SYNTAX
CASES.
Sec. 100.
{Accusative.} The accusative has much the same function as in NHG. It is
sometimes used, however, where the dat. or a preposition would be
required in NHG.:--{[e:]r vuor wa[zz]er unde w[e:]ge}, _he went by water and
land_. The acc. is used after {wol}, _well_, when used as an
interjection, as {wol mich}. A double accusative is required not only
after {l[e]ren}, _to teach_, but also after {h[e:]ln}, {verh[e:]ln}, _to
conceal_, {verdagen}, {versw[i]gen}, _to keep secret_.
Sec. 101.
{Dative.} {ruofen}, _to call_, and {schirmen}, _to protect_, take the
dative. The dative is often used adverbially: {allenthalben}, _on all
sides_, {w[i]len(t)}, _formerly_, &c.
Sec. 102.
{Genitive.} The genitives {hande}, {slahte}, {leie} = _manner_ are used
adverbially: {maneger hande}, {slahte}, _or_ {leie}, _in many ways_,
_manifoldly_.
The gen. is used in combination with the comparative of adjectives, as
{dicker eines d[u]mes}, _thicker by the breadth of a thumb_. Indefinite
and interrogative pronouns, used substantively, take the genitive:
{iemen armer liute}, _any poor people_; {niht sch[oe]neres}, _nothing more
beautiful_; {d[e:]s enmac niht s[i]n}, _that cannot be_; {wa[z] mannes [e:]r
w[ae]re}, _what kind of man he was_. In the same manner the rel. {swa[z]} may
take the genitive: {swa[z] man vant d[e:]r armen}, _whatever poor people one
found_.
The genitive may be used predicatively:--{s[i]t s[i] d[e:]s gotesh[u]ses sint},
_since they belong to the house of God_; {diu sorge ist m[i]n eines niht},
_I am not the only one who has sorrow_.
Impersonal verbs often take the genitive: {mich gen[u:]eget d[e:]s}, _that is
enough for me_; {mich gezimt d[e:]s}, _that pleases me_.
The genitives {d[e:]s} and {w[e:]s} may be used adverbially in the sense of
_therefore_, _wherefore_; and likewise many nouns: {tages}, _by day_;
{d[e:]s s[e:]lben tages}, _the same day_; {nahtes}, _by night_.
Interjections usually take the genitive: {ow[e] mir m[i]nes leides!} _alas!
for my grief_. {vil}, _much_, _many_; {m[e](re)}, _more_; {w[e]nic},
{l[u:]tzel}, _little_; {minner}, {minre}, _less_; and {genuoc}, _enough_,
used as indeclinable substantives, are followed by the genitive.
Cardinal numerals, used substantively, are also followed by the
genitive: {zweinzec starker man}, _twenty strong men_.
ADJECTIVES.
Sec. 103.
The weak and strong forms are used in the same manner as in Mod. HG.
{dirre}, _this_, is followed by the weak or strong form; {aller}, _all_,
usually by the strong. The strong or weak form can be used after
pronouns, as {ich armer} or {ich arme}, _I poor ..._ In the vocative the
weak form without the article is used, as {guoten liute}, _(ye) good
people_. When the same adjective refers to nouns of different gender, it
is put in the neuter plural.
{ein} and the possessive pronouns are followed by the strong form in the
Nom. and Acc. singular; by the strong or weak form in the pl. and Gen.
and Dative singular.
The possessive pronouns are declined strong.
The uninflected form of the adjective is used side by side with the
inflected in the Nom. singular, all genders, and Acc. singular neuter,
when the adjective comes before the noun: {ein guot man}, _a good man_.
When the adjective stands after the noun the uninflected form may be
used without reference to number, gender, or case, {ein}, {dehein}, and
the possessive pronouns have the uninflected form in the Nom. for all
genders, and Acc. neuter. The uninflected form of {al}, _all_, can be
used before all forms of the definite article: {in al d[e:]r w[e:]rlte}, _in
all the world_. See Sec. 55.
PRONOUNS.
Sec. 104.
{im}, {ir}, pl. {in}, are used to express the dative of the reflexive
pronoun. {d[e:]r} is sometimes used pleonastically, as {d[e:]r brunne}, {d[e:]r
was k[u:]ele}, _the spring was cool_. {man} used as an indefinite pronoun
can take the definite article along with it.
VERBS.
Sec. 105.
{Number.} The verb can be used in the singular after a compound subject,
as {Volk[e]r und Hagene s[o] s[e]re w[u:]eten began}, _... began to rage so
furiously_.
Sec. 106.
{Tenses.} The fut. simple is expressed by {sol}, {muo[z]}, {wil} and the
infin., or simply by the pres., as in OE.: {ich sol g[a]n}, _I shall go_;
{bin ich gnisl[i]ch}, {s[o] genise ich}, _if I am curable_, _I shall
recover_. For the fut. pf. the pf. is used: {da[z] ist schiere get[a]n},
_that will soon have been done_. The pf. is expressed either by the
simple pret. or the p.p. and the verbs {h[a]n}, {s[i]n}; in subordinate
sentences the pret. often has the meaning of the pluperfect: {d[o] du von
ir schiede, zehant sie starp}, _she died immediately after thou hadst
taken leave of her_.
The preterite acquires a pluperfect, and the present a future perfect
meaning when the prefix {ge} is added to them: {swenne iuwer sun
gewahset}, _when your son (shall have) has grown up_; {d[o] ich in
gesach}, _when I had seen him_. The present participle with {s[i]n} is
sometimes used as in English, see 'Arme Heinrich,' l. 24.
Sec. 107.
{Voice.} The present and preterite passive are expressed by {w[e:]rden} and
the p.p., and the corresponding perfect tenses by {s[i]n} and the p.p.
Pres. ich wirde gelobet.
Pret. ich wart "
Perf. ich bin "
Plupf. ich was "
Inf. gelobet s[i]n.
Sec. 108.
{Negation.} Negation in sentences is expressed by {ne} ({en, n}) before
the verb, and {niht} after it: {[e:]r enist guot}, _he is not good_. {niht}
is frequently omitted, especially after the preterite presents, the
verbs {wellen}, {l[a]n}, sentences containing negative pronouns or
adverbs, and in subordinate sentences.
{en} without {niht} is used with the subjunctive in subordinate
sentences in the sense of _unless_, _if not_, _except that_, _when
that_, _that not_, &c.: {d[e:]n l[i]p wil ich verliesen, si enw[e:]rde
m[i]n w[i]p}, _I will die if she will not become my wife_; {ich w[ae]ne
nieman in d[e:]r w[e:]rlte l[e:]be, [e:]rn habe ein leit}, _I believe no
one lives in the world who has not his trouble_.
{en} is further also used in the sense of Latin 'quin': {ich mac da[z]
niht bevarn, mirn w[e:]rde m[i]n ritterschaft benomen}, _I cannot prevent my
knighthood being taken away from me_.
TEXTS
[Transcriber's Note:
Line numbers have been removed from the prose passages. Note
references are marked as [1], [2]...
In the verse passages, some unstressed e's, and a few i's, were
printed with an under-dot: [e.] [i.]. This usage is not explained.
Some under-dots may be flyspecks, and a few umlauts were uncertain.]
I
BERTHOLD VON REGENSBURG.
His name was properly Berthold Lech. He was the most celebrated
preacher of the thirteenth century. He died in Regensburg in 1272.
The following extract is from a sermon on Matt. v. 8.
'S[ae]lic sint die armen: wan da[z] himelr[i]ch ist ir,' etc. Mit disen
aht tugenden sint alle die ze himelr[i]che komen, die d[a] sint, und
mit den selben aht tugenden m[u:]e[z]ent noch alle die dar komen, die
iemer m[e]r dar komen s[u:]ln. N[u] wil ich die siben under wegen l[a]n
und wil niuwen von ir einer sagen, wan alse vil guoter dinge an
ir iegl[i]cher ist; und von ir iegl[i]cher w[ae]re gar vil und gar lanc
sunderl[i]chen ze sagenne; und wie manigiu untugent uns an disen
ahte tugenden irret, da[z] w[u:]rde eht von iegl[i]cher gar lanc ze
sagenne. Wan man e[z] alle[z] in einer predigen niht verenden mac,
noch in vieren, noch in zehenen, s[o] wil ich iu hiute niuwen
sagen von den, die ein reine herze habent, und von den man hiute
d[a] liset in dem heiligen ewangelio 's[ae]lic sint, die reines
herzen sint: die werdent got sehende.'[1] Die sint wol von rehte
s[ae]lic, die d[a] got sehent. Ein [u:]berg[u:]lde ist e[z] aller der
s[ae]likeit, diu ie wart oder iemer m[e]r eht werden mac, swer got
ansehende eht wirt, als[o] s[u:]e[z]e und als[o] w[u:]nneclich ist diu
gesiht, die man an got siht. S[o] wart nie deheiner muoter ir kint
nie s[o] liep, [a]n unser frouwen, und solte si e[z] dr[i]e tage ane
sehen [a]n underl[a][z], da[z] si anders niht enpfl[ae]ge,[2] wan eht si ir
liebe[z] kint solte an sehen: si [ae][z]e an dem vierden tage vil
gerner ein st[u:]cke br[o]tes. Und wolte ich vil gerner, da[z] ich als[o]
ein guot mensche w[ae]re, als da[z] w[a]r ist, da[z] ich iezuo reden wil.
Ob da[z] als[o] w[ae]re, da[z] man zuo einem menschen spr[ae]che, der iezuo
b[i] gote ist, 'du h[a]st zehen kint [u]f ertr[i]che, und du solt in
koufen allen samt, da[z] sie [e]re und guot haben unz an ir t[o]t, d[a]
mit, da[z] du einigen ougenblic von gotes angesiht tuost, niuwen
als lange als ein[z] s[i]n hant m[o:]ht umbe k[e]ren, und sich danne
wider zuo gote, und du solt d[i]n ougen niemer m[e]r von im k[e]ren':
der mensche ent[ae]te s[i]n niht. Alse w[a]r, herre, d[i]n w[a]rheit ist,
alse w[a]r ist disiu rede, da[z] er disiu zehen kint unze an ir t[o]t
[e] n[a]ch dem almuosen lie[z]e g[e]n, [e] danne er sich die kleine w[i]le
von gote wolte wenden. In habent die engel wol sehzic hundert
j[a]r an gesehen, und sehent in hiute als gerne als des [e]rsten
tages. Und sie sint ouch alle samt sam des [e]rsten tages, d[o] sie
got an sehende wurden. D[o] wart ir deheiner s[i]t nie eltl[i]cher
danne des [e]rsten tages, und sint doch sider wol sehzic hundert
j[a]r alt. Swelher hundert j[a]r alt w[u:]rde under uns, der w[ae]re den
liuten alse sm[ae]he an ze sehenne von ungestaltheit und von dem
gebresten, den da[z] alter an im h[ae]te gemaht: s[o] m[a]let man die
engele--d[a] sehet ir wol, sw[a] man sie m[a]lt, da[z] man sie eht
anders niht enm[a]lt wan als ein kint von f[u:]nf j[a]ren, als
junclich, oder von sehsen. Wan alle, die got sehent, die werdent
niemer eltl[i]cher, die in in himelr[i]che sehent in s[i]nen freuden
und in s[i]nen [e]ren. [U]f ertr[i]che sehen wir in alle tage in s[i]nem
gewalte. Dehein irdenischer muot noch irdenisch l[i]p m[o:]hte da[z]
niht erl[i]den, da[z] in dehein irdenisch ouge iemer an gesehen
m[o:]hte in s[i]nen freuden und in s[i]nen [e]ren, als er ze himelr[i]che
ist. Wir sagen iu ettewenne ein gl[i]chnisse, wie sch[oe]ne got s[i].
Seht, alle[z] da[z] wir iemer gesagen k[u:]nnen oder m[u:]gen, da[z] ist
rehte dem gl[i]che, als obe ein kint uns solte sagen, ob e[z]
m[u:]glich w[ae]re, von aller der wirde und von aller der gezierde,
die diu werlt h[a]t, von der liehten sunnen, von den liehten
sternen, von edelre gesteine craft und von ir maniger slahte
varwe, von der edelen w[u:]rze craft und von dem edelen gesmacke,
und von der r[i]chen gezierde, die man [u][z]er s[i]den und [u][z]er golde
machet in dirre werlte, und von maniger hande s[u:]e[z]en stimme, die
diu werlt h[a]t, von v[o:]gel[i]n sange und von seitenspil, und von
maniger hande bluomen varwe, und von aller der gezierde, die
disiu werlt h[a]t. Alse unm[u:]gelich unde alse unkuntl[i]chen eime
kinde d[a] von ze redenne ist, als unkunt ist ouch uns d[a] von ze
redenne, von der unsegel[i]chen w[u:]nne, diu d[a] ze himel ist, und
von dem w[u:]nnecl[i]chen antl[u:]tze des lebendigen gotes. Wan alliu
diu freude, diu d[a] ze himele ist, der ist niht wan von dem
sch[i]ne, der von unsers herren antl[u:]tze g[e]t. Und rehte als alle
sternen ir lieht von der sunnen nement, als[o] habent alle
heiligen ir gezierde und ir sch[o]nheit von gote, und engele und
alle[z] himelische her. Reht als alle die sternen des himeles, der
m[a]ne und die plan[e]ten, gr[o][z] und kleine, die habent alle samt ir
lieht von der sunnen, diu uns d[a] liuhtet: und als[o] h[a]t alle[z]
himelische[z] her, engel und heiligen, die h[oe]hsten und die
minnesten, die habent alle samt ir freude und ir w[u:]nne und ir
gezierde und die [e]re und die wirde und ouch die sch[oe]nde, da[z]
habent sie alle samt von der angesihte gotes, da[z] sie got an
sehent. Die engele, die d[a] unser h[u:]etent, die sehent in ze aller
z[i]t an, als ob sie b[i] im w[ae]ren. Wan alliu diu freude, diu in
himelr[i]che ist, diu diuhte sie ze nihte, solten sie got niht an
sehen. Und d[a] von 's[ae]lic sint, die reines herzen sint; wan sie
werdent got sehende.' Nu sehent, wie s[ae]lic die sint, die d[a]
reine[z] herze tragent. Ir, junge werlt, die noch unbewollen sint
mit s[u:]nden, behaltent iuwer herze vor allen t[oe]tl[i]chen s[u:]nden, s[o]
werdent ir got sehende in sol[i]chen freuden und in s[o] gr[o][z]en
[e]ren, die ouge nie gesach oder [o]re nie geh[o]rte, alse sant Paulus
d[a] sprichet; und alse sant Johannes sprichet: 'w[ae]r e[z] m[u:]gelich,
da[z] man e[z] alle[z] samt geschr[i]ben m[o:]hte, s[o] m[o:]hte diu werlt diu
buoch in ir niht behalten, d[a] e[z] an gest[u:]ende, da[z] ich gesach.
Und alle[z], da[z] ich gesach, da[z] was niht wan got alleine.' Und
dar umbe m[o:]hten wir doch gerne ze dem himelr[i]che komen und
drumbe arbeiten. Ob uns niht diu minne und diu liebe dar tw[u:]nge,
der wir gote schuldic s[i]n, seht, s[o] m[o:]hten wir dar umbe dar
komen, durch da[z] wunder, da[z] d[a] ist. E[z] ist maniger vor mir: der
im von s[o] get[a]ner freude[3] seite, da[z] si jenhalp meres w[ae]re, er
f[u:]ere gar gerincl[i]chen dar von hinnen [u:]ber mer, niuwen da[z] er[z]
ges[ae]he. S[o] m[o:]htent ir hundertstunt gerner dar umb arbeiten, da[z]
ir[z] iemer m[e]re [e]wicl[i]chen nie[z]en soltet. Die vil w[u:]nnecl[i]chen
angesiht des almehtigen gotes und der himelischen k[u:]niginne ze
der zeswen s[i]ner s[i]ten in guld[i]ner w[ae]te, die m[o:]htet ir gerne an
sehen. Wan w[u:]rde iu einiger anblic, s[o] w[ae]re in alliu diu freude
und diu [e]re und aller der wollust, den diu werlt ie gewan, da[z]
w[ae]r iu hinne f[u:]r als widerz[ae]me und ouch alse unm[ae]re, reht als
sant Paulus d[a] sprach. Nu h[oe]ret wie er sprach; er sprach: 'alliu
diu [e]re und diu freude und da[z] gemach, diu disiu werlt ie gewan
von keisern und von k[u:]nigen, wider der freude, diu in himelr[i]ch
ist; als widerz[ae]me einem w[ae]re ein diep an einem galgen, als
kurz einem diu w[i]le d[a] mite w[ae]re, da[z] er einen erhangen man
triuten solte, wider aller der freude, die diu werlt h[a]t: alse
widerz[ae]me ist mir diu freude aller der werlte wider der [e]wigen
freude.' Ei wol iuch wart, da[z] iuch iuwer muoter ie getruoc, die
s[o] get[a]ne freude s[u:]ln besitzen. Der ist, ob got wil, vil maniger
vor m[i]nen ougen. Ouch ist maniger, der vil kleine freude dar f[u:]r
nimt hie [u]f ertr[i]che, und da[z] dem guoten sante Paulen gar
versm[a]hte, des wirt im der t[u]sentste teil niht. Und die habent
[u:]bel kouft, die s[o] [u:]bergr[o][z]e freude gebent umb ein s[o] kurze[z]
freudel[i]n in dirre werlte. Die habent [u:]bel gevarn; wan sie
habent weder hie noch dort niht. Als ich iezuo sprach, rehte in
gl[i]cher w[i]se, rehte alse alle sternen des himeles ir lieht von
der sunnen habent, als[o] h[a]t alle[z] himelisch her ir lieht von dem
w[a]ren sunnen, s[i]t danne unser herre der w[a]re sunne und da[z] w[a]re
lieht ist, alse der guote sant Johannes d[a] sprichet. Der hei et
in da[z] w[a]re lieht; als ouch da[z] vil w[a]r ist: wan er ist da[z] w[a]re
lieht, da[z] niemer m[e]r verlischet. Und alle, die von s[i]me
gotvarwen liehte enz[u:]ndet werdent, die erleschent ouch niemer
m[e]re von der sch[o]nheit, die sie von dem w[a]ren sunnen h[a]nt. Und
als vil diu sunne liehter und gelpfer ist, danne wir d[a] sehen,
rehte als vil diu liehtes und glastes [u:]ber alle sterne h[a]t, die
an dem himel st[e]nt: als vil h[a]t der w[a]re sunne in himelr[i]che
sch[i]nes und glastes m[e]r [u:]ber alle engele und ist gesch[oe]net und
gewirdet an allen [e]ren, alse billich ist. Und d[a] von sint sie
s[ae]lic, die ein reine[z] herze habent; wan si werdent got sehende.
II
THE SWABIAN LANTREHTBUOCH.
This work was compiled by David von Augsburg, about 1280 A.D.
HIE HEBET SICH AN DA[Z] LANTREHTBUOCH.
Herre got, himelischer vater, durch d[i]ne milte g[u:]ete gesch[u:]efe
du den menschen in dr[i]valtiger werdikeit. Diu [e]rste, da[z] er n[a]ch
dir gebildet ist. Da[z] ist ouch ein als[o] h[o]hiu werdikeit, der dir
alle[z] menschlich k[u:]nne sunderl[i]chen immer danken sol. Wan des
haben wir gar michel reht, vil lieber herre, himelischer vater,
s[i]t du uns zuo d[i]ner h[o]hen gotheit als[o] werdicl[i]chen geedelt
h[a]st. Diu ander werdikeit, d[a] du, herre got, alm[a:]htic schepfer,
den menschen zuo geschaffen h[a]st, da[z] ist diu, da[z] du alle dise
werelt, die sunnen unde den m[a]nen, die sterne unde diu vier
element, viur, wa[zz]er, luft unde die erden, die vogel in den
l[u:]ften, die vische in dem w[a]ge, diu tier in dem walde, die w[u:]rme
in der erden, golt unde edel gesteine, der edeln w[u:]rze s[u:]e[z]en
smac, der bluomen liehte varwe, der boume fruht unde [e]t alle
cr[e]at[u]re: da[z] h[a]st du, herre, alle[z] dem menschen ze nutze unde
ze dienste geschaffen durch die triuwe unde durch die minne, die
du ze dem menschen hetest. Diu dritte werdikeit, d[a] du, herre,
den menschen mit gewirdet unde geedelt h[a]st, da[z] ist diu, da[z]
der mensche die wirde unde die [e]re, die vreude unde die w[u:]nne
immer mit dir [e]wicl[i]chen nie[z]en sol. Der werelde dienst unde nuz
h[a]st du, herre, dem menschen umbe sust gegeben ze einer manunge
unde ze einem vorbilde. S[i]t des s[o] vil ist, des du, herre, dem
menschen umbe sust gegeben h[a]st, d[a] b[i] sol der mensche nu
trahten, s[o] mege[4] des wol gar [u:]berm[ae][z]icl[i]chen vil s[i]n,
des du dem menschen umbe s[i]nen dienst geben wilt. Unde dar umbe sol
ein iegel[i]ch mensche got dienen mit ganzen triuwen; wan der l[o]n
ist als[o] [u:]berm[ae][z]icl[i]chen gr[o][z], da[z] in herzen sin nie
betrahten m[o:]hte noch menschen zunge nie gesprechen m[o:]hte, noch ougen
sehen k[u:]nde in nie beliuhten, noch [o]re nie geh[oe]ren. Da[z] wir nu
got der h[o]hen werdikeit gedanken unde den gr[o][z]en l[o]n verdienen,
des helfe uns der alm[a:]htige got. [a]men.
S[i]t uns got in s[o] h[o]her werdikeit geschaffen h[a]t, s[o] wil er
ouch, da[z] wir werde[z] leben haben, unde da[z] wir einander wirde
unde [e]re erbieten, triuwe unde w[a]rheit, niht ha[z] unde n[i]t
einander tragen. Wir sullen mit fride unde mit suone under
einander leben. Fridlich leben h[a]t unser herre got liep. Wan er
kom von himelr[i]che [u]f erder[i]che durch anders niht wan durch den
rehten fride, da[z] er uns einen rehten fride sch[u:]efe vor der
[e]wigen marter, ob wir selben wellen. Unde d[a] von sungen die
engel ob der krippen: '_Gloria in excelsis deo et in terra pax
hominibus bonae voluntatis_'--'Gots [e]re in dem himel unde guot
fride [u]f der erden allen den, die guoten willen habent [u]f
erder[i]che!' D[o] unser herre got hie [u]f erder[i]che gie, s[o] was da[z]
ie s[i]n ellich wort: '_Pax vobis!_' da[z] sprichet: 'der fride s[i]
mit iu!' unde als[o] sprach er alle z[i]t zuo s[i]nen jungern unde zuo
andern liuten. Unde d[a] b[i] suln wir merken, wie rehte liep der
almehtige got den rehten vride h[a]t. Wan d[o] er von erder[i]che
wider [u]f zuo himel fuor, d[o] sprach er aber zuo s[i]nen jungern:
'der vride s[i] mit iu!' unde enphalh dem guoten Sant P[e]ter, da[z]
er phleger w[ae]re [u:]ber den rehten fride, unde gap im den gewalt,
da[z] er den himel [u]f sl[u:][zz]e allen den, die den fride hielten,
unde swer den fride br[ae]che, da[z] er dem den himel vor besl[u:][zz]e.
Da[z] ist als[o] gesprochen: [e]t alle, die diu gebot unsers herren
zebrechent, die habent ouch den rehten fride gebrochen. Da[z] ist
ouch von gote reht, swer diu gebot unsers herren zebrichet, da[z]
man dem den himel vor besliu[z]et, s[i]t uns got nu geholfen h[a]t,
da[z] wir mit rehtem leben unde mit fridl[i]chem leben da[z] himelr[i]ch
verdienen m[u:]gen. Wan da[z] was niht vor gotes geburt, swie wol der
mensche t[ae]t in aller der werelde, s[o] mohte er doch ze dem
himelr[i]ch niht komen. Got geschuof des [e]rsten himel unde erden,
dar n[a]ch den menschen unde sazte in in da[z] paradys. Der zebrach
die geh[o]rsam uns allen ze schaden; dar umbe gienge wir irre sam
diu hirtel[o]sen sch[a]f, da[z] wir in da[z] himelr[i]ch niht mohten, unz
an die z[i]t, da[z] uns got den wec dar w[i]ste mit s[i]ner marter, unde
dar umbe solde wir got immer loben unde [e]ren von allem unserm
herzen unde von aller unserre s[e]le unde von aller unserre maht,
da[z] wir nu s[o] wol ze den [e]wigen freuden k[ae]men, ob wir wolden;
da[z] hie vor manigen heiligen patriarken unde proph[e]ten tiure
was. Diu gen[a]de unde diu s[ae]likeit ist uns kristen liuten nu
widervaren, da[z] wir nu wol da[z] himelr[i]ch mugen verdienen. Unde
swer des niht entuot unde diu gebot unsers herren zebrichet, da[z]
richet er bill[i]chen an im.
VON VR[I]EN LIUTEN.
Wir zelen dr[i]er hande vr[i]en. Der hei[z]ent eine sempervr[i]en:[5]
da[z] sint die vr[i]en herren, als f[u:]rsten unde die ander fr[i]en ze
man h[a]nt. S[o] hei[z]ent die andern miter[6] vr[i]en: da[z] sint die,
die der h[o]hen vr[i]en man sint. Die driten vr[i]en da[z] sint die
vr[i]en lants[ae][z]en, die geb[u]ren, die d[a] vr[i] sint. Der h[a]t
iegl[i]cher s[i]n sunder reht, als wir her n[a]ch wol bescheiden.
VON TIUTSCHER LIUTE [E]REN.
Die tiutschen kiesent den k[u:]nic: da[z] erwarb in der k[u:]nic Karl.
Swenne er gew[i]het wirt unt [u]f den stuol ze Ache gesetzet wirt
mit der willen, die in erwelt h[a]nt, s[o] h[a]t er k[u:]nicl[i]chen gewalt
unde namen.--Den k[u:]nic kiuset man ze rihter umbe eigen unde umbe
l[e]hen unde [u:]ber iegl[i]ches menschen l[i]p unde umbe alle[z], da[z] v[u:]r
in ze klagen kumet. Der keiser mac in allen landen niht ges[i]n,
unde mac alle[z] ungerihte niht verrihten. D[a] von l[i]het er den
f[u:]rsten unde andern herren wereltl[i]ch gerihte. An die vierten
hant mac dehein gerihte nimmer komen mit rehte, d[a] man umbe
menschenbluot rihten sol ode umbe alle vrevel.
III
HARTMAN VON OUWE.
He was born somewhere between 1160-1170, in the neighbourhood of
Rottenburg in Swabia, and died about 1220.
The following extract is taken from Paul's edition: Der Arme
Heinrich, Halle, 1882.
Ein ritter s[o] gel[e]ret was
da[z] er an den buochen las
swa[z] er dar an geschriben vant.
der was Hartman genant,
dienstman was er ze Ouwe. 5
er nam im mange schouwe
an misl[i]chen buochen:
dar an begunde er suochen
ob er iht des funde
d[a] mite er sw[ae]re stunde 10
m[o:]hte senfter machen,
und von s[o] gewanten sachen
da[z] gotes [e]ren t[o:]hte
und d[a] mite er sich m[o:]hte
gelieben den liuten. 15
nu beginnet er in diuten
ein rede die er geschriben vant.
dar umbe h[a]t er sich genant,
da[z] er s[i]ner arbeit
die er dar an h[a]t geleit 20
iht [a]ne l[o]n bel[i]be,
und swer n[a]ch s[i]nem l[i]be
s[i] h[oe]re sagen oder lese,
da[z] er im bittende wese
der s[e]le heiles hin ze gote. 25
man seit, er s[i] s[i]n selbes bote
unde erl[oe]se sich d[a] mite,
swer [u:]ber des andern schulde bite.
Er las ditze m[ae]re,
wie ein herre w[ae]re 30
ze Sw[a]ben gese[zz]en:
an dem enwas verge[zz]en
deheiner der tugende
die ein ritter in s[i]ner jugende
ze vollem lobe haben sol. 35
man sprach d[o] niemen als[o] wol
in allen den landen.
er hete ze s[i]nen handen
geburt und dar zuo r[i]cheit:
ouch was s[i]n tugent vil breit. 40
swie ganz s[i]n habe w[ae]re,
s[i]n geburt unwandelb[ae]re
und wol den f[u:]rsten gel[i]ch,
doch was er unn[a]ch als[o] r[i]ch
der geb[u:]rte und des guotes 45
s[o] der [e]ren und des muotes.
S[i]n name der was erkennelich,
und hie[z] der herre Heinrich,
und was von Ouwe geborn.
s[i]n herze h[a]te versworn 50
valsch und alle t[o:]rperheit,
und behielt ouch vaste den eit
st[ae]te unz an s[i]n ende.
[a]n alle missewende
stuont s[i] [e]re und s[i]n leben. 55
im was der rehte wunsch gegeben
ze werltl[i]chen [e]ren:
die kunde er wol gem[e]ren
mit aller hande reiner tugent.
er was ein bluome der jugent, 60
der werlte fr[o:]ude ein spiegelglas.
st[ae]ter triuwe ein adamas,
ein ganziu kr[o]ne der zuht.
er was der n[o]thaften fluht,
ein schilt s[i]ner m[a]ge, 65
der milte ein gl[i]chiu w[a]ge:
im enwart [u:]ber noch gebrast.
er truoc den arbeitsamen last
der [e]ren [u:]ber r[u:]cke.
er was des r[a]tes br[u:]cke, 70
und sanc vil wol von minnen.
alsus kund er gewinnen
der werlte lop unde pr[i]s.
er was h[u:]besch und dar zuo w[i]s.
D[o] der herre Heinrich 75
als[o] geniete sich
[e]ren unde guotes
und fr[oe]l[i]ches muotes
und werltl[i]cher w[u:]nne
(er was f[u:]r al s[i]n k[u:]nne 80
gepr[i]set unde ge[e]ret),
s[i]n h[o]her muot wart verk[e]ret
in ein leben gar geneiget.
an im wart erzeiget,
also ouch an Absol[o]ne, 85
da[z] diu [u:]ppige kr[o]ne
werltl[i]cher s[u:]e[z]e
vellet under f[u:]e[z]e
ab ir besten werdekeit,
als uns diu schrift h[a]t geseit. 90
e[z] spricht an einer stete d[a],
'm[e]di[a] v[i]t[a]
in morte sumus':
da[z] bediutet sich alsus,
da[z] wir in dem t[o]de sweben 95
s[o] wir aller beste w[ae]nen leben.
Dirre werlte veste,
ir st[ae]te, unde ir beste
unde ir gr[oe]ste magenkraft,
diu st[a]t [a]ne meisterschaft. 100
des muge wir an der kerzen sehen
ein w[a]re[z] bilde geschehen,
da[z] s[i] zeiner aschen wirt
enmitten d[o] s[i] lieht birt.
wir s[i]n von br[oe]den sachen. 105
n[u] sehent wie unser lachen
mit weinen erlischet.
unser s[u:]e[z]e ist vermischet
mit bitterre gallen.
unser bluome der muo[z] vallen 110
so er allergr[u:]enest w[ae]net s[i]n.
an hern Heinr[i]che wart wol sch[i]n,
der in dem h[oe]hsten werde
lebet [u]f dirre erde,
derst der versm[ae]hete vor gote. 115
er viel von s[i]me gebote
ab s[i]ner besten werdekeit
in ein versm[ae]hel[i]che[z] leit:
in ergreif diu miselsuht.
d[o] man die sw[ae]ren gotes zuht 120
gesach an s[i]nem l[i]be,
manne unde w[i]be
wart er d[o] widerz[ae]me.
n[u] sehent wie gen[ae]me
er [e] der werlte w[ae]re, 125
und wart n[u] alse unm[ae]re
da[z] in niemen gerne an sach:
alse ouch J[o]be geschach,
dem edeln und dem r[i]chen,
der ouch vil j[ae]merl[i]chen 130
dem miste wart ze teile
mitten in s[i]me heile.
Und d[o] der arme Heinrich
alr[e]st verstuont sich
da[z] er der werlte widerstuont, 135
als alle s[i]ne gel[i]chen tuont,
d[o] schiet in s[i]n bitter leit
von J[o]bes gedultikeit.
wan e[z] leit J[o]b der guote
mit gedultigem muote, 140
do e[z] ime ze l[i]denne geschach,
durch der s[e]le gemach.
den siechtuom und die sm[a]cheit
die er von der werlte leit,
des lobet er got und fr[o:]ute sich. 145
d[o] tet der arme Heinrich
leider niender als[o]:
wan er was tr[u]rec unde unfr[o].
s[i]n swebende[z] herze da[z] verswanc,
s[i]n swimmendiu fr[o:]ude ertranc, 150
s[i]n h[o]chvart muoste vallen,
s[i]n honic wart ze gallen,
ein swinde vinster donreslac
zerbrach im s[i]nen mitten tac,
ein tr[u:]ebe[z] wolken unde dic 155
bedaht' im s[i]ner sunnen blic.
er sente sich vil s[e]re
da[z] er s[o] manege [e]re
hinder im m[u:]este l[a][z]en.
verfluochet und verw[a][z]en 160
wart vil ofte der tac
d[a] s[i]n geburt ane lac.
Ein w[e]nic fr[o:]uwet er sich doch
von eime tr[o]ste dannoch:
wan im wart dicke geseit 165
da[z] disiu selbe siecheit
w[ae]re vil mislich
und etel[i]chiu gnislich.
des wart vil maneger slahte
s[i]n gedinge und s[i]n ahte. 170
er ged[a]hte da[z] er w[ae]re
vil l[i]hte genisb[ae]re,
und fuor als[o] dr[a]te
n[a]ch der arz[a]te r[a]te
gegen Munpasiliere. 175
d[a] vant er vil schiere
niht wan den untr[o]st
da[z] er niemer w[u:]rde erl[o]st.
Da[z] h[o]rte er vil ungerne,
und fuor gegen S[a]lerne 180
und suochte ouch d[a] durch genist
der w[i]sen arz[a]te list.
den besten meister er d[a] vant.
der seite ime zehant
ein selts[ae]ne m[ae]re, 185
da[z] er genislich w[ae]re
und w[ae]re doch iemer ungenesen.
d[o] sprach er 'wie mac da[z] wesen?
diu rede ist harte unm[u:]gelich.
bin ich gnislich, s[o] genise ich: 190
und swa[z] mir f[u:]r wirt geleit
von guote oder von arbeit,
da[z] tr[u]we ich vollebringen.'
'n[u] l[a]t da[z] gedingen'
sprach der meister aber d[o]: 195
'iuw[e.]rre s[u:]hte ist als[o]
(wa[z] frumet da[z] ich[z] iu kunt tuo?):
d[a] h[oe]ret arzen[i]e zuo:
des w[ae]ret ir genisl[i]ch.
nu enist ab nieman s[o] r[i]ch 200
noch von s[o] starken sinnen
der s[i] m[u:]ge gewinnen.
des sint ir iemer ungenesen,
got enwell[e.] der arz[a]t wesen.'
D[o] sprach der arme Heinrich 205
'war umbe untr[oe]stent ir mich?
j[a] h[a]n ich guotes wol die kraft:
ir enwellent iuwer meisterschaft
und iuwer reht ouch brechen
und dar zuo versprechen 210
beidiu m[i]n silber und m[i]n golt,
ich mache iuch mir als[o] holt
da[z] ir mich harte gerne ernert.'
'mir w[ae]r[e.] der wille unrewert'
sprach der meister aber d[o]: 215
'und w[ae]r[e.] der arzen[i]e als[o]
da[z] man s[i] veile funde
oder da[z] man s[i] kunde
mit deheinen ding[e.]n erwerben,
ich enlie[z]e iuch niht verderben. 220
nu enmac des leider niht s[i]n:
d[a] von muo[z] iu diu helfe m[i]n
durch alle n[o]t s[i]n versaget.
ir m[u:]esent haben eine maget
diu vollen [e]rb[ae]re 225
und ouch des willen w[ae]re
da[z] s[i] den t[o]t durch iuch lite.
nu enist e[z] niht der liute site
da[z] e[z] iemen gerne tuo.
s[o] h[oe]rt ouch anders niht dar zuo 230
niwan der megede herzen bluot:
da[z] w[ae]r[e.] f[u:]r iuwer suht guot.'
Nu erkant[e.] der arme Heinrich
da[z] da[z] w[ae]re unm[u:]gelich
da[z] iemen den erw[u:]rbe 235
der gerne f[u:]r in st[u:]rbe.
alsus was im der tr[o]st benomen
[u]f den er dar was komen,
und dar n[a]ch f[u:]r die selben frist
h[a]t er ze s[i]ner genist 240
dehein gedinge m[e]re.
des wart s[i]n herzes[e]re
als[o] kreftic unde gr[o][z]
da[z] in des aller meist verdr[o][z],
ob er langer solte leben. 245
n[u] fuor er heim und begunde geben
s[i]n erbe und ouch s[i]n varnde guot,
als in d[o] s[i]n selbes muot
und w[i]ser r[a]t l[e]rte,
da er[z] aller best[e.] bek[e]rte. 250
er begund[e.] bescheidenl[i]chen
s[i]n armen friunde r[i]chen
und tr[o]ste ouch fr[o:]mde armen,
da[z] sich got erbarmen
geruochte [u:]ber der s[e]le heil: 255
gotes hiusern viel da[z] ander teil.
alsus s[o] tet er sich abe
bescheidenl[i]chen s[i]ner habe
unz an ein geriute:
dar fl[o]ch er die liute. 260
disiu j[ae]merl[i]ch[e.] geschiht
diu was s[i]n eines klage niht:
in klageten elliu diu lant
d[a] er inne was erkant,
und ouch von vr[o:]mden landen 265
die in n[a]ch sage erkanden.
Der [e] ditz geriute
und der e[z] dannoch biute,
da[z] was ein fr[i]er b[u]man
der vil selten ie gewan 270
dehein gr[o][z] ungemach,
da[z] and[e.]rn geb[u]ren doch geschach,
die wirs geherret w[a]ren,
und s[i] die niht verb[a]ren
beidiu mit stiure und mit bete. 275
swa[z] dirr[e.] geb[u]re gerne tete,
des d[u]hte s[i]nen herren gnuoc:
dar zuo er in [u:]bertruoc
da[z] er dehein arbeit
von fr[o:]mdem gewalte leit. 280
des was deheiner s[i]n gel[i]ch
in dem lande als[o] r[i]ch.
zuo deme z[o]ch sich
s[i]n herr[e.], der arme Heinrich.
swa[z] er in het [e] gespart, 285
wie wol da[z] n[u] gedienet wart
und wie sch[o]ne er s[i]n gen[o][z]!
wan in vil l[u:]tzel des verdr[o][z]
swa[z] im geschach durch in.
er hete die triuwe und ouch den sin 290
da[z] er vil willecl[i]che leit
den kumber und die arbeit
diu ime ze l[i]denne geschach.
er schuof ime r[i]ch gemach.
Got hete dem meiger gegeben 295
n[a]ch s[i]ner ahte ein reine[z] leben.
er hete ein wol erbeiten l[i]p
und ein wol werbende[z] w[i]p,
dar zuo het er sch[oe]niu kint,
diu gar des mannes fr[o:]ude sint, 300
unde hete, s[o] man saget,
und[e.]r den kinden eine maget,
ein kint von ahte j[a]ren:
da[z] kunde wol geb[a]ren
s[o] rehte g[u:]etl[i]chen: 305
s[i] wolte nie entw[i]chen
von ir herren einen fuo[z]:
umb s[i]ne hulde und s[i]nen gruo[z]
s[o] diente si ime alle wege
mit ir g[u:]etl[i]chen pflege. 310
s[i] was ouch s[o] gen[ae]me
da[z] s[i] wol gez[ae]me
ze kinde deme r[i]che
an ir w[ae]tl[i]che.
Die andern heten den sin 315
da[z] s[i] ze rehter m[a][z]e in
wol gem[i]den kunden:
s[o] fl[o]ch s[i] zallen stunden
zuo ime und niender anders war.
s[i] was s[i]n kurzew[i]le gar. 320
s[i] hete gar ir gem[u:]ete
mit reiner kindes g[u:]ete
an ir herren gewant,
da[z] man s[i] zallen z[i]ten vant
und[e.]r ir herren fuo[z]e. 325
mit s[u:]e[z]er unmuo[z]e
wonte s[i] ir herren b[i].
dar zuo s[o] liebte er ouch s[i]
sw[a] mite s[o] er mohte,
und da[z] der meide tohte 330
zuo ir kintl[i]chen spil,
des gab der herre ir vil.
ouch half in s[e]re da[z] diu kint
s[o] l[i]hte ze gewenenne sint.
er gewan ir swa[z] er veile vant, 335
spiegel unde h[a]rbant,
g[u:]rtel unde vingerl[i]n
und swa[z] kinden liep solte s[i]n.
mit dienste br[a]hte er s' [u]f die vart
da[z] s[i] im als[o] heimlich wart 340
da[z] er s[i] s[i]n gemahele hie[z].
diu guote maget in lie[z]
bel[i]ben selten eine:
er d[u]hte s[i] vil reine.
swie starke ir da[z] geriete 345
diu kindische miete,
iedoch geliebte ir[z] aller meist
von gotes gebe ein s[u:]e[z]er geist.
Ir dienst war s[o] g[u:]etlich.
d[o] d[o] der arme Heinrich 350
driu j[a]r d[a] getwelte
unde im got gequelte
mit gr[o][z]em j[a]mer den l[i]p,
n[u] sa[z] der meier und s[i]n w[i]p
unde ir tohter, diu maget 355
von der ich iu [e] h[a]n gesaget,
b[i] im in ir unm[u:]e[z]ekeit
und begunden klagen ir herren leit.
diu klage tet in michel n[o]t:
wan s[i] vorhten da[z] s[i]n tot 360
s[i] s[e]re solte letzen
und vil gar entsetzen
[e]ren unde guotes
und da[z] herters muotes
w[u:]rde ein ander herre. 365
si ged[a]hten als[o] verre
unz dirre selbe b[u]man
alsus fr[a]gen began.
Er sprach 'lieber herre m[i]n,
m[o:]ht e[z] mit iuwern hulden s[i]n, 370
ich fr[a]gte vil gerne,
s[o] vil ze S[a]lerne
von arzen[i]en meister ist,
wie kumet da[z] ir deheines list
ze iuwerme ungesunde 375
niht ger[a]ten kunde?
herre, des wundert mich.'
d[o] holt[e.] der arme Heinrich
tiefen s[u]ft von herzen
mit bitterl[i]chem smerzen: 380
mit solher riuwe er d[o] sprach
da[z] ime der s[u]ft da[z] wort zerbrach.
'Ich h[a]n disen schemel[i]chen spot
vil wol gedienet umbe got.
wan d[u] s[ae]he wol hie vor 385
da[z] h[o]h offen stuont m[i]n tor
n[a]ch werltl[i]cher w[u:]nne
und da[z] niemen in s[i]nem k[u:]nne
s[i]nen willen ba[z] hete dan ich:
und was da[z] doch unm[u:]gelich, 390
wan ich enhete niht gar.
d[o] nam ich s[i]n vil kleine war
der mir da[z] selbe wunschleben
von s[i]nen gn[a]den hete gegeben.
da[z] herze mir d[o] als[o] stuont 395
als alle werltt[o]ren tuont,
den da[z] saget ir muot
da[z] s[i] [e]re unde guot
[a]ne got m[u:]gen h[a]n.
sus troug ouch mich m[i]n tumber w[a]n, 400
wan ich in l[u:]tzel ane sach
von des gen[a]den mir geschach
vil [e]ren unde guotes.
d[o] d[o] des h[o]hen muotes
den h[o]hen porten[ae]r[e.] bedr[o][z], 405
die s[ae]lden porte er mir besl[o][z].
dane kum ich leider niemer in:
da[z] verworhte mir m[i]n tumber sin.
got h[a]t durch r[a]che an mich geleit
ein sus gewante siecheit 410
die niemen mag erl[oe]sen,
n[u] versm[ae]hent mich die b[oe]sen,
die biderben ruochent m[i]n niht.
swie b[oe]se er ist der mich gesiht,
des boeser muo[z] ich dannoch s[i]n. 415
s[i]n unwert tuot er mir sch[i]n:
er wirf[e.]t diu ougen abe mir.
n[u] sch[i]net [e]rste an dir
d[i]n triuwe die d[u] h[a]st,
da[z] d[u] mich siechen b[i] dir l[a]st 420
und von mir niht enfliuhest.
swie d[u] mich niht enschiuhest,
swie ich niemen liep s[i] danne dir,
swie vil d[i]ns heiles st[e] an mir,
du vertr[u:]egest doch wol m[i]nen t[o]t. 425
n[u] wes unwert und wes n[o]t
wart ie zer werlte merre?
hie vor was ich d[i]n herre
und bin d[i]n d[u:]rftige n[u].
m[i]n lieber friunt, nu koufest d[u] 430
und m[i]n gemahele und d[i]n w[i]p
an mir den [e]wigen l[i]p
da[z] d[u] mich siechen b[i] dir l[a]st.
des d[u] mich gefr[a]get h[a]st,
da[z] sage ich dir vil gerne. 435
ichn kunde ze S[a]lerne
einen meister niender vinden
der sich m[i]n underwinden
get[o:]rste oder wolte.
wan d[a] mite ich solte 440
m[i]ner s[u:]hte genesen,
da[z] m[u:]este ein solhiu sache wesen
die in der werlte nieman
mit nihte gewinnen kan.
mir wart niht anders d[a] gesaget 445
wan ich m[u:]este haben eine maget
diu vollen manb[ae]re
und ouch des willen w[ae]re
da[z] s[i] den t[o]t durch mich lite
und man s[i] zuo dem herzen snite, 450
und mir w[ae]r[e.] niht anders guot
wan von ir herzen da[z] bluot.
n[u] ist genuoc unm[u:]gelich
da[z] ir deheiniu durch mich
gerne l[i]de den t[o]t. 455
des muo[z], ich schemel[i]che n[o]t
tragen unz an m[i]n ende.
da[z] mir[z] got schiere sende!'
Da[z] er dem vater hete gesagt,
da[z] erh[o]rte ouch diu reine magt: 460
wan e[z] hete diu vil s[u:]e[z]e
ir lieben herren f[u:]e[z]e
st[a]nde in ir sch[o][z]en,
man m[o:]hte wol gen[o][z]en
ir kintl[i]ch gem[u:]ete 465
hin ze der engel g[u:]ete.
s[i]ner rede nam s[i] war
unde marhte s[i] ouch gar:
s[i] enkam von ir herzen nie
unz man des nahtes sl[a]fen gie. 470
d[o] s[i] zir vater f[u:]e[z]en lac
und ouch ir muoter, s[o] s[i] pflac,
und s[i] beide entsliefen,
manegen s[u]ft tiefen
holte s[i] von herzen. 475
umbe ir herren smerzen
wart ir riuwe als[o] gr[o][z]
da[z] ir ougen regen beg[o][z]
der sl[a]fenden f[u:]e[z]e,
sus erwahte s[i] diu s[u:]e[z]e. 480
D[o] s[i] der trehene enpfunden,
si erwachten und begunden
s[i] fr[a]gen wa[z] ir w[ae]re
und welher hande sw[ae]re
s[i] als[o] stille m[o:]hte klagen. 485
nu enwolte s[i] es in niht sagen,
wan da[z] ir vater aber tete
vil manege dr[o] unde bete
da[z] s[i] e[z] ime wolte sagen.
s[i] sprach 'ir m[o:]htent mit mir klagen. 490
wa[z] m[o:]hte uns m[e] gewerren
danne umb unsern herren,
da[z] wir den suln verliesen
und mit ime verkiesen
beide guot und [e]re? 495
wir gewinnen niemer m[e]re
deheinen herren als[o] guot
der uns tuo da[z] er uns tuot.'
S[i] spr[a]chen 'tohter, d[u] h[a]st w[a]r.
n[u] frumet uns leider niht ein h[a]r 500
unser riuwe und d[i]n klage:
liebe[z] kint, d[a] von gedage.
e[z] ist uns als[o] leit s[o] dir.
leider n[u] enmuge wir
ime ze keinen staten komen. 505
got der h[a]t in uns benomen:
het e[z] iemen anders get[a]n,
der m[u:]ese unsern fluoch h[a]n.'
Alsus gesweig[e.]ten s[i] s[i] d[o].
die naht beleip s[i] unfr[o] 510
und morne allen den tac.
swes iemen anders pflac,
diz enkam von ir herzen nie
unz man des andern nahtes gie
sl[a]fen n[a]ch gewonheit. 515
d[o] s[i] sich hete geleit
an ir alte bettestat,
s[i] bereite aber ein bat
mit weinenden ougen:
wan s[i] truoc tougen 520
n[a]he in ir gem[u:]ete
die aller meisten g[u:]ete
die ich von kinde ie vernam.
welch kint getete ouch ie alsam?
des einen s[i] sich gar verwac, 525
gelebet[e.] s[i] morne den tac,
da[z] s[i] benamen ir leben
umbe ir herren wolte geben.
Von dem gedanke wart s[i] d[o]
vil ringes muotes unde fr[o], 530
und hete deheine sorge m[e],
wan ein vorht[e.] diu tete ir w[e],
s[o] s[i][z] ir herren sagte,
da[z] er dar an verzagte,
und swenne s[i][z] in allen drin 535
get[ae]te kunt, da[z] s[i] an in
der gehenge niht enfunde
da[z] mans ir iht gunde.
Des wart s[o] gr[o][z] ir ungehabe
da[z] ir muoter dar abe 540
unde ir vater wart erwaht
als ouch an der vordern naht.
s[i] rihten sich [u]f zuo ir
und spr[a]chen 'sich, wa[z] wirret dir?
d[u] bist vil alw[ae]re 545
da[z] du dich s[o] manege sw[ae]re
von solher klage h[a]st an genomen
der niemen mac zeim ende komen.
war umb[e.] l[a]stu uns niht sl[a]fen?'
sus begunden s[i] s[i] str[a]fen. 550
wa[z] ir diu klage t[o:]hte,
die niemen doch enm[o:]hte
verenden noch geb[u:]e[z]en?
sus w[a]nden s[i] die s[u:]e[z]en
gesweigen an der selben stunt: 555
d[o] was ir wille in vil unkunt.
Sus antwurte in diu maget.
'als uns m[i]n herre h[a]t gesaget,
s[o] mac man in vil wol ernern.
zew[a]re, ir welt mir[z] danne wern, 560
s[o] bin ich ze der arzen[i]e guot.
ich bin ein maget und h[a]n den muot,
[e] ich in sihe verderben,
ich wil [e] f[u:]r in sterben.'
Von dirre rede wurden d[o] 565
tr[u]ric unde unfr[o]
beide muoter unde vater.
s[i]ne tohter die bat er
da[z] s[i] die rede lie[z]e
und ir herren gehie[z]e 570
da[z] s[i] geleisten m[o:]hte,
wand ir diz niht ent[o:]hte.
Er sprach 'tohter, du bist ein kint
und d[i]ne triuwe die sint
ze gr[o][z] an disen dingen. 575
du enmaht es niht f[u:]r bringen
als d[u] uns hie h[a]st verjehen.
d[u] h[a]st des t[o]des niht gesehen.
swenn e[z] dir kumet [u]f die frist
da[z] des dehein r[a]t ist, 580
d[u] enm[u:]e[z]est sterben,
und m[o:]htest d[u][z] erwerben,
d[u] lebetest gerner dannoch:
wan dun k[ae]me nie in leider loch.
d[a] von tuo zuo d[i]nen munt: 585
und wirst[u] f[u:]r dise stunt
der rede iemer m[e]re l[u]t,
e[z] g[a]t dir [u]f d[i]ne h[u]t.'
Alsus s[o] w[a]nde er s[i] d[o]
b[e]diu mit bete und mit dr[o] 590
gesweigen: d[o] enmohter.
sus antwurt ime s[i]n tohter.
'Vater m[i]n, swie tump ich s[i],
mir wonet iedoch diu witze b[i]
da[z] ich von sage wol die n[o]t 595
erkenne da[z] des l[i]bes t[o]t
ist starc unde strenge.
swer ouch dann[e.] die lenge
mit arbeiten leben sol,
dem ist iedoch niht ze wol. 600
wan swenne er hie geringet
und [u]f s[i]n alter bringet
den l[i]p mit michelre n[o]t,
s[o] muo[z] er l[i]den doch den t[o]t.
ist ime diu s[e]le dann[e.] verlorn, 605
s[o] w[ae]re er be[zz]er ungeborn.
e[z] ist mir komen [u]f da[z] zil,
des ich got iemer loben wil,
da[z] ich den jungen l[i]p mac geben
umb[e.] da[z] [e]wige leben. 610
n[u] sult ir mir[z] niht leiden.
ich wil mir unde iu beiden
vil harte wol mite varn.
ich mag iuch eine wol bewarn
vor schaden und vor leide, 615
als ich iu n[u] bescheide.
ir h[a]nt [e]re unde guot:
da[z] meinet m[i]nes herren muot;
wan er iu leit nie gesprach
und ouch da[z] guot nie abe gebrach. 620
die w[i]le da[z] er leben sol
s[o] st[e]t iuwer sache wol:
und l[a][z]e wir den sterben,
s[o] m[u:]e[z]en wir verderben.
den wil ich uns fristen 625
mit als[o] sch[oe]nen listen
d[a] mite wir alle s[i]n genesen.
n[u] gunnet mirs, wan e[z] muo[z] wesen.'
Diu muoter weinende sprach,
d[o] s[i] der tohter ernst ersach, 630
'gedenke, tohter, liebe[z] kint,
wie gr[o][z] die arbeite sint
die ich durch dich erliten h[a]n,
und l[a] mich be[zz]ern l[o]n enpf[a]n
dan ich dich h[oe]re sprechen. 635
d[u] wilt m[i]n herze brechen.
senfte mir der rede ein teil.
j[a] wilt[u] alle[z] d[i]n heil
an uns verw[u:]rken wider got.
wan gedenkest d[u] an s[i]n gebot? 640
j[a] geb[o]t er unde bat er
da[z] man muoter unde vater
minne und [e]re biete,
und gehei[z]et da[z] ze miete
da[z] der s[e]le r[a]t werde 645
und lancl[i]p [u]f der erde.
d[u] gihst, d[u] wellest d[i]n leben
umb unser beider fr[o:]ude geben:
d[u] wilt uns beiden
da[z] leben vaste leiden. 650
da[z] d[i]n vater unde ich
gerne leben, da[z] ist durch dich.
wa[z] solte uns l[i]p unde guot, a
wa[z] solte uns werltlich muot, b
swenne wir d[i]n enb[ae]ren? c
dune . . . . . . d
j[a] solt[u], liebiu tohter m[i]n,
unser beider fr[o:]ude s[i]n,
gar unsers l[i]bes w[u:]nne, 655
ein bluome in d[i]me k[u:]nne,
unsers alters ein stap.
und l[a]st[u] uns [u:]ber d[i]n grap
gest[e]n von d[i]nen schulden,
d[u] muost von gotes hulden 660
iemer s[i]n gescheiden:
da[z] koufest an uns beiden.'
'wiltu uns tohter wesen guot, a
s[o] solt[u] rede und den muot b
durch unsers herren hulde l[a]n, c
die ich von dir vernomen h[a]n.' d
Si sprach 'muoter, ich getr[u]we dir
und m[i]nem vater her ze mir
aller der gen[a]den wol 665
der vater unde muoter sol
leisten ir kinde,
als ich e[z] wol bevinde
an iu allertegelich.
von iuwern gn[a]den h[a]n ich 670
die s[e]le und einen sch[oe]nen l[i]p.
mich lobet man unde w[i]p,
und alle die mich sehende sint,
ich s[i] da[z] sch[oe]neste kint
da[z] s[i] zir lebene haben gesehen. 675
wem soll ich der gen[a]den jehen
niuwan iu zwein n[a]ch gote?
des sol ich ze iuwerm gebote
iemer vil gerne st[a]n:
wie michel reht ich des h[a]n! 680
muoter, s[ae]lige[z] w[i]p,
s[i]t ich n[u] s[e]le unde l[i]p
von iuwern gen[a]den h[a]n,
s[o] l[a]nt[z] an iuwern hulden st[a]n
da[z] ich ouch die beide 685
von dem tiuvel scheide
und mich gote m[u:]e[z]e geben.
j[a] ist dirre werlte leben
niuwan der s[e]le verlust.
ouch h[a]t mich werltl[i]ch gelust 690
unz her noch niht ber[u:]eret,
der hin zer helle f[u:]eret.
n[u] wil ich gote gen[a]de sagen
da[z] er in m[i]nen jungen tagen
mir die sinne h[a]t gegeben 695
da[z] ich [u]f diz br[oe]de leben
ahte harte kleine.
ich wil mich alsus reine
antw[u:]rt[e.]n in gotes gewalt.
ich f[u:]rhte, solt ich werden alt, 700
da[z] mich der werlte s[u:]e[z]e
zuhte under f[u:]e[z]e,
als s[i] vil manegen h[a]t gezogen
den ouch ir s[u:]e[z]e h[a]t betrogen:
s[o] w[u:]rde ich l[i]hte gote entsaget. 705
gote m[u:]e[z]e e[z] s[i]n geklaget
da[z] ich unz morne leben sol:
mir behaget diu werlt niht s[o] wol.
ir meiste liep ist herzeleit
(da[z] s[i] iu f[u:]r w[a]r geseit), 710
ir s[u:]e[z]er l[o]n ein bitter n[o]t,
ir lancleben ein g[ae]her t[o]t.
wir h[a]n niht gewisses m[e]
wan hiute wol und morne w[e]
und ie ze jungest der t[o]t. 715
da[z] ist ein j[ae]merl[i]chiu n[o]t.
e[z] enschirmet geburt noch guot,
sch[oe]ne, sterke, h[o]her muot,
e[z] enfrumt tugent noch [e]re
f[u:]r den t[o]t niht m[e]re 720
dann ungeburt und untugent.
unser leben und unser jugent
ist ein nebel unde ein stoup,
unser st[ae]te bibent als ein loup.
er ist ein vil verschaffen gouch 725
der gerne in sich va[zz]t den rouch,
e[z] s[i] w[i]p oder man,
der diz niht wol bedenken kan
und ouch der werlt n[a]ch volgende ist.
wan uns ist [u:]ber den f[u]len mist 730
der pfeller hie gespreitet:
swen n[u] der blic verleitet,
der ist zuo der hell[e.] geborn
unde enh[a]t niht m[e] verlorn
wan beidiu s[e]le unde l[i]p. 735
nu gedenkent, s[ae]lige[z] w[i]p,
m[u:]eterl[i]cher triuwe
und senftent iuwer riuwe
die ir d[a] habent umbe mich:
so bedenket ouch der vater sich. 740
ich wei[z] wol da[z] er mir heiles gan.
er ist ein als[o] biderber man
da[z] er erkennet wol da[z] ir
unlange doch mit mir
iuwer fr[o:]ude m[u:]gent h[a]n, 745
ob ich joch lebende best[a]n.
bel[i]be ich [a]ne man b[i] iu
zwei j[a]r oder driu,
s[o] ist m[i]n herre l[i]hte t[o]t,
und kument in s[o] gr[o][z]e n[o]t 750
vil l[i]hte von armuot
da[z] ir mir alsolhe[z] guot
zeinem man niht mugent geben,
ich enm[u:]e[z]e alse swache leben
da[z] ich iu lieber w[ae]re t[o]t. 755
nu versw[i]g[e.] wir aber der n[o]t,
da[z] uns niht enwerre
und uns m[i]n lieber herre
were und als[o] lange lebe
unz da[z] man mich zeim manne gebe 760
der r[i]che s[i] unde wert:
s[o] ist geschehen des ir d[a] gert
und w[ae]nent mir s[i] wol geschehen.
anders h[a]t mir m[i]n muot verjehen.
wirt er mir liep, da[z] ist ein n[o]t: 765
wirt er mir leit, da[z] ist der t[o]t.
wan s[o] h[a]n ich iemer leit
und bin mit ganzer arbeit
gescheiden von gemache
mit maneger hande sache 770
diu den w[i]ben wirret
und s[i] ze fr[o:]uden irret.
n[u] setzt mich in den vollen r[a]t
der d[a] niemer zerg[a]t.
m[i]n gert ein fr[i]er b[u]man 775
dem ich wol m[i]nes l[i]bes gan.
zw[a]re, dem sult ir mich geben,
s[o] ist geschaffet wol m[i]n leben.
im g[e]t s[i]n pfluoc harte wol,
s[i]n hof ist alles r[a]tes vol, 780
da enstirbet ros noch da[z] rint,
da enm[u:]ent diu weinenden kint,
da enist ze hei[z] noch ze kalt,
d[a] wirt von j[a]ren niemen alt,
der alte wirt junger, 785
da enist frost noch hunger,
da enist deheiner slahte leit,
da ist ganziu fr[o:]ude [a]n arbeit.
ze dem wil ich mich ziehen
und solhen b[u] fliehen 790
den da[z] fiur und der hagel sleht
und der w[a]c abe tweht,
mit dem man ringet unde ie ranc.
swa[z] man da[z] j[a]r alse lanc
dar [u]f gearbeiten mac, 795
da[z] verliuset schiere ein halber tac.
den b[u] den wil ich l[a][z]en:
er s[i] von mir verw[a][z]en.
ir minnent mich: deist billich.
n[u] sihe ich gerne da[z] mich 800
iuwer minne iht unminne.
ob ir iuch rehter sinne
an mir verst[a]n kunnent
und ob ir mir gunnent
beide guotes unde [e]ren, 805
s[o] l[a][z]et mich k[e]ren
ze unserm herren J[e]s[u] Krist,
des gn[a]de als[o] st[ae]te ist
da[z] s[i] niemer zerg[a]t,
unde ouch zuo mir armen h[a]t 810
als[o] gr[o][z]e minne
als zeiner k[u:]niginne.
ich sol von m[i]nen schulden
[u][z] iuwern hulden
niemer komen, wil e[z] got. 815
e[z] ist gewisse s[i]n gebot
da[z] ich iu s[i] undert[a]n,
wan ich den l[i]p von iu h[a]n:
da[z] leist ich [a]ne riuwe.
ouch sol ich m[a]ne triuwe 820
an mir selber niht brechen.
ich h[o]rte ie da[z] sprechen,
swer den andern fr[o:]uwet s[o]
da[z] er selbe wirt unfr[o],
und swer den andern kr[oe]net 825
und sich selben h[oe]net,
der triuwen s[i] ze vil.
wie gerne ich iu des volgen wil
da[z] ich iu triuwe leiste,
mir selber doch die meiste. 830
welt ir mir wenden m[i]n heil,
s[o] l[a][z] ich iuch ein teil
[e] n[a]ch mir geweinen,
ich enwelle mir erscheinen
wes ich mir selber schuldic bin. 835
ich wil iemer d[a] hin
da ich volle fr[o:]ude vinde.
ir h[a]nt doch m[e] kinde:
diu l[a]nt iuwer fr[o:]ude s[i]n
und getr[oe]stent ir iuch m[i]n. 840
wan mir mac da[z] nieman erwern,
zw[a]re, ich enwelle ernern
m[i]nen herren unde mich.
muoter, j[a] h[o]rte ich dich
klagen unde sprechen [e], 845
e[z] t[ae]te d[i]me herzen w[e],
soltest d[u] ob m[i]me grabe st[a]n.
des wirst du harte wol erl[a]n:
d[u] st[a]st ob m[i]me grabe niht.
wan d[a] der t[o]t geschiht, 850
da[z] enl[a]t dich niemen sehen:
e[z] sol ze S[a]lerne geschehen.
d[a] sol uns viere der t[o]t a
l[oe]s[e.]en von aller slahte n[o]t. b
des t[o]des des genese wir,
und ich doch verre ba[z] dan ir.'
D[o] s[i] da[z] kint d[o] s[a]hen 855
ze dem t[o]de s[o] g[a]hen,
und e[z] s[o] w[i]sl[i]chen sprach
unde menschlich reht zerbrach,
si begunden ahten under in
da[z] die w[i]sheit und den sin 860
niemer erzeigen kunde
dehein zunge in kindes munde.
s[i] j[a]hen da[z] der heiliggeist
der rede w[ae]re ir volleist,
der ouch sante Niklauses pflac 865
d[o] er in der wagen lac
und in die w[i]sheit l[e]rte
da[z] er ze gote k[e]rte
s[i]ne kintl[i]che g[u:]ete:
und bed[a]ht[e.]n sich in ir gem[u:]ete 870
da[z] s[i] niht enwolden
s[i] wenden noch ensolden
des s[i] sich hete an genomen:
der will[e.] s[i] ir von gote komen.
von j[a]m[e.]r erkalte in der l[i]p, 875
d[o] der meiger und s[i]n w[i]p
an dem bette s[a][z]en
und vil gar verg[a][z]en
durch des kindes minne
der zungen und der sinne 880
s[a] ze der selben stunde.
ir enweder[z] enkunde
einic wort gesprechen.
da[z] gegiht[e.] begunde brechen
die muoter von leide. 885
sus ges[a][z]en s[i] beide
riuwic unde unfr[o]
unz s[i] sich bed[a]hten d[o]
wa[z] in ir tr[u]ren t[o:]hte:
s[o] man ir doch niht enm[o:]hte 890
benemen ir willen unde ir muot,
s[o] enw[ae]re in niht als[o] guot
s[o] da[z] s[i] irs wol gunden,
wan s[i] doch niht enkunden
ir niemer werden [a]ne ba[z]; 895
enpfiengen s[i] der rede ha[z],
e[z] m[o:]hte in umbe ir herren
vil harte wol gewerren,
und verviengen anders niht d[a] mite.
mit vil willecl[i]chem site 900
spr[a]chen s[i] beide d[o]
da[z] s[i] der rede w[ae]ren fr[o].
Des fr[o:]ute sich diu reine maget.
d[o] e[z] vil k[u]me was getaget
d[o] gie s[i] d[a] ir herre slief. 905
s[i]n tr[u]tgemahele ime rief,
s[i] sprach 'herre, sl[a]fent ir?'
'nein ich, gemahele, sage mir,
wie bist[u] hiute als[o] fruo?'
'herr[e.], d[a] twinget mich derzuo 910
der j[a]mer iuwerr siecheit.'
er sprach 'gemahel[e.], da[z] ist dir leit:
da[z] erzeigest du an mir wol,
als e[z] dir got vergelten sol.
nune mag es dehein r[a]t s[i]n.' 915
'entriuwen, lieber herre m[i]n,
iuwer wirt vil guot r[a]t.
s[i]t e[z] alsus umbe iuch st[a]t
da[z] man iu gehelfen mac,
ichn ges[u]me iuch niemer tac. 920
herre, ir h[a]nt uns doch gesaget,
ob ir hetent eine maget
diu gern[e.] den t[o]t durch iuch lite,
d[a] soltent ir genesen mite.
diu wil ich wei[z]got selbe s[i]n: 925
iuwer leben ist n[u:]tzer dan da[z] m[i]n.'
D[o] gn[a]d[e.]te ir der herre
des willen harte verre.
und ervoll[e.]ten im diu ougen
von j[a]mer als[o] tougen. 930
er sprach 'gemahel[e.], ja ist der t[o]t
iedoch niht ein senftiu n[o]t,
als d[u] dir l[i]hte h[a]st ged[a]ht.
du h[a]st mich des wol innen br[a]ht,
m[o:]htest[u], d[u] h[u:]lfest mir. 935
des gen[u:]eg[e.]t mich wol von dir.
ich erkenne d[i]nen s[u:]e[z]en muot:
d[i]n wille ist reine unde guot.
ichn sol ouch niht m[e] von dir gern.
d[u] maht mich des niht wol gewern 940
da[z] d[u] d[a] gesprochen h[a]st.
die triuwe die du an mir beg[a]st,
die sol dir vergelten got.
ditz w[ae]r[e.] der lantliute spot,
swa[z] ich mich f[u:]r dise stunde 945
arzen[i]en underwunde,
und mich doch niht vervienge
wan als e[z] doch ergienge.
gemahele, d[u] tuost als diu kint
diu d[a] g[ae]hes muotes sint: 950
swa[z] den kumet in den muot,
e[z] s[i] [u:]bel oder guot,
dar zuo ist in allen g[a]ch,
und geriuw[e.]t s[i] s[e]re dar n[a]ch.
gemahele, als[o] tuost ouch d[u]. 955
der rede ist dir ze muote n[u]:
der die von dir nemen wolte,
s[o] man[z] danne enden solte,
so geriuwe[z] dich vil l[i]hte doch.'
und da[z] s[i] sich ein teil noch 960
ba[z] bed[ae]hte des bat er.
er sprach 'd[i]n muoter und d[i]n vater
die enmugen d[i]n niht wol enbern.
ich sol ouch niht ir leides gern
die mir ie gn[a]de t[a]ten. 965
swa[z] s[i] dir beide r[a]ten,
lieb[e.] gemahele, da[z] tuo.'
hie mite lachete er dar zuo,
wan er l[u:]tzel sich versach
da[z] doch sider d[o] geschach. 970
Sus sprach er zuo der guoter.
der vater und diu muoter
spr[a]chen 'lieber herre,
ir h[a]nt uns vil verre
geliebet und ge[e]ret: 975
da[z] enw[ae]r[e.] niht wol bek[e]ret,
wir eng[u:]lten[z] iu mit guote.
unser tohter ist ze muote
da[z] s[i] den t[o]t durch iuch dol:
des gunne wir ir harte wol. 980
e[z] ist hiut[e.] der dritte tac
da[z] s[i] uns alle[z] ane lac
da[z] wir ir s[i]n gunden:
n[u] h[a]t s[i][z] an uns funden.
n[u] l[a][z]e iuch got mit ir genesen: 985
wir wellen ir durch iuch entwesen.'
Do im s[i]n gemahele d[o] b[o]t
f[u:]r s[i]nen siechtuom ir t[o]t
und man ir ernest ersach,
d[o] wart d[o] michel ungemach 990
und j[ae]merl[i]ch geb[ae]rde.
manc misl[i]chiu besw[ae]rde
huop sich d[o] under in,
zwisch[e.]n dem herren unde in drin.
ir vater unde ir muoter die 995
erhuoben michel weinen hie:
des weinens tet in michel n[o]t
umb ir vil lieben kindes t[o]t.
n[u] begunde ouch der herre
gedenken als[o] verre 1000
an des kindes triuwe,
und begreif in ein riuwe,
da[z] er s[e]re weinen began,
und zw[i]velte vaste dran
weder e[z] be[zz]er get[a]n 1005
m[o:]hte s[i]n oder verl[a]n.
von vorhten weinte ouch diu maget:
s[i] w[a]nde er w[ae]re dran verzaget.
sus w[a]rens alle unfr[o].
s[i] gerten keines dankes d[o]. 1010
Ze jungest d[o] bed[a]hte sich
ir herr[e.], der arme Heinrich,
und begunde sagen in
gr[o][z]e gn[a]de allen drin
der triuwen und des guotes 1015
(diu maget wart r[i]ches muotes
da[z] ers gevolg[e.]te gerne),
und bereit[e.] sich ze S[a]lerne
s[o] er schiereste mohte.
swa[z] ouch der megede tohte, 1020
da[z] wart vil schiere bereit:
sch[oe]niu pfert und r[i]chiu kleit,
diu s[i] getruoc nie vor der z[i]t:
hermin unde sam[i]t,
den besten zobel den man vant, 1025
da[z] was der megede gewarit.
N[u] wer m[o:]hte volgesagen
die herzeriuwe und da[z] klagen,
der muoter grimmige[z] leit
und ouch des vater arbeit? 1030
e[z] w[ae]r[e.] wol und[e.]r in beiden
ein j[ae]merli[i]che[z] scheiden,
d[o] s[i] ir liebe[z] kint von in
gefrumten s[o] gesunde[z] hin
niemer m[e] ze sehenne in den t[o]t, 1035
wan da[z] in senftet ir n[o]t
diu reine gotes g[u:]ete,
von der doch da[z] gem[u:]ete
ouch dem jungen kinde quam
da[z] e[z] den t[o]t gerne nam. 1040
e[z] was [a]ne ir r[a]t k[o]men:
d[a] von wart von ir herz[e.]n genomen
alliu klage und sw[ae]re,
wan e[z] anders wunder w[ae]re
da[z] in ir herze niht zerbrach. 1045
ze liebe wart ir ungemach,
da[z] s[i] dar n[a]ch deheine n[o]t
liten umbe ir kindes t[o]t.
IV
WALTHER VON DER VOGELWEIDE.
The exact dates of his birth and death are unknown. His chief poems
were written between the years 1187 and 1230.
The best edition of his works is: Walther von der Vogelweide,
herausgegeben und erkl[a:]rt von W. Wilmanns, Halle, 1883 (2nd edit.).
1.
Ir sult sprechen: 'willekomen!'
der iu m[ae]re bringet, da[z] bin ich.
Alle[z] da[z] ir habt vernomen,
da[z] ist gar ein wint: n[u] fr[a]get mich.
Ich wil aber miete: 5
wirt m[i]n l[o]n iht guot,
s[o] sage ich iu vil l[i]hte, da[z] in sanfte tuot.
seht, wa[z] man mir [e]ren biete.
Ich wil tiuschen frouwen sagen
solhiu m[ae]re, da[z] si deste ba[z] 10
Al der werlte suln behagen:
[a]ne gr[o][z]e miete tuon ich da[z].
Wa[z] wold' ich ze l[o]ne?
si sint mir ze h[e]r;
s[o] bin ich gef[u:]ege und bite si nihtes m[e]r 15
wan da[z] si mich gr[u:]e[z]en sch[o]ne.
Ich h[a]n lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
[U:]bel m[u:]e[z]e mir geschehen,
k[u:]nde ich ie m[i]n herze bringen dar, 20
Da[z] im wol gevallen
wolde fremeder site.
n[u] wa[z] h[u:]lfe mich, ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht g[a]t vor in allen.
Von der Elbe unz an den R[i]n 25
und her wider unz an Ungerlant
M[u:]gen wol die besten s[i]n,
die ich in der werlte h[a]n erkant.
Kan ich rehte schouwen
guot gel[a][z] und l[i]p, 30
sam mir got, s[o] sw[u:]ere ich wol, da[z] hie diu w[i]p
be[zz]er sint danne ander frouwen.
Tiusche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu w[i]p get[a]n.
Swer si schiltet, derst betrogen: 35
ich enkan s[i]n anders niht verst[a]n.
Tugent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: da ist w[u:]nne vil:
lange m[u:]e[z]e ich leben dar inne! 40
2.
Ow[e] war sint verswunden / alliu m[i]niu j[a]r!
ist mir m[i]n leben getroumet / oder ist e[z] w[a]r?
da[z] ich ie w[a]nde, da[z] / iht w[ae]re, was da[z] iht?
dar n[a]ch h[a]n ich gesl[a]fen / und enwei[z] es niht. 45
N[u] bin ich erwachet, / und ist mir unbekant,
da[z] mir hie vor was k[u:]ndic / als m[i]n ander hant.
liut unde lant, d[a] ich / von kinde bin erzogen,
die sint mir fremde worden, / reht' als e[z] s[i] gelogen:
Die m[i]ne gespilen w[a]ren, / die sint tr[ae]ge und alt; 50
bereitet ist da[z] velt, / verhouwen ist der walt:
wan da[z] da[z] wa[zz]er fliu[z]et, / als e[z] w[i]lent fl[o][z],
f[u:]r w[a]r ich w[a]nd[e.] / m[i]n ungel[u:]cke w[u:]rde gr[o][z].
mich gr[u:]e[z]et maneger tr[a]ge, / der mich bekande [e] wol.
diu werlt ist allenthalben / ungen[a]den vol. 55
als ich gedenke an manegen / w[u:]nnecl[i]chen tac,
die sint mir enpfallen gar / als in da[z] mer ein slac,
iemer m[e]re ow[e]!
Ow[e] wie j[ae]merl[i]che / junge liute tuont!
den vil unriuwecl[i]che / ir gem[u:]ete stuont, 60
die kunnen niuwan sorgen: / ow[e] wie tuont si s[o]?
swar ich zer werlte k[e]re, / d[a] ist nieman fr[o]:
Tanzen unde singen / zerg[a]t mit sorgen gar.
nie kristenman gesach / s[o] j[ae]merl[i]chiu j[a]r.
n[u] merket, wie den frouwen / ir gebende st[a]t; 65
die stolzen ritter tragent / d[o:]rperl[i]che w[a]t.
Uns sint unsenfte brieve / her von R[o]me komen,
uns ist erloubet tr[u]ren / und fr[o:]ude gar benomen.
da[z] m[u:]et mich innecl[i]chen / (wir lebten [e] vil wol),
da[z] ich n[u] f[u:]r m[i]n lachen / weinen kiesen sol. 70
diu wilden vogell[i]n / betr[u:]ebet unser klage:
wa[z] wunders ist, ob ich / d[a] von vil gar verzage?
wa[z] spriche ich tumber man / durch m[i]nen b[oe]sen zorn?
swer dirre w[u:]nne volget, der / h[a]t jene dort verlorn
iemer m[e]re, ow[e]! 75
Ow[e] wie uns mit s[u:]e[z]en / dingen ist vergeben!
ich sihe die gallen mitten / in dem honege sweben.
diu werlt ist [u][z]en sch[oe]ne, / w[i][z], gr[u:]en' unde r[o]t
und innen swarzer varwe, / vinster sam der t[o]t.
Swen si n[u] habe verleitet, / der schouwe s[i]nen tr[o]st: 80
er wirt mit swacher buo[z]e / gr[o][z]er s[u:]nde erl[o]st.
dar an gedenket, ritter! / e[z] ist iuwer dinc;
ir traget die liehten helme / und manegen herten rinc,
Dar zuo die vesten schilte / und diu gew[i]hten swert.
wolte got, w[ae]r ich / der sigen[u:]nfte wert, 85
s[o] wolte ich n[o]tic man / verdienen r[i]chen solt.
joch meine ich niht die huoben / noch der h[e]rren golt:
ich wolte selbe kr[o]ne / [e]wecl[i]chen tragen;
die m[o:]hte ein solden[ae]re / mit s[i]me sper bejagen.
m[o:]ht ich die lieben reise / gevaren [u:]ber s[e], 90
s[o] wolte ich denne singen 'wol' / und niemer m[e]re 'ow[e],'
niemer m[e]re 'ow[e]!'
3.
D[o] der sumer komen was
und die bluomen durch da[z] gras
w[u:]nnecl[i]che ensprungen,
ald[a] die vogele sungen, 95
d[a]r kom ich gegangen
an einen anger langen,
d[a] ein l[u]ter brunne entspranc;
vor dem walde was s[i]n ganc,
d[a] diu nahtegale sanc. 100
B[i] dem brunnen stuont ein boum,
d[a] gesach ich einen troum.
ich was zuo dem brunnen
gegangen von der sunnen,
da[z] diu linde m[ae]re 105
den k[u:]elen schaten b[ae]re.
b[i] dem brunnen ich gesa[z]:
m[i]ner sw[ae]re ich gar verga[z],
schiere entslief ich umbe da[z].
D[o] bed[u]hte mich zehant, 110
wie mir dienten elliu lant,
wie m[i]n s[e]le w[ae]re
ze himel [a]ne sw[ae]re
und der l[i]p hie solte
geb[a]ren swie er wolte. 115
d[a] enwas mir niht ze w[e].
got der waldes, swie'[z] erg[e]:
sch[oe]ner troum enwart nie m[e].
Gerne sliefe ich iemer d[a],
wan ein uns[ae]ligiu kr[a], 120
diu begonde schr[i]en.
da[z] alle kr[a] ged[i]en
alse ich in des g[u:]nne!
si nam mir michel wunne.
von ir schr[i]enne ich erschrac: 125
wan da[z] d[a] niht steines lac,
s[o] w[ae]r' e[z] ir suontac.
Wan ein wunderalte[z] w[i]p
diu getr[o]ste mir den l[i]p.
die begonde ich eiden. 130
n[u] h[a]t si mir bescheiden
wa[z] der troum bediute.
da[z] merken w[i]se liute;
zw[e]ne und einer da[z] sint dr[i];
dannoch seit[e.] si mir d[a] b[i], 135
da[z] m[i]n d[u]me ein vinger s[i].
4.
Ich sa[z] [u]f eime steine
und dahte bein mit beine;
dar [u]f satzt ich den ellenbogen;
ich hete in m[i]ne hant gesmogen 140
da[z] kinne und ein m[i]n wange:
d[o] d[a]hte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben.
deheinen r[a]t kond ich gegeben,
wie man driu dinc erw[u:]rbe, 145
der keine[z] niht verd[u:]rbe.
diu zwei sint [e]re und varnde guot,
da[z] dicke einander schaden tuot;
da[z] dritte ist gotes hulde,
der zweier [u:]bergulde. 150
die wolte ich gerne in einen schr[i]n;
j[a] leider des enmac niht s[i]n,
da[z] guot und werltl[i]ch [e]re
und gotes hulde m[e]re
zesamene in ein herze komen. 155
st[i]g' unde wege sint in benomen:
untriuwe is in der s[a][z]e,
gewalt vert [u]f der str[a][z]e,
fride unde reht sint s[e]re wunt.
diu driu enhabent geleites niht, 160
diu zwei enwerden [e] gesunt.
5.
Ich h[o]rte ein wa[zz]er die[z]en
und sach die vische flie[z]en;
ich sach swa[z] in der werlte was,
velt unde walt, loup r[o]r und gras; 165
swa[z] kriuchet unde fliuget
und bein zer erden biuget,
da[z] sach ich unde sage iu da[z]:
der keine[z] lebet [a]ne ha[z].
da[z] wilt und da[z] gew[u:]rme 170
die str[i]tent starke st[u:]rme,
sam tuont die vogel under in;
wan da[z] sie habent einen sin:
sie diuhten sich ze nihte,
sie ensch[u:]efen starc gerihte: 175
sie kiesent k[u:]nege unde reht,
sie setzent h[e]rren unde kneht.
s[o] w[e] dir, tiuschiu zunge,
wie st[e]t d[i]n ordenunge,
da[z] n[u] diu mucke ir k[u:]nic h[a]t 180
und da[z] d[i]n [e]re als[o] zerg[a]t!
bek[e]r[a] dich, bek[e]re!
die zirken sint ze h[e]re,
die armen k[u:]nege dringent dich:
Philippe setze en weisen [u]f
und hei[z] sie treten hinder sich!
6.
Ich sach mit m[i]nen ougen
man unde w[i]be tougen,
d[a] ich geh[o]rte und gesach
swa[z] iemen tet, swa[z] iemen sprach.
ze R[o]me h[o]rte ich liegen 190
und zw[e]ne k[u:]nege triegen.
d[a] von huop sich der meiste str[i]t,
der [e] was oder iemer s[i]t,
da[z] sich begonden zweien
die pfaffen unde leien. 195
da[z] was ein n[o]t vor aller n[o]t:
l[i]p unde s[e]le lac d[a] t[o]t,
die pfaffen striten s[e]re:
doch wart der leien m[e]re.
diu swert sie legeten dernider 200
und griffen zuo der st[o]le wider:
sie bienen die sie wolten
und niuwet den sie solten.
d[o] st[o]rte man diu gotesh[u]s.
ich h[o]rte verre in einer kl[u]s 205
vil michel ungeb[ae]re:
d[a] weinde ein kl[o]sen[ae]re,
er klagete gote s[i]niu leit:
'[o]w[e], der b[a]best ist ze junc:
hilf, h[e]rre, d[i]ner Kristenheit!'
7.
Diu kr[o]ne ist elter dan der k[u:]nec Philippes s[i]: 210
d[a] muget ir alle schouwen wol ein wunder b[i],
wie s' ime der smit s[o] ebene habe gemachet.
s[i]n keiserliche[z] houbet zimt ir als[o] wol,
da[z] sie ze rehte nieman guoter scheiden sol.
ir dwedere[z] da[z] ander niht enswachet. 215
sie liuhtent beide ein ander an,
da[z] edele gesteine wider den jungen man:
die ougenweide sehent die f[u:]rsten gerne.
swer n[u] des r[i]ches irre g[e],
der schouwe, wem der weise ob s[i]me nacke st[e]: 220
der stein ist aller f[u:]rsten leitesterne.
8.
Mir ist verspart der s[ae]lden tor:
d[a] st[e]n ich als ein weise vor,
mich hilfet niht swa[z] ich dar an geklopfe.
wie m[o:]hte ein wunder gr[oe][z]er s[i]n? 225
e[z] regent beidenthalben m[i]n,
da[z] mir des alles niht enwirt ein tropfe.
des f[u:]rsten milte [u][z] [O]sterr[i]che
freut dem s[u:]e[z]en regen gel[i]che
beidiu liute und ouch da[z] lant. 230
er ist ein sch[oe]ne wol gezieret heide,
dar abe man bluomen brichet wunder:
und br[ae]che mir ein blat dar under
diu s[i]n vil milte r[i]chiu hant,
s[o] m[o:]hte ich loben die s[u:]e[z]en ougenweide. 235
hie b[i] s[i] er an mich gemant.
9.
Ich h[a]n m[i]n l[e]hen, al die werlt! ich h[a]n m[i]n l[e]hen!
n[u] enf[u:]rhte ich niht den hornunc an die z[e]hen
und wil alle b[oe]se h[e]rren deste minre vl[e]hen.
der edel k[u:]nec, der milte k[u:]nec h[a]t mich ber[a]ten, 240
da[z] ich den sumer luft und in dem winter hitze h[a]n.
m[i]n' n[a]hgeb[u]ren dunke ich verre ba[z] get[a]n:
sie sehent mich niht m[e]r an in butzen w[i]s, als[o] sie t[a]ten.
ich bin ze lange arm gewesen [a]n' m[i]nen danc.
ich was s[o] volle scheltens, da[z] m[i]n [a]tem stanc. 245
da[z] h[a]t der k[u:]nec gemachet reine und dar zuo m[i]nen sanc.
10.
[O]w[e] hovel[i]che[z] singen,
da[z] dich ungef[u:]ege d[oe]ne
solten ie ze hove verdringen!
da[z] sie schiere got geh[oe]ne! 250
[o]w[e], da[z] d[i]n wirde als[o] geliget,
des sint alle d[i]ne friunde unfr[o].
da[z] muo[z] eht s[o] s[i]n, n[u] s[i] als[o]:
fr[o] Unfuoge, ir habt gesiget.
Der uns freude wider br[ae]hte, 255
diu reht und gef[u:]ege w[ae]re,
hei wie wol man des ged[ae]hte,
sw[a] man von im seite m[ae]re!
e[z] w[ae]r' ein vil hovel[i]cher muot,
des ich iemer gerne w[u:]nschen sol. 260
frouwen unde h[e]rren z[ae]me e[z] wol:
[o]w[e] da[z] e[z] nieman tuot!
Die da[z] rehte singen st[oe]rent,
der ist ungel[i]che m[e]re
danne die e[z] gerne h[oe]rent. 265
des volg' ich der alten l[e]re:
ich enwil niht werben ze der m[u:]l;
d[a] der stein s[o] riuschend' umbe g[a]t
und da[z] rat s[o] maneg[e.] unw[i]se h[a]t,
merket wer d[a] harpfen s[u:]l! 270
Die s[o] frevell[i]chen schallent,
der muo[z] ich vor zorne lachen,
da[z] s' in selben wol gevallent
mit als ungef[u:]egen sachen.
die tuont sam die fr[o:]sche in eime s[e], 275
den ir schr[i]en als[o] wol behaget,
da[z] diu nahtegal d[a] von verzaget,
s[o] si gerne sunge m[e].
Der unfuoge sw[i]gen hie[z]e,
wa[z] man noch von freuden sunge, 280
und sie abe den b[u:]rgen stie[z]e,
da[z] si d[a] die fr[o]n iht twunge!
wurden ir die gr[o][z]en h[o:]ve benomen,
da[z] w[ae]r' alle[z] n[a]ch dem willen m[i]n:
bien geb[u]ren lie[z]e ich sie wol s[i]n, 285
dannen ist s' ouch here komen.
11.
Der r[i]fe tet den kleinen vogelen w[e],
da[z] sie niht ensungen.
n[u] h[o]rte ich s'aber w[u:]nnecl[i]che als [e]:
n[u] ist diu heide entsprungen. 290
d[a] sach ich bluomen str[i]ten wider den kl[e],
weder ir lenger w[ae]re.
m[i]ner frouwen seite ich disiu m[ae]re.
Uns h[a]t der winter kalt und ander n[o]t
vil get[a]n ze leide. 295
ich w[a]nde, da[z] ich iemer bluomen r[o]t
s[ae]he an gr[u:]ener heide.
joch sch[a]te e[z] guoten liuten, w[ae]re ich t[o]t,
die n[a]ch freuden rungen
und ie gerne tanzten unde sprungen. 300
Vers[u]mde ich disen w[u:]nnecl[i]chen tac,
s[o] w[ae]r' ich verw[a][z]en
und w[ae]re an freude ein angestl[i]cher slac:
dennoch m[u:]ese ich l[a][z]en
al m[i]ne freude, der ich w[i]lent pflac. 305
got gesegen' iuch alle:
w[u:]nschet noch, da[z] mir ein heil gevalle.
12.
W[i]p muo[z] [e]t iemer s[i]n der w[i]be h[o]hste name
und tiuret ba[z] dan frouwe, als ich'[z] erkenne.
sw[a] n[u] deheiniu s[i], diu sich ir w[i]pheit schame, 310
diu merke disen sanc und kiese denne.
under frouwen sint unw[i]p,
under w[i]ben sint sie tiure:
w[i]bes name und w[i]bes l[i]p
die sint beide vil gehiure. 315
swie'[z] umb' alle frouwen var,
w[i]p sint alle frouwen gar.
zw[i]vellop da[z] h[oe]net,
als under w[i]len frouwe: w[i]p d[e]st ein name der s'alle kr[oe]net.
13.
S[o] die bluomen [u][z] dem grase dringent, 320
same sie lachen gegen der spileden sunnen,
in einem meien an dem morgen fruo,
und diu kleinen vogell[i]n wol singent
in ir besten w[i]se die sie kunnen,
wa[z] w[u:]nne mac sich d[a] gen[o][z]en zuo? 325
e[z] ist wol halb ein himelr[i]che.
suln wir sprechen, wa[z] sich deme gel[i]che,
s[o] sage ich, wa[z] mir dicke ba[z]
in m[i]nen ougen h[a]t get[a]n,
und t[ae]te ouch noch, ges[ae]he ich da[z]. 330
Sw[a] ein edeliu sch[oe]ne frouwe reine
wol gekleidet unde wol gebunden
durch kurzew[i]le zuo vil liuten g[a]t,
hovel[i]chen h[o]chgemuot, niht eine,
umbe sehend[e.] ein w[e]nic under stunden: 335
alsam der sunne gegen den sternen st[a]t:
der meie bringe uns al s[i]n wunder,
wa[z] ist d[a] s[o] w[u:]nnecl[i]ches under
als ir vil minnecl[i]cher l[i]p?
wir l[a][z]en alle bluomen st[a]n, 340
und kapfen an da[z] werde w[i]p.
N[u] wol dan, welt ir die w[a]rheit schouwen,
g[e]n wir zuo des meien h[o]chgez[i]te!
der ist mit aller s[i]ner krefte komen.
seht an in und seht an werde frouwen, 345
wedere[z] da[z] ander [u:]berstr[i]te,
da[z] be[zz]er spil ob ich da[z] habe genomen.
[o]w[e] der mich d[a] welen hie[z]e,
deich da[z] eine durch da[z] ander lie[z]e,
wie rehte schiere ich danne k[u:]re! 350
h[e]r Meie, ir m[u:]eset merze s[i]n,
[e] ich m[i]ne frouwen d[a] verl[u:]re.
14.
Swie wol der heide ir manicvaltiu varwe st[a]t,
s[o] wil ich doch dem walde jehen,
da[z] er vil m[e]re w[u:]nnecl[i]cher dinge h[a]t. 355
noch ist dem velde ba[z] geschehen.
s[o] wol dir, sumer, sus get[a]ner em[z]ekeit!
sumer, da[z] ich iemer lobe d[i]ne tage,
m[i]n tr[o]st, s[o] tr[oe]ste ouch m[i]ne klage:
ich sage dir, wa[z] mir wirret: 360
diu mir ist liep, der bin ich leit.
Ich mac der guoten niht verge[zz]en noch ensol,
diu mir s[o] vil gedanke nimet.
die w[i]le ich singe, wil ich vinden iemer wol
ein niuwe lop, da[z] ir gezimet. 365
n[u] habe ir di[z] f[u:]r guot (s[o] lobe ich danne m[e]):
e[z] tuot in den ougen wol, da[z] man sie siht,
und da[z] man ir vil tugende giht,
da[z] tuot wol in den [o]ren.
s[o] wol ir des! s[o] w[e] mir, w[e]! 370
15.
In einen zw[i]vell[i]chen w[a]n
was ich gese[zz]en und ged[a]hte,
ich wolte von ir dienste g[a]n,
wan da[z] ein tr[o]st mich wider br[a]hte.
tr[o]st mag e[z] rehte niht gehei[z]en, ouw[e] des! 375
e[z] ist vil k[u]me ein kleine[z] tr[oe]stel[i]n,
s[o] kleine, swenne ich'[z] iu gesage, ir spottet m[i]n;
doch fr[o:]wet sich l[u:]tzel ieman, er enwi[zz]e wes.
Mich h[a]t ein halm gemachet fr[o]:
er giht, ich s[u:]le gen[a]de vinden. 380
ich ma[z] da[z] selbe kleine str[o],
als ich hie vore sach von kinden.
n[u] h[oe]ret unde merket, ob si'[z] denne tuo:
'si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.'
swie dicke ich'[z] tete, s[o] was ie da[z] ende guot. 385
da[z] tr[oe]stet mich: d[a] h[oe]ret ouch geloube zuo.
16.
Nieman kan beherten
kindes zuht mit gerten:
den man z'[e]ren bringen mac,
dem ist ein wort als ein slac. 390
dem ist ein wort als ein slac,
den man z'[e]ren bringen mac:
kindes zuht mit gerten
nieman kan beherten.
H[u:]etet iuwer zungen, 395
da[z] zimt wol den jungen;
st[o][z] den rigel f[u:]r die t[u:]r,
l[a] kein b[oe]se wort dar f[u:]r.
l[a] kein b[oe]se wort dar f[u:]r,
st[o][z] den rigel f[u:]r die t[u:]r: 400
da[z] zimt wol den jungen,
h[u:]etet iuwer zungen.
H[u:]etet iuwer ougen
offenb[a]re und tougen:
l[a]t sie guote site spehen 405
und die b[oe]sen [u:]bersehen;
und die b[oe]sen [u:]bersehen
l[a]t sie, guote site spehen:
offenb[a]re und tougen
h[u:]etet iuwer ougen. 410
H[u:]etet iuwer [o]ren,
oder ir s[i]t t[o]ren:
l[a]t ir b[oe]siu wort dar in,
da[z] gun[e]ret iu den sin.
da[z] gun[e]ret in den sin, 415
l[a]t ir b[oe]siu wort dar in,
oder ir s[i]t t[o]ren:
h[u:]etet iuwer [o]ren.
H[u:]etet wol der dr[i]er
leider alze fr[i]er: 420
zungen ougen [o]ren sint
dicke schalchaft, z'[e]ren blint.
dicke schalchaft, z'[e]ren blint
zungen ougen [o]ren sint:
leider alze fr[i]er 425
h[u:]etet wol der dr[i]er.
17.
Junc man, in swelher aht d[u] bist,
ich wil dich l[e]ren einen list:
d[u] l[a] dir niht ze w[e] s[i]n n[a]ch dem guote:
l[a] dir'[z] ouch niht z'unm[ae]re s[i]n. 430
und volges d[u] der l[e]re m[i]n,
s[o] wis gewis, e[z] frumt dir an dem muote.
die rede wil ich dir ba[z] bescheiden.
l[a]st d[u] dir'[z] ze s[e]re leiden,
zerg[a]t e[z] so ist d[i]n freude t[o]t: 435
wilt aber d[u] da[z] guot ze s[e]re minnen,
d[u] maht verliesen s[e]le und [e]re.
d[a] von s[o] volge m[i]ner l[e]re:
leg' [u]f die w[a]ge ein rehte[z] l[o]t
und wig ouch dar mit allen d[i]nen sinnen, 440
als e[z] diu m[a][z]e eht ie geb[o]t.
18.
Die v[a:]ter h[a]nt ir kint erzogen,
dar an sie beide sint betrogen:
sie brechent dicke Salom[o]nes l[e]re:
der sprichet, swer den besmen spar, 445
da[z] der den sun vers[u]me gar:
des sint die ungebatten gar [a]n' [e]re.
hie vor d[o] was diu werlt s[o] sch[oe]ne,
n[u] [i.]st sie worden als[o] h[oe]ne.
des enwas niht w[i]lent [e]: 450
die jungen h[a]nt die alten s[o] verdrungen.
n[u] spottet alse dar der alten!
e[z] wirt iu selben noch behalten.
beitet unz iuwer jugent zerg[e]:
swa[z] ir n[u] tuot, da[z] rechent iuwer jungen, 455
da[z] wei[z] ich wol und wei[z] noch m[e].
19.
Wer zieret n[u] der [e]ren sal?
der jungen ritter zuht ist smal,
s[o] pflegent die knehte gar unh[o:]vescher dinge
mit worten und mit werken ouch. 460
swer z[u:]hte h[a]t, der ist ir gouch.
nemt war, wie gar unfuoge f[u:]r sich dringe!
hie vor d[o] berte man die jungen,
die d[a] pfl[a]gen frecher zungen;
n[u] ist e[z] ir werdekeit: 465
sie schallent unde scheltent reine frouwen.
w[e] ir hiuten unde ir h[a]ren,
die niht kunnen fr[o] geb[a]ren
sunder w[i]be herzeleit!
d[a] mac man s[u:]nde b[i] der schande schouwen, 470
die maneger [u]f sich selben leit.
20.
Swer [a]ne vorhte, h[e]rre got,
wil sprechen d[i]niu zehen gebot
und brichet diu, da[z] ist niht rehtiu minne.
dich hei[z]et vater maneger vil: 475
swer m[i]n ze bruoder niht enwil,
der sprichet starkiu wort [u][z] krankem sinne.
wir wahsen [u][z] gel[i]chem dinge:
sp[i]se frumet uns, diu wirt ringe,
s[o] si durch den munt gevert. 480
wer kan den h[e]rren von dem knehte scheiden
swa [e.]r ir gebeine bl[o][z]e[z] f[u:]nde,
und h[ae]te er ir joch lebender k[u:]nde,
s[o] gew[u:]rme da[z] fleisch verzert?
im dienent kristen, juden unde heiden, 485
der elliu lebendiu wunder nert.
21.
[O]w[e] da[z] w[i]sheit unde tugent,
des mannes sch[oe]ne noch s[i]n jugent
niht erben sol, s[o] ie der l[i]p erstirbet!
da[z] mac wol klagen ein w[i]ser man, 490
der sich des schaden versinnen kan.
Reinm[a]r, wa[z] guoter kunst an dir verdirbet!
d[u] solt von schulden iemer des genie[z]en,
da[z] dich des tages wolte nie verdrie[z]en,
du'n spr[ae]ches ie den frouwen wol und guoten w[i]bes siten. 495
des suln sie iemer danken d[i]ner zungen.
und h[ae]test niht wan eine rede gesungen:
's[o] wol dir, w[i]p, wie reine ein nam!', d[u] h[ae]test an gestriten
ir lobe, da[z] elliu w[i]p dir iemer gn[a]den solten biten.
22.
D[e]sw[a]r, Reinm[a]r, d[u] riuwes mich 500
michels harter denne ich dich,
obe d[u] lebtes unde ich w[ae]re erstorben
ich wil'[z] b[i] m[i]nen triuwen sagen:
dich selben wil ich l[u:]tzel klagen,
ich klage d[i]n edelen kunst, da[z] s'ist verdorben. 505
d[u] kundest al der werlte freude m[e]ren,
s[o] du'[z] ze guoten dingen woltest k[e]ren.
mich riuwet d[i]n wol redender munt und d[i]n vil s[u:]e[z]er sanc,
da[z] der verdorben ist b[i] m[i]nen z[i]ten.
da[z] d[u] niht eine w[i]le mohtest b[i]ten! 510
s[o] leiste ich dir geselleschaft: m[i]n singen ist niht lanc.
d[i]n s[e]le m[u:]e[z]e wol gevarn und habe d[i]n zunge danc.
V
REINMAR.
Reinmar, often called Reinmar der Alte, was by birth an Alsatian.
He spent many years of his active life as Court poet at Vienna,
where he was extremely popular. Next to his rival Walther von der
Vogelweide he was the most prolific and important lyrical poet of
his period, cp. ll. 487-512, pp. 132-3. He died some time during the
first decade of the thirteenth century. See Burdach, Reinmar der
Alte und Walther von der Vogelweide, Leipzig, 1880, and Bartsch,
Deutsche Liederdichter des zw[o:]lften his vierzehnten Jahrhunderts,
Stuttgart, 1879.
1
'S[i] koment underw[i]len her
die ba[z] d[a] heime m[o:]hten s[i]n.
Ein ritter des ich lange ger,
bed[ae]hte er ba[z] den willen m[i]n,
s[o] w[ae]re er z'allen z[i]ten hie, 5
als ich in gerne s[ae]he.
ow[e] des, wa[z] suochent die
die n[i]dent da[z] ob iemen guot gesch[ae]he?'
Mir ist geschehen da[z] ich niht bin
langer vr[o] wan unz ich lebe. 10
s[i] wundert wer mir sch[oe]nen sin
und da[z] h[o]hgem[u:]ete gebe
da[z] ich zer werlte niht getar
ze rehte als[o] geb[a]ren,
nie genam ich vrowen war, 15
ich w[ae]re in holt die mir ze m[a][z]e w[a]ren.
2
Ein rede der liute tuot mir w[e]:
da enkan ich niht gedultecl[i]chen zuo geb[a]ren.
nu tuont si'[z] alle deste m[e]:
s[i] fr[a]gent mich ze vil von m[i]ner frouwen j[a]ren 20
und sprechent welher tage s[i] s[i],
dur da[z] ich ir s[o] lange bin gewesen mit triuwen b[i];
s[i] jehent da[z] es m[o:]hte mich verdrie[z]en.
nu l[a] da[z] aller beste w[i]p
ir z[u:]htel[o]ser vr[a]ge mich genie[z]en. 25
3
S[i] jehent, der sumer der s[i] hie,
diu wunne diu s[i] komen
und da[z] ich mich wol gehabe als [e].
nu r[a]tet unde sprechet wie:
der t[o]t h[a]t mir benomen 30
da[z] ich niemer [u:]berwinde m[e].
wa[z] bedarf ich wunnecl[i]cher z[i]t,
s[i]t aller vr[o:]uden h[e]rre Liutpolt in der erde l[i]t,
den ich nie tac getr[u]ren sach?
e[z] h[a]t diu werlt an ime verlorn 35
da[z] ir an manne nie
s[o] j[ae]merl[i]cher schade geschach.
'Mir armen w[i]be was ze wol,
d[o] ich ged[a]hte an in
wie m[i]n heil an s[i]nem l[i]be lac. 40
da[z] ich des n[u] niht haben sol,
des g[a]t mit sorgen hin
swa[z] ich iemer m[e] geleben mac.
m[i]ner wunnen spiegel derst verlorn
den ich mir hete ze sumerl[i]cher ougen weide erkorn, 45
des muo[z] ich leider [ae]nic s[i]n.
d[o] man mir seite er w[ae]re t[o]t,
zehant wiel mir da[z] bluot
von herzen [u]f die s[e]le m[i]n.
Die fr[o:]ide mir verboten h[a]t 50
m[i]ns lieben h[e]rren t[o]t
als[o] deich ir m[e]r enberen sol.
s[i]t des nu niht mac werden r[a]t,
in ringe mit der n[o]t,
da[z] m[i]n klagede[z] herze ist j[a]mers vol, 55
diu in iemer weinet, da[z] bin ich,
wan er vil s[ae]lic man, j[a] tr[o]ste er wol ze lebenne mich.
der ist nu hin: wa[z] t[o:]hte ich hie?
wis ime gen[ae]dic, h[e]rre got,
wan tugenthafter gast 60
kam in d[i]n ingesinde nie.'
4
Ich welte [u]f guoter liute sage
und ouch durch m[i]nes herzen r[a]t
ein w[i]p von der ich dicke trage
vil manige n[o]t diu n[a]he g[a]t. 65
die sw[ae]re ich z'allen z[i]ten klage,
wand e[z] mir kumberl[i]che st[a]t.
ich tet ir sch[i]n den dienst m[i]n:
wie m[o:]hte ein gr[oe][z]er wunder s[i]n,
da[z] s[i] mich des engelten l[a]t? 70
Ze rehter m[a][z]e sol ein man
beidiu da[z] herze und al den sin
ze st[ae]te wenden, ob er kan:
da[z] wirt im l[i]hte ein guot gewin.
swem d[a] von ie kein leit bekan, 75
der wei[z] wol wie'ch gebunden bin.
ich gloube im wol, als er mir sol.
von schulden ich den kumber dol:
ich br[a]hte selbe mich dar in.
5
'Er h[a]t ze lange mich gemiten 80
den ich mit triuwen nie gemeit.
von s[i]ner schulde ich h[a]n erliten
da[z] ich nie gr[oe][z]er n[o]t erleit.
s[o] lebt m[i]n l[i]p n[a]ch s[i]nem l[i]be.
ich bin ein w[i]p, da[z] im von w[i]be 85
nie liebes m[e] geschach, swie mir von im gesch[ae]he.
m[i]n ouge in gerner nie gesach dann ich in hiute s[ae]he.'
Mir ist vil liebe nu geschehen,
da[z] mir s[o] liebe nie geschach.
s[o] gerne h[a]n ich s[i] gesehen 90
da[z] ich s[i] gerner nie gesach.
ich scheide ir muot von schwachem muote:
s[i] ist s[o] guot, ich wil mit guote
ir l[o]nen, ob ich kan, als ich doch gerne kunde.
vil m[e]re fr[o:]iden ich ir gan dann ich mir selben gunde. 95
6
Wol mich lieber m[ae]re,
diu ich h[a]n vernomen,
da[z] der winter sw[ae]re
welle ze ende komen.
k[u]me ich des erbeiten mac, 100
want ich fr[o:]ide niht enpflac
s[i]t der kalte r[i]fe lac.
Mich enha[zz]et niemen,
ob ich bin gemeit.
Wei[z] got, tuot e[z] iemen, 105
deist uns[ae]lekeit,
wande ich schaden niht enkan.
swes ot s[i] mir wole gan,
wa[z] wil des ein ander man?
Solte ich m[i]ne liebe 110
bergen unde heln,
s[o] m[u:]est ich ze diebe
werden unde steln.
sinnecl[i]ch ich da[z] bewar.
m[i]n gewerbe ist anderswar, 115
ich g[e] dannen oder dar.
S[o] s[i] mit dem balle
tr[i]bet kindes spot,
da[z]'s iht s[e]re valle,
da[z] verbiete got. 120
megde, l[a]t iur dringen s[i]n:
st[o][z]et ir m[i]n frouwel[i]n,
so'st der schade halber m[i]n.
7
Ich sach vil wunnecl[i]che st[a]n
die heide mit den bluomen r[o]t, 125
der v[i]ol der ist wol get[a]n:
des h[a]t diu nahtegal ir n[o]t
wol [u:]berwunden diu s[i] twanc.
zergangen ist der winter lanc.
ich h[o]rte ir sanc. 130
D[o] ich da[z] gr[u:]ene loup ersach,
d[o] lie[z] ich vil der sw[ae]re m[i]n.
von einem w[i]be mir geschach
da[z] ich muo[z] iemer m[e]re s[i]n
vil wunnecl[i]chen wol gemuot. 135
e[z] sol mich alle[z] dunken guot
swa[z] s[i] mir tuot.
S[i] schiet von sorgen m[i]nen l[i]p,
da[z] ich dekeine sw[ae]re h[a]n.
wan [a]ne s[i] vier t[u]sent w[i]p 140
dien heten's alle niht get[a]n.
ir g[u:]ete wendet m[i]niu leit.
ich h[a]n s[i] mir ze friunt bereit,
swa[z] iemen seit.
Mir'n mac niht leides widerst[a]n: 145
des wil ich gar [a]n angest s[i]n.
ergienge e[z] als ich willen h[a]n,
s[o] l[ae]ge's an dem arme m[i]n.
da[z] mir der sch[oe]nen wurde ein teil,
da[z] diuhte mich ein michel heil, 150
und w[ae]re ouch geil.
Deich ir s[o] holde[z] herze trage,
da[z] ist in sumel[i]chen leit.
dar umbe ich niemer s[o] verzage:
s[i] vliesent alle ir arebeit. 155
wa[z] hilfet s[i] ir arger list?
si'n wi[zz]en wie'[z] ergangen ist
in kurzer frist.
8
M[i]n ougen wurden liebes als[o] vol,
d[o] ich die minnecl[i]chen [e]rst gesach, 160
da[z] e[z] mir hiute und iemer m[e] tuot wol.
ein minnecl[i]che[z] wunder d[o] geschach:
s[i] gie mir alse sanfte dur m[i]n ougen
da[z] s[i] sich in der enge niene stie[z].
in m[i]nem herzen s[i] sich nider lie[z]: 165
d[a] trage ich noch die werden inne tougen.
L[a] st[a]n, l[a] st[a]n! wa[z] tuost du, s[ae]lic w[i]p,
da[z] du mich heimesuochest an der stat,
dar s[o] gewaltecl[i]che w[i]bes l[i]p
mit starker heimesuoche nie getrat? 170
gen[a]de, frowe! ich mac dir niht gestr[i]ten.
m[i]n herze ist dir ba[z] veile danne mir:
e[z] solde s[i]n b[i] mir, nu'st e[z] b[i] dir:
des muo[z] ich [u]f gen[a]de l[o]nes b[i]ten.
9
Ze fr[o:]iden n[a]het alle tage 175
der werlte ein wunnecl[i]chiu z[i]t,
ze senfte maniges herzen klage
die nu der sw[ae]re winter g[i]t.
von sorge ich dicke s[o] verzage,
swenn als[o] j[ae]merl[i]che l[i]t 180
diu heide breit. da[z] ist mir leit.
diu nahtegal uns schiere seit
da[z] sich gescheiden h[a]t der str[i]t.
10
S[o] wol dir, w[i]p, wie reine ein nam!
wie sanfte er doch z'erkennen und ze nennen ist! 185
e[z] wart nie niht s[o] lobesam,
sw[a] du'[z] an rehte g[u:]ete k[e]rest, s[o] d[u] bist.
d[i]n lop mit rede nieman wol volenden kan.
swes d[u] mit triuwen pfligest wol, der ist ein s[ae]lic man
und mac vil gerne leben. 190
d[u] g[i]st al der werlte hohen muot:
maht d[u] ouch mir ein w[e]nic freude geben?
VI
ULRICH VON LICHTENSTEIN.
Ulrich von Lichtenstein came of a better-class Styrian family, and
was born about the year 1200 and died in 1275 or 1276. He was one of
the best representatives of the later Court lyrical poets. For
editions of his works, see Lachmann, Ausgabe der Dichtungen Ulrichs
von Lichtenstein, Berlin, 1841; Bechstein, Ulrichs von Lichtenstein
Frauendienst, Leipzig, 1887. The following extracts are taken from
Bartsch, Deutsche Liederdichter des zw[o:]lften bis vierzehnten
Jahrhunderts, Stuttgart, 1889.
1
{Ein tanzw[i]se, und ist diu vierde w[i]se.}
In dem walde s[u:]e[z]e d[oe]ne
singent kleiniu vogell[i]n.
an der heide bluomen sch[oe]ne
bl[u:]ejent gegen des meien sch[i]n.
als[o] bl[u:]et m[i]n h[o]her muot 5
mit gedanken gegen ir g[u:]ete,
diu mir r[i]chet m[i]n gem[u:]ete
sam der troum den armen tuot.
E[z] ist ein vil h[o]ch gedinge
den ich gegen ir tugenden trage, 10
da[z] mir noch an ir gelinge,
da[z] ich s[ae]lde an ir bejage.
des gedingen bin ich vr[o].
god geb' da[z] ich'[z] wol verende,
da[z] sie mir den w[a]n iht wende 15
der mich freut s[o] rehte h[o].
Sie vil s[u:]e[z]e, valsches [a]ne,
vr[i] vor allem wandel gar,
l[a][z]e mich in liebem w[a]ne
die w[i]l e[z] niht ba[z] envar; 20
da[z] diu vreude lange wer,
da[z] ich weinens iht erwache,
da[z] ich gegen dem tr[o]ste lache
des ich von ir hulden ger.
W[u:]nschen unde wol gedenken 25
d[e]st diu meiste vreude m[i]n.
des sol mir ir tr[o]st niht wenken,
sie enl[a][z]e mich ir s[i]n
mit den beiden n[a]hen b[i],
s[o] da[z] sie mit willen gunne 30
mir von ir s[o] werder wunne
da[z] sie s[ae]lic immer s[i].
S[ae]lic meie, du aleine
tr[oe]stest al die welde gar.
du und al diu werlt gemeine 35
vreut mich min dann umb ein h[a]r.
wie m[o:]ht' ir mir vreude geben
[a]ne die vil lieben guoten?
von der sol ich tr[o]stes muoten;
wan ir tr[o]stes muo[z] ich leben. 40
2
{Ein sincw[i]se, und ist diu sibende w[i]se.}
W[e] war umbe sul wir sorgen?
vreude ist guot.
von den w[i]ben sol man borgen
h[o]hen muot.
wol im der in kan gewinnen 45
von in! der'st ein s[ae]lic man.
freude sol man durch sie minnen,
wan d[a] l[i]t vil [e]ren an.
Wir suln tanzen singen lachen
durch diu w[i]p. 50
d[a] mit mac ein man gemachen
da[z] s[i]n l[i]p
wirdet wert, ob er mit triuwen
dienet guoter w[i]be gruo[z].
swen s[i]n dienest wil geriuwen, 55
dem wirt selten kumbers buo[z].
Mit dem wa[zz]er man da[z], fiuwer
laschet gar:
vinster ist der sunnen tiuwer.
beidiu w[a]r 60
sint diu m[ae]re: ir h[oe]ret m[e]re.
habet f[u:]r w[a]r [u]f minen l[i]p:
rehten man von herzen s[e]re
scheidet nieman wan diu w[i]p.
Ow[e] ow[e], frowe Minne, 65
mir ist w[e].
nu gr[i]f her wie s[e]re ich brinne.
kalder sn[e]
m[u:]este von der hitze brinnen
diu mir an dem herzen l[i]t. 70
kanstu, Minne, triuwe minnen,
s[o] hilfestu mir enz[i]t.
3
{Da[z] ist ein [u][z]reise.}
Wil iemen n[a]ch [e]ren die z[i]t wol vertr[i]ben,
ze s[ae]lden sich k[e]ren, b[i] freuden bel[i]ben,
der diene ze fl[i][z]e mit triuwen vil sch[o]ne 75
n[a]ch der minne l[o]ne: der ist s[u:]e[z]e, reine,
vil guot und aleine den guoten gemeine.
Swer volget dem schilde, der sol e[z] enblanden
dem l[i]be, dem guote, dem herzen, den handen.
des l[o]net vil h[o]he mit guotem gewinne 80
diu vil werde Minne: diu g[i]t freud' und [e]re.
wol ir s[u:]e[z]en l[e]re! sie kan tr[oe]sten s[e]re.
Der schilt wil mit z[u:]hten vil baltl[i]che[z] ellen:
er ha[zz]et, er schiuhet Schand' und ir gesellen.
got des niht enwelle da[z] man b[i] im vinde 85
s[o] swachl[i]ch gesinde, er wil da[z] die s[i]nen
[u]f [e]re sich p[i]nen, in tugenden ersch[i]nen.
Erg' unde unfuoge und unfuore diu wilde
gezimt niht dem helme und touc niht dem schilde,
der schilt ist ein dach da[z] niht schande kan decken. 90
s[i]n blic t[ae]t' enblecken an [e]ren die weichen,
von vorhten erbleichen: diu varwe ist ir zeichen.
H[o]chgemuote frouwen, ir s[u:]lt wol gedenken:
getriuwen gesellen vil st[ae]te [a]ne wenken
den minnet, den meinet, mit herzen, mit muote, 95
da[z] in iwer huote behalte, beh[u:]ete
mit liebe, mit g[u:]ete, vr[i] vor ungem[u:]ete.
Sie ist [a]ne schulde mir ha[z]l[i]ch erbolgen
der ich ze dienste dem schilde wil volgen.
nu h[a]n ich f[u:]r z[u:]rnen noch f[u:]r herzen s[e]re 100
niht ander schilt m[e]re wan den tr[o]st aleine,
da[z] ich sie ba[z] meine dann ie w[i]p deheine.
Gein ir langen kriege setz' ich m[i]n gedulde:
s[o] st[e] gein ir ha[zz]e ze wer m[i]n unschulde.
m[i]n wer gein den valschen da[z] sol s[i]n m[i]n triuwe 105
vil s[u:]e[z]e [a]ne riuwe: m[i]n kampfl[i]ch gew[ae]te
f[u:]r ir n[i]det[ae]te da[z] sol s[i]n m[i]n st[ae]te.
4
{Ditz ist der leich.}
Got f[u:]ege mir'[z] ze guote:
ich bin noch in dem muote
da[z] ich wil guoten w[i]ben 110
mit dienest [a]ne valschen muot immer b[i] bel[i]ben.
d[a] von r[a]t' ich einen r[a]t
der allen wol gemuoten mannen tugentl[i]chen st[a]t.
Ich r[a]t' iu, [e]re gerende man,
mit triuwen, als ich beste kan: 115
ob ir welt werende freude h[a]n,
s[o] s[i]t den w[i]ben undert[a]n
mit triwen [a]ne valschen muot.
ir g[u:]ete ist als[o] rehte guot,
swer in mit triwen dienest tuot, 120
den kunnen sie wol machen fr[o].
der werlde heil gar an in l[i]t:
ir g[u:]ete ist freuden h[o]chgez[i]t,
ir sch[oe]ne s[o] vil freuden g[i]t,
d[a] von diu herze st[i]gent h[o]. 125
Werdekeit
sunder leit
kunnen sie wol friunden geben.
swem s[o] s[i]
witze b[i], 130
der sol n[a]ch ir hulden streben
unde zinsen in s[i]n leben:
da[z] r[a]te ich [u]f die triwe m[i]n.
swer [e]ren s[ae]lic welle s[i]n
und r[i]che an h[o]hem muote, 135
der sol mit triwen guotiu w[i]p
reht minnen als s[i]n selbes l[i]p.
vil guot vor allem guote
ist der w[i]be g[u:]ete, unde ir sch[oe]ne sch[oe]ne ob aller sch[oe]ne.
ir sch[oe]ne ir g[u:]ete ir werdikeit ich immer gerne kr[oe]ne. 140
an ir sch[oe]ne und an ir g[u:]ete st[a]t m[i]n heil und ouch m[i]n wunne.
w[ae]r' guoter w[i]be sch[oe]ne niht, wie selten ich gewunne
deheinen [e]ren gernden muot.
wol mich da[z] sie sint als[o] guot,
da[z] man h[a]t von ir g[u:]ete 145
s[o] h[o]hen tr[o]st f[u:]r senediu leit.
ir sch[oe]ne, ir g[u:]ete, ir werdikeit
g[i]t mir vil h[o]ch gem[u:]ete.
M[i]n muot von w[i]ben h[o]he st[a]t.
wa[z] danne ob mir ir einiu h[a]t 150
erzeiget h[o]he misset[a]t?
d[e]sw[a]r des mac wol werden r[a]t.
Wa[z] sie gegen mir h[a]t get[a]n,
da[z] wil ich gerne wi[zz]en l[a]n
mit z[u:]hten, als ich beste kan, 155
[u]f gen[a]de guotiu w[i]p.
ich h[a]n ir driu und zehen j[a]r
gedienet sunder wenken gar,
b[i] m[i]nen triwen, da[z] ist w[a]r,
da[z] in der z[i]t m[i]n seneder l[i]p 160
nie gewan
s[o:]lhen w[a]n,
des m[i]n st[ae]te wurde kranc.
al m[i]n gir
was gein ir 165
sleht mit triwen [a]ne wanc.
nu vert entwer ir habedanc
reht als ein rat da[z] umbe g[a]t
und als ein marder den man h[a]t
in eine lin gebunden. 170
kund' ich als sie unst[ae]te s[i]n,
s[o] h[ae]t' ich n[a]ch dem willen m[i]n
[a]n sie ein frowen funden.
[E] daz ich m[i]n ritterl[i]che st[ae]te br[ae]ch' an guoten w[i]ben
ich wold' [e] immer valscher w[i]be hulde vr[i] bel[i]ben. 175
ich muo[z] in der st[ae]ten w[i]be dienest sunder l[o]n verderben
oder ich muo[z] ir st[ae]ten herzen liebe alsus erwerben
da[z] ich gewenke nimmer wanc
von in. ir h[o]hen habedanc,
und mag ich den erringen, 180
s[o] h[a]n ich alle[z] da[z] ich wil,
s[u:]e[z]' ougen wunne, herzen spil,
vil wunne an allen dingen.
Nu wa[z] bedarf m[i]n seneder l[i]p
gen[a]den m[e]r, ob ich ein w[i]p 185
ze frowen vinde als[o] gemuot,
diu sich vor wandel h[a]t behuot
und niht wan da[z] beste tuot?
der sol m[i]n dienest s[i]n bereit
immer m[e], 190
swie'[z] erg[e],
sunder valsch mit st[ae]tikeit.
d[a] von gewinne ich werdikeit
und als[o] freuder[i]chen sin,
des ich getiuret immer bin 195
an aller hande dingen.
Vind' ich sie, ich sol s[o] ritterl[i]chen n[a]ch ir hulden ringen.
da[z] mir von ir st[ae]tikeit muo[z] h[o] an ir gelingen.
sie muo[z] abr [u]f die triwe m[i]n
gar vr[i] vor allem wandel s[i]n, 200
diech m[e]r mich l[a][z]e twingen
und ouch in kumber bringen.
j[a] geh[oe]ret man mich nimmer m[e]
deheines valschen w[i]bes lop gesprechen noch gesingen.
5
In dem lufte s[u:]e[z]em meien, 205
s[o] der walt gekleidet st[a]t,
s[o] siht man sich sch[o]ne zweien
alle[z] da[z] iht liebes h[a]t,
unde ist mit ein ander vr[o].
da[z] ist reht: diu z[i]t wil s[o]. 210
Sw[a] sich liep ze liebe zweiet,
h[o]hen muot diu liebe g[i]t.
in der beider herzen meiet
e[z] mit vreuden alle z[i]t.
tr[u]rens wil diu liebe niht, 215
sw[a] man liep b[i] liebe siht.
Sw[a] zwei liep ein ander meinent
herzenl[i]chen [a]ne wanc
und sich beidiu s[o] vereinent
da[z] ir liebe ist [a]ne kranc, 220
die h[a]t got zesamne geben
[u]f ein wunnecl[i]che[z] leben.
St[ae]tiu liebe hei[z]et minne.
liebe, minne, ist al ein:
die kan ich in m[i]nem sinne 225
niht gemachen wol zuo zwein.
liebe muo[z] mir minne s[i]n
immer in dem herzen m[i]n.
Sw[a] ein st[ae]te[z] herze vindet
st[ae]te liebe, st[ae]ten muot, 230
d[a] von al s[i]n tr[u]ren swindet.
st[ae]tiu liebe ist als[o] guot
da[z] sie st[ae]te freude g[i]t
st[ae]tem herzen alle z[i]t.
M[o:]hte ich st[ae]te liebe vinden, 235
der wold' ich s[o] st[ae]te s[i]n
da[z] ich d[a] mit [u:]berwinden
wolde gar die sorge m[i]n.
st[ae]ter liebe wil ich gern
unde unst[ae]te gar verbern. 240
6
Disiu liet diu hei[z]ent vrowen tanz:
diu sol niemen singen, er'n s[i] vr[o].
swer mit z[u:]hten treit der freuden kranz,
und dem s[i]n muot st[a]t von w[i]ben h[o],
dem erloube ich sie ze singen wol: 245
bl[i]decl[i]chen man sie tanzen sol.
Tr[u]ren ist ze w[a]re niemen guot
wan dem einen der s[i]n s[u:]nde klaget,
h[o]hen lop erwirbet h[o]her muot.
guoten w[i]ben h[o]chmuot wol behaget: 250
d[a] von wil ich immer m[e]re s[i]n
h[o]chgemuot durch dich, guot vrowe m[i]n.
Vreude gibt mir d[i]n wol redender munt,
h[o]hen muot d[i]n reine senfte sit':
vreuden tou mir [u][z] des herzen grunt 255
kumt von dir in elliu m[i]niu lit.
got h[a]t s[i]nen vl[i][z] an dich geleit,
d[a] von d[i] lop [e]ren kr[o]ne treit.
Liehtiu ougen, d[a] b[i] br[u]ne br[a],
h[a]stu und zwei r[o]tiu w[a:]ngel[i]n. 260
sch[oe]ne bistu hie und sch[oe]ne d[a].
br[u]n r[o]t w[i][z], der dr[i]er varwe sch[i]n
treit d[i]n h[o]chgeborner sch[oe]ner l[i]p.
tugende h[a]stu vil, guot w[i]pl[i]ch w[i]p.
Da[z] du als[o] manege tugende h[a]st, 265
d[a] von bin ich alles tr[u]rens vr[i].
s[o] du als[o] sch[oe]niu vor mir g[a]st,
s[o] ist mir als ich in dem himel s[i].
got s[o] sch[oe]nen engel nie gewan
den ich f[u:]r dich wolde sehen an. 270
VII
DAS NIBELUNGEN-LIED.
B. Text. [A]VENTIURE XVII.
WIE KRIEMHILT IR MAN KLAGTE UND WIE ER BEGRABEN WART.
The following extract is from Bartsch's edition, Leipzig, 1879.
D[o] erbiten si der nahte / und fuoren [u:]ber R[i]n.
von heleden kunde nimmer / wirs gejaget s[i]n.
ein tier da[z] si d[a] sluogen, / da[z] weinden edeliu kint.
j[a] muosen s[i]n engelten / vil guote w[i]gande sint. 4
Von gr[o][z]er [u:]berm[u:]ete / muget ir h[oe]ren sagen,
und von eisl[i]cher r[a]che. / d[o] hie[z] Hagene tragen
S[i]friden als[o] t[o]ten / von Nibelunge lant
f[u:]r eine kemen[a]ten / d[a] man Kriemhilde vant. 8
Er hie[z] in tougenl[i]chen / legen an die t[u:]re,
da[z] sin d[a] solde vinden / so si gienge derf[u:]re
him zer mett[i]ne / [e] da[z] e[z] wurde tac,
der diu vrouwe Kriemhilt / vil selten keine verlac. 12
Man l[u]te d[a] zem m[u:]nster / n[a]ch gewoneheit.
vrou Kriemhilt diu sch[oe]ne / wahte manige meit:
ein lieht bat si ir bringen / und ouch ir gewant.
d[o] kom ein kamer[ae]re / d[a] er S[i]friden vant. 16
Er sah in bluotes r[o]ten: / s[i]n w[a]t was elliu na[z].
da[z] e[z] s[i]n herre w[ae]re, / nine wesse er da[z].
hin zer kemen[a]ten / da[z] lieht truog an der hant
von dem vil leider m[ae]re / diu vrouwe Kriemhilt ervant. 20
D[o] si mit ir vrouwen / zem m[u:]nster wolde g[a]n,
d[o] sprach der kamer[ae]re / 'j[a] sult ir stille st[a]n:
e[z] l[i]t vor dem gademe / ein ritter t[o]t erslagen.'
d[o] begonde Kriemhilt / vil harte unm[ae][z]l[i]che klagen. 24
[E] da[z] si rehte erfunde / da[z] i[z] w[ae]re ir man,
an die Hagenen vr[a]ge / denken si began,
wie er in solde vristen: / d[o] wart ir [e]rste leit.
von ir was allen vreuden / mit s[i]me t[o]de widerseit. 28
D[o] seic si zuo der erden, / da[z] si niht ensprach:
die sch[oe]nen vreudel[o]sen / ligen man d[o] sach.
Kriemhilde j[a]mer / wart unm[a][z]en gr[o][z]:
do [e.]rschr[e] si n[a]ch unkrefte / da[z] al diu kemen[a]te erd[o][z]. 32
D[o] sprach da[z] gesinde: / 'wa[z] ob e[z] ist ein gast?'
da[z] bluot ir [u][z] dem munde / von herzen j[a]mer brast.
d[o] sprach si 'e[z] ist S[i]frit, / der m[i]n vil lieber man:
e[z] h[a]t ger[a]ten Pr[u:]nhilt, / da[z] e[z] hat Hagene get[a]n.' 36
Diu vrouwe bat sich w[i]sen / d[a] si den helt vant.
si huop s[i]n sch[oe]ne houbet / mit ir vil w[i][z]en hant.
swie r[o]t e[z] was von bluote, / si het in schiere erkant.
d[o] lac vil j[ae]merl[i]che / der helt von Nibelunge lant. 40
D[o] rief vil tr[u]recl[i]che / diu k[u:]neginne milt:
'ow[e] mir m[i]nes leides! / nu ist dir d[i]n schilt
mit swerten niht verhouwen: / du l[i]st ermorder[o]t.
unt wesse ich wer i[z] het get[a]n, / ich riete im immer s[i]nen t[o]t.' 44
Alle[z] ir gesinde / klagete und scr[e]
mit ir lieben vrouwen, / wand' in was harte w[e]
umb' ir vil edelen herren, / den si d[a] heten verlorn.
d[o] het gerochen Hagene / harte Pr[u:]nhilde zorn. 48
D[o] sprach diu j[a]merhafte: / 'ir sult hine g[a]n
und wecket harte balde / die S[i]frides man.
ir sult ouch Sigemunde / m[i]nen j[a]mer sagen,
ob er mir helfen welle / den k[u:]enen S[i]friden klagen.' 52
D[o] lief ein bote balde / da [e.]r si ligen vant,
die S[i]frides helede / von Nibelunge lant.
mit den vil leiden m[ae]ren / ir vreude er in benam.
si wolden'[z] niht gelouben / unz man da[z] weinen vernam. 56
Der bote kom ouch schiere / d[a] der k[u:]nic lac.
Sigemunt der herre / des sl[a]fes niht enpflac:
ich w[ae]n' s[i]n herze im sagete / da[z] im was geschehen,
ern m[o:]hte s[i]nen lieben sun / lebenden nimmer gesehen. 60
'Wachet, herre Sigemunt. / mich bat n[a]ch iu g[a]n
Kriemhilt m[i]n vrouwe. / der ist ein leit get[a]n
da[z] ir vor allen leiden / an ir herze g[a]t:
da[z] sult ir klagen helfen, / wand' e[z] iuch s[e]re best[a]t.' 64
[U]f rihte sich d[o] Sigemunt; / er sprach: 'wa[z] sint diu leit
der sch[oe]nen Kriemhilde, / diu du mir h[a]st geseit?'
der bote sprach mit weinen: / 'ine kan iu niht verdagen:
j[a] ist von Niderlanden / der k[u:]ene S[i]frit erslagen.' 68
D[o] sprach der herre Sigemunt: / 'l[a]t da[z] schimpfen s[i]n
und als[o] b[oe]siu m[ae]re / durch den willen m[i]n,
da[z] ir da[z] saget iemen / da[z] er s[i] erslagen:
wand' ine kunde in nimmer / unz an m[i]n ende verklagen.' 72
'Welt ir mir niht gelouben / da[z] ir mich h[oe]ret sagen,
s[o] muget ir selbe h[oe]ren / Kriemhilde klagen
unt alle[z] ir gesinde / den S[i]frides t[o]t.'
vil s[e]re erscrac d[o] Sigemunt: / des gie im w[ae]rl[i]chen n[o]t. 76
Mit hundert s[i]nen mannen / er von den betten spranc.
si zuhten zuo den handen / diu scharpfen w[a]fen lanc,
si liefen zuo dem wuofe / vil j[a]merliche dan.
d[o] k[o]men t[u]sent recken / des k[u:]enen S[i]frides man. 80
D[o] si s[o] j[ae]merl[i]che / die vrouwen h[o]rten klagen,
d[o] w[a]nden sumel[i]che, / si solden kleider tragen.
jan[e.] mohten si der sinne / vor leide niht gehaben:
in wart vil michel sw[ae]re / in ir herzen begraben. 84
D[o] kom der k[u:]nec Sigemunt / da [e.]r Kriemhilde vant.
er sprach: 'ow[e] der reise / here in ditze lant.
wer h[a]t mich m[i]nes kindes / und iuch des iuwern man
b[i] als[o] guoten friunden / sus mortl[i]ch [a]ne get[a]n?' 88
'Hey solde ich den bekennen,' / sprach da[z] vil edele w[i]p,
'holt enwurde im nimmer / m[i]n herze unt ouch m[i]n l[i]p:
ich geriete im als[o] leide / da[z] die friunde s[i]n
von den m[i]nen schulden / m[u:]esen weinende s[i]n.' 92
Sigemunt der herre / den f[u:]rsten umbesl[o][z].
d[o] wart von s[i]nen vriunden / der j[a]mer als[o] gr[o][z]
da[z] von dem starken wuofe / palas unde sal
und ouch diu stat ze Worme[z] / von ir weinen erschal. 96
Don[e.] kunde niemen tr[oe]sten / da[z] S[i]frides w[i]p.
man z[o]ch [u][z] den kleidern / den s[i]nen sch[oe]nen l[i]p.
man wuosch im s[i]ne wunden / unt leit' in [u]f den r[e].
d[o] was s[i]nen liuten / von gr[o][z]em j[a]mere w[e]. 100
D[o] spr[a]chen s[i]ne recken / von Nibelunge lant:
'in sol immer rechen / mit willen unser hant.
er ist in dirre b[u:]rge, / der i[z] h[a]t get[a]n.'
d[o] [i]lten n[a]ch w[a]fen / alle S[i]frides man. 104
Die [u][z] erwelten degene / mit schilden k[o]men dar,
einlef hundert recken: / die hete an s[i]ner schar
Sigemunt der herre. / s[i]nes sunes t[o]t
den wolde er gerne rechen: / des gie im w[ae]rl[i]chen n[o]t. 108
Sin[e.] wessen wen si solden / mit str[i]te d[o] best[a]n,
s[i]ne t[ae]ten'[z] Gunther / unde s[i]ne man,
mit den der herre S[i]frit / an da[z] gejegede reit.
Kriemhilt sach si gew[a]fent: / da[z] was ir gr[oe][z]l[i]che leit. 112
Swie michel w[ae]r' ir j[a]mer / und swie starc ir n[o]t,
d[o] vorhte si harte / der Nibelunge t[o]t
von ir bruoder mannen, / da[z] si e[z] understuont.
si warnt' si g[u:]etl[i]che / s[o] vriunde liebe vriunde tuont. 116
D[o] sprach diu j[a]mers r[i]che: / 'm[i]n her Sigemunt,
wes welt ir beginnen? / iu ist niht rehte kunt.
j[a] h[a]t der k[u:]nic Gunther / s[o] manigen k[u:]enen man:
ir welt iuch alle vliesen, / welt ir die recken best[a]n.' 120
Mit [u]f erb[u:]rten schilden / in was ze str[i]te n[o]t.
diu edel k[u:]neginne / bat und ouch geb[o]t
da[z] si[z] m[i]den solden, / die recken vil gemeit.
d[o] si[z] niht l[a][z]en wolden, / da[z] was ir w[ae]rl[i]chen leit. 124
Si sprach: 'herre Sigemunt, / ir sult i[z] l[a][z]en st[a]n
unz e[z] sich ba[z] gef[u:]ege: / s[o] wil ich m[i]nen man
immer mit iu rechen. / der mir in h[a]t benomen,
wirde ich des bew[i]set, / ich sol im schedel[i]che komen. 128
E[z] ist der [u:]berm[u:]eten / hie b[i] R[i]ne vil:
d[a] von ich iu des str[i]tes / r[a]ten niht enwil.
si habent wider einen / ie wol dr[i][z]ec man.
nu l[a][z]' in got gelingen / als si umb uns gedienet h[a]n. 132
Ir sult hie bel[i]ben, / unt dolt mit mir diu leit;
als i[z] tagen beginne, / ir helde vil gemeit,
s[o] helfet mir besarken / den m[i]nen lieben man.'
d[o] spr[a]chen die degene: / 'da[z] sol werden get[a]n.' 136
Iu enkunde niemen / da[z] wunder volsagen
von rittern unt von vrouwen, / wie man die h[o]rte klagen,
s[o] da[z] man des wuofes / wart in der stat geware.
die edelen burg[ae]re / die k[o]men g[a]hende dare. 140
Si klageten mit den gesten, / want in was harte leit.
die S[i]frides schulde / in niemen het geseit,
durch wa[z] der edele recke / verl[u:]re den s[i]nen l[i]p.
d[o] weinden mit den vrouwen / der guoten burg[ae]re w[i]p. 144
Smide hie[z] man g[a]hen, / wurken einen sarc,
von silber und von golde, / vil michel unde starc.
man hie[z] in vaste spengen / mit stahel, der was guot.
d[o] was al den liuten / harte tr[u]rec der muot. 148
Diu naht was zergangen: / man sagte e[z] wolde tagen.
d[o] hie[z] diu edele vrouwe / zuo den m[u:]nster tragen
S[i]frit den herren, / ir vil lieben man.
swa[z] er d[a] vriunde h[e]te, / die sach man weinende g[a]n. 152
D[o] s[i.] in zem munster br[a]hten, / vil der gloken klanc.
d[o] h[o]rt' man allenthalben / vil maniges pfaffen sanc.
d[o] kom der k[u:]nic Gunther / mit den s[i]nen man
und ouch der grimme Hagene / zuo dem wuofe geg[a]n. 156
Er sprach: 'vil liebiu swester, / ow[e] der leide d[i]n,
da[z] wir niht mohten [a]ne / des gr[o][z]en schaden s[i]n.
wir m[u:]e[z]en klagen immer / den S[i]frides l[i]p.'
'da[z] tuot ir [a]ne schulde', / sprach da[z] j[a]merhafte w[i]p. 160
'W[ae]r' iu dar umbe leide, / son w[ae]r' es niht geschehen.
ir hetet m[i]n verge[zz]en, / des mag ich wol jehen,
da [i.]ch d[a] wart gescheiden / von m[i]me lieben man.
da[z] wolde got', sprach Kriemhilt, / 'w[ae]r' i[z] mir selber get[a]n.' 164
Si buten vaste ir lougen. / Kriemhilt begonde jehen
'swelher sich unschuldige, / der l[a][z]e da[z] gesehen;
der sol zuo der b[a]re / vor den liuten g[e]n.
d[a] b[i] mac man die w[a]rheit / harte schiere verst[e]n.' 168
Da[z] ist ein michel wunder: / vil dicke e[z] noch geschiht,
sw[a] man den mortmeilen / b[i] dem t[o]ten siht,
s[o] bluotent im die wunden: / als ouch d[a] gescach.
d[a] von man die sculde / d[a] ze Hagenen gesach. 172
Die wunden vlu[zz]en s[e]re / alsam si t[a]ten [e].
die [e] d[a] s[e]re klageten, / des wart nu michel m[e].
d[o] sprach der k[u:]nic Gunther / 'ich wil'[z] iuch wi[zz]en l[a]n.
in sluogen sch[a]ch[ae]re: / Hagene h[a]t es niht get[a]n.' 176
'Mir sint die sch[a]ch[ae]re', / sprach si, 'vil wol bekant.
nu l[a][z]e e[z] got errechen / noch s[i]ner vriunde hant.
Gunther unde Hagene, / j[a] habet ir i[z] get[a]n.'
die S[i]frides degene / heten d[o] ze str[i]te w[a]n. 180
D[o] sprach aber Kriemhilt: / 'nu habt mit mir die n[o]t.'
d[o] k[o]men dise beide / d[a] si in funden t[o]t,
G[e]rn[o]t ir bruoder / und G[i]selher da[z] kint.
in triuwen si in klageten / mit den anderen sint. 184
Si weinden innecl[i]che / den Kriemhilde man.
man solde messe singen: / zuo dem m[u:]nster dan
giengen allenthalben / man w[i]p unde kint.
die s[i]n doch l[i]hte enb[a]ren, / die weinden S[i]friden sint. 188
G[e]rn[o]t und G[i]selher / spr[a]chen: 'swester m[i]n,
nu tr[oe]ste dich n[a]ch t[o]de, / als i[z] doch muo[z] s[i]n.
wir wellen dich's ergetzen / die w[i]le unt wir geleben.'
don[e.] kunde ir tr[o]st deheinen / zer werlde niemen gegeben. 192
S[i]n sarc der was bereitet / wol umbe'n mitten tac.
man huop in von der b[a]re / d[a] er [u]fe lac.
in wolde noch diu frouwe / l[a][z]en niht begraben.
des muosen al die liute / michel arebeite haben. 196
In einen r[i]chen pfellel / man den t[o]ten want.
ich w[ae]ne man d[a] iemen / [a]ne weinen vant.
d[o] klagete herzenl[i]che / Uote, ein edel w[i]p,
und alle[z] ir gesinde / den s[i]nen w[ae]tl[i]chen l[i]p. 200
D[o] man da[z] geh[o]rte, / da[z] man zem m[u:]nster sanc,
unt in gesarket h[e]te, / d[o] huop sich gr[o][z] gedranc:
durch willen s[i]ner s[e]le / wa[z] opfers man d[o] truoc!
er hete b[i] den v[i]nden / doch guoter vriunde genuoc. 204
Kriemhilt diu arme / zir kamer[ae]ren sprach:
'si suln durch m[i]ne liebe / l[i]den ungemach,
die im iht guotes g[u:]nnen / und mir wesen holt;
durch S[i]frides s[e]le / sol man teilen s[i]n golt.' 208
Dehein kint was s[o] kleine / da[z] witze mohte haben,
da[z] muose g[e]n zem opfer. / [e] [e.]r wurde begraben,
ba[z] danne hundert messe / man d[a] des tages sanc.
von S[i]frides vriunden / wart d[o] gr[o][z]er gedranc. 212
D[o] man d[a] hete gesungen, / da[z] volc huop sich von dan.
d[o] sprach diu vrouwe Kriemhilt / 'irn sult niht eine l[a]n
h[i]nte mich bewachen / den [u][z] erwelten degen.
e[z] ist an s[i]me l[i]be / al m[i]n vreude gelegen. 216
Dr[i] tage und dr[i] nahte / wil ich in l[a][z]en st[a]n,
unz ich mich geniete / m[i]ns vil lieben man.
wa[z] ob da[z] got gebiutet / da[z] mich ouch nimet der t[o]t?
s[o] w[ae]re wol verendet / m[i]n armer Kriemhilde n[o]t.' 220
Zen herbergen giengen / die liute von der stat.
pfaffen unde m[u:]niche / si bel[i]ben bat
und alle[z] s[i]n gesinde, / da[z] des heldes pflac.
si heten naht vil arge / unt vil m[u:]el[i]chen tac. 224
[A]n e[zz]en und [a]n trinken / beleip d[a] manic man.
die e[z] nemen wolden, / den wart da[z] kunt get[a]n,
da[z] man's in den vollen g[ae]be: / da[z] schuof Sigemunt.
d[o] was den Nibelungen / vil michel arebeite kunt. 228
Die dr[i]e tagez[i]te, / s[o] wir h[oe]ren sagen,
die d[a] kunden singen, / da[z] si muosen tragen
vil der arebeite. / wa[z] man in opfers truoc!
die vil arme w[a]ren, / die wurden r[i]che genuoc. 232
Swa[z] man vant der armen / die es niht mohten h[a]n,
die hie[z] man doch zem opfer / mit dem golde g[a]n
[u][z] s[i]n selbes kamere. / do [e.]r niht solde leben,
umbe s[i]ne s[e]le / wart manic t[u]sent marc gegeben. 236
Urbor [u]f der erden / teilte s'in diu lant,
sw[a] s[o] man diu kl[o]ster / und guote liute vant.
silber unde w[ae]te / gap man den armen gnuoc.
si tet dem wol gel[i]che / da[z] sim holden willen truoc. 240
An dem dritten morgen / ze rehter messez[i]t
s[o] was b[i] dem m[u:]nster / der kirchof als[o] w[i]t
von den lantliuten / weinens als[o] vol:
si dienden im n[a]ch t[o]de / als man lieben vriunden sol. 244
In den tagen vieren, / man h[a]t gesaget da[z],
ze dr[i][z]ec t[u]sent marken, / oder dannoch ba[z],
wart durch s[i]ne s[e]le / den armen d[a] gegeben.
d[o] was gelegen ringe / s[i]n gr[o][z]iu sch[oe]ne und ouch s[i]n leben. 248
D[o] gote d[a] wart gedienet / und da[z] man vol gesanc,
mit ungef[u:]egem leide / vil des volkes ranc.
man hie[z] in [u][z] dem m[u:]nster / zuo dem grabe tragen.
die s[i]n ungern enb[a]ren, / die sah man weinen unde klagen. 252
Vil l[u]te scr[i]ende / da[z] liut gie mit im dan:
vr[o] enwas d[a] niemen, / weder w[i]p noch man.
[e] da[z] man in begr[u:]ebe, / man sanc unde las:
hey wa[z] guoter pfaffen / ze s[i]ner p[i]filde was! 256
[E] da[z] zem grabe k[oe]me / da[z] S[i]frides w[i]p,
d[o] ranc mit solhem j[a]mer / der ir getriuwer l[i]p,
da[z] man si mit dem brunnen / vil dicke d[a] verg[o][z].
e[z] was ir ungem[u:]ete / vil harte unm[ae][z]l[i]chen gr[o][z]. 260
E[z] was ein michel wunder / da[z] si ie genas.
mit klage ir helfende / manic vrouwe was.
d[o] sprach diu k[u:]neginne: / 'ir S[i]frides man,
ir sult durch iuwer triuwe / an mir gen[a]de beg[a]n. 264
L[a]t mir n[a]ch m[i]me leide / da[z] kleine liep geschehen,
da[z] ich s[i]n sch[oe]ne houbet / noch eines m[u:]e[z]e sehen.'
d[o] bat si's als[o] lange / mit j[a]mers sinnen starc,
da[z] man zebrechen muose / den vil h[e]rl[i]chen sarc. 268
D[o] br[a]hte man die vrouwen / d[a] si in ligen vant.
si huop s[i]n sch[oe]ne houbet / mit ir vil w[i][z]en hant;
d[o] kuste s' als[o] t[o]ten / den edelen ritter guot.
ir vil liehten ougen / vor leide weineten bluot. 272
Ein j[ae]merl[i]che[z] scheiden / wart d[o] d[a] get[a]n.
d[o] truoc man si von dannen: / sine mohte niht geg[a]n.
d[o] vant man sinnel[o]se / da[z] h[e]rl[i]che w[i]p.
vor leide m[o:]ht' ersterben / der ir vil w[u:]nnecl[i]cher l[i]p. 276
D[o] man den edelen herren / hete nu begraben,
leit [a]ne m[a][z]e / sah man die alle haben
die mit im komen w[a]ren / von Nibelunge lant.
vil selten vr[oe]l[i]chen / man d[o] Sigemunden vant. 280
D[o] was der etel[i]cher / der dr[i]er tage lanc
vor dem gr[o][z]em leide / niht a[z] noch entranc.
doch mohten si dem l[i]be / s[o] gar gesw[i]chen niht:
si nerten sich n[a]ch sorgen, / s[o] noch genuogen geschiht. 284
VIII
WOLFRAM VON ESCHENBACH.
Wolfram von Eschenbach was a native of Bavaria. Of his life little
is known, not even the exact dates of his birth and death. He
flourished in the latter part of the twelfth and early part of the
thirteenth century, and was by far the best and most extensive
representative of the Court epic poetry. He is best known by his
Parzival, which contains 24,812 lines divided up into sixteen books.
The following extract is taken from Book III. For editions of his
works, see Lachmann, Wolfram von Eschenbach, Berlin, 1833, fifth
edition, Berlin, 1891; Bartsch, Wolfram's von Eschenbach Parzival
und Titurel, Leipzig, 1875.
Sich z[o]ch diu frouwe j[a]mers balt
[u][z] ir lande in einen walt,
zer waste in Solt[a]ne;
niht durch bluomen [u]f die pl[a]ne,
ir herzen j[a]mer was s[o] ganz, 5
sin[e.] k[e]rte sich an keinen kranz,
er w[ae]re r[o]t oder val.
sie br[a]hte dar durch fl[u:]htesal
des werden Gahmuretes kint.
liute, die b[i] ir d[a] sint, 10
m[u:]e[z]en b[u]wen unde riuten.
sie kunde wol getriuten
ir sun. [e] da[z] sich der versan,
ir volc sie gar f[u:]r sich gewan:
e[z] w[ae]re man oder w[i]p, 15
den geb[o]t sie allen an den l[i]p,
da[z] se iemer r[i]ters wurden l[u]t.
'wan friesche da[z] m[i]ns herzen tr[u]t,
welch r[i]ters leben w[ae]re,
da[z] wurde mir vil sw[ae]re. 20
nu habet iuch an der witze kraft,
und helt in alle r[i]terschaft.'
Der site fuor angestl[i]che vart.
der knappe alsus verborgen wart
zer waste in Solt[a]ne erzogen, 25
an k[u:]necl[i]cher fuore betrogen;
e[z] [e.]nm[o:]hte an eime site s[i]n:
bogen unde b[o:]lzel[i]n
die sneit er mit s[i]n selbes hant,
und sch[o][z] vil vogele die er vant. 30
swenne ab er den vogel ersch[o][z],
des schal von sange [e] was s[o] gr[o][z],
s[o] weinde er unde roufte sich,
an s[i]n h[a]r k[e]rt' er gerich.
s[i]n l[i]p was kl[a]r unde fier: 35
[u]f dem pl[a]n am rivier
twuog er sich alle morgen.
er'n kunde niht gesorgen,
e[z] [e.]nw[ae]re ob im der vogelsanc,
die suo[z]e in s[i]n herze dranc: 40
da[z] erstracte im s[i]niu pr[u:]stel[i]n.
al weinde er lief zer k[u:]neg[i]n.
s[o] sprach sie 'wer h[a]t dir get[a]n?
du w[ae]r' hin [u][z] [u]f den pl[a]n.'
er'n kunde es ir gesagen niht, 45
als kinden l[i]hte noch geschiht.
dem m[ae]re gienc sie lange n[a]ch.
eins tages sie in kapfen sach
[u]f die boume n[a]ch der vogele schal.
sie wart wol innen da[z] zeswal 50
von der stimme ir kindes brust.
des twang in art und s[i]n gelust.
frou Herzeloyde k[e]rte ir ha[z]
an die vogele, sine wesse um wa[z]:
sie wolte ir schal verkrenken. 55
ir b[u]liut[e.] und ir enken
die hie[z] sie vaste g[a]hen,
vogele w[u:]rgen unde v[a]hen.
die vogele w[a]ren ba[z] geriten:
etsl[i]ches sterben wart vermiten: 60
der bleip d[a] lebendic ein teil,
die s[i]t mit sange wurden geil.
Der knappe sprach zer k[u:]neg[i]n
'wa[z] w[i][z]et man den vogel[i]n?'
er gerte in frides s[a] zestunt. 65
s[i]n muoter kuste in an den munt:
diu sprach 'wes wende ich s[i]n gebot,
der doch ist der h[oe]hste got?
suln vogele durch mich fr[o:]ude l[a]n?'
der knappe sprach zer muoter s[a]n 70
'ow[e] muoter, wa[z] ist got?'
'sun, ich sage dir'[z] [a]ne spot.
er ist noch liehter denn' der tag,
der antlitzes sich bewac
n[a]ch menschen antlitze. 75
sun, merke eine witze,
und fl[e]he in umbe d[i]ne n[o]t:
s[i]n triwe der werlde ie helfe b[o]t.
s[o] hei[z]et ein[e.]r der helle wirt:
der [i.]st swarz, untriuwe in niht verbirt. 80
von dem k[e]r' d[i]ne gedanke,
und och von zw[i]vels wanke.'
s[i]n muoter underschiet im gar
da[z] vinster unt da[z] lieht gevar.
dar n[a]ch s[i]n snelheit verre spranc. 85
er lernt[e.] den gabyl[o]tes swanc,
d[a] mite er manegen hirz ersch[o][z]:
des s[i]n muoter und ir volc gen[o][z].
e[z] w[ae]re [ae]ber oder sn[e],
dem wilde tet' s[i]n schie[z]en w[e]. 90
nu h[oe]ret fremdiu m[ae]re.
swenne er'rsch[o][z] da[z] sw[ae]re,
des w[ae]re ein m[u]l geladen genuoc,
als unzerworht hin heim er'[z] truoc.
Eins tages gieng er den weideganc 95
an einer halden, diu was lanc:
er brach durch blates stimme 'en zw[i]c.
d[a] n[a]hen b[i] im gienc ein st[i]c:
d[a] h[o]rt' er schal von huofslegen.
s[i]n gabyl[o]t begund'er wegen: 100
d[o] sprach er 'wa[z] h[a]n ich vernomen?
wan wolte et nu der tiuvel komen
mit grimme zornecl[i]che!
den best[u:]ende ich sicherl[i]che.
m[i]n muoter freisen von im saget: 105
ich w[ae]ne ir ellen s[i] verzaget.'
alsus stuont er in str[i]tes ger.
nu seht, dort kom gesch[u]ftet her
dr[i] r[i]ter n[a]ch wunsche var,
von fuo[z]e [u]f gew[a]pent gar. 110
der knappe w[a]nde sunder spot,
da[z] iesl[i]cher w[ae]re ein got.
d[o] stuont ouch er niht langer hie,
in'[z] phat viel er [u]f s[i]niu knie.
l[u]te rief der knappe s[a]n 115
'hilf, got: du maht wol helfe h[a]n.'
der vorder zornes sich bewac,
d[o] der knappe im phade lac:
'dirre t[oe]rsche W[a]leise
unsich wendet g[a]her reise.' 120
ein pr[i]s den wir Beier tragen,
muo[z] ich von W[a]leisen sagen:
die sint t[oe]rscher denne beiersch her,
und doch b[i] manl[i]cher wer.
swer in den zwein landen wirt, 125
gefuoge ein wunder an im birt.