_Wien_, am 27. September 1827.
Ich benütze sehr gerne die Gelegenheit einer, die Dresdner Gallerie
besuchenden Künstlerin Therese Eisl, Wittwe eines im Fache der
Archäologie und der rationellen Landwirthschaft verdienten
Schriftstellers, um Ihnen, verehrungswürdigster Freund! ein Zeichen des
Lebens zu übersenden und die hochachtungsvollsten, freudig erneuerten
Grüße von mir und von der gräflich Salm’schen Familie, die wir uns Alle
in gleichem Maße der Anbetung nach Ihrem Wiedersehen sehnen, aber auch
die bittern Vorwürfe des gesammten Deutschlandes theilen, über das
nicht genug zu beklagende lange Ausbleiben des IIten Theiles
Ihres unübertrefflichen Aufruhrs in den Cevennen. -- Das heißt doch
wirklich dem Publikum mehr aufladen, als es zu tragen vermag -- und
was wäre das für ein Publikum, das diese, je wildere, desto heiligere
Ungeduld, nicht aus ganzer Seele theilte!?
Ranke hat mir Ihre theuren Zeilen übergeben, -- ich hoffe, ihm nützlich
gewesen zu seyn, ich hoffe auch, daß er alle seine Zwecke gloriös
erreichen wird.
Es freut mich unendlich, daß Raumer mit meiner Anzeige seiner
Hohenstauffen zufrieden ist. -- Es ist jetzt in der deutschen
Journalistik ein, nicht genug zu bekämpfender, abscheulicher Ton:
nachsichtig gegen das Schlechte und Gemeine, verwöhnend gütig gegen das
Mittelmäßige, aber unerbittlich gegen alles Gute und Treffliche.
Scheuten Sie nur das Clima nicht so sehr, Sie hätten müssen nach
München gehen, wo so viele Schätze altdeutscher Dichtkunst, wo das
Theater einer so kolossalen Reform bedarf und der König ein so feuriger
Bewunderer von Ihnen ist.