hinab, der unter dem +Schneeberge+, bei dem böhmischen Dorfe +Eiland+
anfängt und von dem, am Abhange jenes Berges entspringenden +Bielbach+
durchflossen wird. Das mahlerische Thal zieht sich unter den
mannigfaltigsten Abwechselungen bis gegen +Königstein+ hinab, wo der
Bach in die Elbe fällt. Bald nach dem Eintritte in das Thal, stehen
wir vor der Oeffnung einer finstern Höhle, die über 60 Fuß tief in
das Innere des Felsens sich zieht, wo sie zu einem breiten Gewölbe
sich erweitert, das im dreißigjährigen Kriege den Geflüchteten Schutz
gewährte, und daher das +Schwedenloch+ genannt wird. Bei der ersten
Mühle, +Ehrlichsmühle+, erweitert sich das Thal; der Wald weicht von
den heitern Wiesenufern des Baches zurück, der auf beiden Seiten von
den seltsamsten Felsengestalten eingeschlossen ist, welche diesem
Thale ganz eigne Reize geben. Auf der Mittagseite erhebt sich eine
ersteigliche Felsenkuppe, der +Kanzelstein+, wo zu der Zeit, als die
Hammerwerke in diesem Thale betrieben wurden, ein Prediger zuweilen
zu seinen unten versammelten Zuhörern gesprochen haben soll. Nicht
weit von hier sehen wir die Trümmer eines Hammerwerkes, deren es vor
der Mitte des 18ten Jahrhunderts hier mehre gab, die das Eisen aus
+Gießhübel+ erhielten. Die nahe +Oberhüttenmühle+ in einer ungemein
reizenden Lage, gewährt uns einen Ruheplatz und Bewirthung.
Wollen wir nach +Schandau+ zurück kehren, so folgen wir dem Laufe des
Baches bis zu dem Dörfchen, die +Hütten+, das am Fuße des +Königsteins+
in einem anmuthigen Thale, dem +Hüttengrunde+ liegt, der von den
zahlreichen Eisenhämmern, die hier vor Zeiten im Gange waren, den
Nahmen erhielt. Wir wenden uns hier zu dem +Quirl+, einem Felsenberge,
an dessen Fuß auf der Abendseite eine sehr tiefe und breite Höhle, der
+Diebskeller+, sich öffnet und uns einen kühlen Ruheplatz bietet, wo
wir an heiteren Tagen eine schöne Ansicht des nahen +Königsteins+ und
des +Liliensteins+ haben. Auch die Aussicht vom Gipfel des Berges ist
anziehend. Oestlich vom +Quirl+ erhebt sich nahe bei +Pfaffendorf+ der
+Pfaffenstein+, ein waldiger Felsenberg, an dessen Morgenseite der
+Jungfernstein+ empor ragt, dem die Sage eine abenteuerliche Entstehung
gibt. Eine Mutter, erzählt sie, schickte am Sonntage ihre Tochter in
die Kirche, das Mädchen aber ging auf den Pfaffenstein, um Heidelbeeren
zu suchen, wo die Mutter sie endlich fand und in der Aufwallung des
Zornes wünschte, die Ungehorsame möchte zu Stein werden, worauf denn
alsbald die Jungfrau in einen schlanken Felsenkegel verwandelt wurde.
Von hier führt der Weg am Fuße des +Gorischsteins+ (s. S. 124.) an das
Ufer der Elbe.
Auch hier aber werden wir uns leicht zu einer Abschweifung verleiten
lassen, wozu die westlich nach der +Gottleube+ sich hinziehende Gegend
uns einladet. Wir verlassen alsdann den +Bielergrund+ und ersteigen
unweit des +Kanzelsteins+ den westlichen Thalrand. Auf einem Waldwege
und durch den +hohlen Stein+, einen ausgehauenen Felsenweg, kommen
wir bald nach +Markersbach+, das am +Schwarzbach+ in einem tiefen
Thale liegt, und einst einen, vor beinahe zwanzig Jahren eingegangenen
Eisenhammer hatte. Ungefähr eine halbe Stunde von dem Dorfe erhebt sich
der +Hartstein+, auf dessen Gipfel wir das schon von manchen andern
Standpunkten gesehene Landschaftbild gern noch einmahl betrachten. In
dem großen Halbkreise, der sich von +Hohnstein+ und +Stolpen+ über
die Gebirge bei +Königsbrück+ und die Anhöhen um +Meißen+ bis zum
+Geisingberg+ und +Sattelberg+ zieht, hebt sich besonders der Zug des
Rebengebirges von +Pillnitz+ bis +Meißen+ hervor. Gegen Südwest sehen
wir die nahen Gränzdörfer +Höllendorf+ und +Peterswalde+, durch welche
die Straße von Dresden nach +Teplitz+, +Karlsbad+ und +Prag+ läuft.
Wir sind hier an der früher (s. S. 7.) angedeuteten Gränze, wo das
vorherrschende Sandsteingebirge mit einer andern Gebirgart wechselt.
Der südliche Abhang des Erzgebirges zwischen der Freiberger Mulde und
der Elbe, den wir hier berühren, besteht größtentheils aus Gneis, der
auf Granit liegt. Die Umgegend war im August und September 1813 der
Schauplatz vieler blutiger Gefechte. Wer nicht durch den anmuthigen
+Oelsengrund+ zu dem Städtchen +Gottleube+ wandern will, folgt
vielleicht der Landstraße, die nach +Gießhübel+ führt. Die kräftige,
schon in frühern Zeiten viel besuchte Heilquelle dieses Städtchens, das
in einem sehr anmuthigen Thale liegt, ist seit 1822 neu gefaßt worden,
und überhaupt hat der jetzige Besitzer bei der neuen Einrichtung
des Bades und der Verschönerung der Umgebungen so viel Sorgfalt
und Geschmack gezeigt, daß der Aufenthalt für die Kranken, die hier
Heilung suchen, und für Naturfreunde neue Annehmlichkeiten erhalten
hat. Es gibt in der Nähe mehre ausgezeichnet schöne Gegenden, die
eines Besuches werth sind, i. B. der +Felsberg+, der +Hohenstein+,
der +Jagdstein+, die theils durch reizende Aussichten, theils durch
mahlerische Felsenbildungen anziehen. Wir begnügen uns mit diesen
Andeutungen[11], und treten den Rückweg an. Folgen wir dem Laufe der
+Gottleube+, so kommen wir in die +Zwiesel+, wo eine Mühle und einige
Häuser an heitern Bergwiesen liegen. Bald aber umfängt uns ein wildes
Felsenthal, das der Bach durchrauscht; der Pfad schlingt sich durch
dunkle Waldschatten bis zur einsamen +Buschmühle+, und kaum sind wir
eine Viertelstunde weiter gegangen, so sehen wir den +Langhennersdorfer
Bach+ zwischen Sandsteinfelsen, die von Baumgruppen umgeben und mit
dunklem Wintergrün bekleidet sind, 80 Fuß hoch auf wild zerstreute
Blöcke herab stürzen, wo der gebrochene Wasserfall zur +Gottleube+
strömt. Eine Felsentreppe führt am Wasserfall auf die Höhe. Seitwärts
öffnet sich eine Höhle, das +Zwergloch+, die tief in den Felsen läuft.
Wir wenden uns von hier zu dem Hammerwerke +Brausenstein+ am +Bieler
Grund+, und gehen durch dieses Thal über +Königstein+, oder über
+Rosenthal+ nach +Schandau+ zurück.
[11] Mehr über Gießhübel, die neue Einrichtung des Bades und
die reizenden Umgebungen, in dem die Abendzeitung begleitenden
Wegweiser im Gebiete der Künste und Wissenschaften 1822, St.
55 u. 56.