_Berlin_, den 14. Novbr. 1800.
Euer Wohlgeboren haben bey Ihrem neulichen Besuch lebhafte
Empfindlichkeit über eine Karikatur, ein Lustspiel Kamäleon geäußert,
welches die Wirkung eines Hörensagens war, das Ihnen Verdruß gemacht
hat und mir sehr leid war.
Ich habe wahre Achtung für Sie und Ihr Verdienst empfunden und stets so
gut ich konnte zu beweisen gesucht, deshalb fragte ich auf der Stelle
bei Ihnen an, ob Sie das Stück ausgesezt verlangten.
Sie bestimmten Sich damals nicht darüber, verlangen es iezt nicht,
wünschen das Stück wiederhohlt, woran Sie Recht haben, auch durfte ich
es nicht füglich zurücknehmen.
Ich wiederhole Ihnen, daß ich mich völlig überzeugt hatte, wie weder
auf Sie, noch irgend Jemand, der durch die Würde welche den Gelehrten
ankündet Sich bewährt, mit dieser flachen Karikatur hat können gedeutet
werden sollen, daher sehe ich auch nicht ein, weshalb -- wie Sie mir
schreiben -- von Ihrer Seite etwas gesagt werden müßte. Vielmehr glaube
ich, daß Mißverstand, den, wie Sie sagen, Einzelne genommen haben
sollen, durch jede öffentliche Erklärung allgemeines Mißverständniß
geben kann.
Das von Ihnen neulich und gestern wiederhohlt zur Durchsicht verlangte
Manuscript, ward von mir einzig in der Rücksicht verwilligt, damit Sie
Sich überzeugen möchten, daß keine Beziehung darin vorkomme, die ein
Gelehrter von gutem Bewußtsein, auf sich zu deuten Ursach habe.
Pflichten gegen den Dichter, welcher der hiesigen Schaubühne ein
Manuscript anvertraut, versagen mir jede Veranlaßung, daß sein Stück,
an welchem er vor dem Druck ja noch ändern kann was ihm beliebt, und
wovon bis er diesen Druck veranstaltet, durch das Sehen der Vorstellung
nur, nicht durch kaltes Lesen geurtheilt werden soll, einer Prüfung
unterworfen werde, für welche es noch der Dichter selbst nicht reif
hält.
Ihr Billet an mich, droht ausdrücklich mit einer solchen Untersuchung.
Indeß will ich zur Ehre des Ihnen unbefangen und nicht zu einem solchen
Zwecke gegebnen Wortes, mich mit meinem ältern Freunde abzufinden
suchen und Ihnen das Stück übersenden aber auch nur Ihnen und in der
gerechten Erwartung, daß Sie solches so bald zurückschicken als Ihre
Durchsicht geendet ist und mit der unerläßlichen Bedingung, daß es in
keine andern Hände komme, als in die Ihrigen. Denn Ihnen brauche ich
ja nicht erst hinzuzusetzen, was sich von selbst versteht, daß die
gedruckte Bekanntmachung einzelner Szenen, dieses von dem Dichter noch
bloß für die Vorstellung bestimmten Lustspiels, von mir pflichtvergeßen
sein würde und daß ich solche daher auch keinem andern verstatten darf.