Bücherbesprechungen

=Im Banne der Scholle.= Erzählungen von _Oskar Schwär_, Verlag v.

Kommerstädt u. Schobloch, Dresden-Wachwitz.

Das ist ein gutes Buch. Der Verfasser hat es dem Andenken Wilhelm

von Polenz gewidmet. Das ist recht. Beide, Polenz und Schwär, sind

sächsische Heimatdichter, auf die wir stolz sein können. Eine jede

der zwölf Erzählungen, die das Buch enthält, strömt heißes Leben aus.

Oskar Schwär ist kein Vielschreiber. Er malt nicht mit süßen, leichten

Farben. Er ringt nach Wahrheit, und seine Schilderungen menschlichen

Glückes und menschlichen Elends kommen aus reinem Herzen, das seine

Lausitzer Heimat liebt und die Menschen, die ihre Scholle beackern

und bebauen, auf ihr wohnen und mit ihr verbunden sind. Aber über

die Lausitz hinaus wächst die Liebe zu den Menschen überhaupt. Wir

empfehlen das vortreffliche Werk.

=Erlebtes und Erlauschtes.= Von Hainz Alfred von Byern. Verlag: Richard

Eckstein Nachf., G. m. b. H., Leipzig. Ein Buch der Liebe ist es zu

Gott, Landschaft, Mensch und Tier. Zu letzterem in ganz absonderlichem

Maße; ich habe nicht oft ein Buch gefunden, das so auf das Innenleben

des Tieres eingeht. Dabei ein entschiedenes Eintreten für die Heimat!

Wir Sachsen besonders dürfen uns darüber freuen, denn ein Kind der

sächsischen Scholle, des Oschatzer Landes, ist es, das uns hier in

edler Sprache, nicht selten sich zu wahrem Künstlertum erhebend, vom

Gesang der Dinge in Wald und Flur erzählt. Daß natürlich die Liebe zum

Weidwerk besonders stark in den Seiten pulst, ist kein Wunder. Die

von Byern sind als echte und rechte Weidmänner bekannt, nicht bloß im

sächsischen Lande. Tierschützler und Jäger – es kann einer gar wohl

beides sein. Die beiden Richtungen laufen nicht wider einander, sie

gehören zusammen! Es ist ein fundamentaler Irrtum, den Jäger als ein

herzloses, nur auf Tötung ausgehendes menschliches Raubtier zu werten.

Der rechte Jäger hegt viel mehr, als er jagt! Lies nur einmal, mit

welchem Zorn der Verfasser dieses lieben Buches gegen Tellereisen und

Giftbrocken zu Feld zieht. Unsre Leser, die jugendlichen besonders,

möchten recht zahlreich zu dem Band greifen. Sie werden es nicht

bereuen.

Gerhard Platz.

=Hausbuch sächsischer Mundartdichtung von Albert Zirkler=; 1. Band: Die

Volksdichtung; Verlag Dürr, Leipzig 1927.

Das Buch füllt eine zweifellos vorhandene Lücke aus. Fachwerke und

Fachaufsätze, die sich mit der sächsischen Mundartdichtung befaßten,

hatten wir bereits. Aber sie sind nicht ins Volk gedrungen. Nicht

einmal die Mehrzahl der Gebildeten kannte sie. An einer volkstümlich

gehaltenen Zusammenstellung, an einem _Hausbuch_ sächsischer

Mundartdichtung, fehlte es bis jetzt. Zirkler hat zunächst den 1. Band

seines Buches erscheinen lassen, der einen Überblick über die gesamte

sächsische _Volksdichtung_ bietet (Volksdichtung im Gegensatze zur

volkstümlichen Dichtung und zur mundartlichen Kunstdichtung, die in

einem 2. Bande behandelt werden sollen). Dabei hat Zirkler vor den

Grenzpfählen nicht immer Halt machen können, da der Geltungsbereich

der sächsischen Mundarten über die politische Grenzlinie hinausreicht,

und der Übergang zu den Nachbarmundarten sich meist außerhalb Sachsens

vollzieht. An Stoff hat es dem Herausgeber nicht gefehlt. Aber

Zirkler hat eine weise Auswahl getroffen. Er bringt Kinderdichtung,

Spruchdichtung, Volkslieder, Volksreime, Sagen, Märchen und

Volksschauspiele, Ausflüsse des Volksempfindens aus ältester, alter,

neuer und neuester Zeit. Einführende Worte sind sowohl dem ganzen

Bande als auch den einzelnen Abschnitten vorangestellt. Für einige der

Lieder ist die Singweise in Noten angegeben. Alfred Meiches Karte der

sächsischen Mundarten ist mit abgedruckt. Das Buch kann allen Freunden

der Heimat warm empfohlen werden.

B. v. Polenz.

=Bau und Leben der Pflanze, eine Botanik des Praktikers.=

Gemeinverständliches Lehrbuch für gärtnerische und landwirtschaftliche

Lehranstalten, für Botaniker, Forstleute und Pflanzenfreunde. Mit

besonderer Berücksichtigung der Bodenkunde und Düngerlehre. Von Hofrat

Dr. Arno Naumann, a. o. Professor der Botanik, Diplom.-Ing. für Chemie,

Studiendirektor an der Höheren Staatslehranstalt für Gartenbau zu

Pillnitz. Mit 104 Abbildungen. Stuttgart, Aug. Ulmer, 1926.

Wer die Natur beherrschen will, muß ihre Wege gehen, ihre Gesetze

befolgen. Diese Wege zu weisen, diese Gesetze kennen zu lernen, das

ist eine Aufgabe, der sich auch eine Botanik des Praktikers, ein

Lehrbuch für solche, die sich berufsmäßig oder als Liebhaber mit

Pflanzenbau und Pflanzenzucht beschäftigen, nicht entziehen darf. Der

Verfasser des vorliegenden Buches hat die Aufgabe vorzüglich gelöst.

In klarer Anordnung und gemeinverständlicher Darstellung bietet er

die gesicherten Ergebnisse der Pflanzenforschung und der Bodenkunde.

Über Forschungen, die noch nicht als abgeschlossen gelten können,

urteilt er mit gebotener Vorsicht. Mannigfache Beispiele und Tafeln

mit einfachen Zeichnungen beleben und unterstützen die Abschnitte,

die dem Nichtbotaniker einige Schwierigkeiten bereiten könnten.

An vielen Stellen finden sich Mitteilungen über Beobachtungen und

Forschungen des Verfassers, der über eine umfassende Kenntnis der

heimischen Pflanzenwelt und der ausländischen Pflanzen unserer Gärten

und Gewächshäuser verfügt und in jahrzehntelanger Tätigkeit als

Lehrer der Naturwissenschaften bei steter Fühlung mit Gartenbetrieben

reiche Erfahrungen gemacht hat. Mit der Lehre verbindet sich an

geeigneten Stellen die Anwendung. Dabei kommen alle Tätigkeitsgebiete

des Pflanzenbaus und der Pflanzenwelt zu ihrem Rechte. Der Gärtner,

der Landmann, der Forstwirt, der Lehrer des Gartenbaus und der

Pflanzenkunde, der Schulgartenverwalter: sie alle können aus dem

Buche fruchtbare Anregungen schöpfen. Aber auch dem Pflanzenfreund,

der nicht Praktiker im Sinne des Buchtitels ist, kann das Buch warm

empfohlen werden. Jedes Kapitel bringt Ausführungen, die geeignet

sind, den lebhaften Anteil des denkenden und fühlenden Beobachters

der Natur zu wecken. Die ausgreifende, auswählend sammelnde

Tätigkeit der Wurzel, die vollkommene Gesetzmäßigkeit im Aufbau des

Pflanzenleibes, die Lichtkraftanlagen der Blätter, der Wasserhub und

die Bereitung und Leitung der Betriebs- und Baustoffe, die Sinneszellen

und die Bewegungen der Pflanzen auf Reize verschiedener Art, die

Blütengeheimnisse, das Mysterium der Zellteilung, der Vereinigung der

Geschlechtszellen und der Vererbung, die Aufspaltung der Bastarde,

die Anwendung von Reizmitteln zur Abkürzung der Keimungzeit und zur

Förderung des Wachstums, die Impfung der Samen von Hülsenfrüchten mit

Bodenbakterien, die Züchtung neuer Eigenschaften an Pflanzen, das

Treiben von Pflanzen mit Hilfe des Ätherrauschs und anderer Mittel,

die Wiederbelebung erfrorener, die Heilung verschnupfter Pflanzen,

die Veranstaltungen des Pflanzenschutzes: hierüber und über vieles

andere, was das Buch bietet, sollte sich jeder unterrichten, der der

Pflanzenwelt näherkommen will. Möge das treffliche Werk in viele Hände

kommen.

=Episoden aus der Schmorkauer Chronik.= Von _Erica Ruß_. 1927.

Selbstverlag der Verfasserin, Klotzsche, Querallee 18. Preis RM 2.50.

Wer sich gern in alte Zeiten versetzt und von ihren oft wunderlich

anmutenden Sitten und Bräuchen, auch von Menschenfreud und -leid, wie

es wirklich einst erlebt wurde, erzählen läßt, dem kann das vorliegende

Büchlein aufs beste empfohlen werden. Die Verfasserin versteht es,

anmutig zu erzählen, alte Akten der Gemeinde und Pfarre von Schmorkau

(bei Königsbrück gelegen) zum Reden zu bringen, Personen, auf die sie

sich beziehen, lebendig vor unseren Augen erstehen zu lassen, aber

auch leblose Dinge zu beseelen. Ein Pfarrer nach dem anderen zieht

mit seinen der Zeit eigenen Sorgen und Kämpfen, seinen Tugenden und

Schwächen an uns vorüber, von Daniel Pfeiffer i. J. 1550 bis zu ihrem

eigenen Vater. Ihnen gegenüber treten hartköpfige, streitlustige

Bauern, mit denen sich die geistlichen Herren so oft herumschlagen

mußten. Aber auch Personen aus ferneren, höheren Kreisen weiß sie mit

feinen Federstrichen zu zeichnen, wie die alte Frau v. Schellendorf

oder König August den Starken in seinem »Geheimbden Consilio«. Der

Umstand, daß Schmorkau in einen lausitzischen und einen meißnischen

Anteil zerfiel, verwickelte die Verhältnisse des Dorfs und trug dazu

bei, die ohnehin ehemals so zahlreichen Streitereien um Rechte und

Einkünfte der Pfarrherren zu vermehren. Möchte das Büchlein recht viele

Käufer finden; es verdient es.

Dr. R. Needon.

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Rudolf Schumann –

Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden –

Photographische Platten »Perutz« –

Photographische Aufnahmen: Max Nowak,

soweit Aufnahmen des Heimatschutzes in Frage kommen –

Auflage 50000

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 86 / 99 题