Erste Szene

(Beim Aufgehen des Vorhangs zeigt der Platz ein überaus reiches

Arbeitsleben. Vor den Blöcken arbeiten _Steinmetzen_ oder

_Bildhauer_, die ersteren mit blauer Schürze, die letzteren mit

langem, weißgrauem Kittel und Papier- oder sog. Raffaelmütze

bekleidet. Der Kran ist im Gange. Niedrige Wagen transportieren

Blöcke vorüber. Hilfeleistende _Arbeiter_ in beliebigem

Werktagsanzug. Mittagsstimmung)

Vorne rechts _Göttlingk_ in Steinmetzentracht vor einem Blocke

-- ein Gipsmodell daneben. Der Polier _Willig_ an einem anderen

Blocke, messend. Unter den Arbeitern, die sich hinten zu

schaffen machen, _Lohmann_, _Sprengel_, _Struve_

·Göttlingk·

(stämmig, mittelgroß, Stiernacken, blonder, schön geringelter

Schnauzbart, Haar in geschniegeltem Bogen in die Stirn

heruntergestrichen. Spielt den Kraftmenschen, großsprecherisch,

übermütig, brutaler Charmeur. Er arbeitet mit Meißel und

Klippel und singt dazu)

Na -- nun kommt auch noch die Sonne angekrochen. He, ihr

Zitronenschleifer da hinten, hab' ich euch nich gesagt, ihr sollt mir

den Block in den Schuppen schaffen? -- Lohmann, Sprengel, ihr andern,

immer 'ran!

·Willig·

Du, Göttlingk, schnauz hier nicht so viel. Sag's lieber mir.

·Göttlingk·

Du hast mir gar nischt zu befehlen, mein Sohn.

·Willig·

Und du hast denen nischt zu befehlen.

·Göttlingk·

Wenn sie so dumm sind und gehorchen. (Lohmann, Sprengel und ein dritter

Arbeiter sind nach vorn gekommen) Da, wie sie anhampeln! Hab du sie man

so an der Strippe wie ich. (Befehlshaberisch) Also nu los!

·Lohmann·

Warten Sie man bißchen, hochgeborner Herr. Zehn Finger hat jeder zu

verlieren. (Stemmt ein Brecheisen ein)

·Göttlingk·

Brecheisen weg! Ihr werd't mir die Kanten abstoßen.

·Sprengel·

Ohne Brecheisen geht's nich.

·Göttlingk·

So? Hä! Wenn ihr man stramme Kerls wärt, ihr Volk ... (Faßt mit an)

~Uno~ -- ~due~ -- ~tre~! (Der Block rückt weiter) Na, geht's oder nich?

·Lohmann·

Ja, wenn Sie so scheen ausländsch kommandieren! Sagst du zum Hund

»kusch«, dann kuscht er. Bloß weil er's Franzesch so gern hat.

·Göttlingk·

Noch mal: ~uno~ -- ~due~ -- ~tre~! (Der Block rückt wieder) Ja,

ja, Kerlchens. Grips im Kopp und Marks in de Knochen. Das ist die

Hauptsache.

·Lohmann·

Und 's Messer im Sack nich zu vergessen.

·Göttlingk·

Lassen Sie man mein Messer in Ruh, mein alter Sohn. (Zieht ein

Dolchmesser aus einer Lederhülse, die er am Leibgurt unter dem Kittel

befestigt hat) Das is dreikantig geschliffen. Das schlupft (schnalzt,

das Messer vorstoßend, mit den Lippen) wie 'n Küßchen ... Tut gar nich

weh. Will einer probieren?

·Willig·

(der mißbilligend zugehört hat)

Du -- Göttlingk!

·Göttlingk· (zu ihm herübertretend)

Hä?

·Lohmann· (hinter ihm her, ingrimmig)

Stein unter Steinen: Schauspiel in vier Akten · 第 54 / 144 题