_München_, am 15. Oktober 1830.
Nur um wenige Minuten, mein unvergeßlicher, theurer Freund, habe ich
Sie bey Ihrer Abreise von München verfehlt und wie ich höre, ist es
der Frau Ministerin von Schenk in Regensburg auch nicht viel besser
ergangen. -- Mit mir gab es aber noch einen komischen Zufall. Ich fuhr
Ihnen auf der Stelle nach in die Schleißheimer Allee, in der Gewißheit,
Sie noch einzuholen und Ihnen noch einmal zum Abschiede die Hand zu
drücken. Auch erreichte ich glücklich binnen einer halben Viertelstunde
einen Wagen, der nach der Beschreibung dem Ihrigen glich, aber um des
Regens willen ganz zugeknöpft war, sprang aus, hielt den Wagen an
und bat, das Leder aufzuknüpfen, weil ich mich noch gerne von Ihnen
beurlauben wolle; statt dessen aber sah gar bald ein kupferrothes und
grimmiges Gesicht zum Wagen heraus, versichernd, der Inhaber dieser
Schnautze sey kein Hofrath Tieck, sondern ein Bierbräuer von Erding,
der es mir keineswegs gut aufnahm, daß ich ihn aufgehalten hatte.
-- Ich fuhr also voll Ärger unverrichteter Dinge wieder zurück und
drücke Ihnen jetzt noch einmal meine Freude aus, Sie so wohl und so
heiter gesehen und von Ihnen selbst die langersehnte, ernstliche
Fortsetzung der Cevennen erhalten zu haben. -- Jetzt ist wohl auch
Raumer glücklich bei Ihnen angekommen, den ich tausendmal umarme. --
Er möge sich den Kronprinzen von Bayern, den ich voriges Jahr in der
Historie unterrichtete, beßtens empfohlen seyn lassen und ihn so oft
als möglich sehen. -- Der schöne und hoffnungsvolle junge Herr hegt
eine ungemeine Vorliebe für Geschichte und Dramaturgie. -- Welcher
Umgang sollte ihm daher lieber seyn, als Raumers? -- Dieser erwirbt
sich dadurch ein großes Verdienst, nicht nur um den liebenswürdigen
Prinzen, um Preußen und Bayern, die sich nie enge genug verbinden
können, sondern auch um ganz Deutschland. -- Sootzmann wird ihm einen
Brief von mir übergeben. Ich weiß es längst, daß man eher vom Fürsten
Metternich einen _liberalen_ Rathschlag, als von Ihnen einen
_Brief_ herauszwingt, doch könnten Sie irgend einem fahrenden
Schüler auftragen, Ihre Gesinnung mit ein Paar Worten hinzuschreiben
und alsdann blos Ihren Namen darunter setzen? -- Die Fortsetzung des
_Dichterlebens_ war mir ein hoher Genuß und in den Wundersichtigen
mußte ich mich unwillkürlich an die Erscheinung der heiligen Cäcilia
und an die übrigen Mirakel erinnern, die Friedrich Schlegel und
seine Jünger, der Gräfin L. und andern, in der Jugend liederlichen,
im Alter devoten Wiener Damen gewirkt haben. Es ist nöthig, solche
Thorheiten der Zeit zu geißeln. Sie hängen nur allzugerne den Mantel
der Hypocrisie um, -- und gewinnen in Berlin immermehr Boden. -- Ich
fürchte sehr den Einfluß A’s. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Doch sein Genius wird ihn
wohl davor bewahren, wie er auch seinen Vater bewahrt hat. -- Tausend
Glück und Seegen! Rufen Sie mich doch Ihrer Fräulein Tochter und der
Frau Gräfin von Finkenstein in geneigtes Andenken zurück. Ich umarme
Sie von ganzem Herzen!