VIII[343].

Der $deutsche Buchdruckerverband$ hat vom 19.-24. Juni 1899 in

Mainz seine dritte Generalversammlung abgehalten, die von 82

Vertretern besucht war; außerdem hatte der österreichische und der

elsaß-lothringische Verein, sowie das internationale Sekretariat

Abgesandte geschickt. Der von dem Vorsitzenden Döblin erstattete

Bericht erwähnt die Gründung der Buchdruckergewerkschaft, der jedoch

angeblich nur 300 Mitglieder angehören, sowie den Gutenbergbund,

von dem behauptet wird, daß er gegründet sei, um den Unternehmern

Heeresfolge zu leisten. Aber weder durch diese beiden Vereine, noch

durch die von den Prinzipalen ins Leben gerufene Unterstützungskasse,

der zur Zeit 4000 Mitglieder angehören, sei das Wachstum des Verbandes

aufgehalten. In den 4 Jahren 1895-1898 sind seitens des Verbandes an

Reiseunterstützung 501899 Mk., an Arbeitslosenunterstützung 499170

Mk., an Umzugskosten und Gemaßregeltenunterstützung 209678 Mk., an

Krankengeld 137489 Mk., an Invalidenunterstützung 5381 Mk. (davon

3494 Mk. aus der Invalidenkasse, 1887 Mk. aus der Verbandskasse) und

an Begräbnisgeld 79055 Mk. gezahlt. Trotzdem ist 1898 ein Ueberschuß

von rund 500000 Mk. erzielt. Der Vorstand sah in der großen Anhäufung

von Geld insofern eine Gefahr, als dadurch die Versuchung erhöht

werde, sich bei Streitigkeiten mit den Prinzipalen zu fest auf

die gefüllte Verbandskasse zu verlassen und glaubte vielmehr, den

Ueberfluß zur Erhöhung der Verbandsleistungen verwenden zu sollen, um

die Mitglieder desto fester an den Verband zu ketten. Er beantragte

deshalb: 1. die Reiseunterstützung von 75 Pf. auf 1 Mk. (bei einer

Wartezeit von 6 Wochen) bezw. 1 Mk. 25 Pf. (bei einer solchen von 50

Wochen), 2. die Arbeitslosenunterstützung von 1 Mk. 25 auf 1 Mk. 50

Pf., 3. die Invalidenunterstützung von 1 Mk. auf 1 Mk. 25 Pf., 4. das

Begräbnisgeld auf 150 Mk. (bei 500 Wochenbeiträgen) bezw. 200 Mk. (bei

1000 Wochenbeiträgen) zu erhöhen. Umzugsgelder bis zur Höhe von 100

Mk. sollen auch bei freiwilligen Umzügen gezahlt werden. Außerdem soll

der Preis für das Verbandsorgan von 1 Mk. auf 65 Pf. vierteljährlich

herabgesetzt werden. Die Versammlung nahm diese Vorschläge an. Die

Gehälter des Vorsitzenden, des Kassierers und des Redakteurs wurden

von 2500 Mk., 2300 Mk. und 2200 Mk. auf 2900 Mk., 2600 Mk. und 2500

Mk. erhöht. Die Gesamtsumme dieser Mehrbelastungen beläuft sich auf

jährlich 145000 Mk.

[343] Anschluß an S. 293.

In einer Resolution gegen die Zuchthausvorlage wurde betont, daß auf

dem Frankfurter Gewerkschaftskongresse die organisierten Arbeiter sich

fast einstimmig für friedliche Verständigung mit den Arbeitgebern

durch Tarifvereinbarungen ausgesprochen hätten, daß aber die letzteren

solche Vereinbarungen ablehnten und dadurch die wirtschaftlichen

Kämpfe hervorriefen. Dabei stellte der Vorsitzende fest, daß die

Ansicht der Generalversammlung dahin gehe, die Tarifvereinbarung mit

den Prinzipalen, falls diese den Wünschen der Gehülfen nachkämen, nach

Ablauf der gegenwärtigen Frist wieder zu erneuern. Die beantragte

Einsetzung eines Verbandsausschusses als Kontrollkommission

für den Vorstand wurde abgelehnt, ebenso die obligatorische

Einführung des Verbandsorgans. Ein Antrag, mit dem Verbande der

Buchdruckereihülfsarbeiter in ein näheres Verhältnis zu treten, um eine

spätere vollständige Verschmelzung vorzubereiten, wurde abgelehnt und

nur zur Unterstützung der »Solidarität«, des Organes der Hülfsarbeiter,

500 Mk. bewilligt.

Hinsichtlich des internationalen Buchdruckersekretariates, dem zur

Zeit 19 Organisationen angeschlossen sind, kam es zu lebhaften

Auseinandersetzungen, indem das Organ des schweizerischen Verbandes

sich bei den Tarifstreitigkeiten auf die Seite der Opposition

gestellt und aus diesem Grunde der deutsche Verband die Erneuerung

des bestehenden Gegenseitigkeitsvertrages abgelehnt hatte. Die

Generalversammlung stimmte einem abgeänderten Vertrage, der inzwischen

schon von den Schweizern angenommen war, auch ihrerseits zu, sprach

jedoch über die Haltung des schweizerischen Organes seinen Tadel aus.

$Die Gewerkschaft der Buchdrucker$ hat am 6. August 1899 in Hannover

ihren Kongreß abgehalten. Berichtet wurde, daß trotz des Rückganges der

Preßfondsbeiträge die »Buchdruckerwacht« in Zukunft gehalten werden

könne. Die Zunahme der Mitglieder sei eine geringe; die Hoffnung, alle

Tarifgemeinschaftsgegner in der Gewerkschaft zu vereinigen, habe sich

nicht erfüllt, da die Anhänglichkeit der Buchdrucker an ihre Kassen zu

groß sei. Aber nicht die Quantität, sondern die Dualität der Mitglieder

bilde die Stärke einer Gewerkschaft. Ein Antrag, eine Einigung mit dem

Verbande zu versuchen, wurde abgelehnt. Die Mitgliederzahl beträgt 226,

der Kassenbestand 8357,91 Mk. Der nächste Kongreß soll in Kassel tagen.

Die Gewerkschaftsbewegung Darstellung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter und der Arbeitgeber aller Länder. · 第 310 / 323 题