76. Sophie Hasenclever.

Dich lass an jedem Ort mich schau'n! Dein Feuer

Verschlinge jeder Erdenliebe Flammen,

In Gluten brenn' ich dann, die dir entflammen,

So hell wie damals, als die Welt mir teuer.

Zerreisse du des Irrtums dunkle Schleier,

Die Sünden, die das Herz zur Qual verdammen,

Vernichte sie; o lass ersteh'n zusammen

Vernunft und Kraft und Willen, mein Befreier!

Der Zeit hast du die Seele übergeben,

Mit hartem Spruch hältst du ein göttlich Wesen

Gefangen in des Leibes Kerkerwänden,

Nicht ich kann wandeln dies mein sündig Leben;

Nichts ohne dich ist gut in mir, erlösen

Kannst du allein, nur du mein Schicksal wenden!

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 124 / 231 题