_Otto Ludwig v. Eisfeld_.
Niedergarsebach bei Meißen, Schleifmühle, wo mich Ihre wertheste
Zuschrift bis Ende Septembers trifft. Später -- -- so würden Sie die
Güte haben, sie an Herrn Direktor Jenke in Dresden gelangen laßen zu
wollen.
Lüdemann, Georg Wilhelm von.
Geb. am 15. Mai 1796 zu Cüstrin, wo sein Vater Direktor der
Neumärkischen Kriegs- und Domainenkammer war. Noch nicht volle
siebzehn Jahre alt verließ er das Berliner Gymnasium zum „grauen
Kloster,“ um die Feldzüge von 1813 &c. im ersten ostpreußischen
Infanterie-Regimente mitzumachen. Dreimal verwundet kehrte
er zurück, und wendete sich auf der Universität vorzugsweise
dem Studium der neueren Sprachen, der Statistik, so wie auch
juristischen und kameralistischen Wissenschaften zu. Schon 1817
wurde er bei der K. Regierung angestellt, doch sah er sich durch
Rücksichten auf seine schwankende Gesundheit genöthigt, längere
Urlaube zu nehmen, die er zu großen Reisen benützte. 1833 trat
er interimistisch den Posten eines Landraths zu Sagan, 1835
jenen eines Polizeidirektors zu Aachen an, und wurde 1843 zur K.
Regierung in Liegnitz berufen, wo er am 11. April 1863 als Geheimer
Regierungs-Rath, Ritter &c. gestorben ist. Über die Art seines
Todes gingen verschiedene Gerüchte um, doch läßt sich für gewiß
annehmen, daß er auf einem Spaziergange vom Ufer abgleitend in den
Mühlgraben gestürzt ist.
Außer seinem bekannten Reisewerke über die Pyrenäen hat er im
Gebiete der schönen Wissenschaften und Künste wie auch der Kritik
unübersehbar viel geschrieben. Er war fleißiger Mitarbeiter an
den Blättern für litterarische Unterhaltung, und mehreren anderen
gediegenen Zeitschriften, gab sehr beliebte Novellen heraus,
lieferte auch eine Geschichte der Kupferstech-Kunst. Mit den
meisten litterarischen Persönlichkeiten seiner Zeit stand er in
Verbindung. Vielseitige Gelehrsamkeit, gründliche Bildung, feiner
künstlerischer Geschmack, durch langen Aufenthalt in Italien,
Frankreich und Spanien erweitert, leuchten aus all’ seinen Arbeiten
hervor; verleiteten ihn aber auch zu einer Schärfe der Kritik,
welche, wenn gleich für treffend anerkannt, doch nicht immer
beitrug, ihm Freunde unter seinen näheren Umgebungen zu erwerben.
_Zyrus_ b. Freystadt in Schlesien,
d. 31. Januar 1832.
_Wohlgebohrner
Hochverehrter Herr Hofrath!_
Wenn ich es wage, Ihrem Urtheil, hochverehrter Herr Hofrath,
die beiliegende Bearbeitung der ~Two Gentlemen of Verona~
unterzulegen, in der Hoffnung, damit der deutschen Bühne vielleicht
ein Shakspearisches Stück mehr anzueignen, so geschieht es mit
demjenigen Vertrauen, das man dem erleuchtetsten Richter entgegen
bringt. Ich habe dies Schauspiel vor Jahren, und mit stets wachsendem
Vergnügen mehrmals in London darstellen sehn, und indem es dadurch bey
mir zu einem Lieblingswerk des großen Meisters wurde, habe ich der
Versuchung nicht widerstehen können, es, wie irgend möglich, zu einem
deutschen Bühnenstücke umzubilden. Ob und wie dies nun gelungen sey,
darüber erdreuste ich mich, ohne jedes Vorwort die Entscheidung in Ihre
Hand zu legen. Es wäre thöricht, den dichterischen Werth, den Glanz
der neuen Auffassung uralter Naturverhältnisse, die echtdramatische
Handhabung der Fabel, die Wirkung von Charakteren und Verwickelungen,
kurz den ganzen Bau dieses poetischen Schauspiels mit einem Wort
hervorzuheben, wenn man das Glück hat, Ihnen gegenüber davon zu
sprechen. Das Ganze ist von der Art, daß jedes hinzugefügte oder
hinweggelassene Wort als ein hineingetragener Mangel anzusehn ist.
Indeß foderte die deutsche Auffassungsweise einige Abänderungen. Ich
habe mich begnügt, die schonendste Hand an das zu legen, was unleugbar
anders werden mußte. Den etwas verborgenen Hauptgedanken deutlicher
hervorzuheben ist fast mein Hauptbemühen gewesen. Eben dies führte
auf die Änderung des Titels, auf den Umguß der fünf Akte in Drey. Am
meisten haben mir die humoristischen Scenen unantastbar geschienen und
als Grundsatz hat mir vorgeschwebt, unberührt zu lassen, was irgend
bleiben konnte. Die Stellung der Scenen ist an zwey Orten verändert,
weil die Deutlichkeit der Handlung dabey zu gewinnen schien. Szenisch
scheinen keine Schwierigkeiten für die Darstellung übrig geblieben zu
sein und was die Diktion betrifft, so habe ich es, wenigstens nicht an
Bemühung fehlen lassen, auszugleichen, zu ebnen und zu mildern, wo die
Empfindung unserm Ohre allzu rauh erscheinen konnte.
Doch alles dies sind völlig nutzlose Bemerkungen. Ich lege den Versuch
in Ihre Hand, hochverehrter Herr Hofrath! Mit einem Blick werden Sie
darin erkennen, was auseinanderzusetzen vieler Worte bedurfte. Ist
dieser Versuch nun des Meisters nicht unwürdig, ist er geeignet, den
großen Geist auf eine entsprechende Art einem deutschen Theaterpublikum
vorüberzuführen, der auch in dieser minder bekannten Arbeit die
Sonnenlichter der Poesie zurückstrahlt, in denen seine Wohnung ist, --
so wird dieser Versuch _Ihrer_ Bevorwortung nicht zu entbehren
haben.
Indem ich diese für meine Arbeit in Anspruch zu nehmen, so dreust
bin, und indem ich bitte, wenn dieser Versuch Ihren Beifall finden
sollte, diesen auch durch die _Beschützung_, deren er bedarf, zu
bethätigen -- habe ich das Glück, bey diesem Anlaß meine unbegrenzte
Hochachtung für Sie, verehrter Herr Hofrath, auszusprechen und die
verehrende Ergebenheit bezeugen zu können, mit der ich bin