_Leipzig_, d. 9ten Jan. 1803.
Ihr langes Stillschweigen mein werther Freund setzt mich in nicht
geringe Verlegenheit. Kann ich noch auf die Erfüllung Ihres mir
in Dresden gethanen Versprechens rechnen? Wird das projectirte
Marionetten-Theater noch auf Ostern fertig werden? Wenn Sie sich in
meine Lage versetzen, so werden Sie finden, daß mir diese Ungewißheit
in mehreren Rücksichten beträchtlich schadet. Das Papier ist gedruckt:
Meine Dispositionen zur Ostermeße sind im Vertrauen auf die Erfüllung
Ihres Versprechens eingerichtet, und ich habe, weil ich das Geld
_dazu_ bestimmt habe, manchen andern Plan von mir weisen müßen,
um mich am Ende nicht in Geld-Verlegenheiten zu setzen. Verkennen Sie
mich nicht mein werther Freund, ich will Sie weder mahnen noch drücken,
nur _Gewißheit_, nur das Wort eines Mannes verlange ich von Ihnen.
Können oder wollen Sie es nicht zu Ostern liefern, ist Ihnen die Lust
dazu ganz und gar vergangen, haben Sie etwas anders vor, das Sie
gern an die Stelle setzen möchten, so schreiben Sie mir nur darüber.
Ich mache dann andre Dispositionen. Ich schmeichle mir, daß Sie mich
wenigstens in so weit achten, daß Sie mich nicht mit Versprechungen
zum Besten haben werden, und verlaße mich daher auf das Wort, das Sie
mir in der Beantwortung dieses Briefs geben werden.
Von Fr. Schlegel habe ich kürzlich wieder Briefe erhalten, er schreibt
mir ich würde wohl sein Journal _Europa_ schon in Händen haben.
Noch habe ich es nicht gesehen. Man sagt, er habe Aussichten, auf dem
linken Rheinufer als Professor angestellt zu werden. Es würde mich sehr
freuen, wenn diese Reise nach Paris sein Glück befördern sollte.
Leben Sie wohl mein werther Freund, empfehlen Sie mich Ihrer Frau
Gemahlin und haben Sie die Güte mir baldigst und recht offen über unsre
Angelegenheiten zu schreiben. Meine Frau empfiehlt sich.