An Ferruccio Busoni

I.

PRELUDIO

Zartgestrichene Monotonie

italienischer Landschaft,

und braungrauende Horizonte wandern

in gleichmäßigen Hügeln.

Langsam beschattet die Sonne

unbewegte Luft und die getragenen Züge

ferner Schalmei.

Winzer im offenen Hemd

lesen gebückt und in frommer Trägheit.

Und der jungen Mägde gedehnter Ton

geht bedürfnislos und lang.

Pianopianissimo schreiten tänzerische Quarten

Triolen abwechselnd mit Achteln

durch die einschlafende Campagna.

II.

FUGHETTA

Hebt mit süßer Ausdruckslosigkeit des Kanons

junger Bursche dunkelen Tenor in C.

Kommen bald die Mägde weich im Mezzo

und der Alten melodischer Baß.

Führen ihre unbesorgten Stimmen

freundlich und in abendlicher Rast.

Schimmerndes Untergehn der Sonne

rötet ihre offenen Brüste an.

Nun noch knabenhaft Soprane

singen ihr die letzten Töne nach,

lassen schon die Stimmen etwas steigen

weil es dunkler wird.

Unversehens

kommen sie zu viert in den Choral,

breiten angehaltne Töne

ehrfürchtig und dankbar.

Gehn die Mägde jetzt nach Brot und Beeren

und der Mezzoalt verstummt.

Werden die Tenöre ruhiger,

wischen sich die Stirn,

und die Bässe sagen wenig,

legen noch befriedigt, ungenau

letzte, tiefe, angeruhte Töne,

und verstummen trocken.

III.

ESERCIZIO

Lachen schon in einem Walzer

ihre ländlichen Gesichter,

bläst der Hirt die Melodie

durchgehend und ohne einmal

seine Flöte aus dem Mund zu nehmen.

Steht er plötzlich allegretto elegante

im Vierviertel, bleibt das tanzgewohnte Mädchen der Gitarre

doch entschlossen auf dreiviertel.

Lautes Durcheinander

rhythmischer Vergnügung,

springt der Bursch mit seinem Mädchen

unbeirrt im festen Tritt und heiß.

Geht der Weinkrug bei den Alten

her und hin, und sie lachen rot.

Sanfter, angelehnter Hirte,

schwarz gelockt und umschattet

sind die Augen, er verläßt den Takt jetzt gänzlich,

stürzt vom höchsten F

in sprudelnden Triolen

delikat herunter,

läßt sich kurz nur fangen

und wird wieder boshaft,

und die Tänzer, schwitzend, braun und ohne Atem,

lösen ihre abendlichen Reihn.

Der zerstörte Tasso: Ausgewählte Gedichte · 第 24 / 70 题