X[345].

Zu dem am 21./22. Mai 1899 in Nürnberg abgehaltenen Verbandstage des

$Verbandes bayrischer Eisenbahnwerkstätten- und Betriebsarbeiter$ ist

nachzutragen, daß dem Verlangen der Generaldirektion der Eisenbahnen

wegen Aenderung der Statuten insoweit nachgegeben wurde, als § 20 der

Statuten folgende Fassung erhielt:

»Das Bestreben des Verbandes ist insbesondere darauf gerichtet,

für seine Mitglieder bei Erhaltung eines guten Einvernehmens mit

allen obrigkeitlichen Staatsbehörden möglichst günstige Lohn- und

Arbeitsbedingungen zu erzielen und zwar: a) in Lohnfragen durch

Eingaben und Petitionen an die königliche Regierung und den Landtag; b)

durch Eingaben und Petitionen an die Eisenbahnbehörden durch Vertretung

der Arbeiterausschüsse bei allen berechtigten Wünschen und Beschwerden;

ferner auch die Ueberwachung der Arbeiterausschüsse zu vollziehen,

damit diese die Interessen seiner Mitarbeiter auch wirklich wahrnehmen.«

[345] Anschluß an S. 339.

Außerdem wurde beschlossen, den Beitritt zu dem Verbande auch Arbeitern

des äußeren Betriebes zu gestatten. Der Antrag auf Gründung einer

Krankenunterstützungskasse wurde abgelehnt, dagegen die Errichtung

einer Sterbekasse, die am 1. August 1899 ins Leben treten soll,

beschlossen. Man wählte ferner eine Petitionskommission, die bei dem

Landtage verschiedene Forderungen, insbesondere Durchführung des

9stündigen Arbeitstages, Lohnerhöhung und Abschaffung der Akkordarbeit

durchsetzen soll. Endlich wurde in einer Resolution Protest dagegen

erhoben, daß der Bayrische Eisenbahnverband den Beruf habe, die

Interessen der Werkstättenarbeiter zu vertreten, und dieses Recht

vielmehr für den Verband in Anspruch genommen.

Die Generaldirektion hat übrigens auch die veränderte

Statutenbestimmung mit der Begründung beanstandet, daß

die Inanspruchnahme oder Beeinflussung der von der

Staatseisenbahnverwaltung geschaffenen Arbeiterausschüsse nicht

gestattet werden könne. Der Verbandsausschuß hat aber hierauf erwidert,

daß er nicht in der Lage sei, seine Statuten nochmals zu ändern.

Die Mitgliederzahl war Ende Juli 1899 auf 1600 in 19 Werkstätten

gestiegen.

Die Gewerkschaftsbewegung Darstellung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter und der Arbeitgeber aller Länder. · 第 312 / 323 题