_Hockenjos_
So billig denken Sie mich loszuwerden?
_Karinkel_
Na ja, man kann noch ein Übriges tun ...
_Bienemann_
(aus dem Hinterhalt hetzend)
Ein kleines Douceur ...
_Hockenjos_
Ihre Propositionen haben Sie gemacht. Jetzt will ich die
meinen machen.
_Karinkel_
(ängstlich)
So ... Sprechen Sie nur frei von der Leber weg.
_Hockenjos_
Wie viel hat Sie der Marmorhaufen da draußen gekostet?
_Karinkel_
Viel Geld; schändlich viel!
_Hockenjos_
Na ... dreißigtausend --?
_Karinkel_
Mehr!
_Hockenjos_
Also. Ich verlange nur so viel.
_Karinkel_
(wie mit der Nadel gestochen)
Was? Sie sind toll!
_Hockenjos_
Kommt denn das gegen die Unsterblichkeit in Betracht,
verehrter Bürgermeister?
_Karinkel_
Mensch, es handelt sich ja um _Ihre_ Unsterblichkeit!
_Hockenjos_
Mit der _Sie_ ein Geschäft machen wollen. So viel wie Sie
für mein Denkmal ausgegeben haben, lieber Herr, habe ich
mein ganzes Leben lang mit meiner Hände Arbeit nicht
verdient. Ich verkaufe Ihnen meinen Leichnam für weniger
Geld als Sie für seine Glorifikation ausgegeben haben. Ist
das nicht kulant? Sie haben ja eine Ausstellung meiner
Bilder veranstaltet. Sie haben ja allen möglichen
blumeranten Quatsch darüber schreiben lassen. Die Bilder
gehören Ihnen. Bezahlen Sie sie mir, so daß ich endlich
einmal leben kann, denn hierzulande hab ich bis jetzt kein
Leben geführt.
_Karinkel_
(jammernd)
Aber, Mann! was kümmern mich Ihre Bilder!
_Hockenjos_
Endlich ein Wort aus dem Herzen. Also kurz und bündig, Herr:
ist Ihnen meine Willfährigkeit so viel wert oder nicht? Den
Hanswurst spiel ich nimmer länger.
_Karinkel_
(verzweifelt)
Wo soll ich so eine Menge Geld hernehmen? Bienemann helfen
Sie mir doch! Überreden Sie ihn doch --
_Hockenjos_
(greift nach seinem Hut)
Genug geredet. Ich werde jetzt eine kleine Unterhaltung mit
meinem -- Doppelgänger führen.
_Karinkel_
Halt! halt! Ich will ja ... genügt eine Sicherstellung des
Kapitals?
_Hockenjos_
Die genügt. (Sehr ernst.) Wenn ich nur was Sicheres habe.
Was Sicheres brauch ich jetzt. Brot! Und Frieden.
_Karinkel_
(das Folgende sehr rasch)
Man muß eine Anleihe aufnehmen.
_Bienemann_
Gibt es keine geheimen Fonds?
_Karinkel_
Wenn wir nur ein paar reiche Juden hätten ...
(Beißt sich in die Finger.)
_Bienemann_
Zu überlegen ist keine Zeit.
_Karinkel_
Ich habe eine Idee. Ich beantrage im Gemeinderat den Bau
eines Hockenjos-Museums, und das Geld verwend' ich
einstweilen, um den Mann zu befriedigen.
_Bienemann_
Vortrefflich. Rechnen Sie auf mich.
_Hockenjos_
(am Fenster, mit Blick gegen das Denkmal)
Da faseln sie von Kunst. Von Kunst faseln sie, die Hunde.
Ruhm! Ha. Mich verlangt nach keinem Ruhm. Selbst wenn's
ernst damit wäre. Alle Vorbehalte gehn dabei flöten. Ich
will meine Vorbehalte haben. Will nicht von jedem Narren
angesturt werden. Da ist man ja wie das Tor von einem
Pfandhaus. Ich pfeif auf die Kunst. Sie ist viel zu groß für
den schwachen Schädel. Kannst du den Großen groß sein? Die
wandeln im Elysium, während du im Dreck kutschierst.
Nützlich muß man sein. Und kaltblütig. Adieu, Städtchen!
Dieses Amerika ist ja bloß ein paar Stunden weit von hier.
Am Samstag, eh ich sterbe, komm ich mal übern Sonntag
herüber.
_Karinkel_
(hat die Tür geöffnet, Abendrot hereingewinkt und mit ihm
lebhaft geflüstert. Abendrot nickt mehrmals und geht wieder
hinaus, Karinkel zu Hockenjos)
Vom Fenster weg, um aller Heiligen willen!
_Hockenjos_
(gemächlich)
Aber lieber Herr, wer denkt denn da drunten an mich!
_Karinkel_
Also, es wird alles geordnet. Nur noch eine Bedingung habe
ich zu stellen.
_Hockenjos_
Die wäre --?
_Karinkel_
Sie müssen sich den Bart abrasieren lassen.
_Hockenjos_
Wenn es sein muß -- (Abendrot kommt mit einer Seifenschüssel,
Pinsel und Rasiermesser.)
_Karinkel_
Es muß sein. Ich habe schon mit Abendrot gesprochen. Er
versteht sich auf die Hantierung. Wir dürfen keinen Fremden
mehr ins Vertrauen ziehn.
_Kommissär Binder_
(kommt)
Herr Bürgermeister, es ist die höchste Zeit. Der Herr
Professor Mettenschleicher führt soeben Seine königliche
Hoheit zum Festplatz.
_Karinkel_
Ich komme.
_Bienemann_
(am Fenster)
Das Volk ist schon versammelt.
_Karinkel_
Geben Sie mir das Konzept meiner Rede, Bienemann.
_Bienemann_