Sonnabend früh.
Sie müssen nicht glauben, mein edler Freund, daß ich Sie verrätherisch
in Sanssouci verlassen habe: ich werde vor meiner sehr ungewissen
Abreise nach der großen Babel, wo die „Herrenkammer“ mordet und sticht,
Sie gewiß noch umarmen. Eine plötzliche sehr heftige Erkältung und der
große Camin mit Flammfeuer in den „Neuen Kammern“ hat mich plötzlich
hineingejagt, um mich hier besser zu pflegen und meinen lezten Bogen,
der angekommen ist, selbst noch zu corrigiren -- eine Tugend, die dem
industriellen Weltgeiste sehr gleichgültig ist.
Diese Zeilen werden Ihnen von einem jungen Officier gebracht, den
dieser Weltgeist so wenig ergriffen, daß er, bei einem gewiß viel
Hofnung erregenden, dichterischen Talente, ganz würdig ist, Ihnen
vorgestellt zu werden. Herr B. von L., verwandt mit dem Adjutanten des
Pr. Heinrich in Rom, soll Ihnen, (darum flehe ich) eine Ode über das
Weltall selbst vorlesen, die er mir zu meinem Geburtstag (14. Sept.)
geschenkt. Die großen und einfachen Formen seiner Dichtung haben etwas
sehr anziehendes. Ich hatte den jungen Mann, der schon in Sicilien an
Platens Grabe stand, nie vorher gesehen und ich kann das Lob, das er
mir gespendet ihm nicht schöner und wohlthuender remuneriren, als wenn
ich ihm freundliche Aufnahme und Rath bei Ihnen verschaffe.
Empfangen Sie und die liebenswürdige Gräfinn, die erneuerte
Versicherung meiner Verehrung und unverbrüchlichen Dankgefühle