~Dr.~ _Justinus Kerner_.
d. 16ten April 30.
Dieser Brief blieb 3 Monate lang liegen, weil ich immer dachte, es
seye unbescheiden von mir, Sie mit ihm zu beschweren. Inzwischen
mehrten sich recht sehr die Gegner wie die Freunde der Seherin von
Prevorst. Unter letztern zeichnet sich _Görres_ hauptsächlich
aus, auch der Sohn _Fichtes_ schrieb über sie günstig. Durch die
Schrift, „das Bild zu Sais,“ wird diese Frau für wahnsinnig erklärt.
Das will ich gelten lassen: denn es giebt auch einen _göttlichen_
Wahnsinn, in dessen Kreisen vor allen auch _Sie_ leben. _So mein
=ich= es._ Der Verfasser (ein junger Mann in Stuttgardt) zeigt
zu seinem Lobe überall einen Brief von Ihnen. Er kennt mich nicht, sah
diese Frau nie und schwatzt wie ein Blinder von der Farbe.
Von _Eschenmayer_ erscheint in den nächsten Wochen eine eigene
Schrift über die Seherin und die Einwürfe, die die Verstandesherren dem
Buche machen, und das bin ich so frey, Ihnen zuzusenden, wofern Sie
Sich meiner noch erinnern. Wachend und in Träumen sehr oft bei Ihnen!
Ihr _Kerner_.