen Leinwand aus der Schublade

genommen, gibt ihm die Flasche).

Hier! Geschwind! Trage das hinüber und nimm die Läppchen dazu, ich

komme gleich selbst. Der Himmel verhüte, dass es so übel sei!

Geschwind, Georg, geschwind! (Georg ab.) Halte warmes Wasser bereit,

wenn der Onkel nach Hause kommt und Kaffee verlangt. Ich will

geschwind hinüber. Es wäre entsetzlich, wenn wir unsere gute Gräfin

so empfangen müssten. Wie empfahl sie nicht dem Magister, wie empfahl

sie nicht mir das Kind bei ihrer Abreise! Leider hab' ich sehen

müssen, dass es die Zeit über sehr versäumt worden ist. Dass man doch

gewöhnlich seine nächste Pflicht versäumt! (Ab.)

Dritter Auftritt

Karoline. Hernach der Baron.

Karoline (nachdem sie einige Mal nachdenkend auf und ab gegangen).

Er verlässt mich keinen Augenblick, auch im Traum selbst war er mir

gegenwärtig. O, wenn ich glauben könnte, dass sein Herz, seine

Absichten so redlich sind, als seine Blicke, sein Betragen reizend und

einnehmend ist! Ach, und die Art, mit der er alles zu sagen weiß, wie

edel er sich ausdrückt! Man sage, was man will, welche Vorzüge gibt

einem Menschen von edler Geburt eine standesmäßige Erziehung! Ach,

dass ich doch seinesgleichen wäre!

Der Baron (an der Türe).

Sind Sie allein, beste Karoline?

Karoline.

Herr Baron, wo kommen Sie her? Entfernen Sie sich! Wenn mein Vater

käme! Es ist nicht schön, mich so zu überfallen.

Baron.

Die Liebe, die mich hieher führt, wird auch mein Fürsprecher bei Ihnen

sein, angebetete Karoline. (Er will sie umarmen.)

Karoline.

Zurück, Herr Baron! Sie sind sehr verwegen. Wo kommen Sie her?

Baron.

Ein Geschrei weckt mich, ich springe herunter und finde, dass mein

Neffe sich eine Brausche gefallen hat. Ich finde Ihren Vater um das

Kind beschäftigt, nun kommt auch Ihre Muhme, ich sehe, dass es keine

Gefahr hat, es fällt mir ein: Karoline ist allein--und was kann mir

bei jeder Gelegenheit anders einfallen als Karoline? Die Augenblicke

sind kostbar, schönes, angenehmes Kind! Gestehen Sie mir, sagen Sie

mir, dass Sie mich lieben. (Will sie umarmen.)

Karoline.

Noch einmal, Herr Baron! Lassen Sie mich, und verlassen Sie dieses

Haus!

Baron.

Sie haben versprochen, mich so bald als möglich zu sehen, und wollen

mich nun entfernen?

Karoline.

Ich habe versprochen, morgen früh mit Sonnenaufgang in dem Garten zu

sein, mit Ihnen spazieren zu gehen, mich Ihrer Gesellschaft zu freuen.

Hieher hab' ich Sie nicht eingeladen.

Baron.

Aber die Gelegenheit--

Karoline.

Hab' ich nicht gemacht.

Baron.

Aber ich benutze sie; können Sie mir es verdenken?

Karoline.

Ich weiß nicht, was ich von Ihnen denken soll.

Baron.

Auch Sie--lassen Sie es mich frei gestehen--auch Sie erkenne ich nicht.

Karoline.

Und worin bin ich mir denn so unähnlich?

Baron.

Können Sie noch fragen?

Karoline.

Ich muss wohl, ich begreife Sie nicht.

Baron.

Ich soll reden?

Karoline.

Wenn ich Sie verstehen soll.

Baron.

Nun gut. Haben Sie nicht seit den drei Tagen, die ich Sie kenne, jede

Gelegenheit gesucht, mich zu sehen, und zu sprechen?

Karoline.

Ich leugne es nicht.

Baron.

Haben Sie mir nicht, sooft ich Sie ansah, mit Blicken geantwortet?

Und mit was für Blicken!

Karoline (verlegen).

Ich kann meine eignen Blicke nicht sehen.

Baron.

Aber fühlen, was sie bedeuten.--Haben Sie mir, wenn ich Ihnen im Tanze

die Hand drückte, die Hand nicht wieder gedrückt?

Karoline.

Ich erinnere mich's nicht.

Baron.

Sie haben ein kurzes Gedächtnis, Karoline. Als wir unter der Linde

drehten, und ich Sie zärtlich an mich schloss, damals stieß mich

Karoline nicht zurück.

Karoline.

Herr Baron, Sie haben sich falsch ausgelegt, was ein gutherziges,

unerfahrnes Mädchen--

Baron.

Liebst du mich?

Karoline.

Noch einmal, verlassen Sie mich! Morgen frühe--

Baron.

Werde ich ausschlafen.

Karoline.

Ich werde Ihnen sagen--

Baron.

Ich werde nichts hören.

Karoline.

So verlassen Sie mich.

Baron (sich entfernend).

O, es ist mir leid, dass ich gekommen bin.

Karoline (allein, nach einer Bewegung, als wenn sie ihn aufhalten

wollte).

Er geht, ich muss ihn fortschicken, ich darf ihn nicht halten. Ich

liebe ihn und muss ihn verscheuchen. Ich war unvorsichtig und bin

unglücklich. Weg sind meine Hoffnungen auf den schönen Morgen, weg

die goldnen Träume, die ich zu nähren wagte. O, wie wenig Zeit

braucht es, unser ganzes Schicksal umzukehren!

Vierter Auftritt

Karoline. Breme.

Karoline.

Lieber Vater, wie geht's? Was macht der junge Graf?

Breme.

Es ist eine starke Kontusion; doch ich hoffe, die Läsion soll nicht

gefährlich sein. Ich werde eine vortreffliche Kur machen, und der

Herr Graf wird sich künftig, sooft er sich im Spiegel besieht, bei der

Schmarre mit Achtung seines geschickten Chirurgi, seines Breme von

Bremenfeld erinnern.

Karoline.

Die arme Gräfin! Wenn sie nur nicht schon morgen käme.

Breme.

Desto besser! Und wenn sie den übeln Zustand des Patienten mit Augen

sieht, wird sie, wenn die Kur vollbracht ist, desto mehr Ehrfurcht für

meine Kunst empfinden. Standespersonen müssen auch wissen, dass sie

und ihre Kinder Menschen sind; man kann sie nicht genug empfinden

machen, wie verehrungswürdig ein Mann ist, der ihnen in ihren Nöten

beisteht, denen sie wie alle Kinder Adams unterworfen sind, besonders

ein Chirurgus. Ich sage dir, mein Kind, ein Chirurgus ist der

verehrungswürdigste Mann auf dem ganzen Erdboden. Der Theolog befreit

dich von der Sünde, die er selbst erfunden hat; der Jurist gewinnt dir

deinen Prozess und bringt deinen Gegner, der gleiches Recht hat, an

den Bettelstab; der Medikus kuriert dir eine Krankheit weg, die andere

herbei, und du kannst nie recht wissen, ob er dir genutzt oder

geschadet hat: Der Chirurgus aber befreit dich von einem reellen Übel,

das du dir selbst zugezogen hast, oder das dir zufällig und

unverschuldet über den Hals kommt; er nutzt dir, schadet keinem

Menschen, und du kannst dich unwidersprechlich überzeugen, dass seine

Kur gelungen ist.

Karoline.

Freilich auch, wenn sie nicht gelungen ist.

Breme.

Das lehrt dich den Pfuscher vom Meister unterscheiden. Freue dich,

meine Tochter, dass du einen solchen Meister zum Vater hast: Für ein

wohl denkendes Kind ist nichts ergötzlicher, als sich seiner Eltern

und Großeltern zu freuen.

Karoline (sie nachahmend).

Das tu' ich, mein Vater.

Breme (sie nachahmend).

Das tust du, mein Töchterchen, mit einem betrübten Gesichtchen und

weinerlichen Tone.--Das soll doch wohl keine Freude vorstellen?

Karoline.

Ach, mein Vater!

Breme.

Was hast du, mein Kind?

Karoline.

Ich muss es Ihnen gleich sagen.

Breme.

Was hast du?

Karoline.

Sie wissen, der Baron hat diese Tage her sehr freundlich, sehr

zärtlich mit mir getan; ich sagt' es Ihnen gleich und fragte Sie um

Rat.

Breme.

Du bist ein vortreffliches Mädchen! Wert, als eine Prinzessin, eine

Königin aufzutreten.

Karoline.

Sie rieten mir, auf meiner Hut zu sein, auf mich wohl Acht zu haben,

aber auch auf ihn; mir nichts zu vergeben, aber auch ein Glück, wenn

es mich aufsuchen sollte, nicht von mir zu stoßen. Ich habe mich

gegen ihn betragen, dass ich mir keine Vorwürfe zu machen habe; aber

er--

Breme.

Rede, mein Kind, rede!

Karoline.

O, es ist abscheulich. Wie frech, wie verwegen!--

Breme.

Wie? (Nach einer Pause.) Sage mir nichts, meine Tochter, du kennst

mich, ich bin eines hitzigen Temperaments, ein alter Soldat; ich würde

mich nicht fassen können, ich würde einen tollen Streich machen.

Karoline.

Sie können es hören, mein Vater, ohne zu zürnen; ich darf es sagen,

ohne rot zu werden. Er hat meine Freundlichkeit übel ausgelegt, er

hat sich in Ihrer Abwesenheit, nachdem Luise auf das Schloss geeilt

war, hier ins Haus geschlichen. Er war verwegen, aber ich wies ihn

zurechte. Ich trieb ihn fort, und ich darf wohl sagen: Seit diesem

Augenblick haben sich meine Gesinnungen gegen ihn geändert. Er schien

mir liebenswürdig, als er gut war, als ich glauben konnte, dass er es

gut mit mir meine; jetzt kommt er mir vor: Schlimmer als jeder andere.

Ich werde Ihnen alles, wie bisher, erzählen, alles gestehen und mich

Ihrem Rat ganz allein überlassen.

Breme.

Welch ein Mädchen! Welch ein vortreffliches Mädchen! O, ich

beneidenswerter Vater! Wartet nur, Herr Baron, wartet nur! Die Hunde

werden von der Kette loskommen und den Füchsen den Weg zum

Taubenschlag verrennen. Ich will nicht Breme heißen, nicht den Namen

Bremenfeld verdienen, wenn in kurzem nicht alles anders werden soll.

Karoline.

Erzürnt Euch nicht, mein Vater!

Breme.

Du gibst mir ein neues Leben, meine Tochter; ja, fahre fort, deinen

Stand durch deine Tugend zu zieren, gleiche in allem deiner

vortrefflichen Urgroßmutter, der seligen Burgemeisterin von Bremenfeld.

Diese würdige Frau war durch Sittsamkeit die Ehre ihres Geschlechts

und durch Verstand die Stütze ihres Gemahls. Betrachte dieses Bild

jeden Tag, jede Stunde, ahme sie nach und werde verehrungswürdig wie

sie! (Karoline sieht das Bild an und lacht.) Was lachst du, meine

Tochter?

Karoline.

Ich will meiner Urgroßmutter gern in allem Guten folgen, wenn ich mich

nur nicht anziehen soll wie sie. Ha, ha, ha! Sehn Sie nur, so oft ich

das Bild ansehe, muss ich lachen, ob ich es gleich alle Tage vor Augen

habe, ha, ha, ha! Sehn Sie nur das Häubchen, dass wie

Fledermausflügel vom Kopf los steht.

Breme.

Nun, nun! Zu ihrer Zeit lachte niemand darüber, und wer weiß, wer

über euch künftig lacht, wenn er euch gemalt sieht; denn ihr seid sehr

selten angezogen und aufgeputzt, dass ich sagen möchte, ob du gleich

meine hübsche Tochter bist: Sie gefällt mir! Gleiche dieser

vortrefflichen Frau an Tugenden und kleide dich mit besserm Geschmack,

so hab' ich nichts dagegen, vorausgesetzt, dass, wie sie sagen, der

gute Geschmack nicht teurer ist als der schlechte. Übrigens dächt'

ich, du gingst zu Bette; denn es ist spät.

Karoline.

Wollen Sie nicht noch Kaffee trinken? Das Wasser siedet, er ist

gleich gemacht.

Breme.

Setze nur alles zurechte, schütte den gemahlenen Kaffee in die Kanne,

das heiße Wasser will ich selbst darüber gießen.

Karoline.

Gute Nacht, mein Vater! (Geht ab.)

Breme.

Schlaf wohl, mein Kind.

Fünfter Auftritt

Breme allein.

Dass auch das Unglück just diese Nacht geschehen musste! Ich hatte

alles klüglich eingerichtet, meine Einteilung der Zeit als ein echter

Praktikus gemacht. Bis gegen Mitternacht hatten wir zusammen

geschwatzt, da war alles ruhig; nachher wollte ich meine Tasse Kaffee

trinken, meine bestellten Freunde sollten kommen zu der

geheimnisvollen Überlegung. Nun hat's der Henker! Alles ist in

Unruhe. Sie wachen im Schloss, dem Kinde Umschläge aufzulegen. Wer

weiß, wo sich der Baron herumdrückt, um meiner Tochter aufzupassen.

Beim Amtmann seh' ich Licht, bei dem verwünschten Kerl, den ich am

meisten scheue. Wenn wir entdeckt werden, so kann der größte,

schönste, erhabenste Gedanke, der auf mein ganzes Vaterland Einfluss

haben soll, in der Geburt erstickt werden. (Er geht ans Fenster.) Ich

höre jemand kommen; die Würfel sind geworfen, wir müssen nun die

Steine setzen; ein alter Soldat darf sich vor nichts fürchten. Bin

ich denn nicht bei dem großen unüberwindlichen Fritz in die Schule

gegangen?

Sechster Auftritt

Breme. Martin.

Breme.

Seid Ihr's, Gevatter Martin?

Martin.

Ja, lieber Gevatter Breme, das bin ich. Ich habe mich ganz stille

aufgemacht, wie die Glocke zwölfe schlug, und bin hergekommen; aber

ich habe noch Lärm gehört und hin und wider gehen, und da bin ich im

Garten einige Mal auf und ab geschlichen, bis alles ruhig war. Sagt

mir nur, was Ihr wollt, Gevatter Breme, dass wir so spät bei Euch

zusammenkommen, in der Nacht; könnten wir's denn nicht bei Tage

abmachen?

Breme.

Ihr sollt alles erfahren, nur müsst Ihr Geduld haben, bis die andern

alle beisammen sind.

Martin.

Wer soll denn noch alles kommen?

Breme.

Alle unsere guten Freunde, alle vernünftigen Leute. Außer Euch, der

Ihr Schulze von dem Ort hier seid, kommt noch Peter, der Schulze von

Rosenhahn, und Albert, der Schulze von Wiesengruben; ich hoffe, auch

Jakob wird kommen, der das hübsche Freigut besitzt. Dann sind recht

ordentliche und vernünftige Leute beisammen, die schon was ausmachen

können.

Martin.

Gevatter Breme, Ihr seid ein wunderlicher Mann; es ist Euch alles eins,

Nacht und Tag, Tag und Nacht, Sommer und Winter.

Breme.

Ja, wenn das auch nicht so wäre, könnte nichts Rechts werden. Wachen

oder Schlafen, das ist mir auch ganz gleich. Es war nach der Schlacht

bei Leuthen, wo unsere Lazarette sich in schlechtem Zustande befanden

und sich wahrhaftig noch in schlechterem Zustande befunden hätten,

wäre Breme nicht damals ein junger rüstiger Bursche gewesen. Da lagen

viele Blessierte, viele Kranke, und alle Feldscherer waren alt und

verdrossen, aber Breme ein junger tüchtiger Kerl, Tag und Nacht parat.

Ich sag' Euch, Gevatter, dass ich acht Nächte nacheinander weg

gewacht und am Tage nicht geschlafen habe. Das merkte sich aber auch

der alte Fritz, der alles wusste, was er wissen wollte. Höre Er,

Breme, sagte er einmal, als er in eigner Person das Lazarett

visitierte, höre Er, Breme, man sagt, dass Er an der Schlaflosigkeit

krank liege.--Ich merkte, wo das hinaus wollte; denn die andern

stunden alle dabei; ich fasste mich und sagte: Ihro Majestät, das ist

eine Krankheit, wie ich sie allen Ihren Dienern wünsche, und da sie

keine Mattigkeit zurücklässt, und ich den Tag auch noch brauchbar bin,

so hoffe ich, dass Seine Majestät deswegen keine Ungnade auf mich

werfen werden.

Martin.

Ei, ei! Wie nahm denn das der König auf?

Breme.

Er sah ganz ernsthaft aus, aber ich sah ihm wohl an, dass es ihm wohl

gefiel. Breme, sagte er, womit vertreibt Er sich denn die Zeit?

Da fasst' ich mir wieder ein Herz und sagte: Ich denke an das, was

Ihro Majestät getan haben und noch tun werden, und da könnt' ich

Methusalems Jahre erreichen und immer fort wachen und könnt's doch

nicht ausdenken. Da tat er, als hört' er's nicht, und ging vorbei.

Nun war's wohl acht Jahre darnach, da fasst' er mich bei der Revue

wieder ins Auge. Wacht Er noch immer, Breme? reif er. Ihro

Majestät, versetzt' ich, lassen einem ja im Frieden so wenig Ruh

als im Kriege. Sie tun immer so große Sachen, dass sich ein

gescheiter Kerl daran zuschanden denkt.

Martin.

So habt Ihr mit dem König gesprochen, Gevatter? Durfte man so mit ihm

reden?

Breme.

Freilich durfte man so und noch ganz anders; denn er wusste alles

besser. Es war ihm einer wie der andere, und der Bauer lag ihm am

mehrsten am Herzen. Ich weiß wohl, sagte er zu seinen Ministern,

wenn sie ihm das und jenes einreden wollten, die Reichen haben viele

Advokaten, aber die Dürftigen haben nur einen, und das bin ich.

Martin.

Wenn ich ihn doch nur auch gesehen hätte!

Breme.

Stille, ich höre was! Es werden unsere Freunde sein. Sieh da! Peter

und Albert.

Siebenter Auftritt

Peter. Albert. Die Vorigen.

Breme.

Willkommen!--Ist Jakob nicht bei euch?

Peter.

Wir haben uns bei den drei Linden bestellt; aber er blieb uns zu lang

aus, nun sind wir allein da.

Albert.

Was habt Ihr uns Neues zu sagen, Meister Breme? Ist was von Wetzlar

gekommen, geht der Prozess vorwärts?

Breme.

Eben weil nichts gekommen ist, und weil, wenn was gekommen wäre, es

auch nicht viel heißen würde, so wollt' ich euch eben einmal meine

Gedanken sagen: Denn ihr wisst wohl, ich nehme mich der Sachen aller,

aber nicht öffentlich, an, bis jetzt nicht öffentlich; denn ich darf's

mit der gnädigen Herrschaft nicht ganz verderben.

Peter.

Ja, wir verdürben's auch nicht gern mit ihr, wenn sie's nur halbweg

leidlich machte.

Breme.

Ich wollte euch sagen--wenn nur Jakob da wäre, dass wir alle zusammen

wären, und dass ich nichts wiederholen müsste, und wir einig würden.

Albert.

Jakob? Es ist fast besser, dass er nicht dabei ist. Ich traue ihm

nicht recht; er hat das Freigütchen, und wenn er auch wegen der Zinsen

mit uns gleiches Interesse hat, so geht ihn doch die Straße nichts an,

und er hat sich im ganzen Prozess gar zu lässig bewiesen.

Breme.

Nun, so lasst's gut sein. Setzt euch und hört mich an. (Sie setzen

sich.)

Martin.

Ich bin recht neugierig, zu hören.

Breme.

Ihr wisst, dass die Gemeinden schon vierzig Jahre lang mit der

Herrschaft einen Prozess führen, der auf langen Umwegen endlich nach

Wetzlar gelangt ist und von dort den Weg nicht zurückfinden kann. Der

Gutsherr verlangt Fronen und andere Dienste, die ihr verweigert, und

mit Recht verweigert; denn es ist ein Rezess geschlossen worden mit

dem Großvater unsers jungen Grafen--Gott erhalt' ihn!--Der sich diese

Nacht eine erschreckliche Brausche gefallen hat.

Martin.

Eine Brausche?

Peter.

Gerade diese Nacht?

Albert.

Wie ist das zugegangen?

Martin.

Das arme liebe Kind!

Breme.

Das will ich euch nachher erzählen. Nun hört mich weiter an. Nach

diesem geschlossenen Rezess überließen die Gemeinden an die Herrschaft

ein paar Fleckchen Holz, einige Wiesen, einige Triften und sonst noch

Kleinigkeiten, die euch von keiner Bedeutung waren und der Herrschaft

viel nutzten; denn man sieht, der alte Graf war ein kluger Herr, aber

auch ein guter Herr. Leben und leben lassen, war sein Spruch. Er

erließ den Gemeinden dagegen einige zu entbehrende Fronen und--

Albert.

Und das sind die, die wir noch immer leisten müssen.

Breme.

Und machte ihnen einige Konvenienzen--

Martin.

Die wir noch nicht genießen.

Breme.

Richtig, weil der Graf starb, die Herrschaft sich in Besitz dessen

setzte, was ihr zugestanden war, der Krieg einfiel, und die Untertanen

noch mehr tun mussten, als sie vorher getan hatten.

Peter.

Es ist akkurat so; so hab' ich's mehr als einmal aus des Advokaten

Munde gehört.

Breme.

Und ich weiß es besser als der Advokat, denn ich sehe weiter. Der

Sohn des Grafen, der verstorbene gnädige Herr, wurde eben um die Zeit

volljährig. Das war, bei Gott! Ein wilder böser Teufel, der wollte

nichts herausgeben und misshandelte euch ganz erbärmlich. Er war im

Besitz, der Rezess war fort und nirgends zu finden.

Albert.

Wäre nicht noch die Abschrift da, die unser verstorbener Pfarrer

gemacht hat, wir wüssten kaum etwas davon.

Breme.

Diese Abschrift ist euer Glück und euer Unglück. Diese Abschrift gilt

alles vor jedem billigen Menschen, vor Gericht gilt sie nichts.

Hättet ihr diese Abschrift nicht, so wäret ihr ungewiss in dieser

Sache. Hätte man diese Abschrift der Herrschaft nicht vorgelegt, so

wüsste man nicht, wie ungerecht sie denkt.

Martin.

Da müsst Ihr auch wieder billig sein. Die Gräfin leugnet nicht, dass

vieles für uns spricht; nur weigert sie sich, den Vergleich einzugehen,

weil sie, in Vormundschaft ihres Sohnes, sich nicht getraut, so etwas

abzuschließen.

Albert.

In Vormundschaft ihres Sohnes! Hat sie nicht den neuen Schlossflügel

bauen lassen, den er vielleicht sein Lebtage nicht bewohnt; denn er

ist nicht gern in dieser Gegend.

Peter.

Und besonders, da er nun eine Brausche gefallen hat.

Albert.

Hat sie nicht den großen Garten und die Wasserfälle anlegen lassen,

worüber ein paar Mühlen haben müssen weggekauft werden? Das getraut

sie sich alles in Vormundschaft zu tun, aber das Rechte, das Billige,

das getraut sie sich nicht.

Breme.

Albert, du bist ein wackerer Mann; so hör' ich gern reden, und ich

gestehe wohl, wenn ich von unserer gnädigen Gräfin manches Gute

genieße und deshalb mich für ihren untertänigen Diener bekenne, so

möcht' ich doch auch darin meinen König nachahmen und euer Sachwalter

sein.

Peter.

Das wäre recht schön. Macht nur, dass unser Prozess bald aus wird!

Breme.

Das kann ich nicht, das müsst ihr.

Peter.

Wie wäre denn das anzugreifen?

Breme.

Ihr guten Leute wisst nicht, dass alles in der Welt vorwärts geht,

dass heute möglich ist, was vor zehn Jahren nicht möglich war. Ihr

wisst nicht, was jetzt alles unternommen, was alles ausgeführt wird.

Martin.

O ja, wir wissen, dass in Frankreich jetzt wunderliches Zeug geschieht.

Peter.

Wunderliches und Abscheuliches!

Albert.

Wunderliches und Gutes.

Breme.

So recht, Albert, man muss das Beste wählen! Da sag' ich nun: Was

man in Güte nicht haben kann, soll man mit Gewalt nehmen.

Martin.

Sollte das gerade das beste sein?

Albert.

Ohne Zweifel.

Peter.

Ich dächte nicht.

Breme.

Ich muss euch sagen, Kinder: Jetzt oder niemals!

Albert.

Da dürft Ihr uns in Wiesengruben nicht viel vorschwatzen; dazu sind

wir fix und fertig. Unsere Leute wollten längst rebellern; ich habe

nur immer abgewehrt, weil mir Herr Breme immer sagte, es sei noch

nicht Zeit, und das ist ein gescheiter Mann, auf den ich Vertrauen

habe.

Breme.

Gratias, Gevatter, und ich sage euch: Jetzt ist es Zeit.

Albert.

Ich glaub's auch.

Peter.

Nehmt mir's nicht übel, das kann ich nicht einsehen; denn, wenn's gut

Aderlassen ist, gut Purgieren, gut Schröpfen, das steht im Kalender,

und darnach weiß ich mich zu richten; aber wenn's just gut Rebellern

sei, das, glaub' ich, ist viel schwerer zu sagen.

Breme.

Das muss unsereiner verstehen.

Albert.

Freilich versteht Ihr's.

Peter.

Aber sagt mir nur, woher's eigentlich kommt, dass Ihr's besser

versteht als andere gescheite Leute?

Breme (gravitätisch).

Erstlich, mein Freund, weil schon vom Großvater an meine Familie die

größten politischen Einsichten erwiesen. Hier dieses Bildnis zeigt

euch meinen Großvater Hermann Breme von Bremenfeld, der, wegen großer

und vorzüglicher verdienste zum Bürgermeister seiner Vaterstadt

erhoben, ihr die größten und wichtigsten Dienste geleistet hat. Dort

schwebt sein Andenken noch in Ehren und Segen, wenngleich boshafte,

pasquillantische Schauspieldichter seine großen Talente und gewisse

Eigenheiten, die er an sich haben mochte, nicht sehr glimpflich

behandelten. Seine tiefe Einsicht in die ganze politische und

militärische Lage von Europa wird ihm selbst von seinen Feinden nicht

abgesprochen.

Peter.

Es war ein hübscher Mann, er sieht recht wohlgenährt aus.

Breme.

Freilich genoss er ruhigere Tage als sein Enkel.

Martin.

Habt Ihr nicht auch das Bildnis Eures Vaters?

Breme.

Leider, nein! Doch muss ich euch sagen: Die Natur, indem sie meinen

Vater Jost Breme von Bremenfeld hervorbrachte, hielt ihre Kräfte

zusammen, um euren Freund mit solchen Gaben auszurüsten, durch die er

euch nützlich zu werden wünscht. Doch behüte der Himmel, dass ich

mich über meine Vorfahren erheben sollte; es wird uns jetzt viel

leichter gemacht, und wir können mit geringern natürlichen Vorzügen

eine große Rolle spielen.

Martin.

Nicht zu bescheiden, Gevatter!

Breme.

Es ist lautre Wahrheit. Sind nicht jetzt der Zeitungen, der

Monatsschriften, der fliegenden Blätter so viel, aus denen wir uns

unterrichten, an denen wir unsern Verstand üben können! Hätte mein

seliger Großvater nur den tausendsten Teil dieser Hilfsmittel gehabt,

er wäre ein ganz anderer Mann geworden. Doch, Kinder, was rede ich

von mir! Die Zeit vergeht, und ich fürchte, der Tag bricht an. Der

Hahn macht uns aufmerksam, dass wir uns kurz fassen sollen. Habt ihr

Mut?

Albert.

An mir und den Meinigen soll's nicht fehlen.

Peter.

Unter den Meinigen findet sich wohl einer, der sich an die Spitze

stellt; ich verbitte mir den Auftrag.

Martin.

Seit den paar letzten Predigten, die der Magister hielt, weil der alte

Pfarrer so krank liegt, ist das ganze große Dorf hier in Bewegung.

Breme.

Gut! So kann was werden. Ich habe ausgerechnet, dass wir über

sechshundert Mann stellen können. Wollt ihr, so ist in der nächsten

Nacht alles getan.

Martin.

In der nächsten Nacht?

Breme.

Es soll nicht wieder Mitternacht werden, und ihr sollt wieder haben

alles, was euch gebührt, und mehr dazu.

Peter.

So geschwind? Wie wäre das möglich?

Albert.

Geschwind oder gar nicht.

Breme.

Die Gräfin kommt heute an, sie darf sich kaum besinnen. Rückt nur bei

einbrechender Nacht vor das Schloss und fordert eure Rechte, fordert

eine neue Ausfertigung des alten Reverses, macht euch noch einige

kleine Bedingungen, die ich euch schon angeben will, lasst sie

unterschreiben, lasst sie schwören, und so ist alles getan.

Peter.

Vor einer solchen Gewalttätigkeit zittern mir Arm' und Beine.

Albert.

Narr! Wer Gewalt braucht, darf nicht zittern.

Martin.

Wie leicht können sie uns aber ein Regiment Dragoner über den Hals

ziehen. So arg dürfen wir's doch nicht machen. Das Militär, der

Fürst, die Regierung würden uns schön zusammenarbeiten.

Breme.

Gerade umgekehrt. Das ist's eben, worauf ich fuße. Der Fürst ist

unterrichtet, wie sehr das Volk bedruckt sei. Er hat sich über die

Unbilligkeit des Adels, über die Langweiligkeit der Prozesse, über die

Schikane der Gerichtshalter und Advokaten oft genug deutlich und stark

erklärt, so dass man voraussetzen kann: Er wird nicht zurück, wenn man

sich Recht verschafft, da er es selbst zu tun gehindert ist.

Peter.

Sollte das gewiss sein?

Albert.

Es wird im ganzen Lande davon gesprochen.

Peter.

Da wäre noch allenfalls was zu wagen.

Breme.

Wie ihr zu Werke gehen müsst, wie vor allen Dingen der abscheuliche

Gerichtshalter beiseite muss, und auf wen noch mehr genau zu sehen ist,

das sollt ihr alles noch vor Abend erfahren. Bereitet eure Sachen

vor, regt eure Leute an und seid mir um Sechse beim Herrenbrunnen.

Dass Jakob nicht kommt, macht ihn verdächtig; ja, es ist besser, dass

er nicht gekommen ist. Gebt auf ihn acht, dass er uns wenigstens

nicht schade; an dem Vorteil, den wir uns erwerben, wird er schon

teilnehmen wollen. Es wird Tag; lebt wohl und bedenkt nur, dass, was

geschehen soll, schon geschehen ist. Die Gräfin kommt eben erst von

Paris zurück, wo sie das alles gesehn und gehört hat, was wir mit so

vieler Verwunderung lesen; vielleicht bringt sie schon selbst mildere

Gesinnungen mit, wenn sie gelernt hat, was Menschen, die zu sehr

gedruckt werden, endlich für ihre Rechte tun können und müssen.

Martin.

Lebt wohl, Gevatter, lebt wohl! Punkt Sechse bin ich am Herrenbrunnen.

Albert.

Ihr seid ein tüchtiger Mann! Lebt wohl.

Peter.

Ich will Euch recht loben, wenn's gut abläuft.

Martin.

Wir wissen nicht, wie wir's Euch danken sollen.

Breme (mit Würde).

Ihr habt Gelegenheit genug, mich zu verbinden. Das kleine Kapital zum

Exempel von zweihundert Talern, das ich der Kirche schuldig bin,

erlasst ihr mir ja wohl.

Martin.

Das soll uns nicht reuen.

Albert.

Unsere Gemeine ist wohlhabend und wird auch gern was für Euch tun.

Breme.

Das wird sich finden. Das schöne Fleck, das Gemeindegut war und das

der Gerichtshalter zum Garten einzäunen und umarbeiten lassen, das

nehmt ihr wieder in Besitz und überlasst mir's.

Albert.

Das wollen wir nicht ansehen, das ist schon verschmerzt.

Peter.

Wir wollen auch nicht zurückbleiben.

Breme.

Ihr habt selbst einen hübschen Sohn und schönes Gut; dem könnt' ich

meine Tochter geben. Ich bin nicht stolz, glaubt mir, ich bin nicht

stolz. Ich will Euch gern meinen Schwäher heißen.

Peter.

Das Mamsellchen ist hübsch genug; nur ist sie schon zu vornehm erzogen.

Breme.

Nicht vornehm, aber gescheit. Sie wird sich in jeden Stand zu finden

wissen. Doch darüber lässt sich noch vieles reden. Lebt jetzt wohl,

meine Freunde, lebt wohl!

Alle.

So lebt denn wohl!

Die Aufgeregten · 第 5 / 8 题