VORBEMERKUNG.

Unter Parasiten im eigentlichen Sinn ist jedes lebende Wesen (Thier,

Pflanze) zu verstehen, welches auf oder in einem anderen lebenden Wesen

vorkommt und von dessen Säften sich nährt.

Unter Parasiten der Biene würde man also alle diejenigen Thiere und

Pflanzen begreifen, welche auf oder in den lebenden Bienen oder ihren

Larven etc. vorkommen und aus ihren Säften Nahrung ziehen, darnach wäre

also =Braula coeca=, welche auf der Biene lebt und sich von ihren Säften

nährt, sowie =Mermis albicans=, die im Inneren der Biene sich aufhält

und ihre Fettsubstanz verzehrt, Parasiten der Biene. Nicht so aber die

Larven der =Meloiden=, welche das Besteigen der Bienen gleichsam nur

als Medium benutzen, um in den Bienenbau zu gelangen, wo angekommen, sie

die Bienen verlassen, zunächst sich von Bieneneiern nähren und sodann vom

Bienenbrod leben.

Eine solche Lebensweise darf man, streng genommen, nicht mit der Benennung

Parasitismus belegen. Die Larve tritt im Stock zuerst als Raubthier auf,

indem sie ein Bienenei auffrisst, später lebt sie von den eingesammelten

und zubereiteten Producten der Biene. Die zweite Lebensart dieses Thieres

sollte man besser zum Unterschiede vom eigentlichen Schmarotzen mit

Tellerleckerei bezeichnen.

Ebenso sind die Larven der Trichoden in dem angegebenen Sinne nicht als

Parasiten der Biene zu betrachten, sondern als Räuber, die der Bienenbrut

in den Zellen nachstellen. Kämen die Bienenlarven frei, nicht im Stocke

vor, so würden auch sicherlich die Trichodeslarven ihnen im Freien

nachstellen, etwa wie die Larven der =Colosoma inquisitor= oder =Col.

sycophanta= den Raupen auf dem Boden und den Bäumen nachjagen. Will man

aber die Trichodeslarven, was freilich geschieht, unter die Parasiten

rechnen, so müsste man mit demselben Recht auch die Colosoma und überhaupt

auch die Carabicidenlarven, wie auch selbst ihre Imagines unter die

Parasiten aufnehmen. Dann würde sich aber der Begriff »Parasit« auf die

meisten Thiere ausdehnen, z. B. der Analogie nach wäre man berechtigt den

Löwen, die Fischotter u. s. w., mit einem Wort alle carnivoren und

insectivoren Raubthiere als Thierparasiten zu betrachten, die

Pflanzenfresser aber, welche sich von lebenden Pflanzen ernähren, für

Pflanzenschmarotzer erklären. Es ist aber noch Niemanden eingefallen, diese

Thiere für Parasiten auszugeben.

Wenn ich also die Meloë- und die Trichodeslarven hier unter den Parasiten

aufführe, so geschieht dies theils, weil ausgezeichnete zoologische

Autoritäten diese Thiere nach wie vor als Parasiten betrachten, theils weil

sie Krankheitserscheinungen der Bienen bedingen und in dieser Schrift

gerade diese berührt werden.

Die Parasiten werden eingetheilt in Ectoparasiten (äussere Schmarotzer),

die also aussen auf einem Wesen und in Endo- oder Entoparasiten (innere

Schmarotzer), welche im Innern eines Wesens vorkommen. Ferner werden sie

noch unterschieden als temporäre oder Gelegenheitsschmarotzer, welche nur

zeitweise ihre Opfer besuchen, um sich an ihren Säften zu sättigen, wie

z. B. Flöhe, Mücken etc. und als stationäre, welche ihren Wirth längere

Zeit oder sogar durch's ganze Leben bewohnen. Demnach theilt man die

stationären Parasiten in zwei Formen, in lebenslängliche und periodische,

je nachdem die Schmarotzer ihr ganzes Leben hindurch in oder auf ihrem

Wirth vorkommen, oder bei ihm nur so lange anwesend sind, bis sie ihre

Geschlechtsreife erlangt oder ihre Jugendform abgeworfen haben und sodann

wieder auswandern.

Die Zahl der thierischen Parasiten unserer Honigbiene, ist im Vergleich zu

den einiger anderen Bienenarten, z. B. der Hummeln, nicht grade gross zu

nennen. Wenn wir Trichodes und Meloë ausschliessen, so bleiben blos vier

Genera mit einer Species übrig, nämlich Phora incrassata, Braula coeca,

Gordius subbifurcus und Mermis albicans, die bisher parasitisch in oder auf

der Honigbiene beobachtet wurden.[2] Alle übrigen bis jetzt bei den Bienen

angetroffenen Gliederthiere, wie z. B. die Raupen der Wachsmotten, die

Larven des Speckkäfers u. s. w. sind keine Parasiten. Ebenso auch die

Bienenbrod- oder Pollenmilbe ist kein Schmarotzer, da sie nicht aus dem

Körper der Biene ihre Nahrung zieht, sondern sich von Pollen nährt. Gamasus

Coleoptratorum Linn., die auf Hummeln und Käfern häufig vorkommende Milbe,

ist durchaus kein Parasit der Biene, da dieses Thier sich nur zufällig auf

eine Biene verirrt, dieselbe auch schleunigst wieder zu verlassen sucht.

Zweifelhafte Schmarotzer (in dem allgemein angenommenen Sinne) der

Honigbiene sind die Larven von Trichodes alvearius Fabr., welche in den

Nestern der Mauerbiene sehr häufig vorkommen und vielleicht auch, da die

Larven seines Verwandten (Trich. apiarius Linn.) in Bienenstöcken

anzutreffen sind, auch unsere Honigbiene belästigen, und die Larven von

Serropalpus barbatus Schall., eines zur Familie der Melandryadae gehörenden

Käfers.[3]

Es lässt nun kaum einen Zweifel übrig, dass man in der Folge noch mehr

Parasiten an diesem Hymenopteron entdecken wird. So z. B. dürfte man leicht

vermuthen, dass auch Gordius aquaticus und Mermis nigrescens, welche ja

ohne Unterschied in den verschiedensten Insecten aller Ordnungen vorkommen,

auch die Honigbiene nicht ausschliessen werden.

Von den vier oben angeführten Schmarotzern gehören die beiden ersteren zu

der Ordnung der Zweiflügler und die beiden letzteren zu der Ordnung der

Saitenwürmer. Nur ein Schmarotzer, Braula coeca lebt als Ectoparasit und

zwar als ein stationärer lebenslänglicher -- um mich der Eintheilung

Leuckarts zu bedienen.[4] -- Die übrigen drei, Phora incrassata, Gordius

subbifurcus und Mermis albicans sind Endoparasiten und zwar periodisch

stationäre.

Dass ich in den Abbildungen, die Larven von Meloë cicatricosus in allen

ihren Stadien aufgenommen habe, welches Insect noch gar nicht an der

Honigbiene beobachtet wurde, darf man mir nicht verargen; denn von Meloë

variegatus und M. Proscarabaeus hätte ich doch nur so zu sagen Fragmente

liefern können, da die weiteren Verwandlungsformen dieser beiden

Meloëspecies noch nicht bekannt sind. Da sich aber die Primitivlarven des

Genus Meloë so sehr unter einander gleichen, so darf man annehmen, dass

auch die weiteren Verwandlungsformen, die zweite Larvenform, die

Pseudochrysalide, die dritte Larvenform -- welche letztere ich jedoch, da

sie der zweiten Larvenform gleicht, nicht abgebildet habe -- und die Nymphe

der übrigen Meloën mit denen der Meloë cicatricosus übereinstimmen werden.

Nur so konnte ich also alle Verwandlungsstadien dieses Käfergeschlechts

abbilden.

Sämmtliche Abbildungen sind stark vergrössert. Die Trichodeslarve und

Nymphe, die Phoralarve und Puppe, so wie die Larve von Braula und Mermis

albicans sind von mir selbst entworfen. Die übrigen Figuren sind aus den

Arbeiten der Herren: =Newport=, =Fabre=, =Brand-Ratzeburg=, =Meigen=,

=Zenker=, =Meissner= und =Leuckart= entlehnt.

=Leipzig=, im März 1865.

Der Verfasser.

Parasiten der Honigbiene und die durch dieselben bedingten Krankheiten dieses Insects. · 第 6 / 15 题