AN VITTORIA COLONNA.

Ach neben dir, die durch zu grosse Wonne

Das Leben mir entreisst,

Wie arm bin ich an Geist,

An Kraft und Kunst! Ja deinen Strahlensegen

Flieht, wie der Blick die Sonne,

Mein blöder Geist; die Flügel möcht' er regen

Weit über sein Vermögen;

Er übertrifft sich selbst, nur deiner kleinsten Spende

Auch wert zu sein; bald aber, ach zum Schaden,

Erlahmt sein Flug, und klar sieht er am Ende,

Nie kann der Dankesschuld er sich entladen,

Für so viel Gnaden!

Je mächt'ger lodern deiner Seele Flammen,

Je mehr sink' ich in toten Staub zusammen.

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 43 / 231 题