III.

_Weinsberg_, d. 14. Juny 41.

_Verehrungswürdigster!_

Sie hatten die Liebe mir zu erlauben, Ihnen nach Baden-Baden schreiben

zu dürfen.

Von _Möricke_ erhielt ich einen Brief, in welchem er schreibt:

„So innig ich beklage, den herrlichen _Tieck_ damals nicht haben

sprechen zu können, so ganz unmöglich war es durch mein Übelbefinden.

Empfehlen Sie mich demselben, sagen Sie ihm, wie wohl die günstige

Meinung, die er von mir zu hegen scheint, mir thue. Ach! wäre ich

gesund und nicht von aussen immer so gehetzt und beengt, wie viel

zufriedener sollten meine Freunde mit mir seyn. So aber muß ich ihnen

öfters undankbar, als ein launischer Hypochonder erscheinen. Ich weiß

das Alles anders und kann es doch nicht ändern.“ --

M. dauert mich unendlich. Er schreibt auch noch: daß das Schicksal

seines ältesten Bruders ihn ganz niederdrücke, sowie auch ökonomische

Dinge nach dem Tode seiner Mutter. Denkt man sich dabey nun seinen

zerrütteten Nervenzustand, die schlechte Pfarrey, auf der er noch einen

Vikar, die Brüder und eine Schwester, zu erhalten hat, -- so sieht man

leicht ein, wie ihm nach und nach alle Saiten von der _Leyer_

springen müßen. --

Ich weiß für ihn nur _einen_ Trost und der sind Sie und Ihr

Erkennen seiner. Ich bitte innigst -- das auszuführen, wovon Sie so

gütig sprachen, -- ein paar Blätter über _Mörikes_ poetische

Leistungen zu schreiben. Es wäre Ihnen gewiß auch ein Kleines, eine

Quelle zu finden, durch die er unsrem König empfohlen würde, durch

Nennung Ihres Namens, was allein Gewicht hätte. Durch _Münchs_

Tod, der in Stuttgardt für -- _nichts_ einen großen Gehalt bezog,

fiel eine gute Besoldung in die Finanzkasse zurück, die Hälfte davon

würde hinreichen, diesen vortrefflichen Menschen für immer aus seinem

Jammer zu retten und wieder für die Kunst zu gewinnen.

Kämen Sie nach _Ems_ und träfen Sie dort die Töchter des Königs

(die von der Catharina), die Gräfin _Neipperg_, die jetzt dort ist

und die Prinzessin von Oranien, die später dahin kommt, -- so vergessen

Sie nicht, zu ihnen ein Wort von M. zu sprechen. Ich that es bey der

erstern schon früher mit gutem Erfolg, aber Ihr Wort hat größeres

Gewicht. --

Und nun muß ich Ihnen noch meinen unsäglich innigen Dank sagen für

die große Liebe, die Sie mir und meiner ganzen Familie in Heilbronn

erwiesen und die ich nicht verdiente. Wir leben alle in freudiger

Erinnerung Ihrer, der gütigen Frau Gräfin und der herrlichen Tochter.

Für letztere lege ich, nebst den herzlichsten Grüßen von uns Allen,

hier ein paar schwache Gedenkblättchen bey.

Ich wünsche nur, daß Ihnen und der verehrten Frau Gräfin die Bäder

recht gut bekommen und die Wetterveränderung, die sich inzwischen so

schlimm einstellte, keinen Schaden bringen möge!

Verlassen Sie mich nicht ganz -- Gedenken Sie meiner auch zuweilen noch

in Ihrem reichen Geist und Herzen!

Der Himmel schenke Ihnen Gesundheit und inneren Frieden!

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band · 第 196 / 358 题