DER EINHUNDERTUNDZWEITE PSALM

Nicht länger verberge Dein Antlitz, Herr,

Stunden meiner Angst -- jetzt

neige Dich mir und rasch

antworte gleich, rufe ich Dich auf.

Gehen meine Tage vorüber

wie der Rausch

und es verbrennen mir

die Knochen im innern Herd.

Geschlagen wurde mein Herz

und es verdorrt

wie das Gras

und ausgebrannt ist mir Gedächtnis

und ich vergaß mein Brot.

Aber ich heule mich

aus und auseinander

und es erdrückt mein Fleisch

schon die Knochen.

Ich bin ein Pelikan in der Einöde

und die Nachteule in den Ruinen

und ich wache verlassen --

ein Sperling allein auf dem Dach.

Meine Feinde schmähen mich

und höhnen meinen Namen,

denn ich aß die Asche wie das Brot

und Weinen kam in meinen Trank

vor Deiner Ungnade und Wut,

aufhobst Du mich und schleudertest

mich weit -- meine Stunden

sind wie der Schatten

wenn er verweht --,

und ich trockne ein.

Aber Du herrschest, Ewiger,

unabänderlich dauerst Du

die Zeitalter,

Du stehest auf in Mitleid,

denn es ist Zeit über Zion,

denn der Augenblick ist gekommen,

denn wir lieben diese Steine

und haben Schmerz für den Staub.

Dann werden die Völker

fürchten den Namen des Ewigen

und alle Könige der Erde

den Glanz.

Herr, wiedergebaut steht Zion

und strahlt Deinen Glanz --

Betteln die Verlassenen laut

und Du verjagst sie nicht --

melden es kommenden Geschlechtern

Dich zu loben,

Deine Erscheinung auf den

Erhöhnissen der Heiligkeit --

herabfielen Deine Augen

von den Himmeln

und du hörst das Zittern der Schuldigen

und machst los

die vor dem Tod sich neigten.

Sammeln sich alle Völker

und die Königreiche Dir zu dienen.

Er schlug ab meine Kraft unterwegs,

er kürzte meine Tage.

Herr! Nehme mich nicht heraus

aus der Mitte meiner Tage.

Deine Jahre gehen immerdar

durch die Zeitalter.

Du hast die Erde geschmolzen

wurden die Himmel

von Deinen Händen gemacht.

Sie zerfallen -- Du überwährst,

sie altern wie ein Kleid -- Du

wirfst sie fort und wechselst

sie wie ein Kleid.

Immer bist Du, Gott, Dir gleich

und Dein Jahr ist ohne Aufhör.

Der zerstörte Tasso: Ausgewählte Gedichte · 第 61 / 70 题