_Stuttg._, d. 1. Juli 1828.
_Verehrtester Herr!_
Leider hat mich Ihr so angenehmer Brief in einem Wirrwarr von
Geschäften angetroffen, aus dem ich mich nur schwer werde herauswickeln
können. Wenn es mir aber nur irgend möglich ist, so komme ich noch am
Ende dieser Woche nach Baden, um Ihnen meine Aufwartung zu machen.
Sie beschämen mich durch Ihr freundschaftliches Zuvorkommen. Es war
längst mein Wunsch, den Mann kennen zu lernen, den ich unter allen
unsren Dichtern, wie Sie wissen, am meisten liebe. Allein ich wollte
Ihnen nicht beschwerlich fallen; ich begnügte mich, Sie im Stillen
zu verehren, bis mein Buch über die Literatur mich veranlaßte und
verpflichtete, Ihnen öffentlich meine Huldigung darzubringen.
In der Hoffnung, Sie bald zu sprechen, enthalte ich mich, hier Materien
zu berühren, die nicht leicht in einem Briefe zu erschöpfen sind. Ich
bemerke Ihnen nur in Beantwortung Ihrer Fragen, daß ich Ihre Vorrede
zur Felsenburg und zu Lenz gelesen habe; ferner daß der frühere Aufsatz
in den Europ. Blättern _über Sie_ nicht von mir, sondern von
Follen herrührt, während allerdings alle andern dort erschienenen
kritischen Aufsätze über Goethe &c. von mir sind. Was ~N...~[8]
betrifft, so ist derselbe vor etwa 2 Monaten nach Amerika ausgewandert.
Durch Arbeitsscheu und Verlogenheit verdarb er sich vollends allen
Credit und um einer noch schlimmern Zukunft im Vaterlande zu entgehn,
hat er sich mit der Aussicht auf ein Viceviat in den V. Staaten über
Meer schicken lassen.
Ich eile, alle Anstalten zu treffen, um Sie noch in Baden besuchen zu
können. Wenn es mir wider Erwarten durchaus unmöglich werden sollte,
abzukommen, so werde ich Sie doch ganz gewiß hier auf Ihrer Rückreise
sehn, und Sie werden mich in jedem Fall hier antreffen. -- Meine
Hochachtung, meine Liebe bedarf keiner neuen Versicherung. Ewig