_Weinsberg_, d. 18ten Feb. 30.
_Verehrungswürdigster!_
Sie werden Sich vielleicht meiner nicht mehr -- aber wohl des Stuhles
erinnern, auf dem Sie auf dem alten Thurme zu Weinsberg saßen und auf
die _Gebirge_ sahen. --
In _diesen_ ist nun das Grab jener unglücklichen Frau, die Sie
damals mit Ihrem Besuche erfreuten. Ihre Geschichte, aus der ich
Ihnen damals einige Blätter vorlas, ist inzwischen auf dem Markte
erschienen. Ausser _Eschenmayer_, _Schubert_ und Friedrich
v. _Meyer_ will diese in Deutschland kein schreibender Mensch
verstehen.
Ich hätte sie _Ihnen_ zugesandt, allein ich denke, Sie können
sie in Dresden häufig finden. Ich denke mir, daß Sie sie gelesen.
Ich muthe keinem Menschen zu, den zweyten Theil so zu nehmen, wie
ich und Eschenmayer ihn nahmen -- aber sehr schmerzhaft müßen mir so
verschrobene, _entstellende_ Urtheile seyn, wie Sie sie in Hrn.
~Dr.~ _Menzels_ Literaturblatt von ihm und einem Hrn. Carové
aus Frankfurth, lesen können und inzwischen durch alle Tageblätter
Deutschlands hindurch.
Ich liebe Sie unsäglich und ich traue auf _Sie_. Wäre es Ihnen
nicht möglich, nur _ein_ Wort über diese Geschichte öffentl. zu
sprechen?? Nur den Eindruck zu bezeichnen, den diese Frau auf Sie
machte. Darum bitt’ ich auch Ihre Tochter, die auf uns alle tiefen
Eindruck hinterließ, -- sie soll den Vater darum bitten. Sagen Sie
ihr, daß die verstorbene Frau nach ihrem Weggehen noch vieles von
_ihr_ gesprochen, was ich ihr gern sagen möchte. Ich gebe die
Hoffnung nicht auf, Sie und Ihre Lieben einmal im Leben wieder zu sehen
-- wie glücklich würde mich das machen! -- Dann mündlich, was ich nicht
schreiben mag!
Ich will auch nichts mehr schreiben, Sie nicht von Besserem abzuhalten.
Ihre lieben Hände mit den kurzen Fingern drücke ich herzlich und wir
alle in dem kleinen Hause grüßen Sie und die Lieben, die mit Ihnen in
ihm waren, innigst, vertrauensvollst!