_Karlsruhe_, 30. Juli 1847.
_Verehrter Herr und Freund!_
Sie sehen, daß ich schon wieder versuche, mich in Ihr Andenken
zurückzurufen, und zwar durch eine Darbringung wieder aus einer andern
Gegend der Welt, als die letzte war. Nachdem ich Sie voriges Jahr mit
zwei ziemlich schwerfälligen Erinnerungszeichen aus _Abyssinien_
(d. h. durch 1 Ex. meiner Bearbeitung der Harris’schen Reise dahin)
heimgesucht habe, nahe ich mich Ihnen jetzt aufs Neue mit zwei
allerdings leichtern Gedächtnißbüchern aus _Irland_, die Sie
übrigens so wenig zu lesen verpflichtet sind wie die vorige Zusendung:
denn schon, daß Sie einem (allerdings fleißigen und gewissenhaften)
Dilettanten in der Literatur stillschweigend erlauben Ihnen seine
Arbeiten vorzulegen, ist mir eine Gunst wie meiner ergebenen
Freundschaft einige Befriedigung, daß sie mit solchen wenn auch
geringen und aus der Ferne dargebrachten Gaben im Geiste sich an Ihr
Herz legen und von ihm vielleicht einer freundlichen Aufnahme sich
getrösten darf.
Da ich Ihre Augen und Geduld für mein Geschriebenes noch viel weniger
als für mein Gedrucktes unbescheiden in Anspruch nehmen möchte, so
erlaube ich mir, wenn Sie letzteres irgendwelcher Beachtung würdigen
wollten, in Bezug auf das, was ich _mit_ und _in_ dem Erin
beabsichtige, Ihnen die Vorrede des ersten Bändchens als hinreichende
Auskunft zu empfehlen und außerdem die fertiggedruckten ersten zwölf
Bogen des _dritten_ Bändchens (bis ich dieses vollständig, Text
und Erläuterungen, Ihnen zu überreichen im Stande bin) beizulegen,
welches den 1sten „Theil“ der eigentlichen „Märchen und Sagen“ enthält.
Diesen nebst den weitern Theilen der eigentlichen „Märchen und Sagen“
entweder durch eine Einleitung von Ihnen geschmückt und gewerthet zu
erhalten oder doch wenigstens mit einer Widmung meiner anhänglichen
Verehrung an Sie zu begleiten, ist mir längere Zeit ein lebhafter und
lieber Wunsch gewesen; allein vom Erstern hat mich minder mein Zweifel
in Ihre Güte als die Äußerung und das Bedenken Cotta’s, der selbst
einen _hohen_ Werth auf einige Einleitungsworte von _Ihnen_
für diese Sammlung gelegt hätte, „daß Sie ähnliche Anliegen abzulehnen
pflegten und so auch das meinige schon aus Rücksichten auf Ihre,
jede Arbeit verbietende, Gesundheit würden unerfüllt lassen müssen,“
abgeschreckt und vom Letztern die Besorgniß, _Ihnen_ aufdringlich
oder gar dem _Publikum_ als unverdient nach Ihrer Gunst haschend
oder mit Ihrem Wohlwollen prahlend zu erscheinen. Glücklich würde es
mich machen, sähen _Sie_ die Sache anders an!
Selbst auf die Gefahr hin, Sie mit weitern Zeilen zu langweilen oder zu
plagen, möchte ich die mir so liebe Unterhaltung mit Ihnen verlängern;
allein eine heitere Stimmung -- und in _der_ bliebe ich doch gern
Ihnen gegenüber -- kann ich auf die Dauer nicht aufbringen und mit
meiner traurigen Sie selbst zu verstimmen, würde ich mir nicht getrauen
noch vergeben. Zu recht tiefer Trauer und schwerem Gemüthsleid habe
ich aber den schmerzlichsten Grund; denn zu Anfang Juni’s ist mir,
nach einer mehrmonatlichen und peinlichen Lungenkrankheit, meine Frau
gestorben. Wir hatten uns in gegenseitiger Jugendliebe versprochen,
erst nach siebenjährigen Schwierigkeiten und Ausharren heirathen können
und auf’s Allerglücklichste mit und für einander gelebt -- --. Ich
verlor in ihr mein bestes Lebenstheil und meine treueste Lebensstütze,
unsere Kinder die sorglichste und aufopferndste Mutter und _Sie_,
wie jeder Schöpfer, Pfleger und Vertreter des Schönen, Guten und
Rechten, eine warme und eifrige Verehrerin.
Über Ihren jetzigen Lebensgang und Ihr körperliches Befinden muß ich
mich leider stets nur aus den zerstreuten Nachrichten in öffentlichen
Blättern, die ich freilich mit der lebhaftesten Begierde und dem
innigsten Antheil aufsuche und lese, unterrichten, und sah soeben aus
einem Berliner Briefe in der Allgemeinen Zeitung vom 27. d. M., daß
Ihre Genesung von Ihrer letzten Krankheit nur langsam vorrücke: möge
sie um so nachhaltiger und ungestörter seyn -- dies ist mein heißes
Hoffen und Wünschen -- und aus ihr Ihnen erfrischte Lust zu geistiger
Schaffensthätigkeit erblühen.