AN VITTORIA COLONNA.

Bald auf dem rechten Fuss, bald auf dem linken,

Bald steigend, bald ermüdet zum Versinken,

Hintaumelnd ratlos zwischen Gut und Böse,

Such' ich, wer meiner Seele Zweifel löse;

Denn wem Gewölk verhüllt des Himmels Weiten,

Wie können den des Himmels Sterne leiten?

Drum sei mein Herz das unbeschrieb'ne Blatt,

Und was das deine aus sich selbst gefunden,

O schreib' es nieder! was in allen Stunden

Die Richtschnur sei, nach der es Sehnsucht hat,

Damit im Irrsal dieser Lebenstage

Mir Antwort werde auf des Lebens Frage:

Ob die geringere Gnade einstmals finden,

Die demutvoll sich nah'n mit tausend Sünden,

Als die, die stolz auf das was sie getan,

Im Überfluss der guten Werke nah'n?

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 109 / 231 题