+Dritter Abschnitt.+ Rückreise nach Dresden.
Lilienstein. Königstein. Pirna. Sonnenstein. S. 139-156.
Einleitung.
Südlich von +Stolpen+ und +Hohnstein+ -- durch eine unten zu
bestimmende Gränzlinie hier vom nordwärts streichenden Granit
geschieden -- beginnt ein Sandsteingebirge, welches sich größtentheils
mit angebautem Land bedeckt, zur Elbe hinabsenkt. In mehren Gegenden
ist dasselbe von tiefen Thälern durchschnitten, wo hohe und steile
Felsen die Ufer der Bäche begränzen. Gegen Mittag steigt das Gebirge
mehr an, und an vielen Stellen des Stromufers ragen seltsam wilde
Felsengestalten empor, endlich aber zieht es sich bis in die Gegend von
+Gießhübel+ und erscheint jenseit der +Gottleube+, wo das Gebiet des
Gneises anfängt, nur in einzelnen Felsen. Südöstlich erstreckt es sich
bis an die böhmische Gränze und dann weiter, durch den einspringenden
Theil Böhmens, bis zu den bei +Waltersdorf+, +Johnsdorf+ und +Oybin+
sich erhebenden Sandsteingebirgen. Der niedrigste Punkt desselben
liegt um +Königstein+ und +Pirna+. Den Theil dieses Gebirglandes,
der nördlich von dem kleinen Flusse +Wesenitz+, westlich von der
+Gottleube+, südlich und südöstlich von +Böhmen+ und östlich von einer,
über +Stolpen+ und +Neustadt+ am Fuße des +Falkenbergs+ laufenden Linie
begränzt, und von der Elbe in reizenden Windungen durchflossen wird,
hat man die +sächsische Schweiz+, oder das meißnische Hochland genannt,
ein Landstrich, der von der Grundmühle bei +Liebethal+ bis oberhalb
+Hinterhermsdorf+ an der böhmischen Gränze, eine Länge von beinahe 5
Meilen vom +Falkenberge+ bis zur +Gottleube+ ungefähr auch 5 Meilen
Breite hat, und einen Flächenraum von 15 Quadratmeilen begreift. Im
engern Sinne aber gibt man jenen Nahmen nur dem Sandsteingebirge, das
sich oberhalb +Pirna+ über +Schandau+ auf beiden Ufern der Elbe bis
südlich zu den böhmischen Gebirgen, ungefähr 3 Meilen lang, erstreckt.
Dieses reizende Gebirgland umfaßt den östlichen Theil des +meißnischen
Kreises+, und zwar das ganze Amt +Hohnstein+ und einen Theil der Aemter
+Pirna+ und +Stolpen+.
Sandsteinfelsen, die besonders bei +Königstein+, +Rathen+, +Hohnstein+
und +Schandau+ in langen Ketten fortziehen, mehre gegen 1800 Fuß
ansteigende Berge, furchtbare von Waldbächen durchströmte Schluchten,
wechseln mahlerisch mit fruchtbaren Geländen und heitern Thälern, und
machen diesen Landstrich zu einer der reizendsten Gegenden Sachsens.
Jene wunderbaren, den Sandsteingebirgen überall eigenen Felsenbildungen
findet man auch hier wieder. Steil und gerade steigen die Wände der
Bergmassen und Thäler mauerartig empor, und die deutlich erkennbare
Schichtung vermehrt die Aehnlichkeit mit künstlichem Mauerwerke.
Mitten unter solchen Felsen senkt sich zuweilen eine enge Kluft
hinab, die selbst dem Pflanzenwuchse Raum gibt, oder dem Menschen
Zugänge öffnet. Nicht selten wölbt sich mitten durch die Felsen ein
hohes Thor; breite Höhlen öffnen sich an steil abstürzenden Wänden,
und überall an den dicht bewaldeten Felsenbergen, in den mauerartig
geschlossenen Thälern glaubt man in pfeilerartigen Klippen die Trümmer
von Menschenwerken zu erblicken. Auf sanft sich erhebenden Bergen sieht
man senkrechte Sandsteinfelsen emporsteigen, deren ebene Oberfläche
oft von beträchtlichem Umfange und häufig mit Nadelholz bewachsen ist,
während die Bergabhänge an ihrem Fuße bald bewaldet, bald mit Aeckern
und Wiesen bedeckt sind. Die Ufer der Elbe sind in manchen Gegenden,
wie bei +Wehlen+, +Königstein+ und +Schandau+, nackte, senkrecht
ansteigende Felsenwände, die sich jedoch nie zu der Höhe jener, auf
Berggipfeln emporragenden Sandsteinfelsen erheben. Die kleinen Flüsse
und Bäche, welche der Elbe zuströmen, laufen meist alle durch finstere
Felsenthäler. Diese Kette von Bergreihen und Thälern wird an der
Gränze des Landstriches von hohen Bergen eingeschlossen. Nördlich
erhebt sich der +Falkenberg+ mit dem +Hochwalde+, die Gränzscheide der
Oberlausitz und des Meißnerlandes, östlich der +Buchberg+ bei Sebnitz,
der +Weifberg+ bei Hinterhermsdorf, und in Böhmen der +Hantschberg+
und der basaltische +Porzen+ bei Schluckenau, südöstlich der +große
Winterberg+, und jenseit der Gränze der +Rosenberg+, südlich der
+Zschirnstein+, auf der Gränze von Sachsen und Böhmen, der +Schneeberg+
in Böhmen. Der +Lilienstein+, der +Zschirnstein+ und der +große
Winterberg+, der +Pfarrberg+ nördlich von Schandau, der +Hantschberg+
unweit Hinterhermsdorf, bieten die schönsten Standpunkte zur Uebersicht
des Berglandes dar. Die übrigen höchsten Kuppen sind: der +Unger+
und der +Schönbachsberg+ unweit Neustadt, der +Puttrichsberg+ bei
Saupsdorf, der +Kikelsberg+ bei Hohnstein, der +Waizdorferberg+, die
+Thorwaldwände+ oberhalb Schandau, der +Kahlstein+, der +Königstein+.
Auf einigen dieser Höhen überschauen wir ein Gebiet von beinahe 20
Meilen, und selbst manche Bergebenen, wie die Höhe bei +Neustadt+,
liegen höher als der +Königstein+. In der Nähe der höchsten Bergkuppen
bei +Rathen+, +Hohnstein+ und zwischen den Felsenwänden oberhalb
+Schandau+, findet man die tiefsten Thäler, während weiter gegen Abend,
wo der Strom sein Felsenufer verläßt, die Höhen in das breitere Thal
abfallen.
Das Bett der +Elbe+ bildet das Hauptthal dieser Gebirggegend, zu
welchem die übrigen kleinern Thäler und Felsenschluchten sich hinab
senken, und die Höhen sich abdachen. Der Anblick des Landes muß auf
die Vermuthung führen, daß der Landsee, dessen Boden in der Urzeit
Böhmen war, den Felsendamm oberhalb +Hirniskretschen+ durchbrochen, und
herabstürzend die ausgewaschenen, einzeln sich erhebenden Felsenkegel
stehen gelassen habe, während der Strom in der Richtung von Südost
nach Nordwest sich sein Bett wühlte. Dem Zuge der Elbe folgen die
kleinern Flüsse und Bäche, die im böhmischen Waldgebirge unweit
Rumburg entspringende +Kirnitsch+, die +Sebnitz+, die +Polenz+ und die
+Wesenitz+, die auf dem Falkenberge und dem Hochwalde ihre Quellen
haben, und auf dem linken Stromufer die am Fuße des Schneeberges
entspringende +Biela+. Die bei der Thalbildung wirksam gewesenen
Umstände, wodurch jenen, im härtern Granitgebirge entsprungenen
kleinen Flüssen der Weg durch die weichern Sandsteinfelsen geöffnet
wurde, geben dem Berglande eine reizende Mannigfaltigkeit auffallender
Gestaltungen in den hohen Felsenriesen, wie in den tiefen Thälern.
Ein Blick auf die Karte zeigt uns, daß der ganze Landstrich keine
Ebenen hat, sondern eine Kette von zahllosen größern und kleinern,
einzeln sich erhebenden oder verbundenen Bergen, Hügeln, Felsenthälern
und Schluchten bildet. Die merkwürdigen Sandsteinbildungen ziehen
zuerst unsere Blicke an.
Der Sandstein ist überall von weißer, zuweilen ins Bräunliche, oder
auch ins Gelbliche spielender Farbe. Er liegt in wagerechten Lagern
und Bänken von verschiedener Stärke, wovon die obere, gewöhnlich die
schwächste, sehr zerklüftet erscheint, aber sich nicht über die unten
liegenden Bänke zusammenhangend fortziehet, wogegen die untern Lager
durch alle in dem Sandsteinfelsen angelegten Steinbrüche gleichförmig
fortgehen. Die Flötzklüfte, welche die Lager trennen, sind mit lockerm
Sande ausgefüllt, und alle Bänke durch beinahe senkrechte Klüfte
gespalten, die zuweilen Oeffnungen von mehr als 20 Zoll bilden. Die
Beschaffenheit und der Bau der Sandsteinfelsen verrathen deutlich,
daß das Wasser dieses Gebirge auf dem darunter liegenden Granit und
Schiefer abgesetzt hat, was auch die, sowohl in den obern und untern
Bänken des vesten Steines, als in größerer Menge in den Flötzklüften
gefundenen Versteinerungen, meist Austern und Kammmuscheln, beweisen.
Die Bestandtheile der Sandsteinfelsen und ihre Verbindung sind nicht
immer von gleicher Größe und Vestigkeit. Es wechseln Lager von gröberem
Korne mit Bänken von feinerm, und locker verbundene Steine mit vestern
ab. Der weiche Sandstein hat ein thoniges Bindemittel, in dem harten
aber sind die Bestandtheile von gröberm Korn durch eine quarzige
Masse verbunden. Die Lager des Sandsteins sind, nach den Gegenden,
an Größe der Bänke und an Härte verschieden. Den härtesten Stein
liefern, außer +Cotta+, die Brüche bei +Hennersdorf+ unweit Krippen
und die beiden Kirchleiten bei +Königstein+, die beßten Bausteine
kommen aus +Postelwitz+, +Königstein+, +Wehlstädtchen+ und aus den
+Teichsteinbrüchen+, die vorzüglichsten Mühlsteine von +Liebethal+ und
die größten von +Cotta+. Der feinste Stein aus den Brüchen zwischen
+Cotta+ und +Rothwernsdorf+ wird zu Bildhauerarbeiten gebraucht. Die
hier angelegten Steinbrüche reichen ohne Zweifel in die Zeit des
frühsten Anbaues dieser Gegend hinauf, und da der Stein an den meisten
Orten über 100 und 200 Fuß hoch aufgesetzt und sehr weit verbreitet
ist, so kann noch viele Jahrhunderte lang fortgearbeitet werden, ehe es
nöthig wäre, einen mühsamen und kostbaren Bau in der Tiefe anzufangen.
In diesen Brüchen arbeiten gegen 600 Steinbrecher, die eine aus
verschiedenen Abtheilungen bestehende Zunft bilden.
Wie westlich die +Gottleube+ das Sandsteingebirge von dem Gebiete
scheidet, wo der Gneis die herrschende Gebirgart ist, so bildet
eine, durch +Dobra+ und +Hohnstein+ über +Waizdorf+, westlich von
+Altendorf+, dann über +Lichtenhain+, +Saupsdorf+, +Hinterhermsdorf+
und die +Heidelmühle+ laufende Linie die Gränze, auf deren nördlicher
Seite der Granit herrschend wird. Zu den Naturmerkwürdigkeiten gehören
auch die Basaltberge, deren man in dieser und der angränzenden Gegend
gegen zehn (+Spitzberg+ bei Neudörfel und +Porzen+, in Böhmen,
+Stolpen+, +Kikelsberg+, +Hankenhübel+, +Heilenberg+, die beiden
+Winterberge+, +Zschirnstein+, +Spitzberg+ bei Cotta) zählt.
Die Berge, welche die Hochebenen des Felsenlandes umgeben, und
die sich hindurch ziehenden Thäler sind mit Nadelholz und Wäldern
bewachsen, deren dunkle Wipfel das fröhliche Grün der Buchen, Birken
und andrer Laubhölzer erheitert. Ueberall erscheint mitten in der öden
Felsenwelt reicher Pflanzenwuchs, der uns viele Seltenheiten, selbst
Alpenpflanzen darbietet; die tiefen Felsenthäler, die Berggipfel,
sind häufig mit Farrenkräutern bedeckt, oft selbst die nackten
Sandsteinwände mit Moosen und Flechten mahlerisch bekleidet, und man
findet fast alle Flechten, die im nördlichen Deutschland auf Ebenen
und niedrigen Gebirgen, oder auf Höhen gedeihen. Die Insektenwelt
ist in mehren Gegenden, z. B. am +Hochwalde+ und am +Falkenberg+,
zahlreich bevölkert. Die Wälder, deren es sehr ansehnliche, wie
oberhalb +Schandau+ und bei +Neustadt+, gibt, sind selbst von seltenen
Vögeln, z. B. dem Auerhahn, Stockaar, Mäuseaar, Fischaar und Uhu
bewohnt. Die Bären aber, die noch zu Anfange des 17ten Jahrhunderts
in den Felsenwildnissen lebten, sind längst gewichen, und selbst die
Ueberreste, die man noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bei
+Hohnstein+ hegte, völlig verschwunden. Die zahlreichen Bäche liefern
Lachse, Lachskunzen und köstliche Forellen.
Das Klima des meißnischen Hochlandes ist nicht überall gleich, im
Ganzen jedoch milder als in andern teutschen Gebirggegenden, und selbst
in einigen der höchsten Gegenden, wie im Gränzdorfe +Schneeberg+
in Böhmen, mehr als 2000 Fuß über der Meeresfläche, gedeihen noch
allerlei Obstarten, während in weit niedrigern Gegenden am Harz
selbst Feldfrüchte nicht mehr fortkommen. Die höchste und kälteste
Gegend dieses Berglandes, +Rugiswalde+ nördlich von Sebnitz, erzeugt
gute Kirschen und Pflaumen und in benachbarten Orten gedeihen noch
feinere Obstarten. Es gibt aber auch Gegenden, wo der Schnee so früh
fällt, und so spät verschwindet, als auf hohen Gebirgen. Der Boden,
einzelne Stellen in dem Felsengebiete ausgenommen, ist fruchtbar und
reich an Naturerzeugnissen. Viele Quellen, die auf den Höhen und an
den Bergabhängen entspringen, erhöhen die Fruchtbarkeit, und von den
Nadelholz-Wäldern angezogen, entladen sich die Gewitterwolken häufig in
befruchtendem Regen.
Die Bewohner des Gebirglandes zeichnen sich durch kräftige Gesundheit,
Fleiß und freundliche Geselligkeit aus. Man findet viele Dörfer, die
durch ihre Größe, oder durch gefällige und bequeme Wohnungen für die
Betriebsamkeit des Landmanns zeugen. In den höchsten Berggegenden
liegen die Wohnungen zerstreut auf den Höhen, auf Wiesen und am Rande
der Wälder oft in weiter Entfernung aus einander. Mehre Denkmale der
Vergangenheit, alte Burgen, die theils noch unversehrt sind, theils in
Trümmern liegen, theils nur in kaum erkennbaren, von der Ueberlieferung
gedeuteten Spuren ihr Andenken erhalten haben, rufen dem Wanderer das
Bild der Vorzeit zurück, während viele merkwürdige Anstalten ihm die
höhere Bildung und die verständige Betriebsamkeit der Mitwelt beweisen.
Jene Spuren der Vorzeit erinnern uns hier und da selbst noch an die
Sorben, welchen auch diese Gegend, wie das ganze Meißnerland, seit
dem 6ten Jahrhundert den ersten Anbau verdankte. In den Sitten und
Gewohnheiten des Volkes aber ist hier nicht, wie in der Lausitz, das
Gepräge der alten Bewohner sichtbar geblieben, und die volkthümliche
Eigenheit derselben früh von den Sitten teutscher Ansiedler verdrängt
worden, mit welchen seit dem 10ten Jahrhunderte jene allmählig immer
mehr verschmolzen, als durch die Bemühungen der Bischöfe von Meißen das
Christenthum unter den Sorben verbreitet wurde. Der Anbau des Landes
und die Bildung seiner Bewohner mochten schon Fortschritte gemacht
haben, als dieser Landstrich im 12ten Jahrhunderte an Böhmen kam. Das
Schicksal des Berglandes hing seitdem meist von dem Besitze der Stadt
Pirna ab, die im 13ten Jahrhundert an das meißnische Fürstenhaus kam,
gegen Ende desselben aber wieder an Böhmen fiel, bis sie endlich im
15ten Jahrhunderte den Markgrafen von Meißen völlig unterworfen ward.
In jener Zeit hatten hier viele Raubritter ihre Sitze, und während der
böhmischen Herrschaft wurde besonders durch den fehdelustigen Geist des
mächtigen Rittergeschlechts Berka von der Duba, das die Veste Hohnstein
besaß, die Sicherheit und Ruhe des Landes gefährdet. Nicht minder
kriegerisch waren jenseit der Elbe die Burggrafen von Dohna, deren
Besitzungen über den Königstein und Lilienstein bis in die Gegend von
Schandau sich erstreckten. Mit der Herrschaft der meißnischen Fürsten
kamen Gesetzlichkeit und Friede und in ihrem Gefolge Wohlstand in das
verwilderte Gebirgland, als nach Bezwingung der Burggrafen von Dohna zu
Anfang des 15ten Jahrhunderts nach und nach auch die Vesten Hohnstein
und Rathen erobert und andre Raubschlösser zerstört wurden.
Die angenehmste Zeit zum Besuche des Gebirglandes ist entweder der
Frühling, oder das Ende des Junius und der Anfang des Julius, oder die
frühere Herbstzeit von der Mitte des Septembers bis in den Oktober, wo
das bunte Farbenspiel der Belaubung den Landschaften eigene Reize gibt,
und besonders auch der Landschaftmahler durch die lichtern Wipfel, bei
reinerm Himmel, die heitersten Aussichten genießt. Nach der Mitte des
Julius und im August ist die Hitze gewöhnlich zu drückend, und der
Himmel selten heiter, ausgenommen nach Regentagen.
Die meisten Reisenden besuchen die sächsische Schweiz von +Dresden+
aus, und dieser Richtung folgt der +erste+ Abschnitt der nachstehenden
Anleitung, welcher sie von +Pillnitz+ und +Liebethal+, oder +Pirna+
nach +Schandau+ und weiter bis zum +Prebischthor+ und +Hirniskretschen+
führt. Wir werden auf diesem Wege nicht vergessen, uns die Reiselinien
angeben zu lassen, die wir an jene Wanderung knüpfen können, wenn wir
längere Zeit dazu bestimmen wollen, als die Mehrzahl der Reisenden
derselben zu widmen pflegt. Wer die übrigen merkwürdigen Gegenden
zu beiden Seiten jener Linie besuchen will, versetze sich mit uns
nach +Schandau+, um von diesem Mittelpunkte aus die übrigen Theile
des Gebirglandes auf einzelnen Wanderungen zu bereisen. Diese
Andeutungen zu einzelnen Reisen werden sich leicht als Grundlage eines
zusammenhangenden Reiseplans benutzen lassen, wenn wir die ganze
sächsische Schweiz, oder den größten Theil derselben auf einmahl
durchwandern wollen. Wir werden uns zu diesem Zwecke mehre Reisewege,
sowohl von Dresden, als von andern Gegenden Sachsens und Böhmens aus,
vorschlagen lassen.
Seit dieses Bergland jährlich Tausende von Fremden anlockt, ist die
Betriebsamkeit fortdauernd bemüht, für die Bequemlichkeit der Reisenden
zu sorgen. In den Städten Pirna, Wehlen, Königstein, Schandau,
Hohnstein, Neustadt und Sebnitz gibt es Gasthöfe, auch in Flecken und
Dörfern, wie Lohmen, Rathen, Krippen, Saupsdorf, Hinterhermsdorf findet
man oft unerwartet gute Bewirthung und Herberge, und selbst in einsamen
Mühlen kann der Wanderer, wenn die Nacht, oder unfreundliches Wetter
ihn überrascht, ein ländliches Nachtlager erhalten. Wer der Bereisung
des meißnischen Hochlandes mehr als die gewöhnliche Zeit widmen will,
kann sich jede Bequemlichkeit sichern, wenn er seine Wanderung in
einzelne Tagereisen von +Schandau+ aus abtheilt, wo er unter einigen
Gasthöfen wählen kann, von welchen besonders das Badehaus in der
anmuthigsten Lage ihn anziehen wird. Auch wenn man den Aufenthalt auf
drei oder vier Tage beschränken muß, kann man die Reise sehr bequem
so einrichten, daß man täglich das Nachtlager in +Schandau+ nimmt.
Auf mehren viel besuchten Punkten, z. B. auf der Bastei, in der
Kuhstallhöhle, auf dem großen Winterberge und im Prebischthor sind --
freilich oft den Genuß der Naturschönheiten störend -- während der
Sommermonate Schenkwirthschaften angesiedelt.
In Dresden, Pirna, Wehlen, Schandau, Hirniskretschen, Tetschen und
aufwärts bis Aussig, findet man immer Gondeln bereit, wenn man einen
Theil der Reise auf der Elbe machen will. Im Sommer geht an jedem
Sonntage Nachmittags, wenn nicht heftige Winde die Fahrt hindern, von
+Rathen+ am Fuße der +Bastei+ eine Gondel nach +Dresden+ ab, wo sie
gegen Abend ankommt. Eine auf der Bastei sichtbare weiße Flagge kündigt
die Abfahrt an. Auch von +Pirna+ und +Schandau+ fahren wöchentlich
Schiffe nach Dresden. Eine Postkutsche geht von +Dresden+ täglich
nach +Pirna+, und kommt an jedem Tage Vormittags von dort in Dresden
an, und eine andere fährt Dienstags und Sonnabends von Dresden über
+Stolpen+ nach +Neustadt+. Wegkundige Führer, die man sowohl für die
ganze Reise, als auf Tage dingen kann, findet man gewöhnlich in allen
besuchten Orten, besonders in +Schandau+. Die seit 1820 auch hier,
wie überall in Sachsen, an Scheidewegen, selbst mitten in Wäldern,
aufgestellten Wegweiser erleichtern überdieß die Wanderung, und nur
hier und da vermißt man noch solche willkommene Fingerzeige. Für den
beschwerlichsten Theil der Reise kann man Tragsessel haben, die in
der Kuhstallhöhle, oder auch schon am Fuße des Hausberges warten, und
über die Winterberge und das Prebischthor bis Hirniskretschen bringen.
In einigen Mühlen des Kirnitschthales findet man auch wohl Esel zur
Bergreise, doch noch nicht so häufig, als es zu wünschen wäre. Mehre
früher nicht ohne Gefahr, oder große Beschwerden ersteigbare Höhen
und unzugängliche Thäler sind seit einigen Jahren, theils durch die
preiswürdige Sorgfalt der sächsischen Behörden, theils durch die
Betriebsamkeit der Bewohner, zugänglich und bequem gemacht worden.
Möge man nur nie mit schonungloser Hand den natürlichen Schmuck der
Landschaften antasten, aber mit Bedauern hat man neuerlich hier und
da Anlaß gefunden, die Spuren der grausamen Holzaxt zu beklagen, die
selbst besuchte Schattengänge gelichtet hat.
Erster Abschnitt.
Reise von Dresden über Pillnitz oder Pirna nach Schandau, und durch
den Kirnitschgrund über den Kuhstall und die Winterberge nach dem
Prebischthor und Hirniskretschen.
Die meisten Reisenden begnügen sich, auf ihrer Wanderung durch die
sächsische Schweiz der, in der Ueberschrift angedeuteten Linie zu
folgen, so viele reizende Gegenden auch weiter hinaus auf beiden
Seiten derselben liegen, und wenn sie, wie es gewöhnlich geschieht,
nur drei bis vier Tage in ihrer Reise bestimmen, so können sie auch
nur wenige Abschweifungen machen. Der achtstündige Weg von +Dresden+
nach +Schandau+, entweder über +Pirna+, oder auf dem belohnenden
Umwege über +Pillnitz+, +Lohmen+ und +Rathewalde+ gibt die erste
Tagereise. Im ersten Falle reiset man, wenn die geradeste Richtung
und der bequemere Fahrweg gewählt werden sollen, über +Königstein+,
oder fährt von +Pirna+ nach +Lohmen+, oder geht von Pirna zu Fuße
über +Wehlen+ und durch den +Ottowalder Grund+ auf die +Bastei+, und
von hier über +Rathen+, oder auf dem Fahrwege über +Rathewalde+,
den +Ziegenrück+ und +Porschdorf+ nach +Schandau+. Im zweiten Falle
besuchen wir von +Pillnitz+ aus den +Liebethaler Grund+, +Lohmen+, den
+Ottowaldergrund+, die +Bastei+, vielleicht auch den +Amselgrund+, und
kommen auf dem angegebenen Fahrwege zum Ziele der Tagereise. Der zweite
Tag ist der Wanderung durch das +Kirnitschthal+ über den +Kuhstall+,
die +Winterberge+, das +Prebischthor+ nach +Hirniskretschen+ gewidmet,
wo eine Gondel uns aufnimmt, um uns nach +Schandau+ zurück zu bringen.
Wollen wir nicht schon am dritten Tage heim kehren, so besuchen wir
die Umgegend von +Schandau+, oder machen eine von den, im +zweiten+
Abschnitte angegebenen Wanderungen, oder gehen auf das jenseitige
Elbufer über, besuchen den +Zschirnstein+, und wandern von hier nach
+Königstein+, wo wir am Morgen des vierten Tages aufbrechen, um auf dem
Rückwege nach Dresden vielleicht noch den +Lilienstein+ zu besuchen.
Wie die angegebene Reiselinie, der wir nun zunächst folgen wollen,
durch Abschweifungen zu beiden Seiten sich verlängern lasse, wollen wir
künftig andeuten. Wir theilen diese Linie zur bequemen Uebersicht in
drei Abschnitte.