Das ist das Paradies!«

Die Menge hatte mit Schaudern gehorcht.

Stürzten die Berge nicht über dem Lästrer zusammen? Verschlang der Boden

ihn nicht wie Korah und seine Rotte?

Doch nichts geschah. Auch Mose sagte nichts, sondern blickte lange den

Jüngling an. Aus seinen Blicken sprachen weder Strafe noch Haß. Das Volk

aber murrte und verlangte den Tod des Gottesleugners.

»Ausgeburt der Wüste, von Schakalen gezeugt, du bist kein Sohn Israels.«

»Steinigt ihn.«

»Steinigt ihn.«

So rief es und drängte immer mehr auf Jobab zu, der neben Mose stand. Da

erhob Mose die Hand. Schon zuckten in tausend Fäusten die Steine empor,

den Knaben so zu zerschmettern. Aber ein Blick voller Schmerz und Zorn

traf sie. Dann sagte Mose langsam und klar: »Tötet ihn nicht. Denn dies

Kind ist heilig und von Gottes Geist erfüllt.«

Grauen brannte auf allen Gesichtern. Maßloses Staunen verschüttete jeden

Laut und jede Bewegung. Verwirrung bedrohte aller Denken und Glauben.

Es brach aus der Mitte des Volks ein gellendes Lachen hervor, das erst

schwieg, als Moses Blick den alten Spötter und Verächter traf.

* * * * *

Jobab hatte sich an Mose geschmiegt und begann jetzt mit ihm das Lager

zu verlassen. Sie stiegen zu den Bergen empor; ihr Umriß ging langsam im

zackigen Gestein verloren. Auf einer Terrasse blieben sie stehen und

blickten zurück auf das betende Volk. Da erhob Mose noch einmal die

Hände und sprach mit einer Stimme, die grollend wie Donner über die

Wüste zog, die alten Segensworte über Israel aus.

Jobab gab er den Befehl, ihn nunmehr zu verlassen; denn die Stelle sei

nah, wo Gott ihm sein Grab gegraben. Dann trat er in eine Felsenspalte,

den menschlichen Augen für immer verloren.

Jobab, geschüttelt von unendlichem Weh, trat zögernd den Rückweg an. Von

einem Vorsprung aus sah er das israelitische Lager, aus dem laute

Stimmen und Flüche ihm entgegenschollen. Auf der andern Seite, weiß von

Sternen beglänzt, ruhte die Wüste.

Da schwang Jobab die Arme empor, schrie einen jauchzenden Ruf und lief,

das Geröll mit den Füßen vor sich treibend, atemlos, von Heimkehrfreude

erfüllt, zur Wüste hinab.

* * * * *

Am nächsten Morgen brachen die Israeliten die Zelte ab, stiegen zu den

Bergen hinauf und jenseits wieder herab und nahmen Besitz vom

kanaanitischen Lande.

Moses Tod: Legende · 第 5 / 5 题