XIV.

_Potsdam_, Sonnabend.

Der König und auch die Königin fragen immer so ängstlich und so

liebevoll nach dem Tage, wo wir endlich Sie hier besizen können, daß

ich wohl das Stillschweigen brechen und Sie, hochverehrter Freund und

College, bitten muß, mir einige vertrauliche Worte zu schreiben. Sie

wissen, daß die leiseste Furcht, die Übersiedelung könne Ihrer theuren

Gesundheit oder der der Gräfin nachtheilig werden, jeder Anfrage ein

Ende machen wird. Das Wetter ist warm und schön, viel schöner wird es

ja in dem Scythen Lande nie. Der Hof ist freilich nicht so allein, als

Sie und ich es wünschen möchten, aber Sie wissen ja, daß Sie nicht

alle Tage bei Tische zu erscheinen brauchen, ja daß der Tyrann allen

Freiheit läßt und Freiheit ehrt! Der König sagte heute „er glaube, Sie

müßten nach Töpliz gehen.“ Könnten Sie denn nicht vorher einen kleinen

Aufenthalt in Syracus machen? Die Kaiserin kann sich erst am 26. Juni

entscheiden, es ist wahrscheinlicher, daß sie gar nicht kommt. Mit

inniger Verehrung und Liebe

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band · 第 103 / 358 题