~ad~ 1. Ich habe nach Hafner in Weimar redlich gesucht,
jedoch nichts gefunden. Der Kanzler v. Müller theilte mir nun die
Vermuthung mit, der verstorbene Großherzog könne _ihn_ (nämlich
Hafner, nicht v. Müller;) vielleicht in eine Soirée zur Heigendorf
geschleppt haben und erbot sich, danach zu recherchiren. Ich mußte
nun meinen Substituten, den mitgebrachten Theil zur Legitimation
da lassen. Gestern habe ich an Hrn. v. Müller geschrieben und ihn
gebeten, Ihnen im glücklichen Falle beide Theile, im nichtglücklichen
Nichtfindungsfalle aber wenigstens das Depositum zu remittiren.
~ad~ 2. 3. Johnson und Münchhausen erfolgen. Ersterer mit
schönstem Danke, letzterer auch mit Dank für gütige Erinnerung.
Ich hätte Ihnen längst geschrieben, allein ich wollte gern mein neues
Buch beilegen, welches schon im Herbst herauskommen sollte. Nun ist es
noch nicht da. Sobald es erscheint, sende ich es Ihnen. -- Obgleich Sie
mir nur ein Paar Zeilen zugewendet haben, so bin ich doch sehr dadurch
erfreut worden
{ 1) weil es ein Meerwunder ist, daß Sie
{ überhaupt schreiben und man sich
Sie sehen, daß { über jedes Wunder in einer
Sie mich in die { rationalistischen Zeit freuen soll;
Numeromanie {
getrieben haben. { 2) weil Sie in einer so allerliebst heitern
{ Stimmung geschrieben zu haben
{ scheinen. --
Das ist hübsch von Ihnen, Sie alter, lieber Herr, bleiben Sie uns fein
lange heiter und frisch.
Mir ist es den Winter über wohl ergangen. Ich danke Gott und der Natur,
daß ich endlich einfache, solide Verhältnisse habe. Man fühlt sich
dadurch erst als Mensch und Bürger, und auch mit den Studien und der
Poesie soll es nun, denk’ ich, erst recht angehen. Am Tristan wird
fleißig geschrieben, der 2te Gesang ist fertig, der 3te wirds in dieser
Woche. Ich habe sehr lange daran gesonnen, nun fließt es nur so, Gott
gebe, nicht wie Wasser. Ich bin während der Arbeit ganz frei geworden
über das Thema. Das conventionell Ritterliche oder Romantische, wie man
es nennen will, würde mich geniren und kein Leben unter meiner Hand
gewinnen; nun dichte ich ihn mir um in das Menschliche und natürliche
Element, und mache mir einen übersprudelnden Liebesjungen zurecht, wie
er ~mutatis mutandis~ auch allenfalls heut zu Tage noch zur Welt
kommen könnte.
Dann machte ich eine Arbeit: Düsseldorfer Anfänge, worin ich eine neue
schon abgewichene Jugendperiode unserer hiesigen Zustände zu schildern
versuchte. Lesen Sie sie doch, wenn sie Ihnen vorkommt. Sie erscheint
in der deutschen Pandora, welche das Literaturcomtoir in Stuttgart
herausgiebt. Viel beschäftigte ich mich dabei mit Aristophanes und
Platon, den ich noch so gut als gar nicht kannte. So ging denn ein Tag
nach dem andern rasch hin. Außerdem brachte ich mit hiesigen Malern
und Dilettanten etwas ganz Curioses zu Stande, was aber noch eine
Überraschung für Sie bleiben soll.
Recht von Herzen dankbar sind wir Ihnen -- meine Frau und ich, für die
guten Tage geblieben, die wir bei Ihnen verlebt haben. Es ist eine
schöne Erinnerung! -- Meine Frau denkt mit großer Liebe an Sie und
Ihre väterliche Güte, sie empfiehlt sich Ihnen, der Frau Gräfin und
Dorotheen angelegentlichst. Ist es Dorotheen lieb, so sagen Sie ihr,
daß sie meiner Frau ganzes Herz gewonnen hat, und daß diese oft das
größte Verlangen empfindet, mit Ihrer Tochter zusammen zu seyn. --
Jetzt sind hier bei mir allerhand kurze Waaren eingerückt, als da sind
Wickelbänder, Jäckchen und Mützchen, ich weiß nicht, was die Bescherung
bedeuten soll. Von Uechtritz die schönste Empfehlung und die Nachricht,
daß er Sie im Herbst besuchen werde. Er schreibt an seinem zweiten
Theile und ich höre, daß dieser noch im Sommer herauskommen soll.
Die deutsche Bühne fährt fort, zu jedem Tage ihr Scherflein Unsinn
beizusteuern. Otto III. hat begonnen auf seinen Stelzen als
großes Meisterwerk die Runde durch Deutschland zu machen, in Berlin
geben sie _Schwärmereien nach der Mode_, worin ein pietistischer
Bösewicht durchgehechelt wird, nachdem man einen harmlosen Scherz über
den Gegenstand, _die Schule der Frommen_, den ich vor einigen
Jahren schrieb und der sich auf der Bühne ganz gut macht, zurücklegte
„weil die Zeitumstände die Darstellung verböten.“ -- Ich bin froh, daß
der Theaterteufel mich verlassen hat.
Haben Sie Wilhelm v. Schütz „Maria Stuart“ gelesen. Ich hätte nicht
geglaubt, daß Ihr alter Freund solche Advocatenstreiche machen könnte.
Maria und Bothwell sind ein Paar platonisch Liebender, bis ganz
zuletzt, wo das Dritte, was nach Pater Brey zu jeglichem Sacrament
gehört, hinzugekommen ist. Unter Andrem erfährt man auch aus dem
Buche, daß Shakespeare’s ganze dramatische Laufbahn ein Abfall
vom Katholicismus war. Es wäre zu wünschen, daß der Herr uns mehr
dergleichen Apostasieen beschert hätte.
Leben Sie wohl, mein theurer Gönner! Ich lasse diesen Brief doch den
Büchern vorangehen, damit Sie in einigen Tagen wenigstens Antwort
bekommen. Die Bücher schleichen hinterher mit Buchhändler-Gelegenheit.
Nochmals Lebewohl und die Bitte, daß Sie lieb behalten mögen
den