Vorsicht! ... Da sind Stufen zerbrochen. -- Vorsicht! --

·Eichholz· (betrunken weinend)

Ich bin unschuldig. Ich hab' nichts getan ...

·Lore· (ihnen entgegen)

Um Gottes willen, Vater!

·Biegler·

(gibt den Alten, der sich nicht aufrecht halten kann, an Lore

und ruft nach links hinübergehend atemlos)

Was wollen Sie hier? 'n Stein is 'runtergefallen. Weiter nichts ...

Weiter is nichts. --

·Die Stimmen· (durcheinander)

Nu machen Sie doch mal das Tor auf ... Wollen mal nachsehen..

Geschwindelt wird nicht ... Aufmachen!

·Biegler·

Hier wird nichts aufgemacht. Gehen Sie Ihrer Wege! (Pfiffe. Gelächter.

Abgerissene Rufe. Dann allmählich Stille)

·Eichholz·

(der von Lore zu dem vordersten Block geführt wird, wo er sich

niedersetzt, derweilen weitergranzend)

Ich bin nu auch 'n Mörder. Ich komm' nu aufs Schafott.

·Zarncke·

(hat derweilen Licht gemacht, das Rouleau hochgezogen und die

Glastür geöffnet, dann tritt er im Schlafrock auf den Balkon

hinaus)

Was is da unten? Is da ein Unglück geschehn?

·Lore·

(mit flehender Gebärde zu Biegler hin)

Ach bitte, bitte!

·Zarncke·

Bekomm' ich keine Antwort?

·Biegler·

(nach Atem ringend, mit zitternder Stimme)

Der Oberkirchner Sandsteinblock links an der Treppe is vom Stapel

gefallen, Herr Zarncke.

·Zarncke·

Wie hat denn das passieren können?

·Biegler·

Er stand auf Hochkant im Flaschenzug. Da haben sich wohl die Ketten

gelockert.

·Zarncke·

Und was klagt der alte Eichholz so? Hat er sich verletzt?

·Lore·

(Angst und Erregung niederzwingend, mit geheuchelter Ruhe)

Er hat sich wohl 'n bißchen weh getan ... Aber schlimm is es nicht,

Herr Zarncke.

·Zarncke·

Na wenn's weiter nichts is.

·Eichholz· (wird allmählich still)

·Frau Homeyer·

(in Nachtjacke mit einem dunkeln Tuch darüber, ist mit zwei

Mägden hinter sich auf die Veranda hinausgetreten)

O Gott, o Gott, o Gott, da is gewiß 'n Malheur passiert.

·Zarncke· (herunterrufend)

Nichts is passiert. Geht mal alle ins Haus zurück!

·Marie·

(die während des Vorigen in dem -- gleichfalls erhellten --

Fenster des Wohnzimmers erschienen ist)

Du, Lore, komm mal her zu mir.

·Lore· (geht zu ihr)

·Frau Homeyer· (derweilen)

Da is sicher wieder 'n fremder Mann bei der Lore gewesen. Da möcht' ich

jeden heiligen Eid drauf schwören.

·Zarncke·

Na, wird's bald?

·Frau Homeyer· (mit den Mägden ab)

Ja, ja, ja, geh' schon. Herrgott, ja.

·Marie· (leise)

Was schriest du da vorhin? Und zu wem?

·Lore· (bebend)

Ich?

·Marie·

Ich war wach. Mich täuschst du nicht.

·Zarncke·

Mariechen.

·Marie·

Vaterchen?

·Zarncke·

Geh nu man auch zu Bett. Den Schaden können wir uns morgen besehn. Das

heißt, dem Willig werd' ich aufs Dach steigen. Haben sich wohl tüchtig

erschreckt, Biegler -- was?

·Biegler·

(noch immer zitternd in Erregung)

Ach -- nich sehr -- Herr Zarncke.

·Zarncke·

Na denn: Gute Nacht, Kinder.

·Lore·

Gute Nacht, Herr Zarncke.

·Marie· (gleichzeitig)

Gute Nacht, Vaterchen.

·Zarncke·

(geht ins Zimmer zurück und schließt die Glastür)

·Lore· (leise)

Morgen erzähl' ich dir alles. Es is viel geschehn seit gestern.

·Marie·

Aber doch nur Gutes?

·Lore· (fest)

Ja. Weiß Gott.

·Marie· (in wehmütiger Güte)

Na, dann freut's mich auch. Gute Nacht.

·Lore·

Gute Nacht, Mariechen.

·Marie· (schließt das Fenster. Ab)

Stein unter Steinen: Schauspiel in vier Akten · 第 142 / 144 题