An Ferruccio Busoni

Choral auf dem Klavier, der vergeistigten Orgel.

Sanfte Weisen des Orchesters scheinen eines Chores ausspannenden

Meergesang.

Gott ist in den Welten, geistlich Lied: die Welt,

männliches Thema, von mondenen Wolken bald umspielt und

himmelgezogen.

Sanft und leicht, leise und begeistert

ruht entscheidender Aufstieg

auf frauenhaften Schultern.

Hebt des Chores Inbrunst

entbürgerlichten Bach in die Reiche

volkloser, geistoffenbarter Musik.

Wunder,

das Pianoforte von erlauchter Überstimmenschaft,

überstrahlt feuernd der Orgel erstickendes Gleichmaß,

blendet in Farben, orange, purpur und ocker

kommen die Klänge, festliche Gestalten,

Prozessionen mit Fahnen, Weihrauch und marienhaftem Blau.

Arien der Madonna

in leise durchlichtetem Sopran

lagern, schweben schäferwolkenweiß über den Köpfen mit.

Aber Nerven und Zuckungen und

die Konfessionen ekstatischen Gefühls

verschmelzen, aus Tasten gehoben

zu lebendigem Zittern angespannte Saiten.

Kommt die Fuge, zweifach,

dreifach und vierfach in das Firmament der Klänge

und die Wölbungen der Kontrapunkte aufgebaut.

Majestätisch, gütig, schweigsam und erhaben dringt B, A, C, H

in die Führung vor, und es gehen

mild und im milden Duft der Milch

die vier Stimmen schwesternhaft

ineinander ein.

Noch einmal erbraust, aus dem erstickenden Gleichmaß der Pfeifen

gehoben,

der lebendigen, verzückt aufgespannten Saitenleiber

unbeschreibliches Schwingen,

ehe sie selig verklingend sich in der Ruhe südlicher Sonne dehnen

und das weiße Meer der Tasten

ebbt zur klaren, sanft spiegelnden Fläche.

Der zerstörte Tasso: Ausgewählte Gedichte · 第 22 / 70 题