AN TOMMASO CAVALIERI.

Was ich in deinem Antlitz sah, beschreibe

Mit Worten nimmer ich; doch was es kündet

Hob oft den Geist, den noch der Körper bindet,

Zu Gott empor aus diesem Erdenleibe.

Dien' ich dem Spott des Pöbels auch zur Scheibe,

Zeiht er der Regung mich, die er empfindet,

So hoff' ich doch, dass Treue fest gegründet,

Dass keusche Glut so wert wie einst dir bleibe!

Die ird'sche Schönheit, für den Blick des Weisen

Gleicht sie dem Liebesquell, dem wir entstammen;

Vom Himmel hat die Welt nicht andre Proben,

Nicht andre Früchte kann die Erde weisen;

Sind treu und keusch nur meiner Liebe Flammen,

Ist süss der Tod und frei mein Flug nach oben.

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 66 / 231 题