_Die Vorigen_ ohne _Eichholz_
·Göttlingk· (leise zu Lore)
Hast du etwa Durchsteckereien mit dem?
·Lore· (wendet sich ab)
·Göttlingk· (verbissen)
Sieh mal an! (Kehrt auf seinen Platz zurück) Na, lassen wir uns nich
die Laune verderben. (Ergreift die Mandoline, in neuem Argwohn)
Freilich, wissen möchte man doch.
·Willig·
Halt bloß Ruhe, Eduard.
·Die Anderen·
(die am Steinmetztische sitzen, stimmen ihm bei)
·Göttlingk· (an der Mandoline zupfend)
Na also, was soll ich euch singen? Ich weiß 'ne Menge schöne Lieder,
die mir die schönen Weiber dort unten in schönen Stunden beigebracht
haben ... denn die Weibsleut' da unten! Überhaupt die Weibsleut',
Kinder! Wenn man da nich feste 'ranjeht! (Beiläufig, herablassend) Ach,
bringen Sie mir doch noch 'n Glas Bier, Fräulein Lore.
·Lore·
(bebend vor Erregung, holt sein leeres Glas)
·Göttlingk·
Du fragtest vorhin, warum der Alte heute so süß mit mir war. Ja,
mein geliebter Sohn, Glück bei den Weibsleuten muß der Mensch haben.
Das is der Ausschlag beim Rosinenhandel ... Danke, mein Fräulein,
danke, danke, danke! (Singt und spielt) »~Vè quà una giardiniera, si
chiama Luisella, da sovra all'Arenella~« -- (Abbrechend) Sagt mal,
Herrschaften, wie wär's, wenn ich zur Abwechslung mal so euer Chef
würde hier auf diesem Steinmetzplatz?
·Willig·
Was is das wieder für 'n fauler Witz?
·Göttlingk·
Ja, das Leben macht manchmal so 'ne faulen Witze. Wenn ich da Jimm
drauf hätte. Die Puckligen sind zwar nich gerade mein Jeschmack, aber
wenn so 'n schönes Jeschäft dran hängt, kann man ja auch mal beide
Augen zumachen.
·Lore·
(stößt einen unartikulierten Laut des Abscheus und des
Entsetzens aus)
·Sprengel· (halblaut)
Is 'n Mensch wie 'n Vieh.
·Willig· (leise)
Läßte nu nich mal mehr die Krüppel in Ruh?
·Göttlingk·
(der das allgemeine Murren bemerkt hat, zum Arbeitstisch
hinüber)
Riskiert da etwa einer zu mucken? Was?
·Lohmann·
Wir sind ja ganz still.
·Göttlingk·
Möcht' ich mir auch ausgebeten haben. (Da Lore, den Kopf in den Händen,
noch einmal aufstöhnt) Was ist denn hier los? Was? Was? Was?
·Biegler·
(ist in zitternder Erregung langsam aufgestanden, leise,
zaghaft, als traue er seinen erwachenden Kräften nicht)
Du Schuft! Du Schuft! -- Du Schuft!
·Göttlingk· (fassungslos vor Erstaunen)
Was will das Gewächse da?
·Biegler·
Du ganz erbärmlicher Schuft!
·Göttlingk· (Humor heuchelnd)
Kinder, der is übergeschnappt. Soll ich den zu Mus quetschen? Nehmt mir
das nicht übel, aber die Handvoll, das lohnt mir nich. Außerdem bin
ich's als Steinmetz mir und euch schuldig, mich nich mit erst wem --
Prost!
·Biegler· (heiser)
Was du bist, bin ich noch alle Tage.
·Göttlingk·
Dem Kerl muß man doch 'ne Zwangsjacke anlegen.
·Biegler·
Ich hab' zum Spaß deine Arbeit getan. Wenn's hell is, kann ich's besser.
·Göttlingk· (aufspringend)
Du warst das selber, du verfluchter --?
·Die Anderen· (halten ihn fest)
Ruhig, ruhig, ruhig.
·Biegler·
Aber das is Nebensache. (Auf Lore weisend) Da -- da -- wer steht da?
-- Der sagst du _das_ ins Gesicht? -- Jeder weiß, daß sie 'n Kind von
dir hat. Zum Dank verhunzen tust du sie -- schuriegeln tust du sie ...
Wirst sie -- wirst sie ehrlich machen? Wirst sie ehrlich machen? Du
nichtswürdiger Schuft! Du!
·Göttlingk· (der sich zu befreien sucht)
Nu laßt doch los. -- Is bloß 'n Floh, der ganze Kerl, aber das kost't
ihm das Leben. (Reißt sich los und zieht den Dolch heraus) Los sag'
ich, oder --
·Die Anderen· (weichen erschrocken zurück)
·Biegler·
Du meinst, ich hab' Angst vor deiner einzinkigen Gabel, weil alle
anderen Angst haben? -- Kraft hab' ich keine, Haut und Knochen bin
ich vom langen Hungern, aber -- (er hat den Klopfstein ergriffen, der
auf dem Schanktisch liegen geblieben ist, und hebt ihn hoch) -- _mit
so 'nem Schusterstein hab' ich schon einen erschlagen! Mit so 'nem
Schusterstein hab' ich schon_ -- -- (große Bewegung) Nu komm mal 'ran,
wenn du willst. Komm mal 'ran -- komm mal 'ran! (Dringt auf Göttlingk
ein)
·Göttlingk· (erschrocken zurückweichend)
Na, na, na, na.
·Biegler·